Shimano Schaltungsröllchen wechseln – Eine Anleitung

Viele Radfahrer wissen, dass sie ihre Kette regelmäßig warten oder ersetzen müssen, vergessen dabei aber die Schaltungsröllchen. Deine Schaltungsröllchen sind jedoch ebenfalls ein wichtiger Teil deines Antriebs. Sie verschleißen langsam, ohne dass du es merkst.

Woran erkennst du, dass du deine Schaltungsröllchen austauschen solltest?

Fangen sie an, spitzig zu werden? Dann sind sie verschlissen und müssen ersetzt werden. Auf der untenstehenden Abbildung siehst du, dass das mittlere und rechte Schaltungsröllchen ersetzt werden muss.

Eine interessante Frage, denn bisher habe ich mich um die armen Röllchen kaum gekümmert. Alle paar zehntausend Kilometer mal putzen. Jetzt aber hat es hinten angefangen zu zwitschern, und ich schaute mir das Schaltwerk genauer an. Links die abgenutzte, rechts eine noch recht neue Rolle. Ich kann mir gar nicht so wirklich erklären, wie sich die Zähne derart abnutzen können. Vor allem Schmutz und der seitliche Druck bei jedem Schaltvorgang nagen an den Rollen.

Ich habe meine Schaltrollen nach 18.000 km gewechselt. Hatten praktisch keine Zähne mehr und die Schaltung war unpräzise. Links die abgenutzte, rechts eine noch recht neue Rolle. Ich kann mir gar nicht so wirklich erklären, wie sich die Zähne derart abnutzen können. Bei mir war es so extrem, dass die Kette beim Rückwärts treten nicht mehr gespannt wurde.

Tauscht ihr eure Schaltröllchen oder schenkt dem keiner so richtig Aufmerksamkeit? Ich bin mittlerweile 67000km mit meinem Bosch S-ped (10-Gang) gefahren und habe die Schaltröllchen nun zum 2.Mal getauscht. Die Schaltung reagiert nun wieder präziser und die knapp 10 Euro und 20 Minuten Aufwand haben sich damit für mich gelohnt. Bei mir sind sie regelmäßig alle 33000km fällig. Fahre praktisch immer die gleiche Strecke. Lagerspiel kann ich nicht wirklich festellen. Abnutzung allerdings schon.

Natürlich muss man den Schaltröllchen Aufmerksamkeit und Pflege angedeihen lassen. Ein Austausch nach 30.000km ist realistisch. Es sind ja nur recht einfache Gleitlager verbaut. Die verschleissen mit der Zeit, werden schwergängig oder blockieren sogar. Wenn die Zähne signifikant verschleissen, läuft etwas falsch. Die Schaltröllchen übertragen keine Kraft, sondern führen nur die Kette. Vielleicht hat man die Schaltröllchen falsch eingebaut. Bei Shimano hat man bei höherwertigen Produktgruppen Unterschiede und muss die Leitrolle oben und die Spannrolle unten einbauen.

Schaltungsröllchen wechseln - Schritt für Schritt

Anfänger können die Schaltungsröllchen am besten ohne Kette (de)montieren. Du kannst deine Schaltungsröllchen auch austauschen, während die Kette noch am Fahrrad sitzt. Das ist natürlich eine schnelle Methode, pass dann aber extra gut auf, wenn du dich an die Montage machst.

Demontage der alten Schaltungsröllchen

  1. Wenn du die Kette abgenommen hast, wird das Hinterrad abgebaut.
  2. Jetzt kannst du anfangen, die Schaltungsrädchen zu lösen.
  3. Drehe zunächst die Schraube des unteren Schaltungsrädchen los und nimm das Rädchen ab. Achte darauf, in welche Richtung du drehen musst. Das kannst du oft anhand von Pfeilen auf den Schaltungsrädchen erkennen.
  4. Bewahre die Schraube sorgfältig auf, denn die Schrauben vom oberen und unteren Schaltungsrädchen können verschieden sein.
  5. Anschließend kannst du auch beim oberen Schaltungsrädchen die Schraube herausdrehen.

