Die Kurbel stellt mit den Pedalen die Verbindung zwischen Bike und Fahrer her und ist daher ein äußerst sicherheitsrelevantes Teil. Daher muss die Montage sehr genau und sorgfältig passieren.
Warum eine sorgfältige Kurbelmontage wichtig ist
Die Kurbel gehört zu den Teilen am Mountainbike, die einer hohen Belastung ausgesetzt sind. Ständige Bewegung, enorme Krafteinflüsse durch Sprünge oder Drops und der Druck beim Pedalieren sind Einflüsse, die nur dauerhaft ohne Schäden vertragen werden, wenn alles ordnungsgemäß verbaut wurde. Eine regelmäßige Wartung und Kontrolle gehören ebenfalls zu den nötigen Arbeiten, die einen fehlerfreien Betrieb ermöglichen. Dazu ist es wichtig zu wissen, wie die Kurbel am Fahrrad verbaut wird und welche Drehmomente an den Schrauben anliegen müssen. Natürlich erfahrt ihr, was sonst noch zu beachten ist.
Werkzeug und Vorbereitung
Um eine Kurbel einbauen oder später ausbauen zu können, ist aufgrund der wenigen Schrauben nur Standard-Werkzeug nötig. Daher zeigen wir euch in dieser Anleitung, wie ihr eine Kurbel einbauen müsst und geben weitere Tipps zur Installation.
Um die Kurbel einbauen zu können, sollte der Rahmen oder das Bike in einem stabilen Montageständer eingespannt werden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Kurbelmontage (Beispiel: Shimano FC-M8000)
Die folgenden Schritte zeigen die Montage der FC-M8000-Kurbel von Shimano.
- Schritt 1: Um die Kurbel einbauen zu können, sollte der Rahmen oder das Bike in einem stabilen Montageständer eingespannt werden.
- Schritt 3: Nun muss die Kurbel auf der Antriebsseite vorsichtig in das Tretlager eingeführt und bis zur gegenüberliegenden Seite durchgeführt werden.
- Schritt 4: Als nächsten ist der linke Kurbelarm auf die Achse zu stecken. Hierbei sollte auf einen sauberen Sitz und die genaue Ausrichtung zur Gegenseite geachtet werden.
- Schritt 5: Mit dem passenden Werkzeug wird die Kurbelschraube eingedreht, die den linken Kurbelarm nun an das Tretlager presst.
- Schritt 6: Die bereits vormontierte Sicherungsplatte muss in den Zwischenraum gedrückt werden.
- Schritt 7: Bei diesem Abschließenden Schritt müssen die beiden Klemmschrauben am linken Kurbelarm abwechseln festgezogen werden.
Der vordere Teil des Antriebs ist nun verbaut. Nun müssen noch Schaltwerk und Kassette an den jeweiligen Positionen befestigt werden.
Drehmomente und Materialien
Das ist ein schwieriges Thema. Man findet zwar in den jeweiligen Händlermontageanleitungen bei Shimano immer auch die Drehmomente, aber man kann sich das geeignete Drehmoment auch in Tabellen suchen, wenn man weiss, was man dort zusammen schraubt.
Die FC-T8000 hat Kettenblattschrauben aus Stahl (vermutlich V2A) die in Aluminium (wahrscheinlich 6061) geschraubt werden. Die Gewindegröße ist M8. Gemäß der Normtabelle gilt je nach Festigkeitsklasse der verwendeten Schraube ein unterschiedlicher Wert für das zulässige Anzugsdrehmoment.
Für M8 liegen die bei:
- Festigkeitsklasse 5.6 = 11,69Nm
- Festigkeitsklasse 6.8 = 18,70Nm
- Festigkeitsklasse 8.8 = 24,93Nm
Nun ist aber das Material der Gewinde wichtig und entscheidend ist der niedrigere Wert.
Für Stahlschrauben einfacher Güte und Titan gilt 8.8, für Edelstahl gilt 6.8 und für Aluminium gilt 5.6. Dabei ist sowohl das Gewinde im Material als auch das der Schraube zu berücksichtigen. Für eine Schraube aus Edelstahl in Aluminium gilt also Klasse 5.6 und damit 11,69Nm.
