Shimano Komplettgruppe Rennrad Test: Ein umfassender Überblick

Als unangefochtener Marktführer bestimmte Shimano die technische Entwicklung von Rennrad-Komponenten über Jahrzehnte fast im Alleingang. Die Japaner brachten mit der Di2 die erste elektronische Schaltung auf den Markt. Die aktuelle, vierte Generation ist die erste mit Funkübertragung und unter den drei Wettbewerbern am längsten auf dem Markt, die Einführung war 2022. Das unübertroffene Schaltverhalten setzt im aktuellen Wettbewerb immer noch Maßstäbe, auch wenn die Unterschiede kleiner geworden sind. Weitere Stärke der Japaner: Eine effiziente und ausgefeilte Metallverarbeitung. Auch an der teuersten Ausführung findet sich wenig Carbon, das Gewicht der Dura-Ace ist trotzdem konkurrenzfähig.

Die effiziente Fertigungstechnik und identische Verschleißteile für Rennräder und Mountainbikes schlagen sich auch in den Preisen nieder: Gruppe und Ersatzteile sind 20 bis 30 Prozent günstiger als bei der Konkurrenz. Wer ein neues Rennrad kauft, muss neben dem Fahrrad selbst auch eine Schaltgruppe auswählen, die das gute Stück zieren darf. Und die Auswahl an verschiedenen Arten von Shimano Schaltgruppen für Rennräder ist riesig; die Shimano Tiagra-, Shimano 105- und Shimano Ultegra-Gruppe sind nur einige Beispiele. Aber wie gut sind all diese Shimano Schaltgruppen und was sind die Unterschiede zwischen den Shimano Gruppen? Zunächst ist es hilfreich zu wissen, welche Teile deines Rennrads eigentlich Teil einer Schaltgruppe sind.

Bestandteile einer Schaltgruppe

Das ist nicht so kompliziert. Dies sind natürlich in erster Linie die Schalthebel und deine Umwerfer. Alles, was zum Antrieb deines Rennrads gehört, ist in der Schaltgruppe enthalten. Und schlussendlich gehören auch deine Bremsen zur Gruppe. Aber überraschenderweise gehören Scheibenbremsen an Disc-Rennrädern nicht zur Gruppe selbst. Bei den Herstellern der Gruppen werden glücklicherweise die gleichen Namen ziemlich konsequent für die eigenen Schaltgruppen verwendet. Dieses BMC Bike mit der Shimano Dura Ace Di2 12-fach-Schaltgruppe ist eines der echten Top-Modelle.

Die verschiedenen Shimano Schaltgruppen im Überblick

  • Shimano Tourney: Eine ideale Schaltgruppe für die ersten Kilometer, ideal für sportliche Fahrten oder den Einsatz in der Stadt.
  • Shimano Claris: Die erste echte Schaltgruppe für Rennräder, sehr gut für Einsteiger geeignet, relativ preiswert, langlebig und gut schaltbar.
  • Shimano Sora: Die letzte der Einsteiger-Schaltgruppen, mit 9-Gang Dreifach- oder Zweifachschaltwerk, großer Schaltbereich.
  • Shimano Tiagra: Für die erfahreneren Rennradfahrer, größere Kassette mit bis zu 10 Kränzen, häufig auf den teureren Rennrädern des mittleren Segments.
  • Shimano 105: Die beliebteste Schaltgruppe von Shimano, 11 Kränze hinten und zwei Kettenblätter vorne, also insgesamt 22 Gänge, auch mit hydraulischen Scheibenbremsen erhältlich.
  • Shimano Ultegra: Eine echt professionelle Schaltgruppe für dein Rennrad, alles ist aus leichten und sehr langlebigen Materialien gefertigt, leise und praktisch reibungslos.
  • Shimano Dura Ace: Die beste Schaltgruppe von Shimano, wirklich das Beste vom Besten, optimiert, dass du wirklich jedes bisschen Kraft, das du in sie steckst, in Geschwindigkeit umwandelst.

