Shimano MTB Bremsen: Modelle im Überblick

Das Portfolio von Shimano ist riesig und dadurch auch ein wenig unübersichtlich - wir bringen hier Licht ins Dunkel. Zumindest namentlich ist das Shimano-Produktangebot, das Bremsen, Schaltgruppen und auch den ganzen Antrieb enthält, seit vielen Jahren unverändert. Neben Bremsen spielen hier vor allem Schaltgruppen und auch Antriebe eine große Rolle.

Die Shimano Bremsen im Detail

Nach CUES und DEORE beginnt in aufsteigender Hierarchie die Serie mit „X“ im Namen: SLX, XT und XTR. Wir haben alle Bremsen der X-Serie mit vier Kolben getestet. Sie sind gleichzeitig aber auch mit einem Zweikolben-Bremssattel erhältlich.

Shimano SLX

Die Shimano SLX ist die günstigste Bremse aus dem Hause des japanischen Herstellers in unserem Vergleichstest. Für 350 € verkörpert die zweitgünstigste Bremse im gesamten Testfeld unauffälliges Understatement und solide japanische Qualität.

Die SLX ist Shimanos klassische Brot & Butter-Bremse und entspricht mit 600 g ohne Scheiben ziemlich genau dem Durchschnittsgewicht in unserem großen Bremsen Vergleichstest. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Optik - außer in farblicher Hinsicht - kaum von der XT- oder XTR Bremse.

Bei genauerem Fühlen kommt die SLX jedoch nicht ganz so hochwertig daher wie die XT und XTR: Die Bremshebel verzichten auf die Struktur, die den Fingergrip erhöhen soll. Dafür ist die Hebelweitenverstellung wie bei den anderen Modellen einfach und werkzeuglos. Die Shimano SLX-Bremse verzichtet außerdem auf die „Free Stroke“-Schraube, was nicht weiter schlimm ist.

Denn die Druckpunkt-Verstellung bei den Modellen XT und XTR scheint eher einen Placebo-Effekt zu haben, zumal kaum ein Multitool mehr einen Kreuz-Schraubendreher zum Verstellen im Angebot hat. Die Klemmung der Shimano SLX-Bremsen ist durchdacht und bietet mit dem I-SPEC-System gute Kombinationsmöglichkeiten mit Schalthebel oder Dropper-Remote und einen breiten Verstellbereich.

Um die am Lenker abgestützte Geber-Einheit loszubekommen, muss man nur eine Schraube lösen und im Anschluss mit einem dünnen Tool einen Sicherungsstift eindrücken. Folglich klappt die Schelle auf und man kann das Teil als Ganzes abnehmen, selbst die Schraube ist mit einem O-Ring gesichert - top, da geht nichts auf dem Trail verloren!

Das Entlüften der Shimano-Bremsen funktioniert dank Trichter am Bremsgriff und dem sogenannten „One-Way Bleeding“ denkbar einfach: Geber-Einheit waagrecht stellen, Trichter füllen, aufschrauben und ein paar Mal die Bremse betätigen. Das bekommt wirklich jeder hin.

Die Bremspower der Shimano SLX-Bremse auf dem Trail ist sehr gut und ähnelt stark den anderen Shimano-Bremsen im Test. Wie bei den restlichen Stoppern des japanischen Herstellers ist auch das Bremsgefühl der SLX „digital“: Der Druckpunkt ist richtig knackig und deutlich definierter im Vergleich zu Hope, Trickstuff oder Hayes.

Die volle Power liegt fast schon zu Beginn des Druckpunkts an und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Die BrakeAce-Datenauswertung auf dem Trail lässt bei der SLX eine stärkere Bremse erwarten als bei der eng verwandten Shimano XTR: Die Brems-Ereignisse sind weniger und im Schnitt kürzer als beim Topmodell XTR, zudem ist die Front-Heck-Verteilung mit 40 zu 60 bei der SLX sehr ausgeglichen.

Schaut man hingegen auf die Labormesswerte, liegt die Shimano XTR drei Plätze höher. Dennoch lässt die Shimano SLX zum Kampfpreis nichts missen und verzögert auch in Extremsituationen sehr kraftvoll. Im Vergleich zu den teuren Shimano-Modellen muss man hier nur beim Gewicht leichte Abstriche machen, und so bekommt die SLX die Auszeichnung Kauftipp im großen Bremsen-Vergleichstest 2024.

