Shimano Schaltung: So spannen Sie den Schaltzug richtig

Damit die Gangschaltung am Fahrrad reibungslos funktioniert und sich alle Gänge sauber schalten lassen, muss neben Schaltwerk, Schalthebel und Umwerfer auch der Schaltzug inklusive seiner Außenhülle intakt sein. Hakt die Gangschaltung, ist gegebenenfalls der Schaltzug verschlissen und/oder mit der Außenhülle verklebt. In diesem Fall ist es Zeit, den Schaltzug am Fahrrad zu wechseln.

Vorbereitung und Grundlagen

Bevor Sie verzweifelt versuchen, Ihre Schaltung einzustellen und zu keinem brauchbaren Ergebnis kommen, sollten Sie sicherstellen, dass auch alle Komponenten intakt und voll funktionsfähig sind. Häufig funktioniert eine Schaltung aufgrund eines schwergängigen Schaltseils oder wegen eines verbogenen Schaltauges nicht ordentlich. Dann kann auch der beste Profi die Schaltung nicht mehr ordnungsgemäß einstellen. Bist du also nicht erfolgreich mit der Einstellung, solltest du diese Faktoren untersuchen.

Die richtige Einstellung ist nicht so kompliziert, wie sie anfangs scheinen mag und unterteilt sich im Wesentlichen in drei verschiedene Parameter:

  • Umschlingung der Kette
  • Die Anschläge
  • Seilspannung

Diese drei Parameter treffen im übertragenden Sinn sogar auf elektronische Schaltungen zu.

Kompatibilität

Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden.

Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion. Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten. Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Spannen des Schaltzugs

1. Überprüfung der Komponenten

Wenn die Kette nur widerwillig von einem Ritzel zum nächsten hüpft oder ständiges Kettenrasseln Ihre Fahrt begleitet, wird es Zeit, die Shimano Schaltung an ihrem Mountainbike korrekt einzustellen.

Achte auf folgende Punkte:

  • Sauberkeit: Das Fahrrad - speziell Kette, Schaltwerk, Umwerfer, Kassette und Kettenblätter - sollte nicht allzu dreckig sein. Am besten Du reinigst Dein Bike zuvor mit einem Reiniger.
  • Kette: Die Kette sollte nicht zu stark verschlissen sein. Das lässt sich leicht mit einer Verschleißlehre überprüfen.
  • Schaltzüge und Schalthüllen: Auf die Schaltzüge und Schaltaußenhüllen sollte man besonderes Augenmerk legen. Die Hüllen dürfen nicht beschädigt oder gar geknickt sein. Auch der Zugverlauf sollte keine zu engen Kurven aufweisen.

2. Einstellen der Endanschläge

Mit den Anschlägen wird verhindert, dass die Kette über das größte oder kleinste Ritzel hinaus kann und in die Speichen gerät oder den Rahmen beschädigt. Bei falscher Einstellung der Anschläge kann es auch passieren, dass die Kette beispielsweise nicht in den größten oder kleinsten Gang wechselt und im Gang davor hängen bleibt.

Es gibt zwei Anschlagsschrauben, eine für jedes Ende der Range. Bei Shimano sind diese mit einem L und einem H gekennzeichnet, was für Low- und High-Speed steht. Low begrenzt also den Anschlag zum größten Ritzel mit der meisten Zähne Zahl (für langsame Geschwindigkeiten) und High ist für das kleinste Ritzel mit der niedrigsten Zähne Zahl (für hohe Geschwindigkeiten) zuständig.

Die Anschläge sollten so eingestellt werden, dass die Kette leicht auf das entsprechende Ritzel wechselt, ohne darüber hinaus Schalten zu können. Besonders die Einstellung des H-Anschlags ist wichtig, denn sie kann bei falscher Einstellung die Seilspannung beeinflussen.