Viele Leute denken, dass wirklich nur das allerbeste gut genug für sie ist. Wer jetzt mit der preiswertesten Gruppe von Shimano fährt, fährt sozusagen mit einer Qualität, die mit der der Profis vor 10 oder 15 Jahren vergleichbar ist. Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass du mit der billigsten Schaltgruppe keine Qualität erhältst. Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Qualität der verwendeten Materialien und dem Gewicht der Schaltgruppe.

Willst du dich bei Shimano Schaltkomponenten wirklich für das Beste vom Besten entscheiden? Dann solltest du die neuesten und fortschrittlichsten Ergänzungen der Shimano-Gruppen wählen: Die Shimano 12-fach Ultegra R8100 Di2 und die Shimano 12-fach Dura Ace R9200 Di2! Abgesehen davon, dass es sich bei diesen Schaltgruppen um 12-fach-Gruppen handelt und nicht, wie bei ihren Vorgängern, um 11-fach-Gruppen, wurden die Schaltgeschwindigkeit und die Qualität der Ultegra und Dura Ace Di2 12-fach erheblich verbessert. Daher bieten diese Gruppen ein unvergleichliches Schalterlebnis bei jeder Belastung.

Die Schaltung ist das Herzstück deines Rennrads. Sie bestimmt, wie effizient du deine Kraft aufs Pedal bringst, wie leicht du Anstiege bewältigst und wie präzise du schalten kannst. In diesem Artikel vergleichen wir die besten Rennrad Schaltgruppen von Shimano und SRAM. Eine Rennrad Schaltgruppe besteht aus mehreren Komponenten, die zusammenarbeiten, um die Kraftübertragung effizient und präzise zu gestalten.

Vergleich der Shimano Schaltgruppen

Egal ob von der gemütlichen Wochenendausfahrt oder den anspruchsvollsten Einsatz, von Shimano gibt es eine passende Gruppe für jeden Bedarf. Der Name gibt also die Information über die Qualitätsstufe der Gruppe. Die Nummer hinter dem Namen indexiert die Generation der Gruppe. Beispielsweise ist die 105 R7000 die neueste Iteration der 105er und ihr Vorgänger war die R5700.

Generelle Unterschiede zwischen den Schaltgruppen

Von Gruppe zu Gruppe werden hochwertigeren Materialien und genauere Fertigungstoleranzen verwendet. Das bedeutet, dass die hochwertigen Gruppen aufwändiger zu fertigen sind und die hochwertigen Materialien zusammen mit dem größeren Herstellungsaufwand einen höheren Preis, allerdings auch eine genauere Schaltperformance und geringeres Gewicht erzeugen. Beispielsweise wiegt eine 11-28 Zähne Kassette der Dura Ace Gruppe 193g und eine 105er Kassette mit gleicher Abstufung 284g. Dieser Gewichtsvorteil wird durch einen Carbon Ritzelträger und Titanritzel erzielt. Die 105er Kassette ist damit also knapp 50% schwerer als die Dura Ace Kassette, allerdings auch ca. 80% günstiger.

Detaillierte Betrachtung einzelner Gruppen

  • Tiagra R4700: Günstiger Preis mit guter Funktionalität, allerdings leichten Abstrichen in puncto Gangauswahl und Ergonomie. Seit der 4700er Serie ist die Tiagra auch mit hydraulischen Scheibenbremsen erhältlich.
  • 105 R7000: Fast identisch zur Ultegra was die Ergonomie und Übersetzungen angeht. Die Brems-Schaltgriffe gibt es sogar in einer kleineren Version für Fahrer*innen mit kleinen Händen.
  • Ultegra R8000: Hier kommen zum ersten mal in der Gruppenreihenfolge Leichtbaukomponenten und besonders hochwertige Materialien zum Einsatz. Das bedeutet zum einen Gewichtsersparnis und etwas genauere Schaltvorgänge sowie ein präziseres Schaltgefühl.
  • Dura Ace R9100: Carbon, Titan und ein unvergleichliches Finish. Die Dura Ace ist als Top Gruppe bis ins letzte Detail entwickelt und definitiv an die Rennfahrer und absoluten Enthusiasten gerichtet.
  • Di2 Ultegra 8100 und Dura Ace 9200: Mit dem 12. Ritzel, neuen Schaltungstechnologien und verbesserter Bremsperformance sitzen die Ultegra und Dura Ace Di2 Gruppen an der Spitze der Rennrad Gruppen von Shimano.

