Shimano Scheibenbremse BR-M446: Test und wichtige Hinweise

Eine gut funktionierende Bremse ist essentiell für die Sicherheit beim Fahrradfahren. Eine gute Bremsscheibe in Kombination mit guten Bremsbelägen kann in einer brenzligen Situation über Unfall oder kein Unfall entscheiden. Ist also eine Art Lebensversicherung für Dich. Doch was macht eine gute und hochwertige Bremse aus? Und worin unterscheiden sich die verschiedenen Bremsbeläge (organisch und gesintert)? Kann man die vorhandene Bremsscheibe einfach vergrößern?

Herausforderungen bei günstigen E-Bikes und Pedelecs

Gerade bei günstigen E-Bikes oder Pedelecs müssen die Hersteller sparen. Das geht dann halt auf Kosten der verbauten Komponenten. Da ist dann statt einer 180er Bremsscheibe nur eine 160er verbaut. Oder statt der hochwertigen Bremsscheibe für 45,- Euro das Stück kommt „nur“ die 9,95-Euro-Variante zum Einsatz.

Natürlich werden auch solch günstige Kombinationen von Markenherstellern wie Cube, Ghost, Haibike etc. auf ihre Bremsleistung hin getestet. Aber preisbedingt nur im normalen Umfeld. Bewege ich mich aber etwas abseits der Laborbedingungen, dann kann eine für mich unpassende Kombination aus Bremsscheibe und Bremsbeläge zu einer schlechteren Bremsleistung führen.

…dann kann das zum Beispiel an schlechten oder für die Anforderung ungeeigneten Bremsbelägen bzw. Bremsscheiben liegen.

Dazu reicht es meist schon aus, wenn man regelmäßig längere Gefällstrecken fahren muss oder das Fahrergewicht plus E-Bike an der zulässigen Grenze für das Gesamtgewicht liegt.

Zu 100 Prozent kann man das Nachlassen der Bremskraft durch Wärmeentwicklung nicht verhindern. Es gibt immer Grenzbereiche, wo selbst die teuersten Bremsscheiben mit speziellem Kern überhitzen können. Aber in der Regel steigert sich die Bremsleistung durch Einsatz von größeren Bremsscheiben, Einsatz von hochwertigen Bremsscheiben in Verbindung mit hochwertigen Bremsbelägen von namhaften Herstellern.

Beim Thema Bremsen sollte man auch nicht am falschen Ende sparen. Hier gilt: Geiz ist nicht unbedingt geil und kann zum ernsthaften Problem werden. Natürlich gibt es im Internet Bremsbeläge für 1-2 Euro.

Austausch einer Bremsscheibe: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Im folgenden Video siehst Du, wie ich bei einer hydraulischen Shimano Scheibenbremse eine 160er Bremsscheibe SM-RT10S gegen eine 180er Bremsscheibe SM-RT81 austausche.

Wichtig! Bitte unbedingt vor der Aufrüstung der Bremsscheibe in den Unterlagen Deines E-Bikes nachschauen, ob Gabel und Rahmen für die größere Bremsleistung auch freigegeben sind. Im Zweifel oder, wenn nichts in den Unterlagen steht, frag unbedingt bei Deinem Händler oder direkt beim Hersteller Deines E-Bikes nach.

Bei der Montage der Bremsscheibe nicht den Bremsbreich der Scheibe mit dem Fingern berühren. Wenn es doch passiert ist, die Bremsscheibe mit etwas Alkohol reinigen. Und bei der Montage auch unbedingt auf die richtige Laufrichtung (Rotation) der Bremsscheibe achten.

Das richtige Einbremsen der Bremsbeläge

Wenn Du neue Bremsbeläge montiert hast, dann musst Du diese unbedingt einbremsen. Dadurch werden zum einen eventuell vorhandene Unebenheiten abgeschliffen und die Bremsscheibe und der Bremsbelag schleifen sich aufeinander ein. Zum anderen gasen die ab Werk noch in den Belegen enthaltenen Bindemittel, welche bei der Herstellung (besonders bei organischen Bremsbelägen) vorkommen, aus.

