Shimano Technium Monofile Angelschnur im Test: Eine umfassende Analyse

Wenn man als Angler den Namen Shimano hört, denkt man höchstwahrscheinlich zu allererst an die Rollen- und in zweier Hinsicht an die Ruten der Traditionsfirma. Und dieser Name steht für kompromisslose und richtungsweisende Qualität, wobei Rollen, wie die Modelle der Ultegra-Serie zum Synonym für Top-Funktionalität und Verarbeitungsqualität nach modernsten Herstellungs-Standards und Material-Know-How geworden sind.

Hinzu kommt ein beispiellos-schönes modernes Design, das den inneren Werten der Rollen in Nichts nachsteht und die Rollen gekonnt in Szene setzt. Und genau das hat Shimano auch getan: Die Gegenstücke dazu sind z.B. die monofilen Schnüre der Technium-Serie, die wir dir auf unseren Seiten schon genauer vorgestellt haben.

Für den Zweck dieses Beitrages möchten wir hingegen das Augenmerk auf zweite weitere Schnüre von Shimano lenken - diesmal allerdings auf zwei geflochtene Modelle: Die Shimano Power Pro und die Shimano Power Pro Super 8 Slick V2. Soviel gleich vorneweg: Beide Schnüre sind perfekt auf die Bedürfnisse des modernen Karpfenangelns zugeschnitten.

Shimano Power Pro: Die schwimmende Geflochtene

Bei der Power Pro handelt es sich um eine schwimmende geflochtene Schnur, die bereits durch ihren Namen anklingen lässt, wo ihre Stärken liegen. Tatsache: Die namentliche Power gibt den Takt vor. Auffällig ist zunächst die hohe Tragkraft der rundgeflochtenen Schnur, die in einem unauffälligen Moos-grün, Weiß, Rot oder einem auffälligen Gelb erhältlich ist.

Als Referenz: Der Schnur-Durchmesser von 0,10 mm trägt bereits 5 Kilo, während die 0,15er-Variante eine Tragkraft von 9 Kilogramm aufweist. Besonders hervorzuheben ist ferner die geschmeidige und glatte Oberfläche der Schnur, die zwei positive Effekte miteinander vereint.

Erstens: Die Schnur nimmt kaum Wasser auf, was mittelbar auch zur Langlebigkeit der Schnur beiträgt. Zweitens: Die Schnur spult sanft und gleichmäßig vom Rollenkopf ab, was nicht nur beim Werfen, sondern auch beim Herausbringen der Montagen mit dem Boot auf große Distanzen einen erheblichen Vorteil darstellt. Eine ungleichmäßige Verlegung oder gar Verkantung der Schnur könnte hier gar zu einem Verziehen der Montage führen.

Durch ihre schwimmende Eigenschaft ist die Power-Pro prädestiniert zum Angeln über Hindernissen wie Kraut oder Steinen oder anderweitigem Unterwasser-Hindernissen. Ein weiterer Vorteil für den Angler: Die eng-geflochtene Anordnung ihrer Fasern begünstigt im Zusammenspiel mit ihrer Geschmeidigkeit eine hohe Knotenfestigkeit und macht dem Wort Power erneut alle Ehre.

Die Schnur deckt eine riesige Spanne an Tragkräften ab: Sie ist in den einschlägigen Online-Stores im Tragkrafts-Bereich zwischen 5 Kilogramm (bei 0,10mm) und 40 Kilogramm erhältlich.