Shimano 105 Di2-Schaltgruppe im Dauertest

Shimanos 105 Di2 erfreut sich wachsender Beliebtheit im Segment der günstigen, elektronischen Schaltungen. In der Praxis sind die Unterschiede zu den darüber angesiedelten, höherpreisigen Elektro-Gruppen der Japaner tatsächlich kaum spürbar. Die Hebel liegen angenehm in der Hand, die Ergonomie ist identisch, ebenso die Größe der Schalttasten, die auch gut mit Winterhandschuhen zu bedienen sind.

Schalten mit der Shimano 105 Di2

Die Gänge wechseln knackig und präzise, auch wenn der 105 Di2-Umwerfer für den Kettenblattwechsel einen Wimpernschlag länger benötigt als die Pendants von Dura-Ace und Ultegra. Dennoch: Gegenüber mechanischen Antrieben sind die elektronischen Gangwechsel einer 105 Di2 eine Offenbarung - vor allem unter Vollast. Auch die Bremsen überzeugen: Sie verzögern mit geringer Handkraft, sehr gut dosierbar und auf Wunsch kraftvoll - quietschen bei Nässe allerdings gerne empört.

Unterschiede im Detail

Die STIs der 105 Di2 verzichten auf die zusätzlichen Schalttasten auf den Höckern der Hebel, mit denen man bei Dura-Ace und Ultegra schalten, aber auch den Radcomputer bedienen kann. Und die 105 setzt auf andere Materialien, was sich auch im Gewicht niederschlägt: mehr Alu und Stahl, weniger Carbon und Titan.

Größter Aufreger im Test: Nach 4500 Testkilometern quittierte der Umwerfer den Dienst - ein Defekt des Stellmotors. Vom Umwerferdefekt abgesehen, gefiel Shimanos 105 Di2 mit guter Haltbarkeit: Nach 6000 Testkilometern war beispielsweise die Kette noch nicht verschlissen.

Grundlagen der Rennrad-Schaltgruppen

Für all diejenigen, die mit dem Begriff Rennrad-Gruppe noch nichts anfangen können - eine Gruppe besteht aus den Bremsen und den Antrieb, der wiederum aus Kurbel, Kettenblättern, Kette, Kassette, Schaltwerk- und Umwerfer sowie Schalthebeln besteht. Sie stellt also ein abgeschlossenes System dar, welches das Fahrrad nach vorne bewegt und auch dank der Bremsen wieder zum Stehen bringt.

Wenn es an die Auswahl der passenden Gruppe bzw. Rennrad-Schaltung geht, gilt das grundsätzliche Prinzip je mehr du investiert, desto bessere Qualität bekommst du. Schaltgruppen in höheren Preisklassen sind effizienter, langlebiger und ermöglichen einen leichtgängigeren Schaltvorgang, alles bei einem geringeren Gewicht. Einsteigermodelle werden nämlich häufig aus Aluminium minderer Qualität gefertigt, was zwar eine solide Funktionalität ermöglicht, aber darüber hinaus eben nicht mit teureren Gruppen mithalten kann. Hier findet man erst hochwertigere Aluminiumlegierungen, bis man bei den Top-Varianten aus federleichtem Carbon und Titan ankommt.

Mechanische vs. Elektrische Gruppen

Die Komponentenhersteller haben alle eine breite Auswahl an Schaltgruppen im Angebot, sowohl mechanische als auch elektrische. Die drei großen im Rennradgeschäft, Shimano, SRAM und Campagnolo, haben jeweils eine eigene Technologie, mit der sie das elektronische Schalten ermöglichen. Während damals die großen Hersteller noch auf Signalübertragungen per Kabel setzten, um Schaltvorgänge mit einem Signal über die Hebel einzuleiten, hat SRAM mit dem eTap-System 2015 eine Weltneuheit vorgestellt, die komplett kabellos funktioniert.

