Shimano S-Phyre Überschuhe im Test: Schutz und Komfort für Winterfahrten

Wer im Winter nicht auf das Radfahren verzichten möchte, kennt das Problem kalter und tauber Füße. Mit den richtigen Überziehschuhen lässt sich dem effektiv entgegenwirken und der Zeitpunkt, an dem das Gefühl aus Fingern und Zehen schwindet, deutlich hinauszögern. Wichtig zu wissen: Das individuelle Temperaturempfinden ist unterschiedlich ausgeprägt, die Überschuhe in diesem Test tragen diesem Umstand Rechnung.

Die Bandbreite reicht von Modellen für Hardcore-Einsätze bei Minustemperaturen bis hin zu dünneren Modellen für die Übergangszeit. Wer genau weiß, für welche Bedingungen die Überschuhe benötigt werden, kann also gezielter auswählen. Neben den Spezialisten gibt es noch die typischen Allrounder, die mit den meisten Situationen gut klarkommen.

Experten-Tipp

Montiert die Cleats an euren "Winterschuhen" möglichst etwas weiter Richtung Kurbelseite, denn Überschuhe tragen auf, deshalb besteht die Gefahr, dass ihr euch auf Dauer die Kurbel zerkratzt. Eventuell vorhandene Belüftungsöffnungen an den Sohlen könnt ihr mit Isolierband abkleben, um Zugluft draußen zu halten. Und bei Regen hat es sich als hilfreich erwiesen, die Beinlinge über den Überschuhen zu tragen, damit der Regen (länger) außen abläuft.

Getestete Überziehschuhe

Im Folgenden werden einige der getesteten Überziehschuhe detaillierter betrachtet:

Sportful Fiandre Bootie

Regen hat bei den Fiandre Bootie von Sportful keine Chance, Tropfen perlen an den dünnen und leichten Überschuhen einfach ab. Zudem liegt das Material eng an und lässt so auch am oberen Bund keine Zugluft eindringen. Andere Überschuhe sind aber wärmer.

Vorteile:

  • Sehr hoher Tragekomfort
  • Top Regenschutz
  • Tragen kaum auf

Nachteile:

  • Nicht die wärmsten

Weitere Infos:

  • Preis: 89,90 Euro
  • Gewicht: 112 g
  • Größen: 38-47
  • Made in: China
  • Kälteschutz: ❄❄
  • Nässeschutz: 💧💧💧💧💧

Shimano Road Thermal Shoe Cover

Shimanos Road Thermal Shoe Covers sind das günstigste Modell im Test, der eher einfache Schnitt liegt nicht ganz so gut an. Warm und trocken halten sie aber dennoch sehr verlässlich.

Vorteile:

  • Herausragender Nässeschutz
  • Angenehm warm
  • Niedriger Preis

Nachteile:

  • Passform nicht perfekt

Weitere Infos:

  • Preis: 49,95 Euro
  • Gewicht: 234 g
  • Größen: 37-52
  • Made in: China
  • Kälteschutz: ❄❄❄❄
  • Nässeschutz: 💧💧💧💧💧

GripGrab Ride Winter Shoe Covers

Die Ride Winter-Überzieher von GripGrab sind günstig und sehr leicht anzuziehen, da sie sich auf der Rückseite wie an der Sohle über Klettriegel komplett öffnen lassen. Nachteil: Durch die Öffnungen können Fahrtwind, Spritz- und Regen­wasser eindringen.

Vorteile:

  • Leicht anzuziehen
  • Sehr günstig

Nachteile:

  • Dichtet nicht gut gegen Fahrtwind
  • Anfällig gegen Regen und Spritzwasser

Weitere Infos:

  • Preis: 41,95 Euro
  • Gewicht: 215 g
  • Größen: 36-49
  • Made in: China
  • Kälteschutz: ❄❄❄
  • Nässeschutz: 💧

Gore GWS Shield Thermo Überschuhe

Gorewears Shield Thermo Überschuhe setzen auf Gores beliebtes Infinium-Material, das sehr gute Isolation und überzeugenden Nässeschutz mit geringer Dicke verbindet. Zudem ist es leicht elastisch, was der Passform zugutekommt und das Anziehen erleichtert.

Vorteile:

  • In Neongelb erhältlich
  • Eng anliegender, elastischer oberer Abschluss
  • Leichtes Anziehen

Nachteile:

  • Nähte innen nicht gedichtet

Weitere Infos:

  • Preis: 74,95 Euro
  • Gewicht: 129 g
  • Größen: 37-48
  • Made in: Vietnam
  • Kälteschutz: ❄❄❄❄
  • Nässeschutz: 💧💧💧💧

Endura Freezing Point II

Die Freezing Point II von Endura überzeugen mit ihrem sehr guten Schutz vor Regen und Spritzwasser, zudem halten sie die Füße angenehm warm. Dank des leicht elastischen Materials liegen sie gut an und sind leicht anzuziehen.