Shimano Power Pro Super 8 Slick V2: Die 8-fach-Geflochtene

Es steckt bereits im Namen: Bei dieser Schnur handelt es sich um das 8-fach-geflochtene Gegenstück zur Power Pro. Shimano rühmt sich hier der besonderen Herstellungs-Technologie der Schnur (8 Carrier Diamond Braid Construction). Hierdurch wird eine perfekt-runde Schnur gewährleistet - und das wiederum zeitigt positive Effekte auf die Schnur-Performance:

Zitate Shimano: „Diese Schnur ist weich wie Seide und so glatt wie eine monofile Schnur. Die Power Pro Super 8 Slick V2 ist in 9 verschiedenen Durchmesser-Abstufungen zwischen 0,13 mm (Tragkraft: 8 Kilogramm) und 0,42 mm (Tragkraft 50 Kilogramm) erhältlich. Hinweis: Die Lauflänge der Spule beträgt 100 Meter ab Werk.

Shimano Technium Schnur im Test: Ersteindruck und Feeling

Verflixte Axt! Die Schnur auf meiner Heavy Feederrolle trägt mittlerweile einen Bart und hat das Renteneintrittsalter wohl erreicht. Es musste also frische Ware her und mit der Shimano Technium fand ich eine Schnur, welche kaum Dehnung, hohe Tragkräfte und absolute Abriebsfestigkeit verspricht. Werden meine Futterkörbe an der Elbe ihr Ziel erreichen und die Spitzen Tangos tanzen? Wie sich die Shimano Technium Schnur im Test schlug, erzählt dir dein Lieblingsblogger nun im folgenden Beitrag.

Neue Schnur braucht das Land

Manchmal macht das Leben einem einen Strich durch die Rechnung. Kennste das, da hast du dich jahrelang auf einen Hersteller eingeschossen und dann verschwindet dieser plötzlich von der Landkarte? Ich war ja so ein kleiner Browning Fishing Fanboy und meine Lieblingsmarke wurde doch tatsächlich von Investoren gefressen. Nebst diversen Feederruten und Futterkörbe hatte ich natürlich auch deren Schnüre auf meinen Feederrollen aufgespult.

Es musste also neue Schnur her! Abriebsfeste und dehnungsarme Schnur zum Feedern an allerlei Gewässer, dringlichst jedoch für Mutter Elbe. Denn meine Browning Gold Mono hatte nun schon gute zwei Jahre und tausende Würfe auf dem Rollenbuckel. Anstelle der Shimano Technium Schnur für einen Test landete allerdings zuerst die Daiwa Sensor Mono im Warenkorb und wie formuliere ich es jetzt diplomatisch? Mir sind an der Daiwa Sensor innerhalb von einer Stunde gleich zwei Futterkörbe durch Schnurbruch stiften gegangen…..

Shimano Technium Schnur im Vergleich mit der Daiwa Sensor

Dazu sei angemerkt, das ich keine Coladosen in die Elbe ballerte, es waren lediglich an die Strömungskante geworfene 60g River Feeder von Korum*. Davon habe ich jetzt zwei weniger. Nun gut, ich will Daiwa nicht rügen, der 0.31mm Schnurdurchmesser und die nahezu niedliche 4,5kg Tragkraft passten nicht zum mittelschweren Feedern, welches ich oft an der Elbe abseits der Hauptströmung praktiziere. Das war dann eben mein Fehler. Mit Shimano’s Technium Schnur in 0.305mm und einer weitaus höheren Tragkraft (8,5kg) sollte nun aber alles besser werden.

Shimano Technium Schnur Unboxing und Features

Ausgeliefert wurde die Technium Schnur von Shimano im bläulich silbernem Discokarton mit einem transparenten Sichtfenster, worin sich die gut einsehbare 1100m Großspule im 0.305mm Durchmesser befand. Es gibt auch kleinere oder größere Verkaufseinheiten, wahlweise von 150m bis 5000m. Tausende Tode musste ich sterben, weil eben diese Kartonage wirklich alles spiegelte und die Illustration mich härter gef*ckt hatte wie es das Leben jemals könnte.

