Kopfsteinpflaster, kaputter Asphalt, Schotterstraßen, Waldwege: Für viele Rennradfahrerinnen und -fahrer ist es neuerdings eine Wonne, über scheinbar ungeeigneten Untergrund zu poltern. In der Marketingsprache der Fahrradbranche heißt das “Allroad”, in der Praxis ist es wohl schlicht die Flucht vor nervendem Straßenverkehr.
Abseits gut geteerter Hauptstraßen sind Autos rar und das Naturerlebnis nah, das bringt vielen Freizeitsportlern mehr Lebensqualität als stoisches Training auf möglichst glattem Asphalt.
Dass sich immer mehr Rennradler auch ins Gelände trauen, liegt nicht nur an der massenhaften Verbreitung von Gravelbikes, die sich auch - oder vor allem - im Gelände wohlfühlen. Komfortspendende Rahmen, immer breitere und tubeless, also ohne Schlauch, montierte Reifen machen es auch mit Straßenrädern möglich, den festen Boden öfter mal zu verlassen, ohne gleich eine Panne oder einen Bandscheibenvorfall zu riskieren.
Wer wenigstens die Hälfte Asphalt unter die Räder nimmt, bewertet die oft stark profilierten Gravelreifen eventuell als zu breit und zu langsam. Für gelegentliche Ausflüge in die Botanik reichen 30- oder 32-Millimeter-Reifen, was schon an vielen Endurance-Rädern üblich ist und sich auf der Straße noch nach Rennrad anfühlt.
Breite Felgen als Alleskönner
Wer sich an den Empfehlungen der Reifenhersteller zur passenden Felgenbreite orientiert, landet mit diesem Anspruch bei gut 20 Millimetern Innenmaß. Auch wer am Gravelbike je nach Einsatz oder Saison zwischen Straßen- und Geländereifen wechseln will, findet hierin den idealen Kompromiss.
Denn darauf passen schnelle 28-Millimeter-Straßenreifen ohne Einschränkungen, und auch für einen 50er-Stollenreifen ist das nicht zu schmal. Das Problem: Während viele neue Carbonfelgen längst dieses Innenmaß aufweisen oder sogar noch breiter sind, kommen preiswerte Alu-Laufräder fürs Rennrad häufig noch mit nicht mehr zeitgemäßen 17 Millimeter Breite - optimiert für 25er-Rennradpneus.
Dezidierte Gelände-Laufräder sind mit 24 Millimetern oder mehr dagegen meist zu breit für Straßenreifen. TOUR hat den Markt abgesucht nach passenden und preiswerten Laufrädern um 500 Euro.
Die Gratwanderung zwischen Straße und Schotter ist für viele die neue Art, Rennrad zu fahren. Sieben Kandidaten konnten unserer Einladung trotz der weiterhin angespannten Liefersituation folgen, darunter große Hersteller wie DT Swiss, Mavic oder Shimano, aber auch kleinere Anbieter wie Aerycs und Leeze.
Im Kurztest geht es um Gewicht, Steifigkeit und Beschleunigung; der Rundlauf nach einem Überlastungstest ist außerdem ein Indiz dafür, ob die Laufräder robust bleiben oder bei hartem Einsatz ständig nachzentriert werden müssen.
Tubeless-taugliche Rennrad-Laufräder
Die Laufräder im Testfeld sind allesamt Tubeless-tauglich und auch fürs Gelände ausgelegt - so zumindest das Versprechen der Hersteller. Mavic und Fulcrum weisen einen geschlossenen Felgenboden auf, was im Hinblick auf Tubeless-Reifen ein Vorteil ist: Das Felgenband, mit dem die anderen Hersteller ihre Felgen abdichten, ist ein zusätzlicher Quell für Defekte.
Die Innenbreite der Felgen liegt mit einer Ausnahme bei 22 Millimetern; nur Fulcrum stellt ein Straßen-Laufrad mit 19 Millimeter Innenmaß, weil das Gravel-Pendant mit 24 Millimeter für unseren Anspruch grenzwertig breit ausfällt.
Konzeptionell lässt das Budget den Herstellern sichtbar wenig Spielraum. Flache Alu-Felgen und meist 24 klassische Messer-Stahlspeichen prägen das Bild; nur Fulcrum und Leeze kommen mit je drei Speichen weniger aus.
