Die Fahrradnabe ist eines der wichtigsten Teile am Fahrrad. Die Nabe sitzt unscheinbar im Zentrum jedes Rades, spielt aber eine entscheidende Rolle für die Funktion und Fahrqualität eines Fahrrads. Bei einer Fehlfunktion läuft das Hinterrad nicht rund oder blockiert sogar. Daher ist es empfehlenswert, durch einen Fachmonteur rechtzeitig die Fahrradnabe wechseln zu lassen oder selbst die Nabe auszutauschen. Mit einer klaren Schritt-für-Schritt-Anleitung lässt sich die Arbeit jedoch selbst erledigen - und das spart nicht nur Kosten, sondern auch den Weg zur Werkstatt.
Warum die Fahrradnabe so wichtig ist
Ob beim Rollen über Asphalt oder bei anspruchsvollen Geländefahrten - die Nabe trägt maßgeblich zur Stabilität, Leichtgängigkeit und Sicherheit bei. Ist sie beschädigt oder verschlissen, wirkt sich das sofort auf das Fahrverhalten aus. Die Fahrradnabe zählt zu den sensiblen Komponenten am Rad und benötigt deshalb viel Pflege. Leider wird sie oft bei der Durchsicht vergessen, weil ein Ausbau oder Wechsel der Nabe etwas mühsam ist. Nasses Wetter begünstigt die Rostbildung im Nabenlager. Das führt zu einem schweren Lauf des Rades oder im schlimmsten Fall zu einer Hinterrad Blockierung.
Aufbau einer Fahrradnabe
Die Fahrradnabe ist das Herzstück eines Laufrads und verbindet Felge, Speichen und Achse miteinander. Die Nabenhülse bildet das äußere Gehäuse, das meist aus Aluminium oder Stahl gefertigt ist. Im Inneren sitzen Kugellager oder Industrielager, die für einen reibungslosen Lauf sorgen. Durch die Lager verläuft die Achse, die das Rad mit dem Rahmen verbindet.
Die Fahrradnabe besteht grundsätzlich aus drei Bestandteilen: Hauptteil ist das Nabengehäuse, in dem sich die Achse und das Kugellager befinden. Wenn sich das Rad bewegt, drehen sich die Nabenlager um die Achse. Diese ist fest im sogenannten Ausfallende verankert. Zusammengefasst ist die Fahrradnabe für die Stabilität des Laufrads verantwortlich. Zudem stellt die Nabe eine Verbindung zwischen dem Rad und dem Rahmen her und sorgt dadurch für den Antrieb.
Vorderrad- vs. Hinterradnabe
Eine Vorderradnabe lässt sich ganz einfach mit einer Nabenbremse oder einem Nabendynamo aufrüsten. Am Hinterrad befindet sich meist eine Rücktrittbremse. Die Hinterradnabe sticht jedoch mit weiteren Funktionen hervor. Sie ist nicht nur wesentlich breiter als die Fahrradnabe am Vorderrad, sondern kann auch ein Zahnkranzpaket aufnehmen. In diesem Fall wird eine Kettenschaltungsnabe als Hinterachse eingebaut.
Es gibt davon zwei Varianten: die Schraubkranznabe oder die Kassettennabe. Auf den ersten Blick sehen beide Formen für den Laien sehr ähnlich aus. Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch den Unterschied. Entweder ist ein Schraubkranzgewinde oder der Freilaufkörper für den Zahnkranz der Kassette verbaut.
Doch nicht nur äußerlich unterscheiden sich Schraubkranznabe und Kassettennabe voneinander. Die erste Variante ist mittlerweile schon ein bisschen aus der Mode gekommen. Bei der Kassettennabe sitzt das Lager der Antriebsachse näher am Ausfallende, weil die Nabe fest am aufgeschraubten Freilaufkörper angebracht ist. Im Gegensatz dazu ist die Schraubkranznabe ein fester Bestandteil des Nabenkörpers. Das Nabenlager wird dadurch nach außen verschoben.
Wartung und Pflege
Du bist auch bei nassem Wetter mit dem Rad unterwegs. Oder bretterst am Wochenende gerne Offroad Pisten hinab. Regen, schlammiger Untergrund oder Streusalz im Winter setzen deinem Drahtesel ordentlich zu. Die regelmäßige Wartung ist wichtig, damit einzelne Komponenten am Fahrrad oder Ersatzteile nicht gleich wieder verschleißen. Äußere Einflüsse wie das Wetter greifen naturgemäß das Material an und können daher sogar zu Brüchen führen. Unterschätze also keinesfalls dieses Unfallrisiko. Der zweite Grund für die Pflege des Fahrrads ist die langfristige volle Funktionalität. Verschleiß kann diese nach und nach einschränken.