Die Vorteile der elektronischen Schaltung liegen in einem präziseren Schaltvorgang, einer leichteren Bedienung der Schalthebel, hoher Benutzerfreundlichkeit, einer höheren Schaltgeschwindigkeit sowie hoher Funktionalität, z.B. durch programmierbaren Schaltungen sowie dem Download von Schaltvorgängen zur Auswertung des Schaltverhaltens. Die Nachteile im Vergleich zur mechanischen Variante liegen in der Notwendigkeit eines geladenen Akkus und einem höheren Anschaffungspreis.

Mechanische Schaltungen arbeiten mit Kabeln, welche die Schalthebel mit dem Schaltwerk und dem Umwerfer verbinden und am Rahmen entlang oder hindurch laufen. Indem man über die Hebel die Spannung der Kabelzüge verändert, wird der Schaltvorgang ausgelöst.

Einfach-, Zweifach- oder Dreifach-Kurbel?

Traditionell wird bei Rennrädern auf die Zweifach- oder Dreifach-Kurbel gesetzt. Aus dem MTB-Sport kann in den letzten Jahren auch die Einfach-Kurbel in den Rennrad-Bereich und wird hauptsächlich bei Cyclocross-Rädern eingesetzt. Eine Einfach-Kurbel minimiert natürlich die Fehleranfälligkeit der Kurbel, da kein Umwerfer nötig ist. Die meisten Rennräder nutzen allerdings eine Zweifach-Kurbel, die Dreifach-Kurbel findet man hauptsächlich bei Einsteiger- und Freizeit-Rädern.

Zweifach-Kurbeln lassen sich in Compact-Kurbeln, Mid-Compact (oder Pro-Compact)-Kurbeln und Standard-Kurbeln einteilen. Letztere hat beim großen Kettenblatt 53 Zähne und beim kleinen 39 Zähne und wird häufig von den Profis eingesetzt. Die Compact-Variante setzt auf 50 Zähne beim großen Kettenblatt und 34 beim kleinen, was für angenehmere Übersetzungen vor allem bei Anstiegen sorgt. Die neueste Option Mid-Compact liegt dazwischen mit 52 Zähnen / 36 Zähnen.

Die Kettenblätter vorne sind die Grundlage für die Übersetzungsbandbreite, die dann von der Kassette hinten komplettiert wird. Die Kassette besteht aus mehreren Ritzeln, aktuell meist 11, was bei einer Zweifach-Kurbel 22 Gänge ergibt. Einsteiger-Gruppen nutzen auch 8-10-fach Kassetten.

Der richtige Kurbelradius

Der Kurbelradius oder die Kurbellänge richtet sich nach der Rahmengröße des Rennrads und der Größe des Fahrers. Die meisten Schaltgruppen haben einen Kurbelradius zwischen 165mm und 180mm, häufig entweder 170mm oder 175mm.

Shimano Schaltgruppen im Detail

Der Marktführer im Bereich der Rennrad-Gruppen ist Shimano. Die japanische Komponentenschmiede hat das größte Sortiment und wird auch von den meisten Profi-Teams der WorldTour eingesetzt. Mit der Entwicklung der STI-Schalthebel revolutionierte Shimano Anfang der 90er Jahre die Rennrad-Schaltung mit der kompakten Kombination aus Bremshebel und Schalthebel, sodass man mit nur einer Hand sowohl Schalten als auch Bremsen konnte, was bis dato mit der gängigen Unterrohrschaltung nicht möglich war.

Neben der Innovationsfreude ist auch die Kompatibilität der einzelnen Gruppen untereinander ein Aushängeschild von Shimano. Die meisten Schaltgruppen können untereinander kombiniert werden, solang sie über die gleiche Ganganzahl verfügen.