Denn für 350 € lässt die Shimano SLX keine Wünsche offen und überzeugt sowohl in Verarbeitung, Haptik, Ergonomie und natürlich auf dem Trail. Wer sich noch mehr End-Verzögerung wünscht, kann die SLX-Bremse mit den Sinter Green-Belägen günstig upgraden und - zumindest im Labor - nahezu auf ein Level mit der fast viermal so teuren Trickstuff MAXIMA heben.

Die Shimano SLX überzeugt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und einer starken Verzögerung samt solider Dosierbarkeit. Das digitale Bremsgefühl erfordert kurze Eingewöhnung, dafür muss man bei Anmutung, Ergonomie und Handling keine Abstriche machen.

Shimano XT

Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers. Im von uns getesteten Shimano-Line-up nimmt die XT-Reihe die mittlere Position der Performance-Bremse ein. Mit 588 Gramm ohne Scheiben entspricht die Vierkolbenbremse Shimano XT um 1 g fast exakt dem Durchschnittsgewicht.

Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik. Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit. Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC.

So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden. Die Klemmung kann leicht gelöst werden und dank einteiliger Ausführung geht nichts verloren - wir sind Fans! Einfache Anpassungen sind dank werkzeugloser Hebelweitenverstellung und der „free Stroke“-Schraube möglich, wobei Letztere eher eine Placebo-Wirkung hat.

Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie die Marken-Geschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt. Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, seid ihr safe. Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld.

Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen. So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.

Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes.

Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR. Auf dem Trail sind die XT und XTR ziemlich gleich, erst im Labortest werden die Unterschiede deutlich: Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und hinter Hayes Dominion T4, dicht gefolgt von der Shimano XTR.

Mit Sinter Green-Belägen kann die Bremspower der Shimano XT aber noch deutlich gesteigert werden. Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In unseren Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als als bei der SLX im direkten Vergleich.

Das führt zu Fading auf langen Abfahrten. In Summe lässt die Shimano XT keine Wünsche offen, hebt sich aber auch in keine Richtung besonders ab. Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling. Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €.

Das Handling ist einfach, sowohl beim Einstellen als auch beim Entlüften.

Shimano XTR

Die XTR Schaltgruppe ist für Fahrer entwickelt, die höchste Anforderungen an die Leistung ihres Mountainbikes stellen. Sie bietet eine schnelle und präzise Schaltung und eignet sich für anspruchsvolle Trail-Sessons oder auch den beliebten Alpencross. Mit dieser Ausstattung stehen dir alle Möglichkeiten offen.

Weitere Aspekte beim Bremsenkauf

Heutzutage kommen quasi alle Serien-Bikes mit seriösen Scheibenbremsen in den Handel. Sogar im "Billigsegment" gibt es Stopper wie Shimanos MT520, die in Sachen Bremskraft und Standfestigkeit jeden Hobby-Mountainbiker erst mal zufriedenstellen dürften. Dennoch gilt wie immer: Das Bessere ist der Feind des Guten. Und wer sich auf seine Stopper zu 100 Prozent verlassen kann, bremst nicht nur besser, der fährt auch besser.

Checkliste: Diese Dinge gibt es beim MTB-Bremsenkauf zu beachten

  1. Was für ein Bike habe ich? Eine Downhill-Bremse an ein artgerecht eingesetztes XC-Racebike zu schrauben ist so sinnvoll wie Traktorenreifen am Formel-1-Boliden. Umgekehrt gilt das noch viel mehr: Leichte XC-Stopper haben an einem Enduro oder gar einem E-MTB nix verloren. Gar nix!
  2. Wo fahre ich? Als friesischer Deichfahrer bremst vermutlich schon der Gegenwind genug, in den bayrischen, österreichischen, Schweizer oder Südtirol-Alpen haben unsere Leser aber nicht selten 1500 und mehr Tiefenmeter vor dem Stollenreifen. Ist also maximale Standfestigkeit gefragt (lange Abfahrten!), dann gibt es nur ein Rezept, keine Diskussionen: dicke Bremsen, große Scheiben.
  3. Was wiege ich? Ein 60-Kilo-Flo kann mit einer 180/160-mm-Scheibenkombi und einer Zwei-Kolben-Bremse auch am Trailbike glücklich werden, ein gestandenes 90-Kilo-Mannsbild (Klamotten, Rucksack und Hüttenjause nicht mitgerechnet) wird mit so einer Bremse auch zum Stillstand kommen. Aber dort lange verweilen, um die überhitzten Bremsen zu beruhigen. Also, sei’n Sie ehrlich zu sich.
  4. Was mag ich? Wer es gefühlvoll liebt, greift zu Stoppern mit feinster Modulation, wer stets im letzten Moment in die buchstäblichen Eisen geht, nimmt die Brachialbremse. Hier lohnt auch Detail-Tuning, etwa bei den Belägen.