Nabentausch am Fahrrad: Schritt-für-Schritt erklärt
Grundsätzlich gilt beim Basteln und Schrauben am Fahrrad immer folgende Regel: Sicherheit geht vor! Falsche Ersatzteile, unpassende Werkzeuge oder der fehlerhafte Umgang damit erhöhen das Unfallrisiko. Nachfolgend geben wir dir eine schrittweise Anleitung mit an die Hand, damit du eigenständig deine Fahrradnabe wechseln kannst.
- Zuerst überprüfst du die Nabe und den Leichtlauf des Rads. Hat die Nabe einen Spielraum, läuft schwer oder blockiert sie sogar, musst du die Fahrradachse wechseln.
- Dafür baust du erst einmal das Hinterrad aus und das Zahnkranzpaket ab. Hier nutzt du Spezialwerkzeug. Mit der Kettenpeitsche hältst du das Ritzelpaket fest, damit es sich nicht mehr dreht. Ein Zahnkranzabnehmer und ein Gabelschlüssel sind nötig, um den Verschlussring gegen den Uhrzeigersinn zu lösen. Mit der Kettenpeitsche drückst du gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung. Das Zahnkranzpaket legst du für einige Zeit in ein Lösungsmittelbad und befreist es so von Verkrustungen.
- Im zweiten Schritt löst du die Bremsscheibe mit einem 25er Torx-Schlüssel. Fahrradnaben von Shimano haben oft ein sogenanntes Centerlock. Das ist ein Verschlussring, der Nabe und Bremsscheibe miteinander verbindet. Zum Öffnen am Hinterrad nimmst du am besten ein Kassetten-Werkzeug. Für eine Vorderachse mit Centerlock-System eignet sich dagegen ein Tretlagerschlüssel.
- Im dritten Schritt baust du den Freilauf aus. Auch hierfür greifst du auf den 25er Torx-Schlüssel oder einen Inbusschlüssel zurück. Gehe bei der Demontage sehr behutsam vor, denn je nach System können Teile herausfallen. Auch der Freilauf sollte nicht auf dem Boden aufschlagen.
- Anschließend nimmst du die Nabenachse heraus. Dabei kommt es darauf an, welche Art von Fahrradachse an deinem Rad verbaut ist.
- Hast du bis hierhin alle Einzelteile ausgebaut, reinigst du das Nabengehäuse mit einem Lappen. Zum Schutz vor erneuten Wettereinflüssen schmierst du es mit einem speziellen Fett ein.
- Bei einem Wechsel der Fahrradachse tauscht du auch das Nabengehäuse aus. Das klappt bei den meisten Fahrradnaben mit einem Meißel. Diesen setzt du von innen auf den Nabenkörper und schlägst vorsichtig mit einem kleinen Hammer dagegen. Meist fällt das Gehäuse schon nach wenigen Schlägen aus der Fahrradachse.
- Die neue Fahrradnabe kannst du nun direkt wieder einsetzen.
Worauf du beim Kauf einer neuen Nabe achten solltest
Wenn du dir zutraust, allein die Fahrradnabe zu tauschen, beachte vor dem Neukauf ein paar Dinge. Erkundige dich zuerst über die Einbaubreite. Sie unterscheidet sich davon, ob die Nabe am Vorderrad oder Hinterrad sitzt. Auch deine Gangschaltung spielt eine Rolle. Die Fahrradnabe ist ebenso abhängig vom Fahrradtyp. Ein Downhill Mountainbike hat beispielsweise breitere Fahrradachsen als ein Rennrad. Das erkennst du auch an der Reifenbreite.
Zusätzliche Schritte
- Baue das Laufrad deines Fahrrads und die Bremsscheibe aus, falls es eine hat, sowie die Staubkappen der Naben.
- Zum Ausbau des Hinterrads muss deine Kette auf dem kleinsten Kettenblatt und dem kleinsten Ritzel liegen. Je nach Bremsenmodell kannst du entweder den Hebel lösen oder das Bremsseil herausziehen, nachdem du die Bremsbacken abgeklemmt hast.
- Löse die Achsmuttern oder öffne die Schnellspanner. Drehe zum Schluss die Felge und ziehe die Achse aus dem Rad, wobei du den Umwerfer des Fahrrads nach hinten hältst.
