Shimano Schraubkranz Demontieren – Eine Anleitung

Ältere Mehrgangfahrräder haben einfache Hinterradnaben mit einem Gewinde auf der rechten Seite des Nabenkörpers. Ein Schraubkranz hat ein passendes Gewinde, das auf dieses Nabengewinde passt. Das Laufrad unterscheidet sich massiv von der moderneren Kassette (bzw. Freilaufnabe oder Freehub ®), bei der sich der Freilaufmechanismus in der Nabe selbst befindet.

Ein Standard-Schraubkranzfreilauf wird auf das Außengewinde einer Nabe geschraubt. Beim Pedalieren wird der Schraubkranz auf dem Gewinde der Laufradnabe festgezogen. Diese Kraft ist erheblich. Daher kann es manchmal sehr schwierig sein, einen Schraubkranz wieder zu lösen.

Benötigte Werkzeuge und Materialien

  • Schraubkranzabzieher
  • Kettenpeitsche (besser zwei, falls man Ritzel demontieren möchte)
  • Hammer und Körner (oder einen großen 8cm Nagel)
  • 1/8 Zoll Lagerkugeln passend für die meisten Freiläufe
  • Starker Magnet (zum Entfernen alter Lagerkugeln)
  • Pinzette (zum Einsetzen neuer Lagerkugeln)
  • Schraubstock (ersatzweise für einen Freilaufabzieher)
  • Lösungsmittel und Spülmaschinenmittel
  • Fett und Öl
  • Eventuell: Kurbelabzieher
  • Eventuell: Kassettenabzieher

Demontage des Schraubkranzes

  1. Vorbereitung: Belasse den Schraubkranz am Laufrad oder schraube ihn auf ein Laufrad, so dass Du etwas hast, an dem er befestigt ist.

  2. Lösen des Schraubkranzes: Das Lösen des Schraubkranzes mit einem Freilaufabzieher ist eine gute Idee, weil es die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass man das Innenleben beschädigt, wenn man den Schraubkranz für den Zusammenbau vom Laufrad abnehmen muss.

  3. Ritzel entfernen: Überlege gut, ob es notwendig ist, die Ritzel und Unterlegscheiben zu entfernen. Um den internen Mechanismus eines Freilaufs wiederaufzubauen, müssen sie nicht entfernt werden.

    Aber das Reinigen der Ritzel und das Nachschleifen ist einfacher, wenn man die Ritzel einzeln in der Hand hält. Um Ritzel zu entfernen, benutzt man eine Kettenpeitsche, um das kleinste Ritzel gegen den Uhrzeigersinn abzuschrauben, und eine weitere Kettenpeitsche hält den Freilauf fest, damit dieser nicht rückwärts drehen kann, während das Ritzel abgeschraubt wird.

    Bei den meisten Schraubkränzen sind die äußeren zwei oder drei Ritzel geschraubt und lassen sich abschrauben. Die inneren Ritzel sind auf eine Keilverzahnung gesteckt und lassen sich herausnehmen, sobald man die äußeren Ritzel entfernt hat. Man sollte sich die Reihenfolge der Ritzel und Unterlegscheiben zwischen den Ritzeln merken, während man sie herausnimmt.

  4. Lagerkonus entfernen: Am äußersten Ende des Schraubkranzes sollte man einen Ring mit zwei Löchern zur Aufnahme eines Zapfenschlüssels sehen. Auf diesem Ring ist normalerweise der Markenname des Schraubkranzes aufgedruckt und manchmal findet man einen Pfeil, der in den Uhrzeigersinn weist und evtl. das Wort "Remove" in der einen oder anderen Sprache aufweist.

    Wenn man diesen Ring nicht sieht, kann es notwendig sein, zuerst das kleinste Ritzel mit oben beschriebener Methode zu entfernen, damit an diesen Ring herankommt. Das ist allerdings eher üblich bei Schraubkränzen, deren kleinstes Ritzel 13 oder weniger Zähne hat.

    Dieser Ring ist tatsächlich ein Lagerkonus mit einem Linksgewinde und nachdem man ihn entfernt hat, kann man einen Ring mit 1/8 Zoll Lagerkugeln und einen Stapel Shims (sehr dünne Unterlegscheiben) sehen, die um das Gewinde herum liegen, aus dem man soeben den Lagerkonus entfernt hat. SunTour Pro-Compe Schraubkranznabe mit gelöstem äußerem Lagerring.

  5. Lagerkugeln entfernen: Sind die Shims unter den Lagerkugeln gefangen? Wenn das so ist, muss man die Lagerkugeln zuerst herausnehmen, bevor man einen Shim herausnehmen kann. Dann ersetzt man den Shim wieder bevor man die Lagerkugeln einsetzt.