Einzelne Shimano Gruppen

  • Claris: Die Shimano Claris ist die Einsteiger-Gruppe des Herstellers und eignet sich vor allem für Rennrad-Einsteiger und Freizeitfahrer.
  • Sora: Die Sora ist in Sachen Funktion und Qualität vergleichbar mit der Claris, kann aber mit seiner 9-fach Kassette einen Extra-Gang verbuchen.
  • Tiagra: Mit der Shimano Tiagra sind wir im echten Rennrad-Geschäft unterwegs. Die Schaltung mit 10-fach Kassette ist dank seiner verbesserten Performance und Widerstandsfähigkeit an vielen Rennrädern und sogenannten All-Road-Bikes zu finden.
  • 105: Die Shimano 105 ist für viele die erste wirklich brauchbare Rennrad-Schaltung, wenn es an die Wettbewerbsfähigkeit geht. Sie ist höchstsolide, zuverlässig und hat zahlreiche innovative Features von teureren Gruppen wie der Ultegra und der Dura-Ace geerbt.
  • 105 Di2: Wem die elektronischen Schaltgruppen bisher zu teuer waren, dem macht Shimano mit ihrem Di2 Debüt im Mittelklassenbereich bei der 105 Schaltung eine große Freude.
  • Ultegra: Die Ultegra ist für ambitionierte Hobbysportler und in der Funktionalität identisch mit dem Top-Model Dura-Ace.
  • Ultegra Di2: Die elektrische Schaltung der Ultegra trägt Shimano-typisch Di2 am Ende und nutzt statt der Spannung der Kabel motorgestützte Signale zum Gangwechsel.
  • Dura-Ace: Die Dura-Ace Schaltung ist die Referenzklasse von Shimano. Ein Materialmix aus Carbon, Titan und hochwertigem Aluminium sorgt für höchste Zuverlässigkeit, die präzise Fertigung nach höchsten Standards für ein unvergleichliches Schaltgefühl.
  • Dura-Ace Di2: Die neueste Dura-Ace Generation hat auch einige Updates für die Di2-Variante parat. Highlight ist definitiv die kabellose Kommunikation wie bei der SRAM eTap via ANT+ und Bluetooth.

Shimano 105: Wie ein Uhrwerk

Zuverlässige Technik, einwandfreies Schaltverhalten, Top-Ergonomie: Mit der 105-Gruppe bietet Shimano eine preiswerte Alternative zu teurer Elektronik. Eine durchsichtige Mechanik hat bestechende Vorteile. Sie ist unabhängig von Akkus oder Batterien und man kann sehen und fühlen, was passiert. Wenn doch etwas hakt, lässt sich meist leicht erkennen, woran es liegt. Kein Wunder also, dass die rein mechanisch betätigte Kettenschaltung am Rennrad auch im Zeitalter elektronisch angetriebener Schaltwerke und Umwerfer noch eine Menge Fans hat.

Knackpunkt Zugführung

Neu an der Gruppe sind genau genommen nur wenige Teile: Schalthebel, Schaltwerk und Umwerfer. Antrieb und Bremsen entsprechen der 2022 vorgestellten 105 Di2, die als elektronisch betätigter Zwilling im Shimano-Portfolio bleibt. Dennoch waren wir auf das Update aus mehreren Gründen besonders gespannt: Zum einen ist es Tradition, dass Shimano technische Verbesserungen zunächst in den teuersten Gruppen einführt und später an die günstigeren weiterreicht. Da die teureren Ultegra- und Dura-Ace-Schaltungen aber schon seit spätestens 2017 nur noch als elektronische Varianten entwickelt wurden, gibt es im Grunde kein “Vorbild”, und es wird zur spannenden Frage, ob Shimano der Mechanik überhaupt noch Verbesserungen entlocken kann.

Ergonomie der Shimano 105

Eine erste positive Überraschung erleben wir aber schon, ohne einen Meter gefahren zu sein: In Sachen Ergonomie sind die neuen Hebel der 105 der Konkurrenz weit überlegen. Die Hände finden eine üppige Auflagefläche auf den Griffgummis; gleichzeitig sind die Griffkörper schlank genug, damit auch kleine Hände sie gut umgreifen können.