Zauberwürfel als Verpackung für die Schnurmagie von Shimano

Auf der Rückseite des Zauberwürfels aus Pappe und Plastik sind die Schnureigenschaften festgehalten. Es sind erstmal nur Richtwerte, aber ich kann dir jetzt schon verraten, das dass alles gefühlsmäßig so stimmt und die Shimano Technium Schnur im Test jene Eigenschaften widerspiegelte. Solche Herstellerangaben sind meiner Erfahrung nach auch recht zutreffend, denn alles andere wäre schön blöd und würde die Kundschaft irgendwann verprellen.

Was die Schnur verspricht:

Eigenschaften Shimano Bewertung
Abriebfestigkeit ⭐⭐⭐⭐⭐
Geringe Dehnung ⭐⭐⭐⭐⭐
Knotenfestigkeit ⭐⭐⭐⭐⭐
Weichheit ⭐⭐⭐⭐
Geringer Memoryeffekt ⭐⭐⭐⭐⭐

Shimano hat die Technium Schnur auf der Großspule mit einer Schutzkappe versehen. Plastikringe kannte ich bisher nur von spontanen Las Vegas Hochzeiten und dort halten sie in der Regel auch nur bis zur Scheidung am nächsten Tag. Ähnlich verhält es sich mit dieser Schutzhülle, welche die Technium Schnur umgibt und ziemlich schnell im Müll landet. Gut gemeint von Shimano, aber irgendwie unsinnig, wir haben ja den schutzbeauftragten Zauberwürfelkarton.

Ausgepackt wirkt Shimano’s Technium Schnur wie vom Hersteller beschrieben dunkelgräulich. Aufgespult kommt es mir zwar eher wie ein schwarzer Farbton vor, wobei ich mich als sehbehinderter Kontaktlinsenträger absolut nicht festlegen will. Insgesamt gefällt sie mir optisch außerordentlich.

Gesamte Range im Überblick

Shimano hat die Technium Schnur breit gefächert aufgestellt und deckt damit viele Einsatzgebiete für Friedfisch, Raubfisch und Karpfenangler ab. Aufgrund der geringen Dehnung und der hohen Abriebsfestigkeit sind Grundangelmethoden besonders vorteilhaft bedient. Eben dort, wo Steine, Krebse oder Muscheln rumturnen und auch auf mittleren Distanzen noch eine gute Bissanzeige gegeben sein muss.

Dank der gestaffelten Durchmesser von 0.165mm bis 0.405mm und der jeweiligen Tragkraftwucht hat sich in mir der Gedanke bereits gefestigt, die Shimano Technium Schnur nach diesem Test auch beim Method Feedern, Feedern an Stillgewässern und für Aal, Quappe, Zander oder Hecht einzusetzen. Wie es sich beim Stippenfischen und Winkelpickern verhalten wird, dort brauche ich etwas mehr Dehnung als sie die Technium abliefert, muss die Zukunft noch zeigen.

Durchmesser Tragkraft
0.165mm 2.6kg
0.185mm 3.2kg
0.205mm 3.8kg
0.225mm 5kg
0.255mm 6.1kg
0.285mm 7.5kg
0.305mm 8.5kg
0.355mm 11.5kg
0.405mm 14.5kg

Shimano Technium Schnur Test: Ersteindruck und Feeling

Aufgespult wurde die Shimano Technium im heimischen Waschbecken mit einer witzigen Eigenkonstruktion. Darüber quatschen wir irgendwann mal. Bereits beim Aufspulen fiel mir jedenfalls eine wonnige Steifigkeit auf, die ich sonst nur kenne, wenn ich morgens aus dem Bett falle. Einer monofilen Schnur gebe ich danach immer zwei Tage Zeit, damit sie sich dem Spulkopf anschmiegen kann und sozusagen einspeichert. Dann springt garantiert nichts mehr von der Spule.

Die bereits erwähnte Schnursteifigkeit begegnete mir das erste mal bei meinen Recherchen und war auch einer meiner Kaufgründe, warum ich die Shimano Technium für einen Test ins Auge fasste. Feedermontagen aller Art, besonders Seitenarmmontagen, werden meistens aus der Hauptschnur gebunden und eine steife Schnur verhält sich immer wesentlich Verwicklungsresistenter.

