Shimano Scheibenbremse: Bremssattel richtig einstellen und Bremsleistung optimieren

Die Wichtigkeit funktionierender Bremsen am Fahrrad

Jedem ist wohl klar, dass die Fahrradbremse eines der wohl wichtigsten Bauteile am Rad ist - sie ist im höchsten Maß mitverantwortlich für die Sicherheit im Straßenverkehr. Eine 100 % Funktionalität ist mehr als wichtig; Geschwindigkeit muss auf Wunsch (schnell) reduziert werden. Daher ist eine gute Pflege der Bremsen wichtig, insbesondere regelmäßig zu kontrollieren und entsprechend zu warten. Die üblichen Verschleißteile (z.B. Shimano Bremsbeläge) am Bike müssen entsprechend der Abnutzung von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden.

Grundlagen der Scheibenbremse

An fast allen Fahrrädern findet man inzwischen hydraulische Scheibenbremsen. Die modernen Systeme sind ausgereift und verhältnismäßig einfach zu warten. Lediglich das Entlüften der Anlage, wenn sich einmal Luft im System angesammelt hat, solltest du lieber der Fachwerkstatt überlassen.Wir zeigen dir, welche Servicearbeiten du in Eigenregie erledigen kannst. Angefangen beim regelmäßigen Check und Austausch der Bremsbeläge. Bis hin zur Fehlersuche bei Schleif- oder Quietschgeräuschen. Richtig eingestellte Scheibenbremsen sind grundlegend für die Sicherheit Ihres Fahrrads. Denn: Auf die Bremsen muss Verlass sein - ob Sie lange Touren fahren oder nur kurz ums Eck wollen. Korrekt eigestellte Scheibenbremsen verleihen Sicherheit und Kontrolle über Bremsweg und Bremskraft.

Vorbereitung und Werkzeuge

Für das Einstellen der Fahrradbremse benötigen Sie nur wenig Werkzeug: Meist reicht ein Kreuzschraubendreher und ein Satz Innensechskantschlüssel.

Werkzeug - Diese Tools benötigst du:

  • Satz Innensechskantschlüssel (Inbus)
  • Torx Schlüssel (je nach Bremsentyp)
  • Drehmomentschlüssel (empfehlenswert!)
  • Schleifpapier ca. Korn 100 bis 150
  • Bremsenreiniger Spray
  • Zur Bremse passende Ersatzbeläge

