Shimano Mini V-Bremse Test: Maximale Bremsleistung und Kompatibilität

V-Brake war ursprünglich der Markenname innovativer Cantilever-Felgenbremsen, die Shimano 1996 auf den Markt brachte. Nun werden V-Brakes als eigene Unterart betrachtet und es werden auch V-Brakes von anderen Herstellern verkauft (wenngleich sich Sram zu stolz fühlt, um diesen Namen für ihre „Single Digit“-Felgenbremsen zu verwenden). Klassische Cantilever-Bremsen hingegen gelten nun als Seltenheit, die als „Retro“-Bremsen vermarktet werden.

Warum V-Brakes?

V-Brakes sorgen dank der besseren Technik für eine immens erhöhte Bremskraft, doch sie werden genauso befestigt wie Cantilever-Bremsen. Dank einer Fülle an preiswerten Modellen ist die Aufrüstung von Canti zu V-Brake also sehr attraktiv. Was man zur V-Brake wissen sollte, mit Produkttabellen und mehr, hier bei uns im V-Brake Test.

Kompatibilität - Vorsicht vor dem Kauf

Fahrradteile sind selten standardisiert, nicht jeder Bremsgriff passt an jeden Lenker. Nicht jeder Lenker an jeden Vorbau. Deshalb unsere Tipps zu V-Brakes - darauf musst Du achten:

  • V-Brakes benötigen ein Paar Canti-Sockel am Rahmen bzw. an der Gabel
  • Der Bremshebel muss für V-Brakes ausgerichtet sein. Bremshebel für Rennradbremsen sind inkompatibel, da sich der Druckpunkt von V-Brakes und anderen Bremsen unterscheidet.
  • Mini V-Brakes hingegen benötigen einen Bremshebel für Rennradbremsen.
  • Neue Bremsbeläge müssen zu V-Brakes passen.

Für wen eignet sich die V-Brake?

Immer mehr Radfahrer steigen gleich zur Scheibenbremse um, die ein ganz anderes System als die Felgenbremse darstellt. In der Tat bringt die Scheibenbremse einige Vorteile mit sich und es hat ganz den Anschein, als ob die Scheibenbremse immer beliebter wird. Doch alte Fahrräder sind gänzlich inkompatibel mit der Scheibenbremse. Denn zur Befestigung von Scheibenbremsen benötigt man spezielle Aufnahmen am Rahmen, an der Gabel und an den Laufradnaben.

Und schließlich kann man mit V-Brakes und anderen Felgenbremsen auch prima bremsen - zumindest, wenn man Qualitätsbremsen montiert hat und die Bremsen nicht völlig vernachlässigt. Im Gegensatz zu den Seitenzugbremsen von Rennrädern haben V-Brakes den Vorteil, dass sie (so wie Scheibenbremsen auch) mit dickeren Reifen benutzt werden können. Somit stellen V-Brakes einen Kompromiss dar für Rennradfahrer, die dickere Reifen fahren möchten, ohne auf Scheibenbremsen umzusteigen. Andererseits besitzen Rennrad-Rahmen selten die nötigen Aufnahmen für V-Brakes. Bei Cyclocross-Bikes findet man schon öfter V-Brakes, da es sich hier um eine Zwischenstufe von Rennrädern und Trekkingrädern handelt.

→ V-Brakes erfüllen als einfache und effektive Bremse verschiedene Nischen. Sie eignen sich für ältere Fahrräder und Rennräder mit dickeren Reifen.

V-Brake Kompatibilität

Am Rahmen bzw. an der Gabel müssen Canti-Sockel sein, die man auch für Cantilever-Bremsen benötigt. Im Prinzip passt jeder Felgenbremshebel zur V-Brake. Doch die V-Brakes bedingen wegen ihrer Konstruktion Bremshebel mit höherem Seilholweg. Die Bremsschenkel der V-Brake sind nämlich größer als andere Felgenbremsen, weshalb sie weiter bewegt werden müssen, damit die Bremsschuhe die Felge berühren. Andererseits üben Cantilever-Bremshebel zu viel Kraft auf den Bremszug aus, wodurch die V-Brakes blockieren können. (Mehr dazu in unserem Bremshebel-Ratgeber)

Kurz gesagt: Wenn man einen Bremshebel benutzt, der für klassische Cantilever-Bremsen oder Seitenzugbremsen gedacht ist, können immense Probleme bei der Steuerung der neuen V-Brakes entstehen. Deswegen ist es absolut ratsam, dass man einen speziellen V-Brake-Bremshebel benutzt!

