Vier Kolben, große Bremsscheiben und eine massive Bauweise - das sind die Merkmale der stärksten Mountainbike-Bremsen der Welt. Doch welche Bremse ist die beste für Trail, Tour und alpines Gelände? Dieser Artikel vergleicht die Shimano Saint und die Magura MT7, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen.
Testmethoden
Bei diesem Test wurden keine Laborwerte berücksichtigt. Stattdessen wurde auf dem Trail getestet, wo es wirklich zählt. Die Bremsen wurden über einen Zeitraum von einem Jahr an verschiedenen Bikes gefahren. Dabei waren immer mindestens drei Bremsen gleichzeitig im Einsatz, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Die Tests fanden sowohl auf sanften Mittelgebirgs-Trails als auch im anspruchsvollen Alpenterrain statt. Bewertet wurden Bremskraft, Dosierbarkeit, Ergonomie und Standfestigkeit, sowie das Gewicht von Geber- und Nehmereinheit, Leitung und Disc. Montage und Setup wurden zwar nicht benotet, aber ausführlich beschrieben. Es wurden auch verschiedene Bremsbeläge getestet und Empfehlungen gegeben.
Die Kandidaten im Überblick
Im Testfeld befanden sich sowohl Budget-Bremsen als auch High-End-Modelle. Alle Scheibenbremsen im Test hatten vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung. Das Testfeld bewegte sich preislich zwischen erschwinglichen 240 und stolzen 1.300 €, wobei sich das Gros der Teilnehmer zwischen 400 und 700 € einpendelte. Das Gewicht der Bremsen unterscheidet sich dabei nur marginal. Gerade einmal 180 g liegen zwischen der leichtesten und der schwersten Bremse im Test: Hayes Dominion T4 als leichteste mit 530 g und SRAM MAVEN Ultimate als die schwerste mit 710 g.
Bremsflüssigkeit und Bremsbeläge
Das Bremsmedium variiert zwischen mineralischem Öl und DOT-Bremsflüssigkeit. DOT-Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und sollte regelmäßig getauscht werden. Mineralöl ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, aber der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte vermieden werden. Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet, meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische.
Die Magura MT7 im Detail
Die MAGURA MT7 ist das Flaggschiff-Modell des deutschen Bremsenherstellers und bietet viel Power für den Einsatz an Enduro- und Downhill-Bikes. Mit 440 € zählt sie zu den günstigeren, aber auch ältesten Bremsen im Test. MAGURA gilt als Erfinder der ersten hydraulischen Felgen- und Scheibenbremse. DH-Profis wie Loïc Bruni haben bereits zahlreiche Rennen mit den MAGURA MT7-Bremsen gewonnen. Mit ihren vier Kolben ist die MAGURA MT7 die stärkste Bremse im Portfolio des schwäbischen Herstellers und hat diesen Platz schon seit 2015 inne. Die Geber-Einheit der MT7 besteht aus Carbotecture SL, einem faserverstärkten Kunststoff. Bei der MAGURA MT7 kann man die Geber- und Nehmer-Einheit mit kleinen Plastik-Cover individualisieren. Die Bremsbeläge lassen sich im Handumdrehen wechseln, da sie pro Seite zweigeteilt sind. Die Bremse funktioniert mit MAGURAs Mineralöl „Royal Blood“. Im Trail-Test zeigt sich die MAGURA MT7 mit hoher Bremspower und fühlt sich deutlich knackiger an als die kleinere MT5. Die werkzeuglose Hebelweiteneinstellung funktioniert auch mit Handschuhen gut und gelingt mit wenig Kraftaufwand. Die MT7 zeigt gleich viele Brems-Events und eine identische Front-Heck-Verteilung wie die MT5. Allerdings sind die Bremsereignisse bei der stärkeren MT7 im Schnitt 0,5 Sekunden kürzer - man bremst also deutlich effizienter. Die MT7 ist gut zu dosieren und nicht „über“kraftvoll, sodass man beim leisesten Hebelkontakt keine Angst haben muss, über den Lenker zu gehen. Schwächen werden bei der Klemmung der Carbotecture Geber-Einheit am Lenker deutlich. Die große Individualisierbarkeit von Hebeln und der gute Look sind hingegen klare Pluspunkte.
Magura MT7 HC3
- Preis: 508 Euro
- Gewicht: 447 Gramm (mit 180 mm Scheibe)
- Dosierbarkeit: 4 von 6 Punkten
- Standfestigkeit: 6 von 6 Punkten
- Bremskraft: 3 von 6 Punkten
- Ergonomie: 6 von 6 Punkten
- Details: Vierkolbenbremse mit Gebergehäuse aus Carbotecture, organischen Bremsbelägen, Mineralöl, Storm-HC-Bremsscheiben und neuem HC3-Hebel aus Alu
- Fazit: Der neue Einfingerbremshebel aus Aluminium lässt Magura bei der Ergonomie mit den besten Bremsen am Markt gleichziehen. Außerdem kann jetzt die Härte des Druckpunktes mit einem Mini-Tool genauso effektiv wie die Hebelweite an Vorlieben angepasst werden. Durch den kürzeren Hebelarm verliert die Bremse im Vergleich zum Zweifingerhebel deutlich an Bremskraft. Bei der Standfestigkeit räumt die Magura weiterhin die volle Punktzahl ab. Die Kunststoffbremspumpe macht die MT7 zudem zur leichtesten Bremse im Test.
