Im Sinne der eigenen Sicherheit: Die Bremsen zählen zu den am härtesten strapazierten Teilen am Bike und haben eine regelmäßige Wartung verdient. Um unterwegs nicht plötzlich von abgenutzten Bremsbelägen überrascht zu werden, lohnt sich ein regelmäßiger Check.
ACHTUNG: Scheibenbremsen sind sicherheitsrelevante Bauteile. Wer daran rumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem sorgfältig arbeiten. Eine Kontrollfahrt nach der Wartung schadet nie. Ohne ausreichende Erfahrung beim Schrauben lohnt es sich, eine Bike-Werkstatt aufzusuchen und sich Rat von Experten zu holen.
Wieso schleifen Scheibenbremsen?
Ohne am Bremshebel zu ziehen, schleifen die Bremsbeläge leicht an der Scheibe. Hier sind fünf Ursachen und entsprechende Lösungen:
- Zu viel Bremsflüssigkeit: Kommt bei neuen Bremsen im Auslieferungszustand immer wieder vor. Die Kolben können sich nicht weit genug zurückziehen. Da hilft nur, den Stand der Bremsflüssigkeit zu korrigieren. Anschließend müssen Sie die Bremse entlüften.
- Bremsscheibe nicht mittig: In diesem Fall den Bremssattel lockern und neu ausrichten.
- Laufrad schief eingebaut: Das kann bei Bikes mit herkömmlichen Schnellspannern passieren. Schnellspanner öffnen und neu justieren.
- Bremsscheibe verbogen: Manchmal hilft es schon, die Bremse richtig heiß zu bremsen (Achtung, nicht überhitzen!). Ansonsten vorsichtig per Hand oder mit Richtwerkzeug zurechtbiegen.
- Kolbenklemmer: Kolben und Bremssattel mit Bremsenreiniger säubern.
Bremsbeläge wechseln
Wie lange die Beläge halten, hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Bei Matschwetter kann ein Belag schon nach einem langen Bike-Tag runter sein. 1 Millimeter sollte die Belagstärke mindestens noch betragen. Auch die Scheiben verschleißen.
Die Stärke lässt sich verlässlich mit einem Messschieber oder einer speziellen Verschleißlehre kontrollieren. Dünner als 1,5 Millimeter sollte die Bremsscheibe nicht sein. Auch stark unterschiedlich verschlissene Scheiben sollte man austauschen.
Schritte zum Wechseln der Bremsbeläge:
- Sicherungsschraube entfernen: Ehe Sie mit dem Wechseln der Bremsbeläge beginnen, drücken Sie die Bremskolben mit einem flachen Werkzeug zwischen den alten Bremsbelägen so weit wie möglich zurück. So schaffen Sie Platz für die neuen, dickeren Beläge. Nun entfernen Sie den Sicherungsring und dann die Sicherungsschraube.
- Bremsbeläge entfernen: Jetzt sind die alten Bremsbeläge frei, und Sie können sie entfernen. Einfach die Beläge von beiden Seiten zusammendrücken und nach hinten aus dem Bremssattel entfernen.
- Bremssattel reinigen: Mit einem sauberen, fusselfreien Tuch die Kolben am Bremssattel reinigen. Bei stärkeren Verschmutzungen und hartnäckigem Belagabrieb hilft Bremsenreiniger. Sorgfältiges Säubern verbessert die Funktion der Kolben und erhöht damit die Leistung der Bremse.
- Kolben zurückdrücken: Sicherheitshalber nun die Kolben nochmals zurückdrücken. Vorher aber die alten Beläge grob gesäubert wieder einlegen. Das verhindert, dass die neuen Beläge beim Zurückdrücken beschädigt werden. Danach die alten Beläge entfernen.
- Beläge einsetzen: Nun die Belagsfeder zwischen die beiden Bremsbeläge setzen, die Beläge mit den Fingern zusammendrücken und in die Aufnahme zwischen den Bremskolben einsetzen. Manche Hersteller unterscheiden zwischen linkem und rechtem Belag. Unbedingt auf die korrekte Anordnung achten!
- Beläge sichern: Setzen Sie die Sicherungsschraube der Bremsbeläge wieder ein. Auf keinen Fall dabei den Sicherungsring der Schraube vergessen. Bei älteren Bremsenmodellen wird teilweise noch ein Sicherungssplint verwendet, der mit einer Zange aufgebogen werden muss.
Neue Bremsbeläge unbedingt einbremsen!
Erst nachdem neue Bremsbeläge nach folgendem Prozedere eingebremst wurden, können sie ihre volle Bremsleistung entfalten: Das Fahrrad etwa 20 bis 30 Mal hintereinander auf rund 30 km/h beschleunigen und anschließend kraftvoll bis zum Stillstand abbremsen.
Bremsscheibe montieren
Die Bremsscheiben auszutauschen, ist kein Hexenwerk. Je nach Standard - Centerlock oder Sechs-Loch-Scheibe - sind unterschiedliche Werkzeuge nötig.