Der Unterschied kann sogar gewaltig sein, gerade beim schnellen Angeln, vielen Würfen, starker Strömung und großen Entfernungen. Shimano’s Technium Schnur fühlt sich aber nicht wie Besenborsten an und sie ist weich genug, um Knoten perfekt zu binden. Verwicklungen, geschweige denn Drall, erlebte ich an meinen Testtagen überhaupt nicht.

Shimano Technium Schnur Test in der Praxis

Ein Schnurtest ohne Praxisbezug ist wie über Sex zu philosophieren, aber noch Jungfrau zu sein. Ich bin mit der Shimano Technium im Schlepptau deshalb an die Elbe gepilgert, wofür ich die Schnur auch gekauft hatte, um entlang der Strömungskante bis einige Meter weit in den Fluss hinein mit Futterkörben bis 80g zu fischen. Das ist noch kein Heavy Feedern, welches je nach Elbabschnitt, Wasserstand und Spotwahl mit Gewichten ab 120g einhergeht. Dafür wird dann aber auch eine 0.35mm Hauptschnur mit Schlagschnur gebraucht, alles andere wäre Selbstmord.

Wurftechnisch war ich von der Shimano Technium sofort begeistert. Sie verschaffte mir bereits beim Futterplatzaufbau mit 60g bis 80g Futterkörben vertrauen und kotzte sich nicht bei jedem Wurf die Seele aus dem Leib (Daiwa Sensor Hust). Die Wurfentfernung lag bei meinen Testansitzen, insgesamt waren es vier solcher, auf 30m bis 50m. Eine zusätzliche Schnurummantelung sorgt ebenfalls dafür, das sich die Wurfeigenschaften nochmals verbessern. Einstecken und Austeilen kann sie jedenfalls definitiv, wie es sich mit der Abriebsfestigkeit verhält, ist final allerdings noch nicht beurteilbar.

Die Bissanzeige, beim Feedern maßgeblich von der Dehnung bestimmt, hinterließ einen super Gesamteindruck. So waren selbst feinste Zupfer von kleinsten Rotaugen an der 3 Unzen Karbonspitze gut erkennbar und ein gutes Indiz dafür, das es sich bei der Shimano Technium tatsächlich um eine dehnungsarme Schnur handelt.

Warum das so wichtig ist: Wenn von der Köderaufnahme bis zur Bisswiedergabe an der Spitze weniger Zeit vergeht, dann fallen die Reaktionszeiten kürzer, Anhiebe schneller und die Tagesausbeute besser aus. Eine monofile Schnur wird dennoch immer etwas Dehnung besitzen (gut so), in diesem Punkt hatte mich die Shimano Technium im Test aber vom Hocker gehauen. Das war schon Champions League und ein pervers geiles Mischverhältnis.

Drilltastische Feederschnur

Im Drill zeigte die Shimano Technium Schnur ebenso ihre Qualitäten und ich verlor nur zwei Fische durch pennerhaftes Konzentrationsvermögen kurz vor dem Kescherkopf. Passiert halt! Die Shimano Technium mag zwar dehnungsarm sein, die Dehnung ist aber ausreichend genug, um größere Fische druckvoll über das Packwerk zu führen.

Davon konnte ich mich nach fetten Elbbrassen bis 60cm, vielen großen Rotaugen, einige davon an die 40cm und drillintensiven Alanden, welche die Wasseroberfläche mit Saltos durchbrachen, ziemlich schnell überzeugen. Wobei das gesamte Setup, Drillgefühl und die Erfahrung eines Anglers das Endergebnis ebenfalls beeinflussen. Serienmäßige Aussteiger gab es jedenfalls mit dieser Schnur nicht, die gibt es ab sofort nur noch an Busbahnhöfen!

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0