Schmierung und Anzugsmoment
Bei Verwendung von Keramikpaste oder Fett (Keramikpaste sollte es bei Alu sein), vermindert sich der Reibwert im Gewinde. Bei gleichem Anzugsmoment wirkt mit Schmierung also mehr Kraft auf das Gewinde. Mit Schmierung sollte man daher 10% vom gewünschten Anzugsmoment abziehen.
Das bedeutet für die Kettenblattschraube mit Schmierung also "rund" 10Nm.
So kann man sich das für die meisten Verschraubungen ableiten. Zumindest bei Komponenten aus Metall. Für Komponenten aus Kunstharz gelten abweichende Werte, die stehen aber in der Regel dran.
Pedalmontage
Für das Pedal gilt das ähnlich. Das Gewinde ist Zöllig 9/16. Das misst 14,28mm. Wenn man das nach Din-Tabelle als M14 einstuft, würde das bei Alukurbel 65Nm Anzugsmoment erlauben.
Wenn hier Shimano 30Nm angibt, ist das also deutlich weniger als das Gewinde könnte. Aber das ist auch gut so, denn die Gewinde in Fahrtrichtung ziehen sich während der Fahrt weiter fest. Etwas Reserve ist also gut. Das bedeutet aber auch, das man hier nicht so päpstlich hohe Anzugsmomente braucht. Wenn man mit Handkraft nur 15-20Nm aufbringt, genügt das vollkommen.
Montagepaste und Schraubensicherung
Habe bisher immer die Kontaktflächen zwischen zwei unterschiedlichen Metallen, also zB die Auflageflächen, wo das Stahlkettenblatt auf dem Alu-Kurbelarm aufliegt, mit Carbon-Montagepaste versehen, um Kontaktkorrosion vorzubeugen und den Halt zu verbessern. War es das, was du mit der Keramikpaste meintest?
Für das Gewinde der Kettenblattschrauben ist mir Schraubensicherungslack lieber als Fett... ist auch bei nem großen Teil der Kettenblattschrauben bereits auf dem Gewinde.
Die Kettenblattschrauben, die bei der Kurbel beiliegen werde ich nicht verwenden, da für ein einzelnes Kettenblatt zu lang, und ich ungern mit den Alu-Distanzhülsen von Rohloff arbeite um das auszugleichen. Daher würde ich meine kürzeren V2A Kettenblattschrauben nehmen, die ich noch habe. Auf deren Feingewinde ist allerdings noch Schraubensicherungslack angebracht, den ich eigentlich erneuern wollte, den ich aber weder mit Bremsenreiniger noch mit Waschbenzin wegbekomme.
Bzgl. Pedalmontage bin ich absolut bei Dir... lieber etwas weniger und den Rest die Fahrt erledigen lassen.
Keramikpaste vs. Montagepaste
Ich habe bewusst von Keramikpaste geschrieben, weil der Begriff "Montagepaste" als Gattungsbezeichnung sehr verschiedene Mittel vereint.
Als "Montagepaste" bezeichnet man ein Langzeittrennmittel mit Feststoffbestandteilen zur Schmierung. Diese sind zudem Hochtemperaturfest, so das sie zum Beispiel an Teilen einer KFZ-Bremsanlage verwendet werden können. Die gängigsten Montagepasten sind Kupferpaste und Keramikpaste. Für Aluminiumteile ist Kupferpaste nicht geeignet, sie wird daher nur für Stahl genutzt. Keramikpaste ist hingegen für alle Materialien geeignet, so das Kupferpaste kaum noch verwendet wird.
Unter der Bezeichnung Keramikpaste findet man das Mittel vor allem im KFZ-Zubehörhandel, meist in Sprühdosen. Im Fahrradhandel nennt man das Mittel schlicht "Montagepaste" oder etwas eindeutiger mit der englischen Bezeichnung "Anti-Seize" (zu Deutsch "Anti-Klemmen").
Was dann aber im Fahrradhandel als "Carbon-Montagepaste" verkauft wird, ist zumindest teilweise etwas völlig anderes. Im Englischen als "Gripping-Paste" bezeichnet, ist es kein Schmiermittel sondern das komplette Gegenteil, eine reibungserhöhende Paste. Diese basiert oft auf Keramikpaste oder einem Syntetikfett, aber enthält ein festes Granulat (ähnlich wie Quarzsand) das dafür sorgt, das Flächen unter Anpressdruck stärker aneinander reiben.