Sechs-Loch-Scheibe
Die Befestigung der Bremsscheibe erfolgt über sechs Schrauben, die je nach Bremsenmodell mit einem Drehmoment von 4-6 Nm über Kreuz angezogen werden. Die Schrauben sind mit einer Schraubensicherung versehen, um ein ungewolltes Lösen der Bremsscheibe zu verhindern.
Centerlock-Standard
Centerlock-Scheiben werden mit einem Ring im Zentrum der Scheibe montiert. Als Werkzeug dient ein herkömmlicher Innenlagerschlüssel. Centerlock-Montage ist alternativ auch mit einer Nuss möglich. Das erforderliche Drehmoment beim Anziehen des Rings ist deutlich höher: 40-50 Nm. Die Verzahnung von Nabe und Abschlussring verhindert, dass sich die Bremsscheibe lösen kann.
Vorteil von Centerlock: Die Montage geht deutlich schneller. Nachteil: Manche Hersteller bieten für den Shimano-Standard keine passenden Scheiben.
Laufrichtung beachten
Vorsicht: Bei der Montage der Bremsscheiben immer die korrekte Laufrichtung beachten. Shimano kennzeichnet sie in der Regel mit einem Pfeil.
Bremssattel ausrichten und schleiffrei einstellen
Der Bremssattel sollte exakt parallel zur Scheibe stehen - so kann die Bremse kräftig zupacken und schleift nicht.
- Bremssattel lockern: Die beiden Schrauben der Bremsaufnahme lockern. Nun den Bremshebel ziehen, bis die Bremsbeläge fest an der Scheibe anliegen. Mit gezogenem Bremshebel die Schrauben wieder festziehen.
- Sichtprüfung: Nach dem Festziehen der Befestigungsschrauben sollte die Scheibe genau mittig zwischen den Bremsbelägen laufen. Ist dies nicht der Fall, Schritt 1 wiederholen und den Bremssattel nachjustieren. Beim Sicht-Check hilft ein helles Papier am Boden.
- Bremsscheibe ausrichten: Schleift die Scheibe trotz justierten Bremssattels unregelmäßig und „eiert“, ist sie verzogen. In diesem Fall mit einem speziellen Richtwerkzeug, in das der Rand der Scheibe eingeklemmt wird, oder mit den Händen und einem Tuch zum Schutz vor Fett die Bremsscheibe gefühlvoll geradebiegen. Zur Sicherheit hinterher die Scheibe mit Bremsenreiniger säubern.
Scheibenbremsen - Geräusche ermitteln und beseitigen
Nichts ist schlimmer, als eine quietschende Scheibenbremse. In einzelnen Fällen kann dieses Bremsgeräusch unerträgliche Lautstärken erreichen. Aber auch weniger laute Geräusche wie kratzen, schleifen oder rubbeln können nerven. Umso mehr, wenn der Krach mit einer verringerten Bremsleistung einher geht. Grund genug, die Probleme aufzuspüren und zu beseitigen.
- Quietschen bei Nässe:Leider ist es ein recht häufiges Phänomen, dass Scheibenbremsen während einer Regenfahrt plötzlich zu quietschen anfangen. Die Geräusche verschwinden, sobald alles wieder trocken ist. Warum das passiert, ist nicht wirklich zu klären. Aber unserer Erfahrung nach kannst du kaum etwas dagegen tun. Manchmal verschwindet das „Nassquietschen“ auch auf längeren Abfahrten wieder, wenn die Bremsscheiben heiß werden.
- Welche Beläge sind montiert? Es gibt hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Material, das für Bremsbeläge zum Einsatz kommt: 1) Organische Beläge aus verpressten Fasern organischer Stoffe. 2) Beläge aus Sintermetall, also verschiedenen Metallgranulaten. Unser Tipp: Wer sich häufig über Bremsgeräusche ärgert, sollte unbedingt organische Beläge verwenden. Diese verschleißen zwar etwas schneller als Sinterbeläge, neigen aber weniger zu Geräuschentwicklungen. Außerdem lassen sich Bremsen mit organischen Belägen besser dosieren.
- Sind die Beläge verschlissen? Auch abgefahrene Beläge können Geräusche verursachen. Dabei handelt es sich meist um ein metallisches Schleifen, verursacht durch die Spreizklammer zwischen den Belägen, die bei zunehmend dünner Bremsfläche an der Scheibe kratzt. Oder die Beläge sind bereits komplett abgenutzt, so dass das Trägermetall auf der Scheibe schleift. So oder so müssen derart abgenutzte Bremsbeläge unverzüglich ausgetauscht werden!
- Ist die Oberfläche der Beläge verglast? Besonders auf langen Abfahrten werden die Bremsen sehr heiß. Durch die hohen Temperaturen kann sich mit der Zeit eine harte, glänzende Schicht auf den Bremsbelägen bilden. Man spricht dann von verglasten Belägen. Das äußert sich mit nachlassender Bremswirkung und erhöhter Geräuschentwicklung. Bei rechtzeitiger Behandlung kannst du die Beläge retten und weiter verwenden. Dazu die Beläge ausbauen und so oft über einen ausgelegten Bogen Schleifpapier ziehen, bis die Bremsfläche wieder matt aussieht. Achte darauf, dass du den Belag nicht schräg anschleifst. Die Oberfläche muss parallel zur Trägerplatte stehen.
