Von keinem Teil hängt die Sicherheit beim Biken so enorm ab wie von Bremsbelägen. Deshalb sollte man sie regelmäßig checken und rechtzeitig austauschen. Ein wirklicher Notfall an der Scheibenbremse beim Mountainbike lässt sich meist schon im Vorfeld einer Tour verhindern. Denn anders als beim platten Reifen oder beim abgerissenen Schaltwerk, treten Probleme bei der Bremse in der Regel nicht plötzlich während einer Tour auf. In den allermeisten Fällen kündigt sich ein Bremsversagen in einem schleichenden Prozess an und kann so frühzeitig behoben werden.
Wer regelmäßig seine Bremsbeläge auf ihren Verschleiß hin überprüft, sie rechtzeitig erneuert oder einen schwammigen Druckpunkt nicht wochenlang ignoriert, kann die häufigsten Fehlerquellen im System Bremse entweder in der heimischen Werkstatt selbst oder vom Fachmann beheben lassen. Wir zeigen im Video exemplarisch an einer Shimano XT-Bremse, wie Ihnen der Wechsel der Bremsbeläge gelingt.
Eine wichtige Info vorab: Eine Scheibenbremse ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil. Wer daran selbst rumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem gründlich arbeiten. Ohne ausreichende Schraubererfahrung schadet es nicht, eine Fahrradwerkstatt aufzusuchen und sich Rat bei Experten zu holen.
Werkzeuge und Materialien
Alles was du zur Entlüftung brauchst:
- Neue Shimano Bremsbeläge inkl. Belagfeder / ggf.
- Shimano Mineralöl
- Spritze
- Trichter
- 7mm Gabelschlüssel
- Inbusschlüssel
- Montageständer (optional)
- Flaches Werkzeug (z.B. Schlitzschraubendreher)
- Fusselfreies Tuch
Arbeitsschritte zum Wechseln der Bremsbeläge
1. Vorbereitung
Am besten funktioniert das Wechseln der Beläge, wenn das Rad in einen Montageständer gespannt ist. Spanne also das Rad in einen Montageständer oder sorge für einen sicheren Stand z. B. 1b. Alternativ kannst Du auch den Bremssattel selbst entfernen, als Schrauben kommen überwiegend 5 mm Inbus oder Torx T 25 zum Einsatz.
2. Bremskolben zurückdrücken
Nun drückst Du zunächst die Bremsbeläge im Bremssattel mit einem passenden Gegenstand wie zum Beispiel der Transportsicherung oder mit einem Reifenheber zurück in die Endposition. Einen harten Gegenstand wie einen Schraubenzieher oder ein Messer solltest Du nur benutzen, wenn du die Beläge wirklich nicht mehr brauchst. Scharfkantige Gegestände können zur Beschädigung der Beläge führen. Achte darauf, dass die Kolben wirklich ganz zurück im Sattel sind.
Mit einem flachen Werkzeug (z.B. Schlitzschraubendreher) drücken Sie vorsichtig die Bremskolben in die Ausgangsstellung im Bremssattel zurück. Dies sollte erfolgen, solange die alten Beläge noch montiert sind.
In diesem Moment kann man die Möglichkeit nutzen und die Bremskolben mit einem fusselfreien Tuch von Abrieb und ggf. zu reinigen.
3. Belagsicherung entfernen
Die mehrteiligen Beläge sind mit Schrauben oder Splinten gesichert. Hier die Schrauben mit passendem Werkzeug entfernen, Splinte mit einer Zange wieder gerade biegen und herausziehen. Jetzt kannst du die Beläge nach oben oder unten aus dem Bremssattel ziehen.
Belagsicherung entfernen: Entnehmen Sie den Sicherungssplint und lösen Sie die Belaghalteschraube. Bei den meisten Modellen klappt das nach oben, manche Beläge muss man allerdings nach unten aus dem Sattel entnehmen. Heben Sie sich die Feder auf, denn manchmal ist bei neuen Bremsbeläge keine neue Feder dabei.
