Shimano Nabenschaltung: Anleitung zum Ölwechsel und zur Wartung

Nabenschaltungen von Shimano, insbesondere die Nexus- und Alfine-Modelle, erfreuen sich aufgrund ihrer Robustheit und Unempfindlichkeit großer Beliebtheit. Eine regelmäßige Wartung, einschließlich des Ölwechsels, ist jedoch entscheidend, um die Lebensdauer und optimale Leistung dieser Schaltungen zu gewährleisten. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung zum Ölwechsel und zur Wartung von Shimano Nabenschaltungen.

Wartung von Shimano Nabenschaltungen

Eine moderne Nabenschaltung benötigt grundsätzlich vergleichsweise wenig Pflegeaufwand. Jedoch muss die Schalteinheit alle 1.000 km oder alle 6 Monate gereinigt und gewartet werden. Bei schlechten Wetterbedingungen schadet es auch nicht, wenn diese Intervalle verkürzt werden. So können Sie optimale Bedingungen für die Mechanik schaffen.

Wann muss eine Shimano Nabenschaltung eingestellt werden?

Es ist in der Regel recht deutlich bemerkbar, dass eine Nabenschaltung neu eingestellt werden muss. Meistens lässt sich der gewünschte Gang nicht bzw. nur mit sehr viel Kraft einlegen oder du musst den Drehgriff weiter drehen, als es die aufgedruckte Anzeige vorgeben würde. Auch ungewollte Schaltvorgänge gehören zu den gängigen Problemen.

Wie wird eine Shimano Nabenschaltung eingestellt?

Die Einstellung einer Shimano Nabenschaltung ist für alle Modelle recht ähnlich, im Detail gibt es aber Unterschiede. Die passenden Handgriffe für jede Nabe haben wir dir nachfolgend Schritt für Schritt aufgeschrieben.

  1. Den richtigen Gang einlegen

    Um eine Shimano Nabenschaltung richtig einzustellen, musst du immer den passenden Referenzgang am Drehschaltgriff einlegen. Dieser variiert je nach Modell:

    • Alfine 11-Gang Nabe: Sechster Gang
    • Alfine 8-Gang Nabe: Vierter Gang
    • Nexus 7-Gang Nabe
    • Nexus 8-Gang Nabe
    • Nexus 3-Gang Nabe: Zweiter Gang
  2. Gelbe Markierung überprüfen

    Bei einer Shimano Nexus 3-Gang Nabe findet man die Markierung an der silbernen Nabenschaltbox direkt am Ausfallende. Hier sollte der gelbe Streifen mittig zwischen den beiden weißen Begrenzungslinien liegen. Bei Nexus 7-/8-Gang und Alfine Modellen sind die Markierungen hingegen direkt am Nabenkörper angebracht. Um den gelben Streifen einsehen zu können, muss lediglich der Kettenschutz etwas verschoben werden. Jetzt sollte der kleine Streifen mit der zweiten gelben Markierung eine Linie bilden.

    Bei allen Modellen gilt: Sind die Markierungen nicht wie oben beschrieben, muss nachgestellt werden. Das funktioniert mittels der Spannung des Schaltzugs

  3. Spannung des Schaltzugs einstellen

    Je nach Modell wird die Spannung des Schaltzugs am Schalthebel oder an der Nabe eingestellt. Bei der Nexus 3-Gang Nabe ist letzteres der Fall, weshalb du entweder mit der Hand oder mit einem 10er Maulschlüssel die Mutter an der Nabenschaltungsbox lösen musst. Nun kannst du an der Stellschraube drehen, bis die gelbe Markierung mittig zwischen den weißen Begrenzungsstreifen steht. Dann ziehst du die Befestigungsmutter wieder an, damit sich die Stellschraube nicht verstellen kann. Zum korrekten Anzugsmoment achte bitte auf die Angaben des Herstellers. Bei den übrigen Shimano Modellen kannst du die Zugspannung direkt werkzeuglos an der Stellschraube am Schaltgriff einstellen. Auch hier drehst du so lange nach links oder rechts, bis die gelbe Markierung passt.