Einstellung High-Speed Anschlag

Um die Einstellung des H-Anschlags zu prüfen, Schalte auf das kleinste Ritzel und löse den Schaltzug vom Schaltwerk, um den Einfluss der Seilspannung zu eliminieren. Jetzt sollte die Kette genau mittig unter dem kleinsten Ritzel laufen. Wenn du das Schaltwerk per Hand nach oben drückst und wieder loslässt, sollte die Kette problemlos und schnell auf das kleinste Ritzel schalten. Mit dem Hineindrehen des Anschlags sitzt das Schaltwerk weiter innen und umgekehrt.

Einstellung Low-Speed Anschlag

Bei der Einstellung des Low-Speed Anschlags ist wichtig, dass die Kette auf keinen Fall über das größte Ritzel hinaus schalten kann. Schaltest du also alle Gänge bis zum größten Ritzel hinauf, darf sich der Schalthebel auf dem größten Ritzel nicht oder nur noch minimal drücken lassen und das Schaltwerk sollte sich nicht mehr in Richtung Speichen bewegen. Ist der Anschlag zu weit innen eingestellt, schaltet die Kette nicht oder nur schwer auf das größte Ritzel.

3. Einstellung der Seilspannung

Mit der Seilspannung wird die Position des Schaltwerks unter allen Ritzeln kontrolliert. Das heißt, wenn die Kette die Kassette nicht nach oben steigen möchte, braucht das Schaltwerk etwas mehr Seilspannung und du musst die Einstellschraube herausdrehen.

Detaillierte Schritte:

  1. Schalten Sie auf das große Kettenblatt vorne und das kleinste Ritzel hinten. Hast Du einen Einfach-Antrieb, kannst Du in den folgenden Schritten die Hinweise bezüglich großem oder kleinem Kettenblatt natürlich vernachlässigen.
  2. Lösen Sie den Schaltzug mit einem Inbusschlüssel. Jetzt sollten die Schaltwerksröllchen exakt parallel in einer Linie mit dem kleinsten Ritzel stehen. Mit den mit H und L gekennzeichneten Schrauben lassen sich die Endanschläge verstellen.
  3. Um den oberen Endanschlag einstellen zu können, schaltest Du zunächst vorne auf das kleinste Kettenblatt. Da das Schaltseil zum Schaltwerk noch locker ist und Du deshalb hinten nicht schalten kannst, musst Du das Schaltwerk mit den Fingern in Richtung großes Ritzel drücken. Dabei kann es helfen, ein Stück die Kurbel zu drehen. Sobald Du das Schaltwerk ganz „auf Anschlag“ hast, kontrollierst Du erneut die Stellung der Schaltwerksröllchen. Hier muss ebenfalls das größte Ritzel der Kassette in einer Linie mit den Schaltwerksröllchen stehen.
  4. Zur Winkeleinstellung verbleibt die Kette auf dem kleinsten Kettenblatt und auf dem größten Ritzel. Mit der B-Schraube (sie ist bei neueren Schaltwerken i.d.R. markiert) verstellst Du die Feder in der Schaltwerksaufhängung und somit die Höhe des oberen Schaltröllchens. Ist die Federspannung zu locker, kann das Röllchen das größte Ritzel berühren.
  5. Schalte zunächst auf das große Kettenblatt und drehe nun die Einstellschraube für die Zugspannung am Schalthebel oder am Schaltwerk fast ganz hinein.
  6. Bewegt die Kurbel und schaltet die Gänge einzeln durch. Achte hier auf die Reaktion der Kette: Springt sie in die gewünschte Richtung, ist alles okay. Springt der Gang nicht sofort auf das nächsthöhere Ritzel, muss die Zugspannung etwas erhöht werden. Dies erreichst Du, indem Du die Einstellschraube um ca. eine viertel Drehung herausdrehst. Mach das so lang, bis der Gang sofort wechselt. Springt die Kette nicht direkt nach dem Schalten auf das nächstkleinere Ritzel, muss das Schaltseil etwas entlastet werden. Hierfür drehst Du die Einstellschraube wieder etwas hinein.