Bremsscheiben: Welche Bremsscheibengröße brauche ich?

Je größer die Scheibe, desto höher die Bremskraft. Im Mittel aller unserer Bremsentests erreichte eine 180-mm-Disc nur 86 Prozent der Bremskraft einer 200-mm-Scheibe. Bei 160 mm sind es 77 Prozent. Einige Hersteller bieten noch größere Rotoren mit noch mehr Durchmessern (um 220mm) an, die noch giftiger zubeißen sollen. Gleichzeitig gelten sie als standfester bei schweren Fahrern oder massiven E-Mountainbikes in langen Abfahrten.

Bremsbeläge: Welcher Belag ist für meinen Einsatzzweck am MTB ideal?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen organischen und metallischen Bremsbelägen. Diese haben bei verschiedenen Herstellern unterschiedliche Namen wie "gesintert", "metallisch" oder eine Typenbezeichnung.

Wichtig zu wissen ist folgendes: Organische Bremsbeläge nutzen sich schneller ab, weil sie etwas weicher sind, bieten meist aber auch eine bessere Bremsperformance. Metallische Beläge bremsen dementsprechend nicht ganz so bissig, halten aber auf langen Abfahrten besser durch. Wer sich etwas mehr Bremspower aber auch langlebige Bremsbeläge wünscht, kann auf die semi-metallischen Bremsbeläge zurückgreifen.

MTB-Bremsen nach Einsatzgebiet

XC/Marathonbremsen in der Marktübersicht

Im Cross-Country- und Marathon-Rennsport kommt es auf jedes Gramm an, daher fallen Race-Bremsen entsprechend leicht aus. Nur zwei Kolben pro Bremssattel, wenig "Fleisch" an Nehmer und Geber sowie teure Materialien wie Carbon (am Hebel) und Titan (als Hardware) stehen auf dem Diätplan. Auch viele Tourenbiker schwören auf die leichten Stopper - aber ob sich da die Grammfuchserei wirklich lohnt?

Trail/All-Mountain-Bremsen in der Marktübersicht

Im riesigen Segment von der Tour bis zum leichten Enduro-Einsatz fühlen sich 80 Prozent unserer Leser zu Hause. Um sich dort auch wohlzufühlen, braucht es eine potente Bremse. Schließlich werden die Bikes mit 120- 150 mm Federweg immer besser - und ihre Besitzer entsprechend mutiger. Dominierten in der Klasse einst Zwei-Kolben-Bremsen, sind jetzt Stopper mit vier Kolben Standard. Und statt zu 180/180- oder gar 180/160-mm- Rotoren greifen Trailjunkies jetzt zu 200/180 mm.

E-Mountainbike, Enduro und Downhill-Bremsen in der Marktübersicht

Wer ein schweres, dem Bergabradfahren zugeneigtes Bike sein Eigen nennt, der sollte bei der Bremse keine Kompromisse eingehen: Kraft, Standfestigkeit, Dosierbarkeit, Ergonomie - hier zählt nur das Beste vom Besten. Auch am E-MTB sind diese Verzögerer klar die beste Wahl.

Mehr Know-How zu MTB-Scheibenbremsen

Fahrtechnik: Richtig bremsen

Die beste und stärkste Bremse nützt auf dem Trail nichts, wenn man nicht mit ihr umgehen kann. Wir zeigen, wie Sie Ihr Bike korrekt verzögern.

Bremse entlüften

Ob SRAM, Formula, Shimano, Hayes oder Magura - wir helfen beim Troubleshooting, wenn sich der Druckpunkt Ihrer Bremsen verschoben hat, sich schwammig anfühlt oder die Bremshebel nicht mehr richtig greifen.

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