    Nach der Einstellung der Zugspannung solltest du bei allen Nabenschaltungen einmal in den ersten Gang und einmal über den Referenzgang hinaus schalten. Die Markierungen sollten danach im Referenzgang immer noch passgenau sein. Sollte die Einstellung mittels der Stellschrauben nicht möglich sein, weil du sie nicht weit genug drehen kannst, muss der Seilzug an der Nabe gelöst und mit etwas mehr Spannung festgezogen werden. Das geht am besten mit einer schmalen Zange. Wichtig ist, dass die Stellschrauben davor auf eine mittlere Position gedreht werden, um im Anschluss genug Spielraum zu haben. Die Feinjustierung erfolgt nämlich erneut mit den Stellschrauben.

  4. Einstellung testen

    Wenn sich die gelben Markierungen wieder an Ort und Stelle befinden, solltest du die Schaltperformance testen. Das geht denkbar einfach: Schalte langsam durch alle Gänge, ohne den Drehgriff über die jeweilige Anzeige zu drehen. Lassen sich alle Gänge präzise, knackig und ohne großen Kraftaufwand einlegen, scheinst du alles richtig gemacht zu haben.

Ölwechsel bei der Shimano Alfine 11-Gang Nabenschaltung

Die Alfine 11-Gang Nabenschaltung von Shimano zeichnet sich durch eine optimierte Abstufung aus, welche einen besonders leichten Lauf verursacht. Die Besonderheit dieser Schaltung ist aber, dass Shimano bei dieser Nabe Öl als Schmierung verwendet. Hierfür muss das alte Öl entfernt, das Innere der Nabe gereinigt und neues Öl eingefüllt werden. Die gute Nachricht ist, dass Sie das Laufrad für diesen Vorgang nicht einmal ausbauen müssen. Die erste Wartung sollte nach etwa 1000 Kilometern erfolgen. Danach warten Sie Ihre Nabe circa alle 5000 Kilometer oder alle 2 Jahre (wenn dies zuerst eintritt).

Im nachfolgenden Abschnitt erläutern wir Ihnen, wie Sie Ihre Alfine 11-Gang korrekt warten.

  1. Schließen Sie die im Wartungs-Set enthaltene Spritze an den Schlauch an. Der Kolben der Spritze sollte komplett eingedrückt sein.
  2. Erst jetzt wird das Laufrad langsam gedreht bis die Ölöffnung nach unten zeigt.
  3. Füllen Sie zunächst 25 Milliliter neues Öl in die Spritze ein.
  4. Drücken Sie den Kolben der Spritze, damit das neue Öl in die Nabe gelangt.
  5. Zum Abschluss wird das Laufrad einige Minuten lang gedreht, gleichzeitig schalten Sie bitte die Gänge rauf und runter. Durch diesen Vorgang vermischt sich das neue Öl mit möglicherweise in der Nabe verbliebenen Resten des alten Öls.
  6. Dieses „Reinigungsöl“ muss nun also wieder entfernt werden.

Zum Ölwechsel benötigt man bei der Alfine eine handelsübliche Spritze, einen Auffangbecher, einen Aquariumschlauch mit Nippel und M6 Gewinde. Und natürlich 50ml des kostspieligen Shimano Spezial Nabenöls: Nachdem das Altöl über den Schlauch abgelaufen ist, wird die Alfine zunächst mit 25ml Frischöl gespült: Hinterrad am Montageständer durchdrehen, öfter alle Gänge durchschalten - oder eine Runde fahren. Dann wird das Öl wieder abgelassen und danach final nochmals mit 25ml Öl befüllt.