Vorteile:

  • Top Schutz vor Regen
  • Guter Tragekomfort
  • Langer Reißverschluss für leichten Einstieg

Nachteile:

  • Reflektor könnte größer sein

Weitere Infos:

  • Preis: 64,99 Euro
  • Gewicht: 215 g
  • Größen: 37-49,5
  • Made in: China
  • Kälteschutz: ❄❄❄❄
  • Nässeschutz: 💧💧💧💧💧

Craft Bike Subz Bootie

Bei den SubZ Booties von Craft fällt der hohe Schaft auf, dank langem Reißverschluss gelingt das An­ziehen leicht. Allerdings fällt der Bund recht eng und unelastisch aus - das kann drücken.

Vorteile:

  • Große Reflektoren
  • Gute Isolation
  • Verstärkter Zehenbereich

Nachteile:

  • Oberer Bund eng und unelastisch

Weitere Infos:

  • Preis: 79,95 Euro
  • Gewicht: 257 g
  • Größen: 36-48
  • Made in: Pakistan
  • Kälteschutz: ❄❄❄❄
  • Nässeschutz: 💧💧💧

Castelli Espresso Shoe Cover

Mit nur 138 Gramm fallen Castellis Espresso Shoe Covers vergleichsweise leicht und dünn aus - GoreTex Infinium-Material macht’s möglich und sorgt dafür, dass die Espresso dennoch angenehm warm halten. Praktisch: Eine kleine Lasche an der Ferse hilft beim Anziehen.

Vorteile:

  • Sehr gute Allrounder
  • Eher dünnes und recht elastisches Material
  • Leichtes Anziehen dank Lasche und Reißverschluss

Nachteile:

  • Teurer, wenig Reflektoren

Weitere Infos:

  • Preis: 79,95 Euro
  • Gewicht: 138 g
  • Größen: 36-48
  • Made in: China
  • Kälteschutz: ❄❄❄❄
  • Nässeschutz: 💧💧💧

AGU

Mit 4 mm dickem Neopren sind die Überschuhe von Agu klassische Allrounder für den Winter. Ohne Reißverschluss liegt der Schaft gut an, ohne zu drücken, dafür ist die Sohle offen und wird nur per Klett zusammengehalten.

Shimano S-Phyre Schuhe im Detail

Als im März die neue Top-Bekleidungslinie namens „S-Phyre“ vorgestellt wurde, war die Überraschung groß, denn die S-Phyre-Linie enthielt weit mehr als Schuhe für MTB und Rennrad. Shimano´s Motto bei der Entwicklung von S-Phyre lautete „Think. Fast.„, also durchdacht und schnell - und tatsächlich weist praktisch jedes Stück der S-Phyre-Linie interessante Details auf. Die Linie soll die beiden Topgruppen Dura Ace und XTR logisch ergänzen.

Erster Eindruck und Anprobe

Die Passform des „normalen“ Schuhs ist als schmal bis normal zu bezeichnen. Zieht man den in schwarz-glänzend und schwarz-matt gehaltenen Karton, der an die Komponentenverpackungen der Top-Schaltgruppen erinnert, auf, so fallen einem natürlich zuerst einmal die Schuhe auf. Bei den Schuhen sieht man zuerst die ungewöhnliche Struktur des Obermaterials. Die Oberfläche sieht aus wie ein Golfball! Das soll den Schuh erstens aerodynamisch verbessern und zweitens für eine gute Durchlüftung sorgen und der Entwässerung dienen.

Ansonsten ist das neu entwickelte Teijin-Avail-Material absolut dehnresistent und trotzdem geschmeidig anpassbar. Der Oberschuh ist „state-of-the-art“ in einem Stück gefertigt und natürlich nicht genäht, sondern mit sich und der Sohle verklebt. Die Geschmeidigkeit des Teijin-Avail-Synthetikleders führt übrigens dazu, dass der RC9 im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht mehr mittels Custom Fit-Backofen individuell geformt werden kann oder muss. Der Schuh passt sich mit diesem Material auch ohne diese Prozedur bestens an jeden Fuß an. Man erkennt aber auch sofort, dass die Löcher nicht willkürlich verteilt sind.

Ebenfalls für die Standsicherheit sorgt die auffällige, außen liegende und weit hochgezogene Fersenkappe. Die wie das Innenmaterial des Oberschuhs mit Silvadur ausgestattete Innensohle lässt sich mittels zweier verschieden hoher Keile auf die gewünschte Höhe anpassen.

Die Sohle

Das Herzstück eines jeden schnellen Schuhs ist natürlich seine Sohle. Die Sohle des RC9 besteht selbstverständlich aus Carbon. Dabei wurde auf der Innenseite zugunsten einer geringen Bauhöhe auf eine Verkleidung aus Holz oder Kunststoff verzichtet. Die Sohle an sich macht im beliebten „Biegetest“ einen extrem steifen Eindruck. Da biegt sich nichts durch, überhaupt nichts!

