Shimano Schaltung einstellen: Eine umfassende Anleitung

Das Einstellen der Shimano Schaltung an Ihrem Fahrrad ist keine Raketenwissenschaft. Mit ein wenig Geduld und dem richtigen Werkzeug können Sie Ihre Schaltung selbst perfekt einstellen und so für reibungslose Gangwechsel und eine längere Lebensdauer Ihrer Komponenten sorgen. Rasselnde Ketten und springende Gänge müssen nicht sein!

Vorbereitung und Grundlagen

Bevor Sie mit dem Einstellen beginnen, sollten Sie sicherstellen, dass alle Komponenten Ihrer Schaltung in gutem Zustand und kompatibel sind. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden. Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden.

Außerdem ist es wichtig, die Schaltung und den Antrieb gründlich zu reinigen und zu schmieren. Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung des Schaltwerks

Die richtige Einstellung des Schaltwerks wird durch drei Schrauben gewährleistet. Am Schaltwerk selbst, können drei Dinge eingestellt werden, oberer Anschlag, unterer Anschlag und die Umschlingung. Über die Anschläge stellen Sie die Maximalauslenkung der Schaltung ein.

1. Überprüfung der Komponenten

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst.

2. Endanschlag unten (H-Schraube)

Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen. Hierzu lässt sich der Schwenkbereich des Schaltwerks in beide Richtungen mit sogenannten Endanschlägen begrenzen.

Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang. Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Drehst du die H-Schraube im Uhrzeigersinn, verstellst du den Anschlag nach innen, in Richtung Laufrad.

3. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen

Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen.

4. Endanschlag oben (L-Schraube)

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert. Sitzt die Kette auf dem größten Ritzel, versuche, das Schaltwerk durch Drücken des Schalthebels noch etwas weiter in Richtung Speichen fahren zu lassen.

5. Umschlingung der Kette

Als Umschlingung wird der Winkel bezeichnet, den die Kette die Kassette umschlingt. Normalerweise ist dieser wichtig, um die Umschlingung der kleinen Ritzel richtig einzustellen, bei den 12 fach Antrieben ist er allerdings fest vorgegeben. An den Shimano Schaltwerken befindet sich auf der Rückseite des Schaltwerkskäfigs eine Markierung, die sich mit dem größten Ritzel der Kassette decken soll. Das Schaltwerk wird auf den leichtesten Gang geschalten und so eingestellt, dass sich die äußersten Zähne des größten Ritzels mit der Markierung decken.

Einstellung des Umwerfers (falls vorhanden)

Der Umwerfer ist mit einer Schelle direkt am Sitzrohr, oder an einer am Sitzrohr angebrachten Aufnahme mit Langloch befestigt (Direct Mount). Seine Höhe ist korrekt, wenn zwischen dem Leitblech außen am Umwerfer und den Zähnen des großen Kettenblatts ein bis drei Millimeter Abstand vorhanden sind. Außerdem sollte das Leitblech parallel zu den Kettenblättern stehen, bei Direct-Mount-Modellen tut es das automatisch.

  1. Zur Einstellung des unteren Endanschlags musst Du zunächst auf das größte Ritzel und das kleinste Kettenblatt schalten. Löse nun den Schaltzug, indem Du die Inbusschraube lockert. Nun kannst Du wieder mit der mit L gekennzeichneten Schraube die Lage des Leitblechs verstellen.
  2. Nachdem Du den unteren Endanschlag eingestellt hast, kannst Du den Schaltzug wieder am Umwerfer montieren.
  3. Schalte nun auf das größte Kettenblatt und das kleinste Ritzel. ACHTUNG: Stellt die Endanschläge eher etwas enger ein.
  4. Sind alle Endanschläge eingestellt, ist nun - wie beim Schaltwerk - die Zugspannung an die Reihe. Schaltet hierfür auf das mittlere Blatt und auf das größte Ritzel.

Überprüfung des Schaltauges

Ein verbogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Je nachdem kannst Du es mit einem Richtwerkzeug korrigieren, allerdings ist es bei modernen Rahmen mit Steckachse meist massiver, aus CNC-gefrästem Alu, daher schwer zu richten. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

Wichtige Hinweise

  • Verwenden Sie immer das richtige Werkzeug.
  • Arbeiten Sie in kleinen Schritten.
  • Überprüfen Sie regelmäßig den Zustand Ihrer Komponenten.

Häufige Probleme und Lösungen

Problem Mögliche Ursache Lösung
Kette springt nicht auf das nächste Ritzel Zu geringe Zugspannung Zugspannung erhöhen (Rändelschraube gegen den Uhrzeigersinn drehen)
Kette springt über das gewünschte Ritzel hinaus Zu hohe Zugspannung Zugspannung verringern (Rändelschraube im Uhrzeigersinn drehen)
Kette schleift oder rattert zwischen den Gängen Falsch eingestellte Endanschläge oder Zugspannung Endanschläge und Zugspannung überprüfen und korrigieren
Schaltung reagiert verzögert oder unregelmäßig Verbogenes Schaltauge Schaltauge überprüfen und richten oder austauschen

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0