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einstellen des Bremssattels

  1. Bremssattel lockern: Zum Einstellen und Ausrichten von Scheibenbremsen lockert man zunächst die mit Schraubensicherung fixierten Schrauben der Bremssattel mit einem Innensechskantschlüssel. Nur soweit lösen, dass sich der Bremssattel etwas bewegen kann.
  2. Bremssattel zentrieren: Ziel dieser Übung ist, dass sich der Bremssattel in gezogenem Zustand an der Bremsscheibe exakt zentriert, bevor der Bremssattel am Fahrradrahmen oder an der Gabel festgeschraubt wird.
  3. Einstellschraube justieren: Danach wird am noch immer gelockerten Bremssattel die Einstellschraube soweit herein gedreht, bis ganz leichter Kontakt zur Bremsscheibe besteht, das Rad sich aber noch leicht dreht.
  4. Bremse betätigen: Betätigen Sie die Bremse ruhig ein paar mal vorsichtig, die noch immer losen Bremssättel rutschen dann in die richtige Position und das Spiel zwischen Bremsbelag und Scheibe ändert sich noch mal leicht.
  5. Abstand einstellen: Bei vielen Bremsen soll der Abstand zur Bremsscheibe 0,2 - 0,4 mm betragen. Diese Spaltmaß ist am Fahrrad oft schwer zu erkennen, deshalb wende ich einen Trick an: Ich klemme einfach eine Visitenkarte bzw. Bei Shimano bewegt sich nur ein Belag zur Scheibe, der andere ist fest und bekommt den Abstand mit der Karte, da er an dieser Seite ja fein eingestellt werden kann.
  6. Bremse fixieren: Dann ziehe ich die Bremse und spanne den Bremshebel mit einem kräftigen Gummiring vor. Jetzt zentriert sich der Bremssattel am Rahmen, ohne dass ich den Bremsgriff ziehen muss.
  7. Schrauben anziehen: Erst danach ziehe ich die Schrauben des Bremssattels vorsichtig in mehreren Zügen wieder an. Diese müssen mit Schraubenkleber oder ähnlichem gesichert werden, falls sie sich leicht drehen lassen oder neu sind. Dann wird der Gummiring und die Karte wieder entfernt.
  8. Feinjustierung: Läuft das Rad nun fast ohne zu schleifen leicht? Wenn ja - super! Wenn nicht: Ich musste meine Einstellungsschraube noch um zwei Klicks herausdrehen.
  9. Zusätzliche Einstellung bei Shimano BR-CX77: Bei der Shimano BR-CX77 gibt es noch eine zweite Inbusschraube, um den äußeren Bremsbelag einzustellen (Siehe orangenen Pfeil im Bild). Diese ist in der Shimano-Anleitung kaum dokumentiert. Interessanterweise reagiert die Schraube nicht sofort, sondern erfordert ein paar Umdrehungen, bevor der äußere Bremsbelag zur Scheibe wandert. Bei neuen Bremsbelägen beträgt die Standard-Einstellung der Länge der Shimano-Schraube aus dem Bremssattel inklusive Kopf 7 mm.
  10. Hebelweg justieren: Zusätzlich kann der Hebelweg samt exaktem Druckpunkt noch mit der Einstellungshülse im Bowdenzug justiert werden. Dies ist fast immer nötig.

Umgang mit Schleifgeräuschen

Leichtes Schleifen ist normal und kann auch an einer ganz leicht verzogenen Bremsscheibe liegen. Man muss bedenken, dass sich das System erst wieder nach ein paar scharfen Bremsungen genau aufeinander einspielt. Dadurch erhöht sich das Spaltmaß automatisch noch etwas und das Schleifen wird weniger. Auf den ersten Fahrten würde ich zum Nachjustieren noch den passenden Inbusschlüssel mitnehmen.

Reinigung der Scheibenbremsen

Auch wenn du selten oder gar nicht bei schlechtem Wetter unterwegs warst. Das ist in der Regel schnell erledigt: Einsprühen mit Fahrradreiniger zum Anlösen der Verschmutzungen, einwirken lassen und anschließend abspülen mit klarem Wasser. Nach Regenfahrten sollte eine intensivere Behandlung mit Schwamm und Bürste selbstverständlich sein. Im Zuge eines solchen Waschgangs kannst du die Scheibenbremsen im Prinzip ohne besondere Behandlung einbeziehen. Die Bauteile vertragen Wasser und Fahrradreiniger problemlos. Bei stärkerer Verschmutzung solltest du mit Bremsenreiniger (Spray) arbeiten, der speziell den typischen, aggressiven Bremsstaub lösen kann. Wir empfehlen, den Reiniger dosiert einzusetzen, oder ihn mit einem benetzten Tuch aufzutragen. Zum Beispiel zum Säubern der Scheiben.

Achtung!! Niemals Öl oder ölhaltige Substanzen auf die Beläge bringen!!

Bremsbeläge: Verschleiß prüfen und austauschen

Je nach Fahr-Intensität solltest du etwa alle zwei bis drei Wochen einen Blick auf die Beläge werfen. Nach Schlechtwetter-Einsätzen jedoch gezielt und öfter! Das kannst du bei relativ neuen Belägen mit Hilfe einer Taschenlampe von oben durch den Schlitz im Sattel erledigen. Wenn die Beläge dünner werden, empfehlen wir, sie zur Sichtprüfung auszubauen. Dazu zunächst das Laufrad ausbauen. Als erstes sollten die Beläge in ihre maximale Ausgangsposition zurück gedrückt werden. Dazu mit einem flachen und stumpfen Hebel zwischen die Beläge fahren und diese mit sanfter Gewalt auseinander drücken. Es eignet sich zum Beispiel ein dünner Reifenheber (Ein scharfkantiger Schraubendreher kann die Beläge beschädigen!). Das Zurückdrücken der Kolben ist auch nötig, damit bei Bedarf neue Beläge im Sattel genügend Platz finden.