Wer sich eine hydraulische Bremse wünscht, wird mit V-Brakes leider nicht sehr weit kommen. Denn es gibt zwar in der Tat hydraulische Felgenbremsen - aber nicht in der Kombination mit V-Brakes.

Mini V-Brake

Leider sind V-Brake-Bremshebel für Rennradlenker extrem selten. Wenn man am Renn- oder Cyclocrossrad V-Brakes haben möchte, nutzt man daher in den allermeisten Fällen Mini V-Brakes. Diese Bremsen haben das gleiche Funktionsprinzip wie gewöhnliche V-Brakes, doch die Bremsschenkel sind deutlich kürzer. Deswegen sind Mini V-Brakes kompatibel mit klassischen Rennrad- und Cantilever-Bremshebeln.

Mini V-Brakes eignen sich auch für Radfahrer, die von Cantilever-Bremsen zu V-Brakes aufrüsten wollen, ohne die Bremshebel austauschen zu müssen.

Was ist besser: V-Brake oder Scheibenbremse? Diese Frage haben wir in ähnlicher Form an anderer Stelle beantwortet: Was ist besser: Felgenbremse oder Scheibenbremse?

Lösungen für das Problem der Inkompatibilität

V-Brake-Bremsen haben einige Vorteile gegenüber den älteren, klassischen Fahrradbremsen (Cantilever-Bremsen, Seitenzugbremsen), die sie zu den allgemeinen Favoriten unter den Felgenbremsen machen. Die meisten neuen Fahrräder kommen mit V-Brakes (wenn nicht mit Scheibenbremsen). V-Brakes sind einfach, haben die höchste Kompatiblität (passen zu fast allen Fahrrädern), funktionieren sehr effizient und man findet überall auf der Welt passende Ersatzteile dazu.

Es gibt eigentlich nur eine große Lücke, was die Kompatibilität angeht: V-Brakes dürfen nicht mit Rennradbremsenhebeln (oder anderen klassischen Fahrradbremsenhebeln) verwendet werden. Das liegt daran, dass die Bremsschenkel von V-Brakes größer sind als bei klassischen Fahrradbremsen, wodurch auch der Seilholweg der Bremshebeln größer sein muss (→ sehr viel mehr zu diesem Problem erfährst Du in unserem Beitrag zu Bremshebeln: Bremshebel-Ratgeber). Das ist vor allem problematisch, da Bremshebel für Rennradlenker in aller Regel für klassische Fahrradbremsen gedacht sind (mit kurzem Seilholweg).

Etliche Fahrradfahrer standen schon vor diesem Problem - egal, ob man das Fahrrad gerade ganz neu aufbaut, oder weil man auf Rennradlenker umgestiegen ist, oder die alten Canti-Bremsen mit V-Brakes ersetzt hat. Zum Glück gibt es mittlerweile mehrere Lösungen für genau dieses Problem - wir stellen sie nacheinander vor.

1. Lösung: Mini V-Brakes

Zuerst die einfachste Lösung, die auch am öftesten genannt wird. Anstelle von normalen V-Brakes besorgt man sich sogenannte „Mini V-Brakes“, welche die gleiche Bauart aufweisen wie V-Brakes - nur eben mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Bremsschenkel deutlich kleiner ist. Damit passen Mini V-Brakes zu klassischen Bremshebeln mit kurzem Seilholweg. Mini V-Brakes sind gerade dazu gemacht, um an Fahrrädern mit Rennradbremsenhebeln verbaut zu werden, und vor allem da werden sie auch verwendet (v.a. Cyclocross- und Gravel-Bikes).

Mini V-Brakes haben nur den Nachteil, dass sie nicht mit sehr dicken Reifen benutzt werden können. Trotzdem sind Mini V-Brakes deutlich kompatibler als Seitenzugbremsen - ein Standardreifen mit bis zu 45mm Breite wird auf jeden Fall passen, teilweise passen sogar noch dickere Reifen (abhängig vom jeweiligen Modell).

2. Lösung: V-Brake-konforme Rennradbremsenhebel

Du hast schon V-Brakes am Fahrrad verbaut und möchtest dich nur ungerne von ihnen trennen? Kein Problem, dann lassen wir die V-Brakes, wie sie sind, und schauen uns die Bremshebel an. Denn was nur wenige Leute wissen, ist, dass es auch einzelne Rennradhebel gibt, die mit V-Brakes kompatibel sind. Das sind keine Produktionsfehler - die Hersteller haben jene Rennradhebel speziell für die Ausnahmefälle hergestellt, bei denen V-Brakes mit Rennradhebeln benutzt werden müssen.