    Die Lagerkugeln lassen sich am einfachsten mit einem Magnet einsammeln. Alternativ dreht man den Freilauf so weit um, dass sie herauspurzeln.

  6. Inneres Leben freilegen: Zum weiteren Auseinanderbau nimmt man nun das restliche Ritzelpaket herunter und das Innenleben wird sichtbar. Dabei wird auch ein weiterer Ring 1/8 Zoll Lagerkugeln an der Basis des Freilaufs sichtbar, die nun herunterfallen werden.

    Weiterhin werden nun zwei oder drei federvorgespannte Sperrklinken sichtbar, die den Sperrklinkemechanismus bedienen. Das nächste Bild zeigt das Innenleben des Freilaufs mit entfernten Sperrklinken. Hier sind die Kleinteile: Die äußere Lagerschale (den Ring, den man zu Anfang demontiert hat) von hinten gesehen, Shims und die Sperrklinken.

    Die Sperrklinken haben Rillen auf der Unterseite, in die Federn eingreifen. Die Sperrklinkenfedern bei dieser SunTour Freilaufnabe sitzen mit ihrer Basis auf kleinen Anschlüssen und bleiben an ihrem Platz.

  7. Freilauf abschrauben: Jetzt könnte man den inneren Körper an den Sperrklinkeneinkerbungen in einen Schraubstock spannen und vom Laufrad abschrauben. das kann man machen, wenn man keinen Freilaufabzieher hat oder ihn nicht benutzen kann. Den Freilauf abzuschrauben macht den Zusammenbau mancher Freiläufe einfacher.

  8. Reinigung: Nun putzt man sehr gründlich alle Einzelteile des Freilaufmechanismus. John Allen benutzt dazu gerne Lösungsmittel gefolgt von einer Spülmaschinenmittellösung und gründlichem Nachspülen mit Wasser. Die rechte Seite des äußeren Freilaufkörpers sieht so aus, wenn sie gereinigt wurde. Die linke Seite des äußeren Freilaufkörpers sieht so aus.

Montage des Schraubkranzes

  1. Vorbereitung: Für den Zusammenbau kann man dickes fett nehmen, damit die Lagerkugeln am Platz bleiben, während man die Einheit zusammensteckt.

  2. Lagerkugeln einsetzen: Man legt den äußeren Teil des Freilaufs mit der großen Seite nach oben hin und legt die Lagerkugeln auf den Lagerring. Den Lagerring sollte man nicht komplett auffüllen und Platz für zwei bis drei Kugeln lassen.

  3. Sperrklinken montieren: Der knifflige Teil der Aufgabe sind die Sperrklinken. Manchmal ist es möglich die Sperrklinken durch vorsichtiges Drehen des inneren gegen den äußeren Körper in Freilaufrichtung richtig zu setzen. Das funktioniert bei dem hier als Beispiel genutzten SunTour Freilauf, weil die Sperrklinkenfedern die Sperrklinken am Platz halten. Bei anderen Freiläufen kann der Zusammenbau schwieriger sein.

    Dermaleinst gab es spezielle haarklammerartige Klemmen, die die Sperrklinken gegen ihre Federn drücken konnten, während man den Freilauf wieder zusammensetzte. Statt der speziellen Klemmen kann man ein Gummiband mit einem Stück Faden verbinden. Man muss den Freilauf vom Laufrad entfernen, damit man an seine Rückseite herankommt, wenn er zusammengebaut wird.

    Baue die Sperrklinken in de Freilaufkern ein und spanne das Gummiband um die Sperrklinken, damit sie gegen die Federn eingedrückt werden. Falls Du kein passendes Gummiband zur Hand hast, kannst Du auch den Faden in mehrfachen Schlingen herumführen.

  4. Funktionsprüfung: Nachdem die Sperrklinken richtig gesetzt sind, horcht man während man den äußeren Körper langsam rückwärts dreht. Man sollte "klick, klack, klick, klack" hören, wenn der Sperrklinkenmechanismus außen eine ungerade Zahl an Zähnen aber zwei Sperrklinken hat, und immer eine Sperrklinke greift.

  5. Ölen: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, Öl in die Lücke zwischen innerem und äußerem Körper zu träufeln. Dünnes Öl ist leichter zu reinigen ohne den Freilauf ohne Auseinanderbauen zu müssen. Phil Wood Öl ist dick genug, den Mechanismus leiser zu bekommen, ohne die Sperrklinken zu verkleben.

  6. Shims einsetzen: Falls Du nur Shims entfernt hast oder sich das Öl den falschen Weg gebahnt hat, kannst Du nun das Gewinde des äußeren Lagerrings und das passende Gewinde des inneren Freilaufkörpers reinigen, damit der Gewindekleber wirken kann. Das kann man mit Q-Tips und Lösungsmittel ohne weitere Demontage machen. Danach setzt man die Shims wieder ein.