Zur Entnahme musst du noch den Sicherungsbolzen oben auf dem Sattel entfernen (i. d. R. Innensechskant-Schraube). Der Bolzen ist mit einem kleinen Sprengring gegen selbstständiges Lösen gesichert, der sich mit Hilfe einer Spitzzange oder von Hand abziehen lässt.

Neue Bremsbeläge unbedingt einbremsen!

Alle neuen Bremsbeläge müssen bei Scheibenbremsen grundsätzlich eingefahren werden, um eine gute und ausdauernde Bremswirkung leisten zu können. Dazu bremst man 10-30 Mal aus ca. 30 km/h kräftig auf fast Null herunter. Die Bremsleistung erhöht sich während des Einbremsens auf den ersten 30-50 km spürbar. Die Prozedur ist für den Radfahrer immer ziemlich anstrengend und sollte abseits befahrener Straßen erfolgen.

Erst nachdem neue Bremsbeläge nach folgendem Prozedere eingebremst wurden, können sie ihre volle Bremsleistung entfalten: Das Fahrrad etwa 20 bis 30 Mal hintereinander auf rund 30 km/h beschleunigen und anschließend kraftvoll bis zum Stillstand abbremsen.

Metallische Bremsbeläge brauchen generell eine wesentlich längere Einfahrzeit als organische Bremsbeläge. Dafür halten metallische Bremsbeläge nach der Einfahrtzeit auch länger und weisen meist eine höhere Bremsleistung auf - auf Kosten einer gewissen Geräuschentwicklung. Die Bremsscheiben selbst müssen für metallische Beläge freigegeben sein, sonst verschleißen sie extrem schnell. Oft steht diese Information direkt auf der Bremsscheibe - z.B. „Resin-Pad only“. Dann dürfen keine metallischen Bremsbeläge montiert werden. Ist das unbedingt gewünscht, müssen auch die Scheiben entsprechend gewechselt werden.

Nur bei organischen Belägen („Resin“, Kunststoff) müssen die Bremsen NACH dem Einfahren eigentlich nochmal richtig warm eingebremst werden. Nicht alle Radfahrer wissen und machen das auch. Dazu eignet sich eine steile Bergabfahrt, bei der EINE Scheibenbremse bis an die Fadinggrenze gefahren wird. Achtung, die Bremsleistung reduziert sich durch die Hitze bis zum Totalausfall! Aus Sicherheitsgründen wird erst DANACH auch die andere Bremse an die Fadinggrenze gebracht. Man erkennt die Fading-Grenze außer einer schlechter werdenden Bremsleistung nicht genau, deshalb braucht man unbedingt noch die andere, verlässliche Scheibenbremse.

Geräusche bei Scheibenbremsen: Ursachen und Lösungen

Nichts ist schlimmer, als eine quietschende Scheibenbremse. In einzelnen Fällen kann dieses Bremsgeräusch unerträgliche Lautstärken erreichen. Aber auch weniger laute Geräusche wie kratzen, schleifen oder rubbeln können nerven. Umso mehr, wenn der Krach mit einer verringerten Bremsleistung einher geht. Grund genug, die Probleme aufzuspüren und zu beseitigen.