Cleats-Einstellung

Vorher müssen die Cleats natürlich noch dran. Dabei fällt sofort der aufwändige Einstellbereich auf. Man findet unzählige Markierungen, mittels derer man die Cleats exakt in der Längs-, und Querachse ausrichten und den gewünschten Fersenwinkel einstellen kann. Auf den zweiten Blick entdeckt man jeweils vor und hinter dem Gewindeeinsatz einen roten Gummipuffer. Diese lassen sich verschieden anordnen (eins davor, eins dahinter oder beide auf einer Seite) und so die Möglichkeit der Längeneinstellung um weitere 11 mm ausweiten. Mir fiel dabei auf, dass auch die mittlere Position der Gewinde etwa 4-5 mm weiter hinten liegt, als an meinen bisherigen Mavic-Schuhen.

Praxistest

Der erste Praxistest war gleich der Saisonhöhepunkt, nämlich die Jedermannversion der Flandernrundfahrt. Leider narrte mich der Wetterbericht und verleitete mich dazu, die Überschuhe im Auto zu lassen. Das sollte sich zwar als Fehler erweisen, jedoch konnte das Wasserableitungsfeature des neuen Schuhwerks gleich mal erfolgreich auf die Probe gestellt werden. Als drei Stunden nach Start der Regen tatsächlich dauerhaft aufhörte, waren die Schuhe so ziemlich das erste Kleidungsstück an mir, was trocken war. Auch staut sich das Wasser im Schuh niemals so weit, dass es im Schuh steht und sich bei Treten durch die Zehen drückt, was ich immer als besonders widerlich empfinde.

Die Kraftübertragung ist einfach sensationell! Wenn man ins Pedal tritt, kommt sämtliche Kraft dort an und die Wadenmuskulatur, welche bei einer weichen Sohle den Fuß stärker unterstützen müsste, wird entlastet. Somit bekam ich trotz ständigem Auf und Ab über schlechten Asphalt und schüttelndes Kopfsteinpflaster nicht mal Krampfansätze und auch das Allgemeinbefinden des Fußes war nach der Rückkehr nach Oudenaarde sehr gut.

Die sehr steife Sohle, mit dem sich sehr flächig anpassenden Obermaterial, verbindet den Fuß hier optimal und vor allem kaum merklich mit dem Pedal. Man hat ständig das Gefühl, der Schuh wäre zu weit offen, so bequem fährt er sich. Prüft man dann aber den Sitz, merkt man, wie bombenfest der Fuß im Schuh sitzt. Einziger Nachteil: Fürs Schieben ist die Sohle aufgrund ihrer Steifigkeit nicht optimal, aber dafür ist der Schuh halt auch nicht gemacht. Dafür ließ er sich überraschend schnell und einfach reinigen.

Mittlerweile hat der Schuh auch noch einige RTFs, das ebenfalls sehr nasse Rennen am 1. Mai, einige Vereinstrainings und etliche Touren hinter sich. Die Sohle ist Shimano-typisch im Vorfußbereich etwas weiter durchgebogen. Das unterstützt den Fuß in seiner Pedalierbewegung, ist aber eine Umgewöhnung, wenn man vorher einen flacheren Schuh gefahren ist. Mir fiel es schon ab der zweiten Tour nicht mehr auf.

Auch die Position des unteren Einhängepunktes des Boas irritiert anfänglich. Schließt man diesen Verschluss straff, so fühlt man einen Druck auf dem vierten Zehengrundgelenk. Dieser verteilt sich aber anscheinend schnell durch die Gleichmäßigkeit des Drucks oder nachrutschen der Schnürung. Zumindest habe ich das im Betrieb niemals als störend empfunden.

Fazit

Shimano hat sich hier ganz an sein Motto gehalten und einen bis ins Detail durchdachten, sauschnellen Schuh auf den Markt gebracht, der trotz seines üppigen Preises sein Geld wert ist. Seine Stärken sind aber die Kraftübertragung mit außergewöhnlichem Tragekomfort. Das Zusammenspiel aus Oberschuh und Sohle funktioniert außergewöhnlich gut. Da kommt kein anderer Schuh, den ich bisher probiert habe, dran. Alle Ziele, die Shimano in der Beschreibung des Schuhs formuliert hatte, wurden aus meiner Sicht erreicht und ich kann den Schuh wirklich jedem empfehlen, der ihn sich leisten kann und will. Er eignet sich für Tourer, Racer und Langstrecken-Fahrer gleichermaßen.

Übersicht der getesteten Überschuhe

Modell Preis Gewicht (Paar) Kälteschutz Nässeschutz
Sportful Fiandre Bootie 89,90 Euro 112 g ❄❄ 💧💧💧💧💧
Shimano Road Thermal Shoe Cover 49,95 Euro 234 g ❄❄❄❄ 💧💧💧💧💧
GripGrab Ride Winter Shoe Covers 41,95 Euro 215 g ❄❄❄ 💧
Gore GWS Shield Thermo Überschuhe 74,95 Euro 129 g ❄❄❄❄ 💧💧💧💧
Endura Freezing Point II 64,99 Euro 215 g ❄❄❄❄ 💧💧💧💧💧
Craft Bike Subz Bootie 79,95 Euro 257 g ❄❄❄❄ 💧💧💧
Castelli Espresso Shoe Cover 79,95 Euro 138 g ❄❄❄❄ 💧💧💧
AGU N/A N/A N/A N/A

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