Sattel, Lenker, Pedale - dies sind die Kontaktpunkte zwischen dem Menschen und der Maschine. Doch nur unter den Füßen sind das Wesen und die Materie während des Radfahrens fest verbunden: Indem die Radschuhe an den Füßen des Fahrers in die Pedale „eingeklickt“ werden.
Was müssen „die idealen“ Radschuhe leisten?
Leicht, komfortabel und robust sollen sie sein, und eine steife Sohle sollen sie haben.
Fußform und Schuhpassform
Welcher Schuh passt zu welcher Fußform? Viele müssen sich somit damit abfinden, dass ihre Füße nicht der modischen „Idealproportion lang und schmal“ entsprechen. Und: Die Füße werden in der Regel mit zunehmendem Alter breiter.
Tendenziell orientieren sich die meisten Rennradschuhe noch immer an dem italienischen „Businessleisten“: Dieser ist eher schmal und für einen „spitzen“ Vorderfuß und somit für die sogenannte „griechische Fußform“ gedacht.
Shimano reagiert auf die Bedürfnisse breiterer Füße
In den vergangenen Jahren haben immer mehr Hersteller auf diese Diskrepanz reagiert. So hat etwa Shimano die Fußleisten seiner Radschuhe bereits vor einigen Jahren geändert und bietet die Modelle nun in den Varianten „normal“ und „breit“ an.
Die Bedeutung der Sohlensteifigkeit
Ein anderes viel diskutiertes Thema vor dem Radschuhkauf lautet: die Steifigkeit der Sohle. Dieser Logik folgend, kaufen viele weniger ambitionierte Radsportler günstigere Schuhe mit mehr oder weniger „weichen“ Nylonsohlen, da sie sich davon einen höheren Tragekomfort versprechen.
Doch: Eine zu starke Verwindung der Sohle wirkt sich auf die Supinationsstellung der Beinachse aus. Dies führt bei Radsportlern nicht selten zu einer Überlastung an der Fußaußenseite.
Oliver Elsenbach, der Gründer von Solestar, erklärt dieses Phänomen im RennRad-Interview: „Wenn sich die Sohle nicht verbiegt, bleibt der Fuß stabiler und ermüdet weniger.
Obermaterial und Komfort
Anders beim Obermaterial: Hier hängt der Komfort häufig vom Material ab. Es gilt: An Punkten der Kraftübertragung sollte der Oberschuh maximal fest sein. Sensible Fußbereiche ohne Funktion für die Kraftübertragung sollten weicher gepolstert sein.
Die meisten Druckstellen gibt es im Bereich des „Mittelfußkopfs fünf“, außen vorne. Das liegt oft an der falschen Pedaleinstellung, der Fuß drückt zu sehr seitlich gegen den Schuh.
Studie zur Druckverteilung im Radschuh
Sportmediziner und Orthopäden der Universität Potsdam verglichen in einer Studie die Effekte einer Carbon-Schuheinlage mit einer Standard-Einlage hinsichtlich der plantaren Druckverteilung im Radschuh. Elf beschwerdefreie Triathleten wurden als Probanden für die Studie ausgewählt.
Die Athleten absolvierten zwei Durchgänge: einmal mit Radschuhen mit einer Standard-, einmal mit den gleichen Schuhen, aber mit einer Carbon-Einlage. Die Ergebnisse: Die Spitzendruckbelastung im Gesamtfuß lag im Mittel bei 200 Watt im Bereich von 70 bis 75 Kilopascal - und bei 300 Watt bei 85 bis 110 Kilopascal.
Die Spitzendruckbelastung war mit der Carbonsohle um 4,1 Prozent gegenüber der Standardsohle reduziert. Bei Sohlen mit Carbonfasern sitzt der Fuß sicherer und unbeweglich in der gewünschten Position und Ausrichtung - unabhängig von der Belastung.
Die Forscher maßen auch den Spitzendruck an verschiedenen Stellen des Fußes. Im Rück-, Mittel- und Vorfuß war der Druck mit den Carbonsohlen signifikant geringer als mit den Standardsohlen.