So vergleichbar die Konzepte, so ähnlich Gewichte - mit wenigen Ausnahmen. Überraschend leicht ist das Leeze, das etwa 200 Gramm pro Satz gegenüber dem Durchschnitt und gar 400 Gramm gegenüber dem schwersten Modell von Ritchey spart.
Schaut man sich die anderen mechanischen Werte an, wird aber klar, dass auch das ein Kompromiss ist; die Laufräder sind nicht sehr seitensteif, für schwere Fahrer daher nicht zu empfehlen. Umgekehrt können die schwersten Laufräder hier punkten: Die relativ schweren Räder von Mavic und Ritchey erweisen sich als die stabilsten.
Den besten Kompromiss aus beiden Disziplinen schafft DT Swiss. Auch die Rundlaufmessung nach dem Überlastversuch zeigt, dass die Schweizer Spezialisten ihr Handwerk verstehen.
Es wird damit knapper, aber verdienter Testsieger vor dem ausgewogenen Aerycs und dem robusten Ritchey. Das DT-Swiss-Laufrad ist auch das mit dem höchsten zulässigen Systemgewicht, also auch für Radreisende mit Gepäck eine Option - selbst wenn es hin und wieder über Stock und Stein gehen sollte.
Die Laufräder werden ohne Zubehör (z.B. Tubeless-Ventile), jedoch mit Felgenband gewogen, falls benötigt. Die Steifigkeitsprüfung erfolgt mit 100 Newton seitlicher Last am Außendurchmesser.
Steife Laufräder lenken präziser und machen in der Regel weniger Ärger, sie sind höher belastbar.
Überblick über getestete Laufräder
Aerycs Alutrek
Sauber aufgebauter Satz mit Naben und Messerspeichen von DT Swiss. Breite Felge für Reifen ab 30 Millimeter. Viele Optionen, darunter auch eine 27,5-Zoll-Variante.
DT Swiss CR 1600 Spline
Stabiler Laufräder mit hohem zulässigem Fahrergewicht. Hochwertige Naben, breite Felge für Gravel- und Crossbereifung, aber auch für Straßenreifen ab 30 Millimeter.
Fulcrum Racing 3
Straßenlaufrad mit relativ schmaler Felge, die sich noch für Gravelreifen um 40 Millimeter eignet. Steifigkeit trotz wenig Speichen okay, wer mit Gepäck fährt, sollte das Gewichtslimit beachten.
Leeze AC 25 Allroad
Sehr leichter Laufradsatz mit hochwertigen Sapim-CX-Ray-Speichen und breiter, leichter Felge. Die Steifigkeiten sind unterm Durchschnitt, daher eher was für leichte Fahrer. Optional mit Keramiklagern.
Mavic Allroad S
Schwerer, aber fahrstabiler Laufradsatz mit hoher Gewichtsfreigabe. Geschlossene Tubeless-Felge ohne Felgenband. Adapter für Schnellspanner und 15-mm-Achsen als Zubehör erhältlich.
Ritchey Comp Zeta Disc
Preiswert, aber kein Leichtgewicht. Hohe Nabenflansche und stabile Speichen bringen Steifigkeit. Mit klassischen DT-Swiss-Speichen leicht zu reparieren. Nur für 6-Loch-Bremsscheiben!
Shimano GRX WH-RX570
Einfaches Laufrad aus Shimanos Gravel-Gruppe mit durchschnittlichen Werten.
Shimano WH-RS171-CL 28" Laufradsatz - breiter und leichter
Der Shimano WH-RS171-CL 700C Laufradsatz verfügt über ein breiteres Felgenprofil als sein Vorgänger WH-RS170, ist aber um einige Gramm leichter. Das Innenmaß beträgt nun 19 mm, was die Laufräder für den Einsatz abseits der Straße interessant macht.
Erhalten geblieben sind natürlich die bewährten Shimano Qualitäts-Technologien.