Schnelle und präzise Gangwechsel

Auch von den Testfahrten können wir überwiegend Gutes berichten. Mit den zur Seite leicht ausgestellten Hebeln können auch mehrere Gänge gleichzeitig gewechselt werden, ohne sich groß die Hände zu verrenken. Vor allem das Schaltverhalten des vorderen Umwerfers finden wir im positiven Sinne bemerkenswert: Beim Wechsel aufs große Kettenblatt muss zunächst ein angenehm definierter Widerstand überwunden werden - danach geht alles rasend schnell und die Kette rastet in Sekundenbruchteilen sauber auf dem benachbarten Blatt ein. Es fühlt sich an wie das Umlegen eines hochwertigen Schalters - bis auf ein vernehmbares “Klick” fast lautlos, ohne Schleifen, ohne Klemmen, egal, wie viel Druck auf dem Pedal lastet.

Shimano 105: Reibung

Die angesprochene Leitungsintegration scheint für die mechanische Shimano 105 indes kein Problem darzustellen. An unseren Testrädern sind, wenn überhaupt, nur marginale Unterschiede im Schaltverhalten auszumachen. Die Bedienkräfte sind bei allen niedrig und auch die sensible Schaltung hinten arbeitet über alle zwölf Ritzel präzise und ohne Verzögerungen.

Shimano 105: Starke Leistung, hohes Gewicht

Die Gruppe bringt ansonsten alle Stärken und Schwächen mit, die auch für die Di2-Variante gelten. Kräftige und sehr gut dosierbare Scheibenbremsen sowie ein gutes Verschleißverhalten verbucht sie auf der Habenseite. Die Kette ist von der Mountainbike-Gruppe SLX entliehen und als haltbar und preiswert bekannt, ebenso wie die große 11-36-Kassette. Ankreiden könnte man ihr das vergleichsweise hohe Gewicht, denn gegenüber der Vorgängerin sind fast alle Teile ein wenig schwerer geworden.

Weitere Schaltgruppen im Vergleich

Neben Shimano gibt es auch andere Hersteller von Schaltgruppen, wie SRAM und Campagnolo. SRAM ist bekannt für besonders leichte Komponenten und Schaltungen. Ein weiteres Highlight des US-Unternehmens ist YAW-Technologie, mit deren Hilfe der Umwerfer bei jedem Gangwechsel seine Position in einem Bogen verändert und so stets in einem konstanten Winkel zur Kette steht, was für einen direkteren und präziseren Schaltvorgang sorgt. Für seine Schalthebel nutzt SRAM die Double Tap Technologie - ein Schalthebel, mit dem man sowohl hoch als auch runter schaltet.

Campagnolo hat eine lange Tradition im Rennradsport und ist bekannt für seine Ergonomie und sein Design. Die italienische Firma bietet sowohl mechanische als auch elektronische Schaltgruppen an.

Test verschiedener Schaltgruppen

In einem Test verschiedener Schaltgruppen wurden folgende Aspekte berücksichtigt:

  • Funktion
  • Haptik
  • Ergonomie
  • Bremsleistung
  • Gewicht
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Das Fazit des Tests war, dass die mechanische Ultegra-Gruppe eine Top-Funktion und Qualität bietet und beim Preis-Leistungs-Verhältnis vorne liegt. Die Sram Red 22 war klar die leichteste Gruppe im Test. Bei den Umwerfen zeigte die neue Sram-YAW-Technik, was sie kann.

Vor- und Nachteile der Shimano Dura-Ace Schaltung

  • Plus: ruhiger Lauf, perfektes Schaltverhalten, relativ preiswerte Verschleißteile
  • Minus: geringe Auswahl an Kassetten

Während es bei anderen Getrieben vor allem beim Schalten auf kleinere Ritzel immer mal kracht, wechselt Shimanos Top-Gruppe die Gänge etwas leiser. Geheimnis sind über Jahrzehnte verfeinerte, perfekt aufeinander abgestimmte Ritzel und Ketten. Auch der vordere Umwerfer arbeitet beeindruckend schnell und präzise in allen Situationen - besser geht es derzeit nicht. Die Schaltung lässt sich simpel und intuitiv einstellen. Die Montage bekommt man ohne Weiteres auch ohne Anleitung hin, die Feineinstellung des Schaltwerks mit der Shimano-App ist ein Kinderspiel.