Für Standard- und Carbonsohlen galt bei den Messungen: Der Spitzendruck ist im äußeren Bereich des Vorfußes um 59 beziehungsweise 34 Prozent gegenüber dem inneren und zentralen Bereich des Vorfußes erhöht.
Die plantare Fußsohle wird durch das steife Material gegenüber einer Standardeinlegesohle nicht übermäßig belastet. Bei einer individuellen Anpassung an die Fußform können Fußregionen sogar entlastet werden.
Steifigkeitsindex bei Radschuhen
Manche Radschuh-Hersteller - wie zum Beispiel Northwave oder Scott - machen auf ihren Sohlen Angaben über den sogenannten Steifigkeitsindex. Somit ist ein solcher Index auch nicht mit einer bestimmten Einheit wie zum Beispiel „Millimeter pro Newtonmeter“ verbunden, sondern ein bloßer allgemeiner Orientierungswert.
Anpassung an die Fußform durch Einlegesohlen
Anders als beim Laufen ist beim Radsport die vollständige Auflage des Fußes auf der Schuhsohle wünschenswert. Denn: Dies ermöglicht die Übertragung der Kraft aus dem Oberschenkel über die gesamte Fußfläche. Während man beim Laufen das Fußgewölbe für die Stabilisierung des Fußes und der Abrollbewegung benötigt, ist dies beim Radfahren nicht der Fall.
Einlegesohlen können hier dafür genutzt werden, um „Fehlstellungen“ des Fußes auszugleichen. Zeigen die Zehen eher nach außen, spricht man etwa von einer „Valgus-“, zeigen sie eher nach innen von einer „Varus-Stellung“.
Viele erinnern sich dabei womöglich an die Pronationsstütze bei Laufschuhen, doch ist das Prinzip hier ein anderes: Diese Unterstützung gleicht ein Kippen des gesamten Fußes nach innen oder außen aus - während ein Varus- oder Valgusfuß eher eine Drehung beschreibt.
Die Rolle des Bike-Fitters
Um zu analysieren, welche Stellung die eigenen Füße haben, kann sich der Gang zu einem Bike-Fitter empfehlen. Leider ist die Kaufberatung nicht in allen Läden optimal. Ob ein Schuh wirklich passt, stellt sich oftmals erst nach einigen Kilometern auf dem Rad heraus.
Für Menschen, die hier immer wieder Probleme haben, könnte sich der Weg zu einem auf das Thema spezialisierten Bike-Fitter lohnen.
Tipps zum Schuhkauf
Der erste Indikator dafür, ob der Schuh passt, lautet: Sohle raus, Fuß drauf. Wenn der Fuß links und rechts nicht weit über die Sohle ragt, ist die Breite richtig. Vorne sollten allerdings nicht mehr als fünf Millimeter Platz sein. Sonst ist der Schuh zu groß und der Fuß rutscht.
Wenn der Test mit der Sohle gut aussieht, dann gilt: den Schuh anziehen und einige Kniebeugen machen. Drückt der Schuh irgendwo, ist dies ein schlechtes Zeichen. Die Ferse sollte fest umschlossen, der Mittelfuß muss stabilisiert werden. Auf den Mittelfußgelenken innen und außen darf kein Extradruck entstehen.
Im Idealfall ist in einem Fachgeschäft vor dem Kauf zudem ein kurzes Testfahren auf einem Rollentrainer möglich. Jetzt nicht ungeduldig werden und hoffen, dass der Schuh später schon passen wird. Denn nach den ersten Praxiseinsätzen und dem Anschrauben der Cleats ist ein Umtauschen in der Regel nicht mehr möglich.
Auch wenn die Angabe der Schuhgrößen und -breiten keiner einheitlichen Regelung unterliegt, geschweige denn es den genormten Fuß gibt, ist es zuerst wichtig zu wissen, ob der eigene Fuß eher schmal oder eher breit ist. Nun das Körpergewicht nach vorne bewegen, ohne den Fuß anzuheben.
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