Spezifikationen:
- Einsatzbereich: Road, Gravel, Cyclocross
- Laufradgröße: 28"
- Reifentyp: Draht-/Faltreifen
- Anzahl Speichen: 28
- Bremssystem: Disc Center Lock
- Tubeless-System: ohne
Technische Daten Felge:
- Felgenhorn: mit Haken
- Dimension (ETRTO): 19-622
- Felgenbreite innen: 19 mm
- Felgenbreite außen: 24,6 mm
- Felgenhöhe: 19 mm
- Ventilloch (-durchmesser): SV (6,5 mm)
- Material Felge: Aluminium
Technische Daten VR-Nabe:
- Einbaubreite: 12 x 100 mm Steckachse
- Lagerung: Konuslager
- Material Nabenkörper: Aluminium
Technische Daten HR-Nabe:
- Einbaubreite: 12 x 142 mm Steckachse
- Lagerung: Konuslager
- Material Nabenkörper: Aluminium
- Material Freilaufkörper: Stahl
- Freilaufsystem: Sperrklinken
Technische Daten Einspeichung:
- Einspeichmuster VR: 2-fach gekreuzt
- Einspeichmuster HR: 2-fach gekreuzt
- Speichentyp/Bauart: J-Bend / rund
- Speichengröße: 290 mm (VR), 290 mm/288 mm (HR l/r)
- Material Speichen: Edelstahl
- Nippelgröße: 2 mm (Durchmesser)
- Material Nippel: Messing
Freigaben:
- Empfohlene Reifenbreite: 28-622 - 42-622
Features:
- 19C Felgenprofil für bessere Performance mit breiteren Reifen
- über 100 g leichter als Vorgänger WH-RS170
- steifes 12 mm Achssystem vorne und hinten
- bewährte Shimano Qualität und Technologien
- Felgenstoß gesteckt
- CBN-feinbearbeitete Lager, poliert, mit Kontaktdichtung
- Freilauf mit Kontaktdichtung
- Fettrückhaltefunktion
- Felge eloxiert und lackiert, Nabenkörper eloxiert
- Naben-Achsen aus Aluminium
- Felgenband verwenden (im Lieferumfang)
Technologie:
- Cup and Cone Lagerung Schrägkugellager vom Typ Konuslager (Cup & Cone) sind gedichteten Industrielagern an Belastbarkeit überlegen, weil sie seitliche und vertikale Kräfte besser verteilen und so besonders geschmeidig laufen sowie lange halten. Außerdem lassen sie sich leichter einstellen, warten und ersetzen.
- E-Thru ist ein werkzeugloses Steckachssystem von Shimano, welches das Verhältnis von Steifigkeit zu Gewicht optimiert und über seinen verlässlichen internen Nockenmechanismus eine einfache Handhabung gewährleistet. Es zeichnet sich durch eine hohe Verwindungsresistenz aus und unterstützt so auch Kurvenfahrten bei hoher Geschwindigkeit. E-Thru-Steckachsnaben und -Steckachsen sind in den entsprechenden Einbaubreiten für vorne und hinten erhältlich.
Ausführungen:
- 28" Satz (VR 12x100 + HR 12x142) Shimano:
- Freilauf: Shimano Road
- Schaltstufen: 8-/9-/10-/11-/12-fach
Hinweis: Zur Montage von 8-/9-/10-fach Kassetten auf einen Shimano Road Rotor wird ein 1,85 mm-Distanzring benötigt.
Für rund 500 Euro bekommt man solide Laufräder, die zwar nicht besonders leicht sind, aber stabil und langlebig, und die auch Geländefahrten problemlos wegstecken. Wer mit viel Gewicht unterwegs ist - zum Beispiel Gepäck - sollte eher zu den schwereren Laufrädern greifen, sie erweisen sich im Test als die steifsten.
Aero-Laufräder im Test
Aero-Laufräder erfreuen sich unter Rennradfahrern großer Beliebtheit. Kein Wunder: Hohe Felgen sehen schnell aus und verleihen selbst einem in die Jahregekommenen Rennrad neuen Glanz, der typische „BollerSound“ motiviert, und bei den Radprofis sieht man ohnehin kaum noch etwas anderes.
Doch wie viel bringen die Aero-Laufräder im Vergleich zu Laufrädern mit flacheren Felgen wirklich? Welche Aspekte werden gerne übersehen? Und wie schlagen sich aktuelle Modelle im direkten Vergleich?
Um diese Fragen zu beantworten, hat RoadBIKE aufwendige Tests im Windkanal, auf den RB-Prüfständen und auf der Straße durchgeführt.
Eingeladen waren Laufräder mit Felgen um 60 Millimeter Höhe: Diese versprechen erhebliche Aero-Vorteile, bleiben dabei alltagstauglich und erinnern optisch nicht an reine Zeitfahr-Modelle.
DT Swiss, Enve, Mavic, Reynolds und Zipp schickten ihre Aero-Flaggschiffe, die Testkandidaten stellen die Crème de la Crème im aktuellen Laufradbau dar.