Neuere Bremsmodelle haben die Bremsbeläge meist mit einem Sicherungsring und einer Innensechskantschraube fixiert. Damit Sie die Bremsbeläge entfernen können, muss zuerst der Ring von der Schraube gezogen und danach die Sicherungsschraube gelöst werden. Legen Sie diese beiden Kleinteile sicher bei Seite - am besten in ein kleines Schälchen.
Wenn es sich um ältere Bremsenmodelle handelt, sind die Beläge mit einem Sicherungsstift fixiert.
4. Neue Beläge einbauen
Die einteiligen Beläge werden nun von der Unterseite in den Bremssattel eingeführt, einen nach dem Anderen. Bei denen mit Öffnungen für Splinte oder Schrauben muss der Splint bzw. die Schraube wieder eingesetzt werden.
Im Set der neuen Shimano Bremsbeläge liegt zumeist gleich die passende Belagfeder bei. Diese Belagfeder hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Beläge später nicht an der Scheibe schleifen; sie drücken sie im Bremssattel auseinander. Die Feder wird zwischen die neuen Bremsbeläge gelegt. Sie müssen nun aufgrund der Feder die neuen Bremsbeläge von Shimano beim Einsetzen mit Mittelfinger und Daumen leicht zusammendrücken.
Neue Beläge einbauen: Die Beläge formschlüssig in die Feder einsetzen und als Paket zusammengedrückt in den Bremssattel schieben. Wichtig ist, dass man die neuen Bremsbeläge nicht einzeln in den Bremssattel fummelt, sondern als Paket samt Feder einsetzt.
5. Beläge sichern
Sichern Sie die Beläge mit Sicherungsschraube und Splint bzw. dem Sicherungssplint. Wenn ein Sicherungssplint verwendet wurde, überprüfen Sie diesen unbedingt auf eventuelle Beschädigungen.
6. Bremse einbremsen
Hat man Bremsbeläge und Laufrad wieder eingebaut muss man die Bremse nun wieder neu einbremsen. Dazu die Bremse in kontrolliertem Umfeld mehrmals richtig heiß bremsen, damit sie ihre volle Bremsleistung entfalten kann.
Nach dem Einbau der neuen Bremsbeläge solltest Du aus moderater Geschwindigkeit (ca. 25 km/h) mehrfach mittelstark abbremsen (20 - 30 Mal). Hierbei solltest Du spüren wie die Bremskraft beijeder Bremsung zunimmt. Jetzt solltest Du das eigentliche Ausgasen provozieren (wichtig bei organischen Belägen), indem Du auf einer nicht zu langen Abfahrt die Bremsen schleifen lässt bis sie relativ heiß werden. Erst wenn Du spürst dass die Bremswirkung nicht mehr zunimmtist der Belag richtig eingebremst, verschleiß- und standfest.
Neue Bremsbeläge müssen zuerst ausgasen, erst danach ist der Belag verhärtet, wird temperaturresistent und verschleißfest. Bremsbeläge, die vor dem Einbremsen zu heiß werden, können verglasen (zu erkennen an spiegelnder Oberfläche), was die Bremsleistung enorm herabsetzt.
7. Freien Lauf prüfen
Jetzt noch prüfen, ob das Laufrad frei läuft und die Scheibe nicht schleift und ggf. nachjustieren.
8. Druckpunkt prüfen und ggf. Entlüften
Beim ersten Ziehen des Hebels greifst Du ziemlich ins Leere. Das ist normal durch die automatische Belagnachstellung Deiner Bremse. Die Kolben rücken aus und holen sich aus dem Ausgleichsbehälter Öl nach.
Der Druckpunkt deiner Bremse wandert stark, tritt erst kurz vor dem Griff auf oder ist sehr weich? Mit einer sauberen Entlüftung behebst du diese Probleme und bekommst wieder einen klar definierten Druckpunkt.