Wer den jährlichen Shimano Alfine Ölwechsel günstiger als zu unglaublichen 70,- EUR Materialkosten haben möchte, kann z.B. das Rohloff-Set mit Shimano-Öl verwenden oder das günstige „Easybleed Ölpflege-Set“ nehmen.

Nexus-Nabe auf Ölbadschmierung umbauen

Bei der wesentlich teureren Shimano Alfine Nabe sorgt ein permanentes Ölbad samt Ölwechselschraube dafür, dass das Öl ohne Demontage der Nabe bequem von außen gewechselt werden kann. Die Alfine ist dafür gegen Ölverlust abgedichtet.

Eigentlich ist der Umbau ganz einfach, allerdings hab ich ihn an einem eingespeichten 28-Zoll Rad mit einfachsten Mitteln und relativ unbedarft vorgenommen. Hier gab es dann doch ein paar Herausforderungen und Erfahrungen zu machen.

Vorteile des Umbaus

  • Die Nabe verschleißt durch ein permanentes Ölbad weniger.
  • Sie ist weniger anfällig für eindringende Feuchtigkeit.
  • Sie läuft dauerhaft leichter.
  • Sie erstarrt durch einfache Ölwechsel mit Spülöl nicht bis zum Exodus in ihrem eigenem Dreck.

Benötigte Teile und Werkzeuge

  1. Als einziges Teil wird eine öldichte Linsenkopfschraube benötigt.
  2. Der Einfachheit halber entschied ich mich für die „Shimano Schraube mit Dichtung für SG-S700 / SG-S7001-11 Getriebenabe“ - also der Original Alfine Dichtungsschraube mit O-Ring, die schon ab 2,- EUR käuflich zu erwerben ist.
  3. Weiterhin braucht man neben dem klassischen Werkzeug für die Demontage der Getriebeeinheit ein Gehäusedichtmittel wie z.B. "Dirko HT".

Umbauanleitung

  1. Zunächst wird die Nexus-Getriebeeinheit aus der Nabe genommen.
  2. Das Ritzel sowie die Halterung für den Schaltbowdenzug können sitzen bleiben.
  3. Mehr Spaß macht der Umbau, wenn die Nabe vor der Demontage zumindest grob mit einem Tuch gereinigt wird.
  4. Insbesondere die graue Kunststoffdichtung hinter dem Ritzel muss beim Einbau fettfrei sein, da sie mit Silikon abgedichtet werden muss.
  5. Für die Positionierung der Schmieröffnung wähle ich den rauen, nicht polierten Bereich im Nabenmantel, damit die Ölschraube keinesfalls mit der Mechanik der Getriebeinheit in Berührung kommen kann. Innen gemessen sind das ca. 26mm von der Gehäusekante bis zur Mitte der Schraube.
  6. Auf der Außenseite der Nexus-Nabe übertrage ich das Maß an eine glatte Stelle ohne Höcker mit einem wasserfesten Filzstift.
  7. Um ein senkrechtes Loch sauber in die Nabe zu bohren müsste ich das Rad eigentlich auspeichen. Dieser Aufwand ist mir für einen ersten Testballon aber viel zu groß und so versuche ich mein Glück mit einem mittelgroßen Akkubohrschrauber, den ich tatsächlich möglichst gerade gut durch die Speichen halten kann.
  8. Auch das klassische Gewindeschneiden muss so funktionieren, da ich kein Windeisen in den Speichen drehen kann.
  9. Als Gewindeschneider dient mir ein ganz einfacher Billigsatz vom Discounter. Zunächst bohre ich ein 3mm-Loch vor. Dazu wähle ich beim Akkubohrschrauber die langsamere, aber starke Getriebeübersetzung, damit der Bohrer nicht so heiß läuft.
  10. Von der Leichtigkeit überwältigt bohre ich danach ein 5mm-Loch nach, damit der M6 Gewindeschneider „noch genügend Fleisch“ hat.

