Shimano Shadow Plus Wartungsanleitung

Die Kettenschaltung am Mountainbike oder E-MTB sauber einzustellen, sollte zum Standard-Repertoire gehören, egal ob es sich um einen Shimano- oder SRAM-Antrieb handelt. Da an den meisten Mountainbikes, E-Bikes eingeschlossen, mittlerweile ein Einfach-Antrieb montiert ist, bei dem nur noch hinten geschaltet wird, ist das Einstellen sogar weniger komplex als früher mit Schaltwerk und Umwerfer.

Im Folgenden wird detailliert beschrieben, wie man ein Shimano Shadow Plus Schaltwerk wartet und einstellt, um eine optimale Leistung zu gewährleisten.

Vorbereitung

Spanne dein Bike am besten in einen Montageständer. Denn bei allen Arbeiten am Antriebsstrang empfiehlt es sich, beide Hände frei zu haben. Schalte nun vorne/hinten auf das je größte Ritzel/ Blatt. Dadurch kommst du am besten an alle Stellen am Schaltwerk.

Kettenstabilisator ausschalten

Bei neueren Shimano-Schaltwerken lässt sich der Kettenstabilisator „Shadow Plus“ ein-/ausstellen. Um die Spannung des Schaltwerks zu mindern und so die folgenden Arbeiten zu erleichtern, stellst du ihn aus. Bei Sram-Schaltwerken („Type 2/3“) ist er immer an.

Reinigung und Schmierung

Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein.

Oberflächlichen Dreck reibst du einfach mit einem in etwas Multiöl (WD-40, Brunox, Ballistol) getränkten Tuch ab. Dazu das Tuch gegebenenfalls durch die diversen Öffnungen des Schaltwerks fädeln und hin und her ziehen. Wie am Schaltwerk kannst du das Tuch dazu durch die diversen Öffnungen fädeln.

Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen.

An den Schaltröllchen sammelt sich Dreck und altes Öl. Nimm einen stumpfen Gegenstand (Holzstück, Reifenheber aus Plastik), setze diesen im 30°-Winkel an und drehe langsam an der Kurbel - so hebelst du den Dreck ab. Beide Röllchen und beide Seiten säubern.

Abschließend lohnt es, sämtliche beweglichen Teile/Gelenke an Schaltwerk und Umwerfer mit einem Tropfen Öl zu schmieren. Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Überprüfung der Komponenten

Bevor du mit der Einstellung beginnst, solltest du sicherstellen, dass alle Komponenten in gutem Zustand sind:

  • Kassette: Prüfe, ob die Kassette fest auf dem Freilaufkörper sitzt und kein Spiel aufweist. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.
  • Schaltwerk: Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln. Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her.
  • Kette: Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.
  • Schaltauge: Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.
  • Schaltzug und Außenhülle: Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden.

Shadow Plus nachspannen

Der Kettenstabilisator verliert im Laufe der Zeit an Spannung, muss dann nachgestellt werden. Prüfe zunächst (zuschalten und wieder ausschalten), ob die Spannung noch hoch genug ist. Wenn nicht, öffnest du die kleine Gummihutze.

In die Öffnung passt ein 2-mm-Inbusschlüssel. Drehst du im Uhrzeigersinn, erhöhst du die Spannung. Gehe dabei behutsam vor und erhöhe die Spannung zunächst nur maximal um eine Viertelumdrehung. Danach wieder überprüfen.

Zugspannung prüfen und einstellen

Mit der Zeit längt sich der Schaltzug, was zu Schaltproblemen führt: Evtl. rasselt der eine oder andere Gang, meist schaltet es sich verzögert hoch. Check: Wenn die Kette vorne auf dem großen Blatt liegt, sollte sie hinten auf dem drittkleinsten Ritzel exakt mittig sitzen.

Hat sich der Zug doch gelängt, kannst du ihn am Schalthebel mittels der Rändelschraube nachziehen. Hierzu die Schraube gegen den Uhrzeigersinn drehen. Meist reicht eine Viertelumdrehung bereits aus, um die Längung auszugleichen.

Schaltet der Umwerfer nur verzögert hoch (nach außen)? Oder schleift die Kette auf dem großen Blatt am äußeren Leitblech, obwohl die Außenanschläge korrekt eingestellt sind? Dann hat sich vermutlich der Schaltzug zum Umwerfer gelängt.

Auch am linken Schalthebel sitzt eine Rändelschraube, mit der du die Zugspannung nachjustieren kannst. Drehen gegen den Uhrzeigersinn erhöht die Spannung, drehen im Uhrzeigersinn verringert sie. Auch am Umwerfer reicht oft eine Viertelumdrehung aus.

Die wichtigsten Punkte eines Shimano XT 12fach-Schaltwerks

Die Erklärung: Diese Schrauben gibt's an einem aktuellen Shimano XT 12fach-Schaltwerk. Auch alle anderen 12fach-Schaltwerke und ältere Shimano-Schaltwerke sind so aufgebaut.