Reinigung des Schaltwerks

Vergiss nicht, dass Schaltwerk gründlich mit einem Fettlöser zu reinigen. Fett und Schmutz setzen sich nämlich in allen Spalten und Ritzen des Schaltwerks fest.

Montage der neuen Schaltungsröllchen

  1. Anschließend kannst du das obere Rädchen gemeinsam mit dem hinteren Teil des Schaltkäfigs befestigen. Achte darauf, dass du das richtige Schaltungsrädchen mit der passenden Schraube anschraubst. Je nach Hersteller werden obere und untere Schaltungsrädchen unterschiedlich bezeichnet.
  2. Achte auch auf die richtige Richtung, wenn du die Rädchen montierst. Ist auf den Schaltungsrädchen nichts angegeben?
  3. Gib ruhig erst noch ein wenig Montagefett auf die Schraube, bevor du die Schaltungsrädchen wieder festziehst.
  4. Sobald du das untere Schaltungsrädchen fest montiert hast, kannst du auch deine Kette wieder aufziehen. Achte hierbei darauf, dass du die Kette über Kassette und Schaltwerk legst.
  5. Nun schließt du den Missing Link mit der Kettenschlosszange und kannst anschließend auch das Rad wieder einbauen.
  6. Kontrolliere danach, ob alles gut schaltet.

Zusätzliche Informationen und Tipps

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Reinigung und Schmierung

Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen. Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Bauteile prüfen

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln. Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Dann kannst Du gleich noch den Zustand der Zähne an den Schalträdchen checken: Genau wie bei der Kassette und dem vorderen Kettenblatt dürfen die Zähne der Schalträdchen ebenfalls nicht verschlissen oder beschädigt sein. Bist du unsicher, nimm Dir einfach ein Bild eines neuen Schalträdchens zur Hand, falls du gerade kein neues dahast. Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Gerade am Mountainbike schlägt die Kette durch die starken Vibrationen und Schläge zusätzlich seitlich aus. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.

Schaltauge

Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Dafür ist es schließlich auch da: Als „Sollbruchstelle“ zwischen Rahmen und Schaltwerk. Wenn etwas kaputt geht, dann besser so ein günstiges Teil als das Schaltwerk oder gar der Rahmen. Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Je nachdem kannst Du es mit einem Richtwerkzeug korrigieren, allerdings ist es bei modernen Rahmen mit Steckachse meist massiver, aus CNC-gefrästem Alu, daher schwer zu richten. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

Schaltzug und Außenhülle

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar. Tip: mit einer Nadel kannst du in die innere Führung der Außenhülle gehen und das abgeschnittene Ende aufweiten, denn dort entsteht teils zusätzliche Reibung. Prüfe die Reibung des Schaltzugs in der Außenhülle. Präzises Schalten geht nur mit wenig Reibung!

Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden. Die Endkappe muss kräftig auf die Hülle gedrückt werden, damit sie später nicht noch weiter nachgibt, was die Schaltzug-Spannung wiederum verändern würde. Manche Fahrer:innen schmieren die Schaltzüge beim Einbau, doch wenn, dann sei sparsam und verwende ein dünnflüssiges Schmiermittel wie Gabelöl oder Nähmaschinenöl. Vermeide enge Radien bei der Zugverlegung. Lieber etwas mehr Leitung und dafür weite "Kurven" - das senkt die Reibung.

Das Grundprinzip, wie ein MTB-Schaltwerk perfekt eingestellt wird, hat sich unabhängig von Hersteller und Schaltgruppe seit Jahrzehnten kaum verändert. Wer das Zusammenspiel aus Endanschlägen, Zugspannung und dem Abstand zwischen Schaltwerk und Kassette einmal verstanden hat, kann jede Mountainbike-Schaltung mit wenig Aufwand präzise einstellen. Aktuelle Zwölffach-Antriebe (egal ob Shimano 1x12/2x12 oder Sram Eagle) weisen einen geringen Abstand zwischen den einzelnen Ritzeln auf und sind deshalb besonders sensibel. Oft entscheiden schon halbe Umdrehungen an den entsprechenden Stellschrauben über eine tadellose Funktion. An die perfekte Einstellung muss man sich deshalb in kleinen Schritten herantasten.

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