- Jetzt kannst du die Radlager ausbauen. Es kann sein, dass sie etwas beschädigt sind, sich sogar verklemmt haben oder verrostet sind. Nimm ein wenig Fettlöser.
- Entferne mit einem Abzieher die alten Radlager. Wenn du keinen Abzieher hast, kannst du auch einen Hammer und einen Körner verwenden.
Der Austausch einer Fahrradnabe ist auch für geübte Laien möglich
Der Austausch einer Fahrradnabe klingt zunächst komplizierter, als er in Wirklichkeit ist - vor allem, wenn man weiß, worauf es ankommt. Besonders bei Stützrädern von Kinderfahrrädern gestaltet sich der Vorgang oft recht unkompliziert, da keine Speichen berücksichtigt werden müssen. Das spart Zeit und Nerven. Wichtig ist, regelmäßig auf Verschleiß und mögliche Beeinträchtigungen - etwa durch Schmutz oder Nässe - zu achten. Wer sein Fahrrad gut pflegt und frühzeitig reagiert, verlängert nicht nur die Lebensdauer des Rades, sondern sorgt auch für mehr Sicherheit beim Fahren.
Wenn du all diese Arbeiten selber beherrschst, kannst du viel Geld sparen, denn der Service im Fahrradladen ist sehr teuer.
Weil der Arbeitsablauf an der Hinterradnabe um einiges komplexer ist, als an der Vorderradnabe, beschränken wir uns hier auf die Beschreibung aller Wartungsarbeiten am Fahrrad Nabenlager im Hinterrad. Die Anleitung lässt sich dann leicht auf die Vorderradnabe übertragen. Die gesamte Beschreibung bezieht sich im weiteren Verlauf auf die Shimano-XT-Nabe FH-T780. Das ist eine gängige Nabe für 9-fach-Kettenschaltung. Die gesamte Anleitung ist aber auf viele andere Shimano-Naben übertragbar. Für Produkte anderer Hersteller wird die Schritt für Schritt Erklärung möglicherweise anders aussehen, aber das konstruktive Prinzip wird ähnlich sein.
Aufbau der Hinterradnabe
Die Hinterradnabe besteht im Wesentlichen aus:
- Nabenkörper
- zwei Kugellagern mit Dichtungen
- Freilauf
- Kassette
- Hohlachse
- Schnellspannachse.
Die Wälzlager sitzen links außen im Nabenkörper und rechts außen an der Stirnseite des Freilaufs. Dabei befindet sich die äußere Lauffläche im Nabenkörper bzw. Freilauf und die innere Lauffläche auf den sogenannten Konen. Diese Konen werden über ein Innengewinde von der Hohlachse aufgenommen. Über dieses Gewinde wird auch das Lagerspiel grob eingestellt.
Auf der rechten Seite nimmt die Hinterradnabe den Freilauf auf. Dieses Bauteil ist nichts anderes als ein Mitnehmer, der in Fahrtrichtung die Zugkraft der Kette überträgt, in die entgegengesetzte Richtung jedoch quasi durchrutscht („frei läuft“). Dadurch brauchst du nicht pedalieren, wenn das Fahrrad rollt.
Die Kassette (das Ritzelpaket) wird axial auf den Freilauf aufgesteckt und mit einem Abschlussring über ein Feingewinde verriegelt. Mit der Schnellspannachse wird die Hinterradnabe dann im Fahrrad-Rahmen fixiert.
Der Verschleiß am Fahrrad Nabenlager
In diesem Verbund gibt es gleich mehrere Teile, die einem Verschleiß unterliegen:
- Die Wälzlager
- Der Freilauf
- Die Kassette
Der Verschleiß an den einzelnen Bauteilen am Fahrrad Nabenlager vollzieht sich in der Regel schleichend. Und durch regelmäßige Wartung und bedachtes Fahrverhalten kannst du diesen Verschleiß auch minimal halten und somit einen notwendigen Austausch einzelner Teile hinauszögern.
Lagerspiel einstellen
Im Groben stellst du das Lagerspiel über den linken Außenkonus ein. Der rechte Außenkonus verbleibt immer fest montiert auf der Hohlachse. Die Feineinstellung des Lagerspiels erfolgt später über den Schnellspanner, wenn du das Laufrad im Rahmen fixierst.
Die Grobeinstellung der Fahrrad Nabenlager
Zum Lösen der Kontermutter auf der linken Seite der Nabe ist der Ablauf wie folgt:
- Staubkappe abziehen
- Mit einem 17er Konusschlüssel (ein besonders flacher Maulschlüssel) in die Nut des Konus greifen
- Mit einem Inbusschlüssel 5 mm die außen liegende Kontermutter ergreifen und die Verbindung lösen (Rechtsgewinde).