  • Das Schaltauge (A): verbindet Schaltwerk und Rahmen. Weil es schnell verbiegt, kann man es tauschen oder mit dem passenden Werkzeug ausrichten.
  • Die Umschlingungsschraube (oft auch B-Schraube genannt): sorgt für den richtigen Abstand zwischen Schaltwerk und Kassette. Dreht man sie hinein, entfernt sich das obere Schaltröllchen von der Kassette. Im Gegensatz zu Sram-Schaltungen braucht man bei Shimano kein Tool, um die Umschlingung korrekt einzustellen. Blickt man im leichtesten Gang von innen auf den Schaltwerkskäfig, ist eine mit Pfeil und "51T" versehene Hilfslinie zu erkennen. Die Zähne des größten Ritzels müssen mit der Hilfslinie fluchten.
  • Die obere Anschlagschraube: ist bei Shimano mit einem H (high gear) gekennzeichnet und begrenzt den Schwenkbereich des Schaltwerks nach außen. Sie verhindert, dass die Kette zwischen Rahmen und Ritzel fällt.
  • Die untere Anschlagschraube: ist bei Shimano mit dem Buchstaben L (low gear) versehen und begrenzt den Schwenkbereich des Schaltwerks nach innen. Sie verhindert, dass die Kette zwischen Speichen und Ritzel fällt.
  • Zugklemmung (E): Diese Schraube klemmt den Zug am Schaltwerk. Die Zugspannung wird am Schalthebel justiert.

Zusätzlich gibt's an MTB-Schaltwerken von Shimano eine Schaltwerksdämpfung, die die Kette im Gelände beruhigt. Shimano empfiehlt, die Dämpfung mit dem Kunststoff-Hebel zu deaktivieren, um die Schaltung einzustellen.

Einstellung der Anschläge

Mit den Anschlägen wird verhindert, dass die Kette über das größte oder kleinste Ritzel hinaus kann und in die Speichen gerät oder den Rahmen beschädigt. Bei falscher Einstellung der Anschläge kann es auch passieren, dass die Kette beispielsweise nicht in den größten oder kleinsten Gang wechselt und im Gang davor hängen bleibt.

Es gibt zwei Anschlagsschrauben, eine für jedes Ende der Range. Bei Shimano sind diese mit einem L und einem H gekennzeichnet, was für Low- und High-Speed steht. Low begrenzt also den Anschlag zum größten Ritzel mit der meisten Zähne Zahl (für langsame Geschwindigkeiten) und High ist für das kleinste Ritzel mit der niedrigsten Zähne Zahl (für hohe Geschwindigkeiten) zuständig.

Die Anschläge sollten so eingestellt werden, dass die Kette leicht auf das entsprechende Ritzel wechselt, ohne darüber hinaus Schalten zu können. Besonders die Einstellung des H-Anschlags ist wichtig, denn sie kann bei falscher Einstellung die Seilspannung beeinflussen.

Einstellung High-Speed Anschlag

Um die Einstellung des H-Anschlags zu prüfen, Schalte auf das kleinste Ritzel und löse den Schaltzug vom Schaltwerk, um den Einfluss der Seilspannung zu eliminieren. Jetzt sollte die Kette genau mittig unter dem kleinsten Ritzel laufen. Wenn du das Schaltwerk per Hand nach oben drückst und wieder loslässt, sollte die Kette problemlos und schnell auf das kleinste Ritzel schalten. Mit dem Hineindrehen des Anschlags sitzt das Schaltwerk weiter innen und umgekehrt.

Einstellung Low-Speed Anschlag

Bei der Einstellung des Low-Speed Anschlags ist wichtig, dass die Kette auf keinen Fall über das größte Ritzel hinaus schalten kann. Schaltest du also alle Gänge bis zum größten Ritzel hinauf, darf sich der Schalthebel auf dem größten Ritzel nicht oder nur noch minimal drücken lassen und das Schaltwerk sollte sich nicht mehr in Richtung Speichen bewegen. Ist der Anschlag zu weit innen eingestellt, schaltet die Kette nicht oder nur schwer auf das größte Ritzel.

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung

  1. Endanschlag unten (H-Schraube): Schau Dir an, wann und wo das Schaltwerk mit seinem rückseitigen „Häkchen“ gegen die Endanschlags-Schraube fährt. Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Am besten geht diese erste Einstellung vonstatten, wenn noch kein Bowdenzug und keine Kette montiert sind. Drehst Du die Endanschlags-Schraube im Uhrzeigersinn, wird der Anschlag nach links, also Richtung Speichen, verschoben. Durch Drehen der Schraube gegen den Uhrzeigersinn stellst Du den Anschlag weiter nach rechts, Richtung Rahmen.
  2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. Ist der Schaltzug in dieser Einstellung am Schaltwerk zu stark gespannt, zu sehr entspannt oder befindet sich das Schalträdchen nicht exakt unter dem kleinsten Ritzel, muss die Klemmung des Zuges am Schaltwerk nachgestellt werden.
  3. Endanschlag oben (L-Schraube): Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert. Sitzt die Kette auf dem größten Ritzel, versuche, das Schaltwerk durch Drücken des Schalthebels noch etwas weiter in Richtung Speichen fahren zu lassen.

Zusätzliche Tipps

  • Regelmäßige Reinigung: Halte die Kette, Kassette und Schaltröllchen sauber, um eine optimale Leistung zu gewährleisten.
  • Korrekte Schmierung: Verwende hochwertiges Kettenöl, um die Kette und die beweglichen Teile des Schaltwerks zu schmieren.
  • Überprüfe die Spannung des Schaltzugs: Stelle sicher, dass der Schaltzug nicht zu locker oder zu fest gespannt ist.
Wichtige Einstellschrauben am Shimano Schaltwerk
Schraube Funktion
H-Schraube (High Limit Screw) Begrenzt den Schwenkbereich des Schaltwerks nach außen (kleinstes Ritzel)
L-Schraube (Low Limit Screw) Begrenzt den Schwenkbereich des Schaltwerks nach innen (größtes Ritzel)
B-Schraube (B-Screw) Sorgt für den richtigen Abstand zwischen Schaltwerk und Kassette

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