Die Shimano Saint im Detail
Wenn es um Racing-Geschichte geht, können wenige Bremsen auf so viele Highlights zurückblicken wie die Shimano SAINT. Auf sie haben schon sehr viele der schnellsten Fahrer der Welt vertraut. Eine SAINT-Bremse ans Bike zu schrauben kommt einem Statement gleich: Was zählt, ist Abfahrtsperformance! Die vier 16/18 mm großen Keramikkolben packen hart zu und bremsen kraftvoll ab, wieder und wieder. Wärme wird buchstäblich überall abgeführt, an Kühlrippen, langen Flanken und IceTech-Scheiben mit Aluminiumkern. Der Hebel liegt gut in der Hand und schon die leichteste Berührung hat massive Bremswirkung zur Folge. Leider bewirkt die Free-Stroke-Schraube noch immer gar nichts - wir haben uns schon gefragt, ob sie überhaupt mit irgendwas verbunden ist. Die Kolben haben viel Hub und so ist es sehr einfach, die Bremse schleiffrei einzustellen. Das Entlüften ist einfach, wie von Shimano gewohnt. Die Power auf dem Trail ist enorm, aber kontrollierbar. Wenn man die Bremse gefühlvoll zieht, ist die Dosierbarkeit okay. Greift man jedoch kräftig zu, ist es, als würde jemand einen Stock in die Speichen stecken. Auch nach einer ganzen Saison gibt es nichts an der Zuverlässigkeit auszusetzen und die Sinterbeläge sind langlebig - das ist auch gut so, denn die Beläge mit Kühlrippen sind teuer. Richtig eingebremst sind sie bei jedem Wetter leise. Mit großer Leistung kommt bei der SAINT aber auch hohes Gewicht. Die Shimano Saint ist immer noch einer der besten Allrounder, wenn es um massive Power und unglaubliche Zuverlässigkeit geht.
Shimano Saint
- Preis: 660 Euro
- Gewicht: 481 Gramm (mit 180 mm Scheibe)
- Dosierbarkeit: 6 von 6 Punkten
- Standfestigkeit: 3 von 6 Punkten
- Bremskraft: 4 von 6 Punkten
- Ergonomie: 6 von 6 Punkten
- Details: Vierkolbenbremse mit Mineralöl, gesinterten Belägen und Kühlrippen an Scheiben und Belägen. Die Bremsscheibe mit Kühlrippen ist ausschließlich mit Centerlock-Aufnahme erhältlich. Mit I-Spec-B-Schalthebeln kombinierbar.
- Fazit: Trotz einiger Jahre auf dem Buckel ist die Saint genauso ergonomisch wie die Konkurrenz. Der Hebel liegt angenehm in der Hand und ist werkzeuglos verstellbar. Die Bremskraft ist selbst im steilen Gelände ausreichend. Bei hoher Temperatur (unter anhaltender, extremer Belastung) erleidet die Bremse aber den Hitzetod. Der Aluminiumkern der Scheibe ist das schwächste Glied der Kette und schmilzt.
Vergleichstabelle
Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Eigenschaften der beiden Bremsen vergleicht:
| Eigenschaft | Magura MT7 HC3 | Shimano Saint |
|---|---|---|
| Preis | 508 Euro | 660 Euro |
| Gewicht (mit 180 mm Scheibe) | 447 Gramm | 481 Gramm |
| Dosierbarkeit | 4/6 | 6/6 |
| Standfestigkeit | 6/6 | 3/6 |
| Bremskraft | 3/6 | 4/6 |
| Ergonomie | 6/6 | 6/6 |
| Bremsflüssigkeit | Mineralöl | Mineralöl |
| Belagtyp | Organisch | Gesintert |
Weitere Kandidaten im Test
Neben der Magura MT7 und der Shimano Saint wurden auch andere Bremsen getestet:
- SRAM Code RSC: Überzeugt mit herausragender Bremskraft, knallhartem Druckpunkt und werkzeuglos verstellbarer Hebelweite. Die Bremsscheibe verformte sich leicht gegen Ende des Prüfstandtests, was die Funktion aber nicht wesentlich beeinflusste.
- TRP Quadiem G-Spec: Die günstige TRP Quadiem von Aaron Gwin funktioniert, aber hat die geringste Bremskraft und Standfestigkeit im Vergleich. Bei steilen Abschnitten muss der wuchtige Alu-Hebel deutlich kräftiger gezogen werden. Während des Prüfstandtests hatte die Bremse früh mit Fading und einer deformierten Scheibe zu kämpfen.
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