  7. Lagerkugeln einfüllen: Nach dem Reinigen kann man die Lagerkugeln einfüllen und gleichmäßig verteilen. Dabei kann man eine dünne Fettschicht auftragen, damit die Kugeln am Platz bleiben. Das Fett sollte keinesfalls auf die Gewinde geraten.

  8. Lagerring montieren: Träufele nun ein paar Tropfen auf das Gewinde das Lagerrings, bevor Du ihn einsetzt - wirklich nur ein paar Tropfen des blauen Gewindeklebers, so dass die Lager oder Sperrklinken nicht verkleben. Trage nun etwas Fett auf die Lagerfläche des Lagerrings auf.

    Der äußere Lagerring wird gegen den Uhrzeigersinn festgeschraubt. Während des Festschraubens kann sich also der Freilauf vom Laufrad lösen. Schraube den Lagerring so weit auf, ohne dass er fest wird.

    Schraube den Freilauf mit Hilfe eins Ritzels und einer Kettenpeitsche (oder einem Freilaufabzieher) so fest, dass er genügend Halt hat, wenn die äußere Lagerringplatte festgezogen wird.

  9. Abschluss: Schraubkränze schrauben sich während des Fahrens selbständig in die Naben, ohne dass man ein Werkzeug benötigt. Die Kräfte, die durch das Pedalieren auf den Schraubkranz wirken, reichen aus, um das Gewinde festzuschrauben.

    Obwohl man einen Schraubkranz auch mit der Hand im Uhrzeigersinn aufschrauben kann, ist es andersherum unmöglich, gegen den Uhrzeigersinn den Schraubkranz wieder zu lösen nur unter Zuhilfenahme von einer Hand. Dies verhindert der Freilaufmechanismus, der dafür sorgt, dass der Schraubkranz sich gegen den Uhrzeigersinn frei bewegen kann.

Zusätzliche Informationen

Ältere Versionen hatten ein Werkzeug mit zwei Zinken, die in zwei Vertiefungen des Schraubkranzkerns passten. Die Form und der Abstand dieser Zinken variieren von einem Hersteller zum nächsten. Alle diese alten Versionen hatten gemeinsam, dass die Zinken sich rund schliffen oder abbrachen und den Schraubkranz beschädigten. Sobald die Vertiefungen beschädigt sind gibt es keinen zerstörungsfreien Weg, den Schraubkranz zu entfernen.

Neuere Schraubkränze haben Abzieher mit Keilverzahnungen. Diese haben einen besseren Formschluss als die alten Zwei-Zinken-Werkzeuge. Park Tools FR-1Große Keilverzahnung aktuelles Modell mit zwölf Rippen für Shimano.

Der übliche Weg, einen Freilaufabzieher zu benutzen, ist es, diesen in einen Schraubstock zu klemmen und das gesamte Laufrad zu drehen. Wenn Du eine entsprechend montierten oder verstellbaren Schraubstock besitzt, ist es sinnvoll das Laufrad vertikal auszurichten (Achse horizontal). So hast Du bessere Hebelkräfte, um das Laufrad zu drehen.

Einen alternativen Ansatz hatte Sheldon Brown darin gefunden, dass er bei sehr widerspenstigen Freiläufen einen passenden Ringschlüssel auf das Werkzeug aufsetzte und diesen mit einem Werkstatthammer am langen Hebelende bearbeitete. Als passendes Werkzeug stellte sich hierbei die Kettenpeitsche von Park Tool heraus.

Wenn Du einen alten Schraubkranz demontieren willst, den Du nie mehr benutzt, kannst Du ihn auch zerstörerisch demontieren. Baue den Schraubkranz, wie im Artikel Grunderneuerung von Schraubkranzfreiläufen beschrieben, auseinander, um die Sperrklinken zu entfernen.

Wartung und Pflege

Schraubkränze sollten gelegentlich mit einem mittelschweren Öl geölt werden. Das Fahrrad sollte mit dem Hinterrad in der Luft und in einem Winkel von etwa 45 Grad nach Links gehalten werden. Dabei ist es sinnvoll, wenn man eine zweite Person als Hilfe dabei hat. Im inneren des kleinsten Ritzels siehst Du, dass der Kern sich mit dem Laufrad zusammen dreht. Jetzt tropfe etwas Öl in den Spalt zwischen dem sich bewegenden Kern und dem stationären Äußeren. Wiederhole diesen Vorgang ein paar mal bis Du hörst, wie sich das Geräusch der Sperrklinken verändert.

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