Shimano Saint Schaltgruppe Test: Details, Funktionen und erster Eindruck

Bis die großen Bikeparks öffnen und hochalpine Touren möglich sind, dauert es zwar noch einige Wochen. Aber Shimano lässt Gravity-Biker und Freerider bereits jetzt von einer neuen Schaltgruppe träumen. Mit der Vorstellung der neuen Saint-Gruppe und der Einführung der Einsteiger-Komponenten der Zee legen die Japaner im Gravity-Bereich nach. Alle hier vorgestellten Komponenten sind ab Juli 2012 erhältlich.

In die neue Saint-Gruppe wurden alle bekannten technischen Details (z.B. Hollowtech II, Ice Tech, usw.) gepackt, die man bei XTR und XT in den letzten beiden Jahren erstmals gesehen hat. Das wurde auch Zeit, denn die aktuellen Saint-Komponenten stammen aus dem Jahr 2008 und sind mittlerweile in die Jahre gekommen. In enger Zusammenarbeit mit den Worldcup-Ridern Aaron Gwin und Gee Atherton entstand nun eine extrem haltbare, leichte und leise Schaltgruppe für Downhiller und Freerider.

Shimano Saint - Schaltwerk mit zwei Modi und einem Hebel

Das neue Saint-Schaltwerk setzt wie das XTR-Modell auf den Shadow+-Modus, wie ihn Shimano nennt. Mit einem kleinen Hebel am Schaltwerk lässt sich die Spannung der Kette deutlich erhöhen. Dadurch schlägt sie in hartem Gelände deutlich weniger, springt seltener ab und läuft ruhiger. Außerdem lässt sich das Schaltwerk in zwei Modi fahren: Die Downhill-Variante dient für 11-28-Zahnkränze und im Freeride-Modus schaltet das Saint-Schaltwerk Ritzel bis 32 Zähne.

Mit der Saint-Gruppe deckt Komponenten-Riese Shimano den Gravity-Bereich ab.

Die neue Kurbel ist dank Hollowtech II-Technologie leichter als das Vorgänger-Modell. Und das, obwohl eine robuste Stahlachse und Gewindeeinsätze aus Stahl verwendet wurden. Für einfacheres Schalten im ruppigen Gelände hat Shimano die Shifter um bis zu zehn Prozent verlängert und die Hebelform ergonomischer gestaltet. Außerdem steht die bekannte Multi-Release-Option zur Verfügung. Das heißt, dass sich mehrere Gänge mit einem Hebeldruck schalten lassen.

Bremst Dich so schnell wie ein Baum, nur ohne den folgenden Krankenhaus-Aufenthalt: Die kräftige Saint-Bremse.

Bei der neuen Saint-Bremse kommen bei den 203 Millimeter großen Scheiben spezielle Kühlrippen zum Einsatz. Dadurch und durch die Sandwich-Konstruktion (Ice-Tech) sollen sich die Scheiben noch besser abkühlen durch den Fahrtwind. Shimano spricht von 20 Prozent mehr Bremskraft durch die Kühlrippen. In unserem Scheibenbremsen-Test 12/2010 hatten wir Probleme mit den ersten Ice-Tech-Bremsen. Solche Ausfälle hatten wir allerdings seitdem nie wieder.

Das neue konkave Saint-Pedal baut acht Millimeter niedriger und drei Millimeter breiter als das Vorgänger-Modell.

Die ersten Fahreindrücke in Whistler machten eine signifikant verbesserte Dosierbarkeit der neuen Stopper deutlich. Das Geheimnis dahinter: Die Kolben machen nicht leichzeitig, sondern nacheinander auf und zu. Auch die Ergonomie der neuen Hebel ist top. Auch der Grip der konkaven allerdings nicht gerade leichten Pedale konnte überzeugen.

Shimano Zee - der preiswerte Einstieg in den Gravity-Bereich

Speziell für junge Downhiller und Freerider bringt Shimano den kleinen Bruder der Saint auf den Markt, die Zee. Sie geht Kompromisse beim Gewicht und Design ein, ist dafür aber um einiges günstiger als die Saint-Komponenten.

Schicke Gravity-Gruppe zum erschwinglichen Preis: Die neue Zee von Shimano im Überblick.

Beim neuen Zehnfach-Schaltwerk der Zee kommt ebenfalls die Shadow+-Technologie zum Einsatz. Hier muss man sich allerdings davor entscheiden, ob man die Variante für eine Downhill-Kassette oder zum Freeriden nimmt (bis 11-32 Zähne). Die Vierkolben-Bremse der Zee verzichtet auf die Ice-Tech-Scheiben, diese können aber nachgerüstet werden. Schalt- und Bremshebel lassen sich mit der I-Spec-Schelle gemeinsam am Lenker montieren.

