Shimano SLX Kassette 12-fach 10-51 im Test: Eine umfassende Analyse

Normalerweise können wir uns bei unseren BIKE-Testfeldern nicht über einen Einheitsbrei an Komponenten beklagen. Doch gerade bei Bikes über 3000 Euro dominiert die Sram Eagle 12-fach Schaltung. Shimano konnte bislang den praktischen Einfach-Antrieben mit üppiger Bandbreite schlichtweg nichts entgegensetzen. Jetzt sollen Einfach-Antriebe mit großer Bandbreite zu erschwinglichen Preisen kommen: Shimano stellt die neueste Generation der beliebten Deore XT (M8100) und SLX (M7100) vor.

Die neue Shimano SLX-Gruppe im Detail

Optisch erinnern beide neuen Shimano-Schaltgruppen stark an die XTR. So verwundert es nicht, dass alle Teile mit einander kombiniert werden können. Nach wie vor richtet sich die SLX an Einsteiger und markiert preislich das untere Ende der hochwertigen MTB-Komponenten von Shimano. Die XT liegt zwischen SLX und XTR und will gute Funktion zu einem fairen Preis bieten. Beide Schaltungen sind für den E-MTB-Einsatz freigegeben.

Im Gegensatz zu Sram glaubt Shimano weiterhin an die Zweifach-Antriebe. So gibt es wie bei der XTR zwei mögliche Setups: Entweder man fährt einen 1x12-Antrieb mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen und somit 510 Prozent Bandbreite. Oder man kombiniert die Zweifach-Kurbel mit der 10-45er-Kassette und erhält 620 Prozent Bandbreite. Außerdem kann man zwischen einer leichten Zweikolbenbremse und einer stärkeren Vierkolbenbremse wählen.

Shimano XT vs. SLX: Die Unterschiede

Bei der neuen XT-Kassette mit 12 Ritzeln verbauen die Japaner zwei Alu-Ritzel (die größten), bei der SLX nur eins. Die restlichen Ritzel sind aus robusterem Stahl. Den SLX-Schalthebel lagern die Japaner mit einer Gleitbuchse, den XT-Trigger mit zwei Kugellagern. Zum Vergleich: Im XTR-Hebel stecken vier Kugellager. Kommt der neue Shimano-XT-Hebel in Alu mit Gummi-Einsatz, müssen sich Mountainbiker bei der SLX mit einem Kunststoffhebel begnügen.

Wie bei der XTR wird das vordere Kettenblatt über einen einzelnen Daumenhebel gewechselt. Die XT-Kurbeln gibt's in 165, 170, 175 und 180 Millimetern Länge, die SLX in 165 bis 175 Millimetern Länge. Alle Kurbeln lassen sich passend für nicht-Boost, Boost und Superboost wählen. Sowohl die Kettenblätter als auch die Ritzel sowie die Kette verfügen über die Features der XTR und sollen somit ebenfalls sehr komfortabel schalten. Unterm Strich bringt die SLX-Gruppe etwas mehr auf die Waage (148 Gramm bei vergleichbarer Konfiguration) als die Shimano XT-Schaltung, kostet aber auch weniger.

Wie auch bei der XTR stehen verschiedene Bremsen zur Wahl: Für Grammfuchser und leichte Piloten bieten die Japaner in beiden Qualitätsstufen eine Zweikolbenbremse an, für schwerere Fahren und Enduristen eine stärkere Vierkolbenbremse. Auf den ersten Blick ähneln sich die XT und die SLX-Bremse stark. Bei beiden Stoppern lässt sich die Hebelweite werkzeuglos verstellen, die Leerwegverstellung bleibt aber der XT-Bremse vorbehalten. Genau wie das Topmodell stützen sich beide Bremsen mit einem zusätzlichen Steg am Lenker ab. Das sorgt für eine äußerst steife Anbindung, nimmt aber auch mehr Platz in Anspruch.

Die SLX Kassetten sind in den Optionen 10-45Z oder 10-51Z verfügbar. Sollen es möglichst geringe Gangsprünge sein? Dann ist die 10-45er-Kassette die erste Wahl. Oder gilt es, eine möglichst große Bandbreite abzudecken? Dann sollte es die 10-51Z-Version sein. Beide weisen die HYPERGLIDE+ Technologie auf, die beim Hoch- wie beim Herunterschalten gleichermaßen hohe Schaltgeschwindigkeit, Präzision und Leichtgängigkeit garantiert und zu einem extrem leisen Antriebsstrang beiträgt und sind mit MircoSpline Freiläufen kompatibel.

