Die Winterzeit ist ideal, um sich der Fahrradpflege zu widmen. Insbesondere der Schaltzug sollte regelmäßig überprüft und bei Bedarf ausgetauscht werden, um eine reibungslose Funktion der Gangschaltung zu gewährleisten. Wenn die Gangschaltung hakt oder unpräzise schaltet, ist es möglicherweise an der Zeit, den Schaltzug zu wechseln.
Wann sollte man den Schaltzug wechseln?
Der Turnus, in dem ein Schaltzug erneuert werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem aber von der Nutzungsintensität. Die Gleitfähigkeit des Stahlseils in der Außenhülle nimmt mit der Zeit ab. Hinzu kommt der Störfaktor Schmutz, der trotz winziger Dichtungen an den Ein- und Ausgängen der Außenhüllen ins Innere eindringen kann. Weitere mechanische Einflüsse, wie abknickende oder ungünstig verlegte Züge, können das Schaltverhalten verschlechtern.
Untrügliche Hinweise auf einen notwendigen Zugwechsel sind permanente, unpräzise Schaltschritte. An modernen Schaltungen mit 10, 11 und mehr Ritzeln auf engstem Raum muss das Schaltwerk extrem kleine und präzise Schritte ausführen. Wenn die Schaltrollen am Ende des Schaltvorgangs nicht exakt senkrecht unter dem gewählten Ritzel stehen bleiben, erzeugt die Kette Laufgeräusche oder springt zum benachbarten Zahnkranz über. Man kann sich also vorstellen, dass jede Behinderung des Schaltseils auf seinem langen und kurvenreichen Weg vom Lenker zum Schaltwerk Probleme verursacht.
Wichtiger Tipp vorab
Bei einem Zugwechsel sollte stets das gesamte System erneuert werden, also Innenzug UND Außenhülle. Grund: Weil das Gleitmittel im Liner verharzt, bringt ein neues Stahlseil kaum eine Verbesserung (als Liner bezeichnet man das Kunststoffröhrchen in der Zughülle). Nur bei einem neuen Komplettsystem ist bestmögliche Gleitfähigkeit gegeben. Zugegeben, der Kompletttausch ist etwas aufwändiger, aber dafür muss man heute bei Einfach-Antrieben nur noch einen Zug wechseln.
Benötigte Werkzeuge und Hilfsmittel
- Kabelschneider
- RockShox Barb Connector (optional, für durchgehende Außenhüllen)
- Liner (optional, für Rahmen mit Stahlseilführung im Rohr)
- Kreuzschlitzschraubendreher (für Shimano Schalthebel)
- PVC-Endhülsen
- Nagel (zum Aufweiten der Außenhüllenenden)
Ein Spezialwerkzeug, das man unbedingt benötigt, ist ein so genannter Kabelschneider. Er besitzt gerundete Schneiden, damit insbesondere die Außenhülle beim Ablängen nicht gequetscht wird. Beim Innenzug (Stahlseil) sorgt diese Zange dafür, dass sich nach dem Abschneiden das Ende nicht in seine feinen Einzeldrähte auflöst. Ein Kabelschneider gehört in jede Hobbywerkstatt.
Wer seine Außenhüllen durch den Rahmen ziehen muss, braucht ein kleines aber feines Teil: Der RockShox Barb Connector verbindet die alte Außenhülle mit der neuen, so dass man den Strang mühelos durchs Rahmenrohr schieben/ziehen kann.
Wenn an deinem Rahmen lediglich das Stahlseil im Rohr verläuft (Außenhüllen enden am Einlass), dann benötigst du zum Durchfädeln des neuen Seils ein Stück Liner. Das Kunststoffröhrchen muss so lang sein, dass es beidseitig über das Rahmenrohr hinaus ragt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Im Folgenden werden die Arbeitsschritte sowohl für Rahmen mit durchgehenden als auch mit unterbrochenen Außenhüllen beschrieben.
Anleitung für durchgehende Außenhüllen
- Kette aufs kleinste Ritzel schalten.
- Entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk) lösen.
- Ende des Schaltseils mitsamt der Quetschhülse abschneiden.
- Zugwechsel-Öffnung am Schalthebel öffnen:
- Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich.
- Sram: Gehäusedeckel oben.
- Schaltseil durch den Hebel herausziehen. Die Außenhülle verbleibt vorerst im Rahmenrohr!
- Neue Außenhülle mit Hilfe des RockShox Connectors an die alte Hülle schrauben.
- Neue Außenhülle mehr schiebend als ziehend einführen.
- Neue Außenhülle ablängen und harmonisch verlegen.
- Enden der Außenhüllen mit einem Nagel etwas aufweiten. PVC-Endhülsen aufstecken.
- Schaltseil durchfädeln, System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.
Anleitung für nicht durchgehende Außenhüllen
- Kette aufs kleinste Ritzel schalten.
- Entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk) lösen.
- Außenhülle am Schalthebel einige Zentimeter wegziehen und damit das Stahlseil freilegen. Dort musst du es abschneiden!
- Segment der Außenhülle zwischen Lenker und Rahmenrohr abziehen.
- Außenhülle unten am Tretlager wegziehen.
- Liner über den alten Seilzug schieben, bis er unten wieder aus dem Rohr kommt.
- Alten Zug nach unten aus dem Liner ziehen.
- Neue Außenhüllen-Segmente auf die richtigen Längen schneiden.
- Vor dem Aufstecken der PVC-Endhülsen hilft der Trick mit dem Nagel, um die Einlässe zu Weiten.
- Zugwechsel-Öffnung am Hebel aufschrauben (Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich. Sram: Gehäusedeckel oben).
- Neues Seil durch den Hebel und das erste Segment der Außenhülle fädeln.
- Anschließend mit Gefühl durch den Liner im Rahmenrohr.
- Sobald das Seil unten auftaucht kannst du den „Hilfs-Liner“ mit dem Seil zusammen durch bzw. aus dem Rahmen ziehen.
- Schaltzug und weitere Außenhüllensegmente bis zum Schaltwerk fädeln. System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.
Hinweise zur Feineinstellung
Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei Mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht. Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.
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