- Alle Schraubverbindungen fest? Eine Ursache für Geräusche ist, dass ein oder mehrere Teile in Schwingung geraten und hochfrequent vibrieren. Das kann ein Bauteil selbst sein oder eine (lose) Verbindung zwischen zwei Bauteilen. Im ersten Fall kann man nicht wirklich etwas tun. Du kannst jedoch prüfen, ob alle Schraubverbindungen an den Bauteilen der Bremsanlage fest geschlossen sind: Das sind zum einen die Befestigungsschrauben der Sättel an Rahmen und Federgabel. Zum anderen die Befestigungsschrauben der Bremsscheiben an den Naben. Bitte hier mit Gefühl vorgehen und einen Drehmomentschlüssel verwenden!
- Sitzt der Bremssattel mittig über der Scheibe? Die Bremsscheibe muss bei geöffneter Bremse mittig zwischen den Bremsbelägen rotieren, ohne diese zu berühren. Bei einer gut eingestellten Bremse ist der Spalt links und rechts minimal. Schleift die Bremse einseitig, kann dies Geräusche verursachen. Heute sitzen nahezu alle Laufräder mit Hilfe von Steckachsen in Rahmen und Gabel. Das heißt, die Position der Scheibe ist bei jeder Laufrad-Montage präzise definiert und somit identisch. In der Regel muss man also den Sattel nur einmal korrekt ausrichten.
- Fahren alle Kolben gleichmäßig und leichtgängig aus? Nach längerer Nutzung und vielen Schlechtwetterfahrten kann es sein, dass die Kolben verschmutzt sind und nicht mehr gleichmäßig ausfahren. Oder dass sich einer der Beläge nach dem Bremsvorgang nicht mehr von der Scheibe zurückzieht. Auch das kann dann Schleifgeräusche verursachen. In diesem Fall müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden. Dazu das Rad ausbauen, die Beläge (und Kolben) zurück drücken und anschließend entnehmen (siehe Schritt eins: Beläge checken).
Entlüften der Shimano Scheibenbremse
Mit der Zeit kann es vorkommen, dass sich der Druckpunkt (jener Punkt, an dem die Bremsen zu greifen beginnen) nach hinten verschiebt. Als Biker kommt man dann nicht umhin, die Bremsen zu entlüften. Anschließend besitzt das Rad wieder einen klar definierten, präzisen Druckpunkt - so, wie es sein sollte.
Hydraulische Scheibenbremsen arbeiten mit einem geschlossenen Ölsystem. Sobald man als Fahrer den Bremshebel betätigt, überträgt sich der dabei entstandene Impuls auf einen Geberkolben. Dieser leitet den Druck verlustfrei über die Bremsflüssigkeit in der Leitung an den Bremssattel weiter.
Generell gilt: Sobald sich der Druckpunkt beim Bremsen schwammig anfühlt, sollte man die Bremsen entlüften. Ob dabei auch ein Wechsel der Bremsflüssigkeit angezeigt ist, hängt vor allem von der Farbe des Mineralöls im Behälter ab. Weist es Verfärbungen auf, so sollte man die Bremsflüssigkeit austauschen.
Es gibt drei potenzielle Ursachen für eine nachlassende Bremsleistung bei Scheibenbremsen: Verschmutzung, Überhitzung und Luft im System. Bei Verschmutzung hilft eine gründliche Reinigung. Überhitzung tritt vor allem nach längeren Abfahrten auf. Abkühlen (=abwarten) ist in diesem Fall das Mittel der Wahl.
Um die Shimano Bremsen zu entlüften, muss man zunächst den Bremshebel horizontal ausrichten, damit die Öffnung mit der Schraube der höchste Punkt des Systems ist. Danach muss die Schraube entfernt und der Trichter aufgesetzt werden. Anschließend wird der Trichter etwa bis zur Hälfte mit Hydrauliköl gefüllt und der Hebel unter leichtem Neigen des Fahrrads angezogen. Beim folgenden Pumpen entweicht nach und nach die überschüssige Luft aus dem System.
Etwas aufwendiger als die soeben skizzierte Schnellentlüftung ist die Komplettentlüftung. Im Handel sind verschiedene Entlüftungssets für Shimano Scheibenbremsen zu kaufen. Wer seine Shimano Bremsen entlüften möchte, sollte in der Produktbeschreibung darauf achten, dass das Set für das Bremssystem des Fahrrads ausgelegt ist. Entlüftungskits für andere Hersteller wie Magura sind untauglich, weil das darin enthaltene Hydrauliköl nicht für Shimano Scheibenbremsen geeignet ist und an den Kolbendichtungen Schaden anrichtet.
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