Dadurch erreichen die Beläge ihren maximalen Härtegrad. Wenn die Bremsbeläge nicht richtig eingebremst werden, dann führt das zu einer geringeren Lebensdauer und einer schlechteren Bremsleistung.

Das Einbremsen solltest Du nach einem Wechsel der Bremsbeläge immer machen, bevor Du mit Deinem E-Bike wieder eine neue Tour startest bzw. im Straßenverkehr unterwegs bist. Dazu solltest Du am besten einen befestigten Radweg, der nicht zu stark befahren ist, nutzen. Besonders ideal ist es natürlich, wenn eine leichte Gefällstrecke für das Einbremsen zur Verfügung steht.

Hier ein paar Tipps zum richtigen Einbremsen Deiner Bremsbeläge, welche für die Bremsbeläge der meisten Hersteller, wie zum Beispiel Shimano, gelten. Wenn Du Bremsbeläge eines anderen Herstellers nutzt, dann findest Du in der Regel auf der Verpackung oder auf der Internetseite des Herstellers entsprechende Hinweise.

In der Praxis solltest Du von Bremsvorgang zu Bremsvorgang eine gesteigerte Bremsleistung spüren. Das kommt daher, weil sich auf der Bremsscheibe eine dünne Reibschicht bildet.

Organische vs. gesinterte Bremsbeläge

Die organischen und gesinterten Bremsbeläge sind die gängigsten Varianten, die Du kaufen kannst. Du kannst organische Bremsbeläge meist daran erkennen, dass die Löcher auf der Rückseite der Trägerplatte aufgefüllt sind. Organische Bremsbeläge bestehen in der Regel aus Kunstharz und Kohlenstofffasern und enthalten Zusätze aus Glas, Metall oder Gummi.

Wenn Du ein harmonisches Bremsverhalten haben möchtest und Wert darauf legst, dass Deine Bremse gut dosierbar ist, im kalten Zustand optimal verzögert und das möglichst geräuscharm, dann solltest Du organische Bremsbeläge verwenden. Wenn Du eher einen aggressiven Fahrstil hast und bei Nässe die maximale Bremswirkung haben möchtest, dann sind gesinterte Bremsbeläge die bessere Wahl für Dich.

Allerdings muss beim Einsatz von gesinterten Bremsbelägen Deine Bremsscheibe auch für diese Beläge geeignet sein. Steht „RESIN PAD ONLY“ drauf, dann dürfen nur organische Bremsbeläge genutzt werden.

Wann sollten Bremsbeläge und Bremsscheiben ausgetauscht werden?

Es gibt hier nur sehr grobe Richtwerte, da der Verschleiß von vielen Faktoren abhängt. Aber wenn die Bremsleistung merklich nachlässt, dann sollte man auf jeden Fall mal die Bremsbeläge ausbauen und die Dicke des Bremsbelages überprüfen. Wenn diese nur noch 0,5 Millimeter oder weniger beträgt, sollten die Bremsbeläge unbedingt ausgetauscht werden. Auch sollten die Belege unbedingt dann ausgetauscht werden, wenn die Ränder brüchig aussehen bzw.

Wie Du auf dem Bild sehen kannst, halten die Bremsbeläge bei normaler Fahrweise viele Kilometer durch. Für Dich als grober Anhaltspunkt. Der Shimano B01S Belag hat neu eine Dicke von rund 2 Millimetern. Nach 600 E-Bike-Kilometern, die Hauptsächlich auf der Straße, Rad- und Waldwegen gefahren wurden, sind noch 1,6 Millimeter über. Ist also noch genug Belag da, um noch einige Kilometer damit sicher fahren zu können. Allerdings warte ich nicht bis die Beläge nur noch 0,5 Millimeter haben, sondern tausche die Bremsbeläge in der Regel schon bei einer Restdicke von 1 Millimeter aus.

Wenn Du Deine Bremsbeläge austauschst, dann musst Du die Bremsscheibe nicht zwingend mit austauschen. Das ist nur dann sinnvoll, wenn Du auf eine andere Mischung der Bremsbeläge wechselst, da gesinterte und organische Bremsbeläge einen unterschiedlichen Abrieb (Reibfilm) auf der Bremsscheibe hinterlassen.