Abdichtungsidee für das Dauer-Ölbad als „Ölsumpfschmierung“ der Nexus Nabe

Auf der Ständerseite ist die Nabe hoch geschlossen. Auf der Ritzelseite ist der Alukorpus aber komplett geöffnet. Bei der Fahrt wird das Öl durch die Zentrifugalkraft nach außen an den Nabenkorpus geschleudert. Deshalb muss nun die Staubkappe auf der Kettenseite sorgfältig abgedichtet werden. Die Kunststoffkappe ist nicht so hoch geschlossen, hier wird das Öl eher auslaufen. Steht das Rad geneigt auf dem Fahrradständer kann also bauartbedingt weniger passieren, als wenn das Fahrrad auf der Kettenseite z.B. an der Wand lehnt.

  1. Die Dichtung der Staubkappe an der Ritzelseite und die Dichtungsnut in der Nabe werden mit Bremsenreiniger entfettet. Dieser Schritt ist wichtig, damit die Gehäusedichtmasse ihren Zweck erfüllen kann.
  2. Nach der Reinigung habe ich vorsichtig „Dirko HT“ auf die Staubkappe aufgetragen. Die Dichtmasse zieht relativ schnell an und muss daher zügig an die richtige Position im Nabengehäuse gebracht werden.

Abschließend habe ich die Nabe wieder zusammengebaut und die überflüssige Gehäusedichtung abgewischt. Der Umbau dauerte bei mir ca. zweieinhalb Stunden, aber ich hatte ja keine Anleitung… Mein Ziel ist es die Nabe mit weiteren 5ml Öl zu befüllen und dann mit der Gesamtfüllung von 10ml dauerhaft dicht zu halten.

Welches Öl und Fett für die Wartung verwenden?

Die Gretchenfrage lautet also: Welches Öl und welches Fett darf man für die Wartung der Shimano Nexus / Alfine Naben bei Freilauf-, Rollerbrake- oder Rücktrittversion benutzen? Mit einem Bad in Getriebeöl SAE 80W90 GL4 macht man sicherlich erstmal nichts verkehrt (ohne Gewähr). Das Getriebe-ÖL SAE 80 GL4 wird z.B. bei alten MZ-Motorrädern verwendet. Konstruktionsbedingt könnten diese Anforderungen also sehr gut mit der Nexus-Funktionsweise hinkommen.

Die fast wartungsfreie Rollerbrake-Bremse selbst benötigt übrigens einmal im Jahr Shimano Rollerbrake-Spezialfett, um zuverlässig zu funktionieren.

Allgemeine Tipps zur Wartung

  • Regelmäßige Inspektion: Die Nabe muss permanent auf Öldichtigkeit überprüft werden.
  • Fett für Kugellager: Die beiden Konus-Kugellager außen und das große Kugellager an der Ritzelseite werden zusätzlich noch mit hochwertigem, wasserfesten Lagerfett eingestrichen. In den Foren steht: Weißes Fett mit hohem Nylon- bzw. Silikonanteil benutzen. Es darf die verwendeten Kunststoffteile und Dichtungen nicht aufquellen lassen.
  • Lagerspiel: Nabe und Hinterrad werden wieder eingebaut, dreht sich das Hinterrad nicht leicht ist das Lagerspiel zu stramm eingestellt und muss korrigiert werden. Hat das Hinterrad leichtes Spiel bzw. Die Pedalen sollten sich beim Schieben jetzt nicht mehr mitdrehen, der richtige Leichtlaufeffekt setzte bei mir aber erst nach ca. 100km ein.

Fazit

Die Shimano Nexus- und Alfine-Naben sind nur dann „wartungsfrei“, wenn ihre Basis-Schmierung durch kundige Hände alle x-Tausend Kilometer erneuert wird. Ob das nun wirklich alle 2 - 3.000 Kilometer laut Shimano Wartungsplan sein muss oder ob man - wie ich - mehr als 12.000 Kilometer problemlos durchfährt, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

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