Wir empfehlen die Tektro RL520 Hebel, die für eben jene Ausnahmefälle gemacht wurden und genau das leisten, was sie sollen - damit haben schon sehr viele Fahrradbastler die Mischung von V-Brakes und Rennradlenker bewerkstelligt, und das auf unkomplizierte, einfache Weise.

3. Lösung: Umlenkrolle (Adapterrolle)

Vielleicht hast Du aber bereits ein halbes Vermögen für gute Rennradhebel ausgegeben und Du möchtest daher weder andere V-Brakes noch andere Rennradhebel kaufen. Auch in diesem Fall gibt es eine Lösung: Umlenkrolle (oder Adapterrolle) nennt sie sich. Dabei handelt es sich um ein zusätzliches Teil, das man am Bremszug unmittelbar vor der V-Brake montiert. Die Umlenkrolle gleicht den fehlenden Seilholweg des Bremshebels aus, womit sich die V-Brakes auch mit klassischen Rennradhebeln gut regulieren lassen.

Damit braucht man weder Mini V-Brakes noch spezielle Rennradhebel - die Umlenkrolle stellt zwischen normal großen V-Brakes und normalen Rennradhebeln Kompatibilität her. Diese Umlenkrollen sind dafür ein wenig schwerer zu bekommen - es gibt nur wenige Hersteller, die diese Teile herstellen.

Erfahrungen und Diskussionen im Forum

Viele Nutzer haben ihre Erfahrungen mit Mini V-Brakes und verschiedenen Bremshebeln geteilt. Hier sind einige wichtige Punkte aus den Diskussionen:

  • Bremsleistung und Dosierbarkeit: Einige Nutzer sind mit der Bremsleistung von Mini V-Brakes zufrieden, während andere sie als enttäuschend empfinden. Die Dosierbarkeit hängt stark von der Kombination aus Bremshebel, Bremszügen und Bremsbelägen ab.
  • Kompatibilität mit STIs: Neuere STIs ziehen mehr Bremsseil ein und funktionieren besser mit Mini V-Brakes. Es empfiehlt sich, möglichst kurz bauende Mini V-Brakes zu wählen.
  • Empfohlene Modelle: Die TRP CX 8.4 wird von einigen Nutzern empfohlen, aber es gibt auch zufriedenstellende Erfahrungen mit günstigeren Modellen wie Tektro RX3 oder RX5.
  • Reifenbreite und Schutzbleche: Bei der Wahl der Mini V-Brakes sollte man auf die Reifenbreite und die Verwendung von Schutzblechen achten, um ausreichend Platz zu gewährleisten.
  • Bremsbeläge: Die Wahl der richtigen Bremsbeläge ist entscheidend für die Bremsleistung und das Nassbremsverhalten. Koolstop Beläge werden oft empfohlen.

Weitere Tipps und Überlegungen

  • Druckfeste Hüllen: Für einen guten Druckpunkt sollten druckfeste Bremszughüllen verwendet werden, die neben der Spiralkonstruktion auch Längsdrähte haben.
  • Einstellung und Wartung: Eine penible Einstellung und gut zentrierte Laufräder sind wichtig für eine optimale Bremsleistung.
  • Alternative: Wenn der Rahmen es zulässt, kann der Umstieg auf hydraulische Scheibenbremsen eine lohnende Alternative sein.

Zusammenfassung der Empfehlungen

Basierend auf den Diskussionen und Erfahrungen in den Foren lassen sich folgende Empfehlungen zusammenfassen:

  • Für maximale Bremsleistung: TRP CX 8.4 Mini V-Brakes in Kombination mit neueren Shimano STIs und druckfesten Bremszughüllen.
  • Für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Tektro RX3 oder RX5 Mini V-Brakes mit Koolstop Bremsbelägen.
  • Für ältere Fahrräder oder Rennräder mit dickeren Reifen: Mini V-Brakes sind eine gute Wahl, aber achte auf die Kompatibilität mit den Bremshebeln und Reifenbreite.

Tabelle: Vergleich von Mini V-Brakes

Modell Schenkellänge Kompatibilität Besonderheiten
TRP CX 8.4 85 mm Shimano STIs Hohe Bremskraft, steife Bremsarme
Tektro RX3 70/75 mm Shimano/Campa STIs Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Tektro RX5 85 mm Shimano/Campa STIs Bewährtes Modell, gute Verfügbarkeit
Tektro AL 926 80 mm Shimano/Campa STIs Steife Bremsarme, höhere Handkräfte

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