Klare Erkenntnis der Tests im Windkanal: Aero-Laufräder sind messbar schneller als Modelle mit flacheren Felgen.
Über 10 Watt sparen die Hochprofillaufräder gegenüber einer Referenz mit 30 Millimeter hohen Felgen. Das bedeutet: Ohne mehr Leistung erbringen zu müssen, wäre ein 75 Kilogramm schwerer Rennradfahrer auf einer 100-Kilometer-Strecke mit 1500 Höhenmetern deutlich über eine Minute schneller.
Der Grund dafür: Egal von welcher Seite der Wind kommt, bleibt der Luftwiderstand bei flachen Felgen nahezu unverändert oder steigt sogar an. Bei Hochprofilfelgen ist der Luftwiderstand hingegen schon bei normalem Fahrt- und frontalem Gegenwind geringer, bei Seitenwind sinkt er sogar noch einmal deutlich: Bei Anströmwinkeln der Luft zwischen zehn und fünfzehn Grad muss ein Fahrer mit Aero-Laufrädern für dieselbe Geschwindigkeit 20 Watt weniger Leistung aufwenden als ein Fahrer mit 30 Millimeter-Felgen, bei Berglaufrädern mit komplett flacher Felge oder Felgen mit kastenförmigem Profil wäre der Vorteil der Aero-Sets sogar noch größer.
Das zu Grunde liegende Phänomen wird Segeleffekt genannt: Die seitlich anströmende Luft greift in die hohen Felgen wie in ein Segel und trägt so zum Vortrieb bei.
Vor- und Nachteile von Aero-Laufrädern
Trotz dieser messbaren Vorteile sind Aero-Laufräder nicht pauschal und uneingeschränkt zu empfehlen, warten sie doch auch mit einigen Nachteilen auf. Jeder Rennradfahrer muss deshalb für sich entscheiden, was überwiegt.
Was gegen Aero-Laufräder spricht? Beispielsweise das veränderte Fahr- und Lenkverhalten sowie die höheren Kosten: Hohe Felgen bedeuten mehr Material und folglich auch mehr Gewicht. Um das so gering wie möglich zu halten, kommen zwar alle Testkandidaten mit teuren Carbon-Felgen, wiegen aber trotzdem zwischen knapp 1600 und fast 1800 Gramm - manches deutlich günstigere Disc-Laufrad aus Alu ist leichter.
Und höheres Gewicht macht sich beim Fahren bemerkbar: Schwere Laufräder beschleunigen weniger spritzig. Doch nicht nur die Beschleunigung wird durch das Aero-Profil beeinflusst, auch das Lenkverhalten.
„Egal ob auf gerader Strecke oder beim Einlenken in Kurven - Seitenwind und insbesondere Böen wird man bei Hochprofl-Laufrädern immer wieder spüren“, sagt Jean-Paul Ballard von Swiss Side, „wobei man sich auch recht schnell daran gewöhnen kann.“
Wer über die Anschaffung eines Aero-Laufradsatzes nachdenkt, sollte sich folglich fragen: Bin ich bereit, ein höheres Gewicht und verändertes Handling in Kauf zu nehmen, um aerodynamische Vorteile zu erzielen?
Die Beantwortung dieser Frage hängt auch davon ab, wie ambitioniert Rennrad gefahren wird: Leistungsorientierte Wettkampfsportler bewerten auch geringe Zeitersparnisse sicher anders als reine Hobby- und Genussfahrer.
Wer vor allem schneller werden möchte, sollte sich aber auch im Klaren sein: Aero-Laufräder sind, was den Kosten-Nutzen-Faktor angeht, die teuerste Stellschraube, an der man drehen kann.
Andere Maßnahmen, wie eine aerodynamisch optimierte Sitzposition oder windschlüpfrige Bekleidung, bringen größere Vorteile und sind deutlich günstiger zu haben. Geht es aber darum, noch das letzte Watt einzusparen, werden Aero-Laufräder zur Pflicht.
Klar ist auch: Kaufentscheidungen müssen nicht immer rational erklärbar sein.
Kopf-an-Kopf-Rennen der Aero-Laufräder
Welches Laufrad aus dem Testfeld ist nun das schnellste? Einfach ist die Antwort nicht, da hier unterschiedliche Philosophien deutlich werden. Reynolds etwa geht davon aus, dass man mit Aero-Laufrädern möglichst schnell fährt, was die Bedeutung des seitlich anströmenden Windes relativiert.
