Die Kombination von Schaltungskomponenten verschiedener Hersteller wie Shimano und SRAM am Mountainbike ist ein Thema, das viele Radfahrer beschäftigt. Oftmals sind es Lieferengpässe oder attraktive Sonderangebote, die dazu verleiten, auf alternative Teile zurückzugreifen. Doch nicht immer führt dies zum gewünschten Erfolg. In diesem Artikel werden wir uns genauer mit der Kompatibilität von Shimano Schalthebeln und SRAM Schaltwerken auseinandersetzen.
Übersetzung des Schaltwerks: Was bedeutet das?
Die Übersetzung des Schaltwerks gibt an, wie weit sich das Schaltwerk bewegt, wenn der Schalthebel den Schaltzug um einen Millimeter bewegt. Ein Beispiel: Als Shimano 1984 mit Dura-Ace S.I.S. die weltweit erste Klickschaltung einführte, hatte diese Schaltung eine Übersetzung von ca. 1,9. Das bedeutet, dass sich die Schaltung für jeden Millimeter Zug am Schalthebel um 1,9 Millimeter bewegte.
Später stellte sich für Shimano heraus, dass es technisch vorteilhaft war, die Übersetzung zu verändern. Sämtliche 6-, 7-, 8- und 9-fach Shimano-Schaltungen, die danach kamen, hatten eine Übersetzung von 1,7. Hier wird die Übersetzung wichtig: Wer als Upgrade versucht hat, seine Shimano 105 8-fach Schaltung oder Schalthebel durch Dura-Ace 8-fach zu ersetzen, erlitt Schiffbruch - sie waren nicht kompatibel. Nur die Kombination aus neuem Schalthebel und neuer Schaltung hätte funktioniert, und das wäre entsprechend teuer geworden.
1997 brachen geradezu paradiesische Zustände aus, was die Standardisierung anbelangt: Die neue, 9-fache Dura-Ace 7700-Gruppe hatte ebenfalls eine Übersetzung von 1,7 und war mit allen anderen Shimano-Schaltwerken, egal ob für Rennräder oder für Mountainbikes (MTB) kompatibel. Schaltungen von Campagnolo haben dagegen eine andere Übersetzung, sie sind nicht kompatibel.
Shimano und SRAM: Unterschiedliche Übersetzungsverhältnisse
SRAM bot zunächst „2:1“-Schaltungen und -Schalthebel an, die Shimano-kompatibel waren, bevor sie mit „1:1“ und dann mit „Exact-Actuation/EA“ eigene Entwicklungen betrieben. Bis einschließlich der 10-fach Rennradgruppen blieb Shimano bei seinem Standard. Als 2010 die 10-fachen „Dyna-Sys“ MTB-Gruppen erschienen, wurde jedoch ihr Übersetzungsverhältnis auf circa 1,2 verändert - diese Schaltwerke sind nicht mit den vorigen kompatibel.
Weil Shimano bei Dyna-Sys auch den Kabelzug an den Schalthebeln verändert hat, hat das 10-fach MTB-System, bestehend aus Schalthebel und Schaltung, trotzdem denselben Weg geschaltet wie das 10-fache Rennradsystem. Das war wichtig, weil damit der Ritzelabstand der MTB- und Rennradkassetten gleich bleiben konnte. Genauso wie vorher die 8- oder 9-fach Kassetten, sind alle Shimano 10-fach Kassetten untereinander kompatibel, sie passen auf denselben Freilauf. SRAM 8-, 9- und 10-fach Kassetten sind übrigens mit ihren Shimano-Pendants kompatibel.
Nur alte 7-fach Shimano- und SRAM-Schaltungen haben einen um 4,5 mm schmäleren Freilauf und Kassette.
Kompatibilitätsprobleme und mögliche Lösungen
Viele Radfahrer stellen sich die Frage, ob es möglich ist, ein SRAM Schaltwerk mit einem Shimano Lenkerendschalthebel zu kombinieren. Hierbei spielt das Übersetzungsverhältnis eine entscheidende Rolle. SRAM 9-fach Schaltwerke funktionieren in der Regel nicht mit Shimano Hebeln, auch nicht ohne Rasterung. Dies liegt daran, dass die SRAM Schaltwerke mehr Kabel pro Schaltbewegung benötigen, sodass die Shimano Hebel bei Gang 9 sind, während das Schaltwerk erst bei Gang 6,5 steht.
Es gibt jedoch auch positive Beispiele: Einige Nicht-Standardkombinationen funktionieren auf Anhieb. So funktionieren Shimano RR 9- (Tiagra) und 10-fach (105) Komponenten an 9-fach SRAM Drehgriffen und 9-fach-Kränzen. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass die Gänge nicht immer präzise getroffen werden.