So etwas nimmt man für Sattelstützen oder Vorbauten, keinesfalls aber für Gewinde.
Zusätzliche Tipps und Informationen
Viele Reparaturarbeiten oder auch der Austausch einzelner Komponenten am Fahrrad können mit ein wenig technischem Geschick von den meisten Radlern selbst durchgeführt werden. Auch bei den gelegentlich nötigen Säuberungsarbeiten kann von Zeit zu Zeit eine Demontage erforderlich werden.
Zunächst müssen Sie die zwei kleinen an der Kurbel befindlichen Schrauben lösen. Im folgenden Schritt wird die Kurbelkappe an der linken Kurbel gelöst. Hierfür verwenden Sie das Shimano Spezialwerkzeug TL-FC 16. Nun können Sie die Kurbel von der Welle nehmen. Im Anschluss ziehen Sie die rechte Kurbel mit den Kettenblättern aus der Lagerung.
Jetzt ist der Weg zu den Lagerschalen frei. Zum Lösen verwenden Sie das Shimano Werkzeug TL-FC 32, es wird auf der rechten Seite im Uhrzeigersinn, auf der linken Seite entgegen dem Uhrzeigersinn verwendet. Wenn dieser Schritt Probleme bereitet, könnte es sein, dass sich Schmutz und Rost mit der Zeit angelagert haben. In diesem Fall sprühen Sie das Lagergehäuse am besten mit einem Rostlöser, zum Beispiel WD40 ein und lassen diesen ca. 24 Stunden einwirken.
Es empfiehlt sich eine gründliche Reinigung der Komponenten vorzunehmen. Allein schon durch die Nähe zum Untergrund können sich am Innenlager, im Gewinde und an der Welle einige Schmutzpartikel ablagern und es kann zu Korrosion kommen.
Vor der Montage sollten das Gewinde des Innenlagers sowie die Lagerschalen mit Fett versehen werden, um einem Festwerden im Gewinde entgegen zu wirken. Die Lagerschalen sind mit dem Hinweis „rechts“ beziehungsweise „links“ versehen. Die rechte Lagerschale ist aber auch an dem längeren Gewinde zu erkennen.
Die Anzahl der einzubauenden Spacer ist abhängig von der verwendeten Kurbel und der Gehäusebreite. Beachten Sie hierfür die Herstellerangaben Ihres jeweiligen Produktes. Für gewöhnlich befindet sich auf der rechten Seite ein Spacer mehr als auf der linken Seite. Bei einer Gehäusebreite von 68 mm werden zumeist 2 Spacer rechts und ein Spacer links verwendet, bei einer Breite von 73 mm oftmals 1 Spacer rechts und kein Spacer links.
Als erstes muss nun die Kunstoffbuchse in die rechte Lagerschale eingesetzt werden. Dann werden, falls erforderlich, die Spacer auf die Lagerschale geschoben und das Lager per Hand eingeschraubt (links: im Uhrzeigersinn, rechts: entgegen dem Uhrzeigensinn). Sind beide Schalen eingesetzt, müssen diese mit dem Shimano Werkzeug festgezogen werden. Das Drehmoment richtet sich nach den jeweiligen Herstellerangaben, liegt aber zumeist bei ca. 35 bis 50 Nm.
Zum Einsetzen der Kurbel muss die Fahrradkette auf das Kurbelgehäuse aufgelegt und die Welle durch die Lagerschalen geschoben werden. Nun kann die linke Kurbel auf die Welle gesteckt werden. Mit der Kurbelkappe wird das Lagerspiel eingestellt.
Zunächst wird diese auf der linken Seite mit der Hand locker eingeschraubt und im Anschluss mit dem TL-FC 16 Werkzeug von Shimano leicht angezogen (ungefähr eine halbe Umdrehung). Während dieses Vorgangs „wandern“ die Kurbeln sich nun die verbleibenden Millimeter entgegen. Im letzten Schritt werden die beiden kleinen Schrauben, die zu Beginn der Demontage gelöst wurden, abwechselnd stückchenweise wieder festgezogen.
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Ultimativer Biker Klamotten Damen Test: Top Modelle, Expertenberatung & unschlagbarer Vergleich!
- E-Motocross: Die Zukunft des Motorsports?
Kommentar schreiben