Entsprechend optimieren die US-Amerikaner ihre Felgen für frontalen (Fahrt-)Wind und geringe Anströmwinkel. Mit Erfolg: Kein Laufrad ist in diesem Bereich schneller, zudem sind die seitlich gegen das Vorderrad wirkenden Kräfte am geringsten - das Laufrad fährt sich auch subjektiv schnell - und sehr stabil.
Dafür ist der Segeleffekt geringer ausgeprägt, die Luftwiderstandswerte steigen bei Seitenwind früher als bei der Konkurrenz. Ganz anders die anderen Kandidaten: Hier will man so viel Seitenkraft wie möglich generieren, um den Segeleffekt maximal auszunutzen.
„Für Hobbyfahrer ist der Segeleffekt fast wichtiger als für Profis, da sie langsamer fahren, und der Schub von seitlich anströmender Luft effektiver zur Geltung kommt“, erklärt Swiss Side Experte Ballard.
Die Kehrseite der Medaille ist das etwas nervösere Lenkverhalten dieser Sätze. Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen liegen die korrigierten Mittelwerte aus allen Messungen in jedem Anströmwinkel extrem dicht beieinander.
Das bedeutet: Was die Aerodynamik angeht, kann man mit den getesteten Modellen wenig falsch machen, eine Kaufentscheidung ließe sich folglich an anderen Aspekten festmachen.
Betrachtet man vor diesem Hintergrund die „klassischen“ Kriterien von RoadBIKE-Laufradtests, setzen sich DT Swiss und Mavic mit soliden Steifigkeitswerten von der Konkurrenz ab - freilich ohne dabei selbst Fabelwerte zu erreichen.
Mavic lässt dagegen, wie schon in der Vergangenheit, Punkte bei der Torsionssteifgikeit liegen und leidet etwas an Übergewicht.
Reynolds gefällt hingegen mit dem besten Torsionswert, Enve mit dem geringsten Gewicht. Schade: Nicht zum ersten Mal in einem RB-Laufradtest zeigte sich mangelnde Sorgfalt beim Aufbau. Diesmal waren die Modelle von Enve, Mavic und Zipp teils deutlich aus der Mitte zentriert.
Sind auch die Garantiebestimmungen ein Kaufkriterium, setzen sich Reynolds und Enve mit lebenslanger Garantie von den Konkurrenten ab, die „nur“ jeweils zwei Jahre Herstellergarantie bieten, teilweise unter Ausschluss von Wettkampfeinsätzen (DT Swiss).
Augen auf bei der Reifenwahl
Wer sich für einen Aero-Laufradsatz entscheidet und wem es dabei in erster Linie um die Verbesserung der eigenen Aerodynamik geht, sollte ein kleines, aber feines Detail nicht außer Acht lassen: den Reifen.
„Entscheidend ist das Profl“, erklärt Experte Ballard, „es lenkt die Luftströme und beeinflusst somit den Segeleffekt. Bei einem profillosen Slick reißen die Luftströme viel früher ab, ironischerweise sind Slicks aber oft bei Rennmaschinen oder Zeitfahrrädern montiert. Dabei kann ein aerodynamisch schlechter Reifen jeden Vorteil eines Aero-Laufrads zunichtemachen.“
Gute Ergebnisse im Windkanal liefert der auch im RB-Test verwendete Continental GP 4000 S II. Darüber hinaus kooperieren derzeit verschiedene Laufradhersteller bei der Entwicklung ihrer neuen Modelle mit Reifenfabrikanten.
Das Shimano WH-RS100-CL Laufradsatz für Rennräder mit Felgenbremsen und Schnellspannern bestehend aus Vorder- und Hinterrad. Details:
- ETRTO: 622 x 17 C
- Felgen: Aluminium-Felge mit Aluminium-Bremsflanke, gestecktem Felgenstoß und Verschleißindikator
- Felgenbreite: ca. 23,2 mm, Felgenhöhe: ca.24 mm
- schwarze Edelstahl-Rundspeichen: VR 20 Stück radial / HR 24 Stück gekreuzt mit Aluminium-Nippeln
- Stahl-Achsen und Aluminium-Nabenkörper
- Stahl-Freilaufkörper
- Einbaumaß Vorderrad: 100 mm Schnellspanner
- Einbaumaß Hinterrad: 130 mm Schnellspanner
- schneller Sperrklinkeneingriff für einen direkten, verzögerungsfreien Antritt
- Kontaktdichtungen
- für Felgenbremsen
- 8-/9-/10-/11-fach Shimano HG kompatibel
- empfohlene Reifenbreite: 700 x 23 C bis 700 x 32 C
- Gewicht: VR: ca. 805 g/HR: ca.