Umgekehrt bedeutet dies, dass ein SRAM 1:1 Schaltwerk möglicherweise an einem Shimano-kompatiblen Lenkerendgriff funktionieren könnte. Es ist jedoch zu beachten, dass Schalthebel und Schaltwerk idealerweise zusammenpassen sollten, um eine optimale Funktion zu gewährleisten.
Weitere Aspekte der Kompatibilität
Neben dem Übersetzungsverhältnis spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei der Kompatibilität von Schaltungskomponenten:
- Ritzelabstand: Besondere Steighilfen und unterschiedliche Abstände zwischen den einzelnen Ritzeln machen zum Beispiel Zwölffach-Kassetten von Sram und Shimano inkompatibel. Selbst bei gewissen Kombinationen älterer und neuer Modelle ein und desselben Herstellers kann man nicht sicher sein, dass die Teile miteinander harmonieren und die MTB-Schaltung einwandfrei funktioniert.
- Freilauf: Mittlerweile gibt es drei Freilaufstandards, für die es jeweils spezielle Kassetten gibt: Shimano den Micro-Spline-Freilauf für Zwölffach-Kassetten und Sram den Sram XD-Standard für Elffach und Zwölffach-Kassetten (Eagle) von Sram.
- Kettenblätter: Sram setzt auf ein Profil mit abwechselnd dicken und dünnen Zähnen in Haifischzahnform (Sram X-Sync). Shimano hat für die Zwölffach-Kurbeln bei seinen Kettenblättern ebenfalls ein Narrow-Wide-Profil eingeführt.
- Kettenlinie: Beim Tausch des Kettenblatts muss man die zum Mountainbike passende Kettenlinie beachten.
- Kettenbreite: Je mehr Ritzel eine Kassette hat, desto dünner muss die Kette werden.
Zugwegadapter als mögliche Lösung
Für den Fall, dass Schalthebel und Schaltwerk unterschiedliche Zugwege benötigen, können Zugwegadapter wie der JTek Engineerings Shiftmate oder der Problem Solvers Travel Agent eingesetzt werden. Diese Adapter verfügen über Umlenkrollen mit unterschiedlichen Durchmessern, die das Übersetzungsverhältnis des Zugwegs verändern können.
Es ist jedoch zu beachten, dass auch der Einsatz von Zugwegadaptern nicht immer zum Erfolg führt. Es kann zu Platzierungsproblemen kommen oder der Adapter hat nicht ausreichend Zugweg zur Verfügung. Zudem können die Umlenkrollen den Zug auf Dauer schädigen.
Shimano selbst publizierte eine alternative Zugführung, die den Zug etwas näher am Gelenk platzierte. Dadurch wird das Schaltwerk bei jedem Indexklick etwas weiter bewegt als bei der normalen Zugführung. Diese Anpassung führt dazu, dass auch neuere Shimano-Schaltwerke mit älteren Dura Ace Schalthebeln zusammenarbeiten. Sie ist auch nützlich, um beispielsweise 9-fach Kassetten mit 10-fach Schalthebeln oder 8-fach Kassetten mit 9-fach Schalthebeln zusammenzubringen.
Eine andere alternative Zugführung wurde von Brian Jenks, dem Inhaber von Hubbub Cycles vorgeschlagen. Durch sie wird das Schaltwerk bei jedem Indexklick etwas weniger weit bewegt als bei der normalen Zugführung. Diese Zugführungsvariante macht Shimano Schaltwerke und Schalthebel mit Campagnolo Kassetten kompatibel. Sie ist auch sinnvoll, wenn man 10-fach Kassetten mit 9-fach Schalthebeln (oder 9-fach Kassetten mit 8-fach Schalthebeln, usw.) benutzen möchte.
Fazit
Die Kombination von Shimano Schalthebeln und SRAM Schaltwerken ist ein komplexes Thema, das von verschiedenen Faktoren wie Übersetzungsverhältnis, Ritzelabstand und Zugweg abhängt. Während einige Kombinationen problemlos funktionieren, erfordern andere den Einsatz von Zugwegadaptern oder alternativen Zugführungen. Es ist ratsam, sich vor dem Kauf von Komponenten verschiedener Hersteller gründlich zu informieren und gegebenenfalls Expertenrat einzuholen.
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Unverzichtbarer Benzin Reservekanister für Motorradfahrer – Der ultimative Test & Kaufguide!
- Elektrofahrrad Damen Hollandrad Test: Top Modelle für Komfort & Stil im Vergleich!
Kommentar schreiben