Die Bremsscheibe sollte immer dann ausgetauscht werden, wenn sie sichtbare Beschädigungen aufweist bzw. wenn die Mindeststärke der Scheibe unterschritten wird. Wie diese Mindeststärke der Bremsscheibe ist, ist von Hersteller zu Hersteller etwas unterschiedlich. Bei Shimano zum Beispiel gilt als Untergrenze für die Dicke der Bremsscheibe 1,5 mm. Auf manchen Bremsscheiben steht die minimale zulässige Dicke sogar direkt auf der Scheibe mit drauf.

Kompatibilität und Empfehlungen

Auf Shimano Bremsscheiben gibt es in der Regel auch einen Hinweis darauf, mit welchen Bremsbelägen (organisch oder gesintert) die Bremsscheibe kombiniert werden sollte. Bei Bremsbelägen mit Kühlrippen ist unbedingt zu beachten, dass diese wegen der größeren Bauform meist nur in teureren Bremssatteln verbaut werden können. Günstigere Scheibenbremsen, wie sie zum Beispiel auch auf dem Cube Reaction Hybride One oder Cube Access WLS verbaut sind, können nur die normale Bauform aufnehmen. Das sind dann zum Beispiel die B01S von Shimano.

Bremsenhersteller heben immer wieder hervor, dass man nur die Hersteller eigenen Bremsbeläge nutzen darf, um die Ansprüche auf Garantie und Gewährleistung nicht zu verlieren. Allerdings gilt das nur für den Fall, dass der fremde Bremsbelag nachweislich ein Bremsversagen verursacht hat. Jedoch macht es Sinn, bei der Belagmischung (organisch oder gesintert) die Gleiche zu verwenden, wie sie bei der Auslieferung Deines E-Bikes / Pedelecs montiert war.

Verbesserung der Bremsleistung

Wenn Du mit der Bremsleistung Deines E-Bikes oder Pedelecs nicht zufrieden bist, dann musst Du nicht zwangsläufig gleich eine komplett neue Bremsanlage kaufen. In manchen Fällen reicht es schon aus, wenn Du hochwertigere Bremsscheiben und Bremsbeläge montierst. Das gilt im Besonderen für den Cross & Country-Einsatz, also wenn Du Dein E-Bike viel auf der Straße, dem Feldweg oder im leichten Gelände bewegst.

Aber unbedingt beachten! Wenn Du eine größere Bremsscheibe einbauen möchtest, unbedingt vor dem Kauf der Bremsscheibe abklären, ob die verbaute Gabel und der Rahmen Deines E-Bikes für die gewünschte Scheibengröße zugelassen sind. Bei Gabeln zum Beispiel der Firma Suntour aus der Serie XCR, XCM und XCT gelten 180 mm als maximal erlaubte Bremsscheibengröße. Auch solltest Du am Hinterrad überprüfen, ob der Bremssattel mit einem Adapter für eine größere Bremsscheibe noch genug Platz hat.

Verschleiß von Bremsbelägen Shimano B01S
Zustand Dicke
Neu ca. 2 mm
Nach 600 km (Straße, Rad- und Waldwege) ca. 1,6 mm
Empfohlener Austausch 1 mm
Mindestdicke 0,5 mm

Anleitung zum Ausbau des Rades und der Bremsbeläge

  1. Baue dein Rad aus.
  2. Hier siehst du den Bremssattel mit den Bremsbelägen, in dem die Bremsscheibe läuft. Da müssen wir ran.
  3. Schraube am Fahrrad lösen
  4. Kabel für den Nabendynamo entfernen
  5. Fahrrad - Rad ausbauen
  6. Pin der die Bremsbeläge im Bremssattel hält
  7. Pin wird mit einer Zange gebogen
  8. Bremsbeläge werden aus dem Bremssattel gedrückt
  9. Nimm den Pin, der genauso lange ist wie dein bisheriger.
  10. Stecke den neuen Pin durch die Bremsbelaghalterung hindurch und biege das Ende des Pins wieder um.
  11. Vergiss das nicht! Ansonsten könnte der Pin samt Bremsbelägen während der Fahrt herausfallen.
  12. Sollte die Bremse jetzt schleifen, dann musst du den Bremssattel ausrichten.

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