  • Plus: geschmeidige Schaltvorgänge, simple Einstellung
  • Minus: Akku nicht entnehmbar, teures Powermeter-Upgrade

Bedienung und Ergonomie der Shimano Dura-Ace Schaltung

Die Anordnung der Schaltknöpfe hinter den Bremshebeln geht auf Shimanos Schaltlogik der mechanischen Systeme zurück: Der vordere Knopf wechselt auf ein größeres Ritzel oder Kettenblatt, der hintere auf ein kleineres. Wer die mechanischen Shimano-Hebel noch gewohnt ist, kommt damit schnell zurecht. Alternativ lassen sich die Tasten umprogrammieren oder eine Automatik einstellen. Die beiden Schalttasten sind klarer voneinander abgegrenzt und auch mit Handschuhen eindeutig zu fühlen.

  • Plus: bequeme Griffe, gut unterscheidbare Schalttasten, Zusatzknöpfe am Griffhöcker
  • Minus: -

Dura-Ace Scheibenbremsen

Die Shimano-Disc spricht sensibel an und lässt sich gut dosieren. Bei leichten Bremsungen benötigt sie etwas mehr Handkraft als Campagnolo und SRAM. Doch im Ernstfall steht auch bei der Dura-Ace (und der etwas günstigeren Ultegra) viel Bremskraft zur Verfügung, weil ein integrierter Bremskraftverstärker mit zunehmendem Hebelweg immer mehr Bremsleistung herausholt.

  • Plus: sensibles Ansprechverhalten, viel Bremskraft bei starken Bremsungen
  • Minus: empfindliche Scheiben, Quietschen bei Nässe

App & Zusatzfunktionen

Die Shimano-App zeigt sich nutzerfreundlich und bietet viel: Die Schaltung ist schnell gekoppelt, per Smartphone lassen sich dann die Schaltung einstellen, Knöpfe neu belegen oder Schaltautomatiken festlegen. Zusatzknöpfe auf dem Höcker der Schaltgriffe können mit Funktionen belegt werden, zum Beispiel für die Bedienung von Garmin- oder Wahoo-Computern. Im Detail ist die Menüführung etwas umständlich, bietet aber mehr Individualisierungsoptionen als die Konkurrenz.

Zusammenfassung

Bis auf Tiagra sind die aktuellen Rennrad Schaltgruppen alle mit zweifach Kurbeln und 11-fach Kassetten ausgestattet. Die großen Unterschiede liegen in der Verarbeitungsqualität, den Fertigungstoleranzen und verwendeten Materialien. Preiswerter als mit der mechanischen 105 lässt sich ein Rennrad mit diesem funktionalen Niveau nicht aufbauen.

Schaltgruppe/Modell Ganganzahl Typ Einsatzbereich Besonderheiten
Claris 8-fach Mechanisch Einsteigerklasse Robust, einfach zu bedienen, kostengünstig.
Sora 9-fach Mechanisch Freizeit und Fitness Ideal für längere Touren. Einsteigerklasse, erschwinglich, zuverlässig, für Freizeitfahrer.
Tiagra 10-fach Mechanisch Tourenfahrer und Training Präzisere Schaltvorgänge. Mittelklasse, robust, ideal für Training und Touren.
105 11- oder 12-fach Mechanisch/Elektronisch Mittelklasse Mechanisch oder Di2 (12-fach), vielseitig, präzise, ideal für Hobbyfahrer.
Ultegra 12-fach Mechanisch/Elektronisch Fortgeschrittene und Rennen Leicht, präzise, mechanisch oder Di2 verfügbar.

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