Schnellentlüftung
Für die Schnellentlüftung musst du weder das Laufrad, noch die Bremsbeläge ausbauen. Fülle den aufgeschraubten Entlüftungstrichter ca. zur Hälfte und pumpe dann am Hebel. Leichtes Neigen des Bikes der Längsachse nach hilft die Luft aus der Leitung nach oben zu befördern. Bei den ersten paar Pumpstößen werden relativ viele und große Luftblasen nach oben steigen, das ist die Luft im Reservoir die jetzt durch Bremsflüssigkeit ersetzt wird. Schnelles Ziehen und langsames Lösen des Hebels funktionieren sehr gut, um auch die kleinen Luftblasen an die Oberfläche zu bringen. Pumpe solange, bis keine Blasen mehr zur Oberfläche steigen und der Druckpunkt wieder schön definiert ist.
Komplette Entlüftung
Um die Bremsanlage komplett zu entlüften und einen Bremsflüssigkeitswechsel vorzunehmen, ist etwas mehr Aufwand gefordert. Demontiere das Laufrad und die Bremsbeläge an der Bremsanlage die du entlüften möchtest. So können weder Bremsscheibe noch Beläge mit Öl verunreinigt werden. Anders als bei der Schnellentlüftung muss der Trichter auf dem Bremshebel zur kompletten Entlüftung leer sein. Setzte nun den gelben Distanzblock in den Bremssattel ein, um ein Herausfahren der Kolben zu verhindern. Fülle jetzt die Spritze mit Bremsflüssigkeit (bei Shimano Mineralöl), achte darauf, dass sich keine Luft in der Spritze befindet. Mit einem 7mm Gabelschlüssel löst du jetzt den Entlüftungsnippel, schraubst ihn jedoch nicht weiter auf sondern lockerst ihn nur. Der Entlüftungsnippel hat eine Lochung die ihn erst nach ca. einer halben Umdrehung öffnet. Durch Drehen der Spritze kannst du den Entlüftungsnippel nun öffnen und die Flüssigkeit aus der Spritze nach oben in den leeren Trichter drücken. Eine halbe bis ganze Umdrehung reicht, um den Durchfluss zu gewährleisten.
Während dem Durchpumpen der Flüssigkeit solltest du den Bremshebel ein paar Mal langsam ziehen und wieder loslassen, um Luftblasen im Hebel zu lösen. Falls die alte Bremsflüssigkeit im Trichter extrem verdreckt aussieht, solltest du ruhig zwei bis drei Trichter Flüssigkeit durch die Bremsanlage pumpen. Die Schmutzpartikel in der Bremsflüssigkeit können sich sonst am Geberkolben absetzten und auf Dauer die Funktion des Bremshebels beeinträchtigen. Durch ausreichendes Durchspülen verhinderst du, dass das Innere der Bremse zugesetzt wird. Nachdem du ordentlich Flüssigkeit durch das System gepumpt hast und keine Blasen oder Verschmutzungen mehr in den Trichter gespült werden, kannst du den Entlüftungsnippel am Bremssattel wieder durch Drehen der Spritze und anschließendes Festziehen mit dem Gabelschlüssel schließen.
Bremsbelagtypen
Meines Wissens nach quietschen Resin Bremsbeläge nicht, nutzen sich aber schneller ab und haben weniger Bremskraft. Dafür kann man ein bisschen kontrollierter bremsen. Metallbremsbacken dagegen quietschen, wenn die heiß werden, haben aber mehr Bremskraft und halten länger.
Resin Beläge quietschen normal nicht (außer man lässt die Bremse zu lang schleifen, da kriegt man jeden Belag mit verglast), sind auch bei Nässe leise, verschleißen schneller, dafür hält die Scheibe etwas länger, und bieten eine leicht bessere Dosierbarkeit der Bremskraft, sprich man muss nochmal minimal weniger stark den Hebel drücken, was bei hydraulischen ja eh recht leicht geht.
| Eigenschaft | Resin-Beläge | Metall-Beläge |
|---|---|---|
| Geräuschentwicklung | Leise (normalerweise) | Können quietschen, besonders bei Hitze |
| Bremskraft | Weniger | Mehr |
| Verschleiß | Schneller | Langsamer |
| Dosierbarkeit | Besser | Weniger gut |
| Scheibenverschleiß | Geringer | Höher |
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