Häufige Ursachen für Geräusche:

  • Quietschen bei Nässe: Leider ist es ein recht häufiges Phänomen, dass Scheibenbremsen während einer Regenfahrt plötzlich zu quietschen anfangen. Die Geräusche verschwinden, sobald alles wieder trocken ist.
  • Belagmaterial: Es gibt hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Material, das für Bremsbeläge zum Einsatz kommt: 1) Organische Beläge aus verpressten Fasern organischer Stoffe. 2) Beläge aus Sintermetall, also verschiedenen Metallgranulaten. Wer sich häufig über Bremsgeräusche ärgert, sollte unbedingt organische Beläge verwenden.
  • Verschlissene Beläge: Auch abgefahrene Beläge können Geräusche verursachen. Dabei handelt es sich meist um ein metallisches Schleifen. So oder so müssen derart abgenutzte Bremsbeläge unverzüglich ausgetauscht werden!
  • Verglaste Beläge: Durch die hohen Temperaturen kann sich mit der Zeit eine harte, glänzende Schicht auf den Bremsbelägen bilden. Man spricht dann von verglasten Belägen. Das äußert sich mit nachlassender Bremswirkung und erhöhter Geräuschentwicklung. Bei rechtzeitiger Behandlung kannst du die Beläge retten und weiter verwenden. Dazu die Beläge ausbauen und so oft über einen ausgelegten Bogen Schleifpapier ziehen, bis die Bremsfläche wieder matt aussieht.
  • Lockere Schraubverbindungen: Eine Ursache für Geräusche ist, dass ein oder mehrere Teile in Schwingung geraten und hochfrequent vibrieren. Das kann ein Bauteil selbst sein oder eine (lose) Verbindung zwischen zwei Bauteilen.
  • Bremssattelposition: Die Bremsscheibe muss bei geöffneter Bremse mittig zwischen den Bremsbelägen rotieren, ohne diese zu berühren. Schleift die Bremse einseitig, kann dies Geräusche verursachen.
  • Kolbenfreigängigkeit: Nach längerer Nutzung und vielen Schlechtwetterfahrten kann es sein, dass die Kolben verschmutzt sind und nicht mehr gleichmäßig ausfahren. Oder dass sich einer der Beläge nach dem Bremsvorgang nicht mehr von der Scheibe zurückzieht.

Spezifische Lösungen bei Problemen

  • Lösung 1: Sind organische Bremsbeläge (Resin etc.) verbaut hängt die Haltbarkeit stark vom Einsatz ab: Bei häufigen Bergfahrten, bei Crossbikes im schmutzigen Gelände, bei schwer bepackten Reiserädern kann es sein, dass die Bremsen bereits nach einer einzigen Tour von 50 km nachgestellt werden müssen.
  • Lösung 2: Bei permanent geforderten Bremshöchstleistungen lohnt sich evtl. auch der Umbau auf größere Bremsscheiben am Fahrrad z.B. von 160 auf 180 mm. Je mehr Kühlschlitze die Bremsscheibe zieren, desto mehr raspelt das scharfe Metall natürlich auch die Bremsbeläge ab.
  • Lösung 2: Die Bremsen wurden nie eingefahren, aber bei einer steilen Bergfahrt gleich sehr stark beansprucht. Dann sind sie wahrscheinlich verglast. Dabei bildet sich eine knallharte Oberfläche ohne viel Reibwert.
  • Lösung 3: Die Beläge sind verölt z.B.
  • Lösung 4: Die Bremsscheibe selbst ist nicht ganz plan. Das gibt es auch schon bei neuen Rädern ab Werk - oder nach dem Transport zum Kunden.
  • Lösung 5: Der Bremshebel am Bremssattel schlägt auf Metall, weil die Bremse nachgestellt werden muss oder die Beläge doch schon abgefahren sind (bei mir nach 1.000 km). Oder der Handbremshebel lässt sich bis zum Lenker durchziehen - evtl.
  • Lösung 6: Die Bowdenzüge sind schwergängig - diese sauber verlegen und gangbar machen. Falls sie geknickt wurden, müssen sie ausgetauscht werden. Es gibt Spezial-Bowdenzüge für Scheibenbremsen, die sich kaum dehnen bzw. stauchen z.B. von „Jagwire“.
  • Lösung 7: Ein paar Schleifgeräusche gelten als normal.

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