Das Lagerspiel veränderst du nun über eine andere Position des Konus auf der Hohlachse. Mit der neuen Einstellung ziehst du nun die Kontermutter wieder fest.
Jetzt prüfst du das Lagerspiel durch Kippeln an der Achse gegenüber dem Nabengehäuse und durch Drehen der Achse. Meist musst du dich hier über mehrere Wiederholungen an die richtige Position des Konus herantasten, weil sich das Lagerspiel durch das Festziehen der Kontermutter schon wieder verändert.
Die Achse sollte sich am Ende leicht drehen lassen und ein minimales Spiel haben, dann sind die Lager für die Feineinstellung perfekt vorbereitet.
Die Feineinstellung der Fahrrad Nabenlager
Die Feineinstellung erfolgt danach per Schnellspanner. Und durch genau diesen Stauchdruck beeinflußt du das Lagerspiel in den beiden Nabenlagern.
- Setze das Hinterrad in den Fahrradrahmen ein und spanne es mit der Schnellspannachse leicht fest.
- Je nach Bedarf veränderst du jetzt die Spannung beim Schließen des Schnellspanners und prüfst dabei immer wieder durch Kippeln am Laufrad, ob die Lager noch Spiel haben oder nicht.
Das Fahrrad Nabenlager ist perfekt eingestellt, wenn es gerade eben kein Spiel mehr hat und das Laufrad sich nach dem Ausrollen selbständig wieder in die andere Richtung bewegt. Denn zu stramm bedeutet Pressung der Kugeln im Laufbetrieb und zu locker führt zu unkontrolliertem Abrollen der Kugeln. Und beides zerstört die Laufflächen im Lager.
Erreichst du mit dem Schnellspanner keine perfekte Einstellung, musst du an der Hinterradnabe die Kontermutter wieder lösen und die Einstellung des linken Konus entsprechend verändern. Man tastet sich also mit mehreren Wiederholungen an die korrekte Einstellung heran.
Kassette ausbauen / austauschen
Um die alte Kassette von der Hinterradnabe zu entfernen, musst du mit einem Spezial-Werkzeug die Abschlussscheibe lösen. Zur Auswahl stehen hier mehrere verschiedene Werkzeug-Ausführungen.
Das Standard-Werkzeug von Shimano: Mit dem Kassettenabzieher TL-LR15 löst du den Verschlussring der Kassette. Zum Gegenhalten benötigst du die Kettenpeitsche TL-SR20 um die Freilauf-Funktion zu überbrücken.
Hast du die Abschlussscheibe entfernt, kannst du das gesamte Ritzelpaket vom Freilauf herunternehmen. Dabei sind die beiden kleinsten Ritzel in der Regel einzeln aufgesteckt, alle anderen Ritzel sind zu einem geschlossenen Paket vernietet.
Willst du die Kassette lediglich reinigen, ist dieser Ausbau nicht erforderlich. Da reicht es, wenn du mit Lappen und dünner Flaschenbürste ans Werk gehst und das Hinterrad samt Kassette dabei im eingebauten Zustand über die Pedale in Drehung hältst.
Fahrrad Nabenlager zerlegen, reinigen und neu fetten
Der Ablauf Schritt für Schritt:
- Auf der rechten Seite die Kassette entfernen
- Auf der linken Seite der Nabe die Staubkappe abziehen
- Mit 17er Konusschlüssel und 5er Inbusschlüssel die Kontermutter lösen
- Den linken Konus abschrauben
- Die Achse nach rechts aus dem Nabenkörper ziehen, dabei aufpassen, dass auf der rechten Seite keine der 13 Kugeln verloren geht (die 11 Kugeln auf der linken Seite sitzen in einem Käfig)
- Danach die Kugeln aus den Lagerschalen entfernen.
Auf der rechten Seite musst du hierfür zunächst ganz vorsichtig die flache Dichtungsscheibe entfernen, die von oben das Lager abdeckt.
Nun reinigst du die Lagerschalen, Kugeln und Konen und prüfst vor allem die Laufflächen auf den Konen auf Verschleiß. Weisen sie Beschädigungen auf, müssen die Konen ausgetauscht werden.
Sind alle Teile unbeschädigt, fettest du die Lagerschalen, legst die Kugeln mit der Pinzette in das Fettpolster in der Lagerschale und baust alles wieder zusammen.
Nach der Montage erfolgt das Einstellen des Lagerspiels wie oben schon beschrieben.
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