LOOK 795 BLADE RS DISC im Test
Mit dem LOOK 795 BLADE RS DISC schickt der französische Carbon-Spezialist das Scheibenbremsmodell des neuesten Aero-Bikes in den Vergleichstest. Das Carbon-Rahmen-Set hat eine Reifenfreiheit für bis zu 30 mm breite Pneus und trumpft mit zahlreichen Features für verbesserte Komfortwerte.
So verzichten die Sitzstreben auf eine Verstrebung über dem Hinterrad und sollen durch ihre Konstruktion für effiziente Kraftübertragung, maximale Vibrationsdämpfung und Hinterradtraktion sorgen. Der Kopf der LOOK AEROPOST 2-Sattelstütze kann um 180° gedreht werden und ermöglicht so die Wahl von 0 oder 25 mm Versatz.
Das BB386 Pressfit-Tretlager ist mit 24- und 30-mm-Achsen kompatibel und verspricht durch die Aluminiumeinsätze kleinstmögliche Toleranzen und einfache Wartung. Wie beim Modell mit Scheibenbremsen werden sämtliche Züge und Leitungen bei der Rim-Variante durch den Rahmen geführt.
Die eigens entwickelte LOOK ADS-Vorbau- und Steuersatz-Kombination will dabei Integration und einfache Erreichbarkeit im Service-Fall kombinieren. Unser Test-Bike ist ein Custom-Aufbau mit der SRAM RED eTap AXS 2×12-Schaltgruppe, Corima WS Black-Laufrädern und Pirelli P Zero Velo-Reifen in 700 x 25C. In dieser Ausstattung wiegt das LOOK 7,95 kg in Größe L und kostet 9.500 €. Es ist das einzige Bike im Test, das sich statt der kompakten 46/33-Kettenblätter der „großen“ Abstufung von 50/37 T bedient, die vergleichbar mit Shimanos 53/39 T-Blättern ist.
Beim Antritt aus dem Stillstand gibt sich das LOOK vergleichsweise behäbig, entwickelt jedoch beim Beschleunigen aus der Kurve oder aus dem Windschatten viel Speed. Auffallend leicht lässt es sich im Wiegetritt unter dem Körper bewegen und punktet hier mit dem ausgesprochen steifen Tretlager- und Steuerrohrbereich.
Während das Klettern steiler Anstiege viel Kraft vom Fahrer benötigt und nicht gerade zur Paradedisziplin des LOOK gehört, spielt es in der Ebene und im Gegenwind seine Stärken voll aus. Hier liegt das Rad sehr satt auf der Straße, verfügt über einen phänomenalen Geradeauslauf und sorgt so für ein sehr hohes Maß an Sicherheit, lässt jedoch Komfort vermissen.
Zwar können die Pirelli-Pneus mit ihrer guten Eigendämpfung für ein gewisses Komfort-Level sorgen, doch ist die Compliance von Rahmen-Set und Sattelstütze zu gering, um eine sehr flache und damit aerodynamische Sitzposition über einen langen Zeitraum zu halten. Aufgrund des drehbaren Sattelstützenkopfes kann auf Wunsch eine kompakte und dennoch sportive Sitzposition realisiert werden.
In beiden Sattelpositionen hat man das Gefühl, mehr auf dem Rad als integriert im Bike zu sitzen. Gleichzeitig ist das Oberrohr des Bikes recht hoch, womit die Überstandshöhe für kleinere Fahrer zum Thema wird. Auf schnelle Richtungswechsel reagiert das Rad etwas verzögert, lässt sich dafür aber im Grenzbereich gutmütig beherrschen.
Das LOOK 795 BLADE RS DISC ist eine wahre Rennmaschine. Für Racer mit Time-Trail-Ambitionen ist es eine waschechte Speed-Maschine auf Rennstrecken mit perfekten Untergründen. Auch Genießer und Jedermänner werden den Geradeauslauf und das gutmütige Verhalten im Grenzbereich schätzen.
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