4. Feineinstellung und Probefahrt

Dieser Schritt erfordert etwas Übung und Geduld. Hast Du bis jetzt alles richtig gemacht, sollte die Schalteinstellung schon fast passen. Zu guter Letzt empfehle ich eine kleine Probefahrt.

Umwerfer einstellen (falls vorhanden)

Bist Du mit einem Zwei- oder Dreifach-Antrieb unterwegs? So kannst Du Deinen Umwerfer einstellen.

  1. Dein Umwerfer hat dann die richtige Höhe, wenn zwischen Leitblech und den Zähnen des großen Kettenblatts ca. 1 bis 3 Millimeter Platz ist. Ist dies nicht der Fall, kannst Du die Höhe über die Klemmschelle oder durch ein Langloch mit Schraube verstellen. Hierfür musst Du gegebenenfalls den Schaltzug lösen.
  2. Zur Einstellung des unteren Endanschlags musst Du zunächst auf das größte Ritzel und das kleinste Kettenblatt schalten. Löse nun den Schaltzug, indem Du die Inbusschraube lockert. Nun kannst Du wieder mit der mit L gekennzeichneten Schraube die Lage des Leitblechs verstellen. Du hast den Endanschlag dann korrekt eingestellt, wenn die Kette das Leitblech gerade so nicht mehr berührt und ca.
  3. Nachdem Du den unteren Endanschlag eingestellt hast, kannst Du den Schaltzug wieder am Umwerfer montieren.
  4. Schalte nun auf das größte Kettenblatt und das kleinste Ritzel. ACHTUNG: Stellt die Endanschläge eher etwas enger ein. Denn auch hier gilt: Ist der Endanschlag zu weit eingestellt, springt die Kette beim Schalten vom Blatt.
  5. Sind alle Endanschläge eingestellt, ist nun - wie beim Schaltwerk - die Zugspannung an die Reihe. Schaltet hierfür auf das mittlere Blatt und auf das größte Ritzel.
  6. Mache eine kleine Probefahrt.

Weitere wichtige Aspekte

Umschlingung der Kette

Als Umschlingung wird der Winkel bezeichnet, den die Kette die Kassette umschlingt. Normalerweise ist dieser wichtig, um die Umschlingung der kleinen Ritzel richtig einzustellen, bei den 12 fach Antrieben ist er allerdings fest vorgegeben. An den Shimano Schaltwerken befindet sich auf der Rückseite des Schaltwerkskäfigs eine Markierung, die sich mit dem größten Ritzel der Kassette decken soll. Das Schaltwerk wird auf den leichtesten Gang geschalten und so eingestellt, dass sich die äußersten Zähne des größten Ritzels mit der Markierung decken.

Das Schaltauge

Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Dafür ist es schließlich auch da: Als „Sollbruchstelle“ zwischen Rahmen und Schaltwerk. Wenn etwas kaputt geht, dann besser so ein günstiges Teil als das Schaltwerk oder gar der Rahmen. Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu.

Werkzeuge und Hilfsmittel

Folgende Werkzeuge und Hilfsmittel können bei der Einstellung der Schaltung hilfreich sein:

  • Kreuzschlitzschraubendreher bzw. Inbusschlüssel
  • Montageständer
  • Verschleißlehre für die Kette
  • Bowdenzugschneider

Tipps und Tricks

  • Sollte es bei der Probefahrt zu einem Durchrutschen der Kette kommen, ist womöglich der Antrieb verschlissen. Eine Verschleißlehre gibt Auskunft, ob Kette oder sogar Kassette/Kettenblätter ausgetauscht werden müssen.
  • Hierfür empfiehlt sich ein Montageständer, in den das Rad eingehängt werden kann.
  • Stellt die Endanschläge eher etwas enger ein. Denn auch hier gilt: Ist der Endanschlag zu weit eingestellt, springt die Kette beim Schalten vom Blatt.

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