Die robuste Zee-Kurbel kommt mit einer Stahl-Achse und Pedalgewinden aus Stahl. Nur als Single-Version mit 34, 36 oder 38 Zähnen erhältlich.

Sowohl die Shimano Saint als auch die Zee wird es ausschließlich als Einfach-Version geben.

Überblick: Die Schaltungen von Shimano und SRAM

Der Schaltungsmarkt ist groß und manchmal unübersichtlich. Das liegt daran, dass die beiden großen Schaltungshersteller Shimano und SRAM mittlerweile nicht nur Schaltungen in unterschiedlichen Qualitätsstufen anbieten, sondern ihre Gruppen auch auf verschiedene Einsatzbereiche im Mountainbikesport abgestimmt haben. Die richtige Schaltgruppe für das eigene Bike zu finden, ist meist gar nicht so einfach.

Die folgende Übersicht gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Gruppen und ihre Position in der Schaltungshierarchie der beiden Hersteller. Die Reihenfolge orientiert sich dabei von der hochwertigsten und auch teuersten Schaltung hin zu den preiswerteren Varianten. Doch was zeichnet nun eine teure High-End-Gruppe aus, die ein Vielfaches einer günstigeren Schaltung kostet? Die Funktion des Gangwechsels wird letztlich von allen Schaltungen erfüllt. Unterschiede gibt es bei:

  • Übersetzungsbereich
  • Materialien
  • Anpassung an Fahrer und Einsatzgebiet
  • Kompatibilität bzw. Kombination mit anderen Gruppen
  • Steuerung und Bedienbarkeit
  • Gewicht
  • Genauigkeit
  • Leichtgängigkeit
  • Abstufung der Gänge untereinander

Die teuren, hochwertigen Gruppen sind in jedem Fall deutlich leichter als die preiswerteren. Das liegt an der Menge und Masse der verwendeten Materialien, außerdem gibt es mehr Anpassungsmöglichkeiten an Fahrer und Einsatzzweck. Hochwertige Antriebe erreichen auch einen wesentlich größeren Über- und Untersetzungsbereich. Wo bei preiswerten Gruppen Druckguss und einfache Kunststoffe anzutreffen sind, finden sich bei den höherwertigen Gruppen verschiedenste Legierungen in aufwendigen Fertigungstechniken verarbeitet. Wo bei den preiswerten Modellen Aluminiumlegierungen zum Einsatz kommen, sind es bei den höherwertigen Schaltungen sogar Legierungen aus Titan, Magnesium und Kohlenstoff. Diese werden beispielsweise im von Shimano selbst entwickelten Hollowtech-Schmiedeverfahren hergestellt.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass immer alle Teile der Schaltgruppen benötigt werden. Vielmehr ist es sinnvoll, die Schaltgruppe dem Einsatzzweck anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Du statt einer teuren SRAM XX1 Eagle mit 1x12 Gängen eine günstigere Deore mit 2x10 Gängen verwendest. Pendler und Vielfahrer können z.B. auf feine Abstufungen verzichten, wollen aber einen möglichst geringen Verschleiß. Der Cross-Country-Racer hingegen kann sich alles außer Gewicht leisten und wird sich über die Dauer eines Rennens keine Gedanken über Verschleiß machen müssen.

Shimano MTB Schaltgruppen

Im abfahrtsorientierten Bereich des Mountainbikesports, Freeride und Downhill, sind die Anforderungen an die Schaltung dadurch definiert, dass man auch in den ruppigsten Passagen die Kette nicht „verlieren“ möchte und auch bei hohen Abfahrtsgeschwindigkeiten noch schalten und beschleunigen kann. Dementsprechend ist hier keine große Übersetzungsbandbreite erforderlich. Shimano bietet mit den Gruppen „Saint“ und „Zee“ Gruppen an, die diesen Anforderungen gerecht werden.

Shimano Saint

Die Shimano Saint ist eine Freeride- und Downhillgruppe auf XTR-Niveau. Sie ist für 1x10 Gänge ausgelegt. Die Gruppe ist mit einer Kettenführung ausgestattet, die ein Abspringen der Kette verhindert.

Shimano Zee

Stürze und Defekte gehören im Gravity-Bereich zum Alltag. Die Zee-Gruppe mit ihrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist daher eine gute Wahl, wenn du von deinen Komponenten hohe Leistung zu einem fairen Preis erwartest. Von der Qualität und vom Preis her ist die Zee-Gruppe mit der SLX-Gruppe vergleichbar. Sie schaltet ebenfalls 1x10 Gänge.

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