Anleitung: Pressfit Innenlager Werkzeug und Montage

Wer Kurbel oder Innenlager tauscht, braucht die richtigen Handgriffe und spezielles Werkzeug. Diese Anleitung zeigt den Wechsel eines Pressfit Innenlagers.

Werkzeug und Vorbereitung

Neben einem Hammer benötigen Sie einen 2-mm- und 8-mm-Inbusschlüssel (Sram), einen Innenlager-Austreiber und ein Einpresswerkzeug. Der Austreiber kann durch einen abgesägten Lenker ersetzt werden. Einpress-Tools gibt es bereits ab 30 Euro, etwa von Pro.

Vergewissern Sie sich, welcher Typ Tretlager in Ihrem Rahmen verbaut ist, und arbeiten Sie ausschließlich mit passendem Werkzeug: Für in den Rahmen eingepresste Lager (Pressfit) nutzen Sie einen speziellen Ausschläger, damit sich die Lagerschalen nicht verkanten und die Sitze im Rahmen beschädigen. Das neue Lager sollte mit passendem Einpresswerkzeug montiert werden.

Werkzeugliste

  • Hammer
  • 2-mm- und 8-mm-Inbusschlüssel
  • Innenlager-Austreiber (oder abgesägter Lenker)
  • Einpresswerkzeug

Demontage des alten Innenlagers

Kurbel lösen

Mittels 8-mm-Inbus die Kurbelschraube gegen die Tretrichtung lösen (DUB-Kurbel/Kurbelarm festhalten!) und herausziehen. Merken Sie sich die Spacer-Anordnung (etwa bei Sram-DUB-Kurbeln und Shimano-Pressfit), damit der Einbau anschließend schneller klappt.

Innenlager austreiben

Ob per abgesägtem Lenker/Rohr oder mittels eines speziellen Austreibers: Schlagen Sie gezielt auf den inneren Rand des Innenlagers und arbeiten Sie sich rundum, immer im Kreis, bis sich die Lagereinheit schließlich aus dem Tretlager schiebt.

Direkt in den Rahmen gepresste Lager ohne Lagerschalen (z.B. BB30) lassen sich kaum demontieren, ohne sie zu zerstören. Ein passendes Ausschlagwerkzeug ist dennoch wichtig, damit die Sitze im Rahmen nicht beschädigt werden.

Vorbereitung für die Montage

Reinigen und fetten

Reiben Sie den gesamten Tretlagerbereich mit einem leicht feuchten Tuch ab. Auch die Stirnflächen müssen sauber sein. Mit dem Finger einen hauchdünnen Fettfilm auf den Lagersitz und die Stirnflächen auftragen, damit kein Wasser und Staub eindringt.

Wichtig bei allen Lagertypen: Säubern Sie das Lagergehäuse gründlich! Schmutz kann die empfindlichen Gewindegänge beschädigen, bei gepressten Modellen können die Lager verkanten oder fluchten nicht perfekt. Geben Sie auf Gewinde oder Lagersitze etwas Fett, das erleichtert die Montage. Eine dünne Fettschicht auf dem äußeren Dichtring verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt.

Montage des neuen Innenlagers

Innenlager einpressen

Vor der finalen Montage unbedingt die Rechts-links-Ausrichtung der Innenlagerschalen beachten! Nachdem Sie die neuen Innenlager-Einheiten korrekt eingesetzt haben, das Einpresswerkzeug durch das Innenlagergehäuse fädeln und ansetzen.

Geraden Sitz beachten

Bevor Sie das Einpresswerkzeug mit Kraft bedienen, checken Sie, ob alle Teile absolut plan und gerade sitzen. Denn wird das Innenlager schräg eingepresst, verkantet es sich, nimmt selbst Schaden und kann zudem den Rahmen beschädigen.

Die Lagerschalen sollten ohne Spiel am Tretlager-Gehäuse anliegen.

Kurbelarm fetten und einsetzen

Als Schutz vor eindringendem Wasser benetzen Sie den Kurbelarm mit etwas Fett. Auch die sternförmige Achsaufnahme kann leicht gefettet werden, um lästigen Knackgeräuschen vorzubeugen. Nun die Kurbel durch das Innenlager stecken.

Kurbel festziehen

Mittels des 8-mm-Inbusschlüssels nun die Kurbel in Tretrichtung festziehen. Sram gibt ein Anzugsmoment von 54 Nm an. Damit Sie die Kette nicht zwischen Rahmen und Kettenblatt/Chainguide einklemmen, legen Sie diese erst nach der Montage wieder aufs Blatt.

Kurbelspiel einstellen

Die linke Kurbelarmseite besitzt einen Arretierungsring (Sram). Ziehen Sie diesen nur handfest an. Anschließend den Arretierungsring mittels eines 2-mm-Inbusschlüssels sichern.

Besonderheiten der Kurbelhersteller

  • Shimano: Die Abdeckschraube in der linken Kurbel sichert lediglich die Position der Kurbel auf der Achse. Ziehen Sie die Schraube daher nur leicht mit 1 bis 2 Newtonmetern fest. Anschließend fixieren Sie die Kurbel mit den Inbusschrauben. Ziehen Sie diese abwechselnd und gleichmäßig an, damit sich die Kurbel nicht verkantet.
  • SRAM: SRAM-Kurbeln werden mit einem integrierten Abzieher demontiert. Die Kurbel kann extrem festsitzen und die Demontage viel Kraft erfordern! Bei vielen SRAM-Lagern muss außerdem das Lagerspiel eingestellt werden. Das geschieht mit einem geschraubten Ring auf der linken Seite, der in der richtigen Einstellung mit einer kleinen Inbusschraube fixiert wird.
  • Campagnolo: Bei hochwertigen Campagnolo-Kurbeln sind die beiden Achshälften mittig verschraubt, die Schraube erreichen Sie mit einem langen Inbusschlüssel. Achtung bei Super-Record-Kurbeln mit Titanachse: Hier hat die Schraube ein Linksgewinde! Diese Version erkennen Sie am aufgedruckten roten Ring um die Achse. Die Lager sind auf die Achshälften gepresst, für den Tausch werden spezielle Werkzeuge benötigt. Hier empfiehlt sich der Gang zum Händler.

Pressfit-Standards im Überblick

Die gängigsten Innenlagerstandards sind:

  • Pressfit BB92 / Pressfit GXP: 24-mm-Achse, 92 / 89,5 mm Gehäusebreite, 41 mm Gehäusedurchmesser
  • Pressfit30 (PF30): 30-mm-Achse, 83 / 73 / 68 mm Gehäusebreite, 46 mm Gehäusedurchmesser
  • BB30: 30-mm-Achsen, 85 / 83 / 73 /68 mm Gehäusebreite, 42 mm Gehäusedurchmesser

Wann ist ein Tretlagerwechsel nötig?

Weil Tretlager viel Last aufnehmen müssen und bei Regenfahrten Schmutz und Wasser ausgesetzt sind, sind Defekte nicht selten. Der Verschleiß kündigt sich oft mit unregelmäßigen Knackgeräuschen an. Hat die Kurbel bereits Spiel, dreht sich schwergängig, ruckelig oder erzeugt mahlende Geräusche, ist es höchste Zeit für einen Lagertausch. Knackende Geräusche können auch von verschlissenen Lagersitzen rühren, das Geräusch tritt im Betrieb dann meist am Punkt der höchsten Belastung auf (Kurbel waagerecht): Auch einwandfreie Lager oder Lagerschalen sitzen dann nicht mehr fest im Rahmen. Besonders Carbongehäuse sind dafür anfällig. Sie können versuchen, die Lager mit etwas Montagepaste einzuschmieren, meist ist das jedoch nur eine Übergangslösung. Bei schwierigen Fällen können spezielle Carbon-Reparaturbetriebe helfen.

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