Sowohl Shimanos XTR- als auch XT- und SLX-12-fach-Schaltungen verrichten ihre Schaltvorgänge auf nahezu vergleichbar hohem Niveau. Der größte Unterschied zwischen den Komponenten liegt meist im Gewicht und den verbauten Materialien, wie z. B. der Trigger: In dem der XT-Gruppe steckt bereits deutlich mehr Technik als bei der SLX-Gruppe.

Denn er verfügt über Multi-Release: kann also mit nur einem Klick zwei Gänge schwerer schalten. Das klingt erst einmal nicht besonders, doch nachdem unser Testchef Felix sich an das Feature gewöhnt hatte, will er es an seinem NICOLAI G1 nicht mehr missen. Nach kurzen Zwischenanstiegen ist die XT-Schaltung so deutlich schneller wieder im richtigen Gang: Wer die Power in den Beinen hat, bekommt sie auf welligen Trails noch besser auf den Boden. Die 12-fach XT-Kassette setzt mit ihren 10-51 Zähnen auf 510 % Bandbreite und ist mit 471 g relativ leicht. Möglich machen das die zwei größten Ritzel, die aus Alu gefertigt und obendrein auf einem leichten Alu-Spider befestigt sind.

Die Steighilfen in der Kassette und die Kette hat Shimano perfekt aufeinander abgestimmt. So kann die XT auch unter Volllast noch extrem sauber und zuverlässig schalten wie kaum ein anderes System am Markt.

Die Shimano XT 12-fach-Schaltung überzeugt mit hervorragender Schaltqualität unter Last und einem starken Kompromiss aus Leichtbau und bezahlbarem Preis. Hinzu kommen eine klasse Ergonomie, einfaches Setup und die fast einzigartige Multi-Release-Funktion. Einzig die wartungsintensive Shadow+ Dämpfung trübt den positiven Eindruck: Wir empfehlen das passende Ersatzteil gleich mit zu bestellen.

Erster Fahreindruck

Wir hatten bereits die Möglichkeit, beide MTB-Schaltgruppen im Einfach-Setup zu fahren. Im direkten Vergleich fällt auf, dass die XT unter Last die Gänge besser wechseln kann als die SLX. Auch das Schaltgefühl wirkt etwas definierter und wertiger. Den größten Unterschied dürfte hier der hochwertigere Schalthebel machen, mit dem man zwei Gänge hoch und vier Gänge runter schalten kann. Der SLX-Hebel erlaubt nur einen Gang hoch und drei runter. Die 510 Prozent Bandbreite reichen selbst für steile Anstiege und zügige Abfahrten aus. Beide Antriebe arbeiten auf hohem Niveau.

Auf unserer Enduro-Tour konnte die XT-Vierkolbenbremse mit guter Modulation, stabilem Druckpunkt und guter Bremskraft überzeugen. Auch die Zweikolben-SLX-Bremse hinterließ bei der Testfahrt einen sehr positiven Eindruck, ein Unterschied zur XT ist nur schwer auszumachen. Nur der XT-Freilauf sorgte für Stirnrunzeln: Mal summte er leise, mal verstummte der Ratschen-Sound komplett. Laut den Shimano-Entwicklern ist die Thematik aber bekannt und soll in der Serie behoben sein. Die Funktion soll dadurch aber nicht beeinträchtigt sein. Die SLX-Naben sowie die Zweifach-Versionen konnten wir noch nicht ausprobieren.

SLX M7100 zusammen mit der XT 8100

Die SLX besitzt jedenfalls die gleiche DNA wie der größere Bruder, was viele Vorteile mit sich bringt. Neben der neuen Shimano XT M8100 (zur Vorstellung + Test) präsentierten die Japaner vor kurzem mit der SLX M7100 auch die „Budget-Variante“ ihrer Top-Gruppe. In den letzten Jahren konnte sich die SLX zum absoluten Geheimtipp mausern und begeisterte gerade preisbewusste Käufer mit einer fast unschlagbaren Performance. Dennoch stand sie etwas im Schatten der schier allmächtig erscheinenden XT Gruppe. Ob sich das mit den neuen Generationen ändern wird? Unsere Einschätzung: Wird es!

Es gehört zur Philosophie von Shimano, dass man nach der Einführung der jeweiligen Top-Gruppen (XTR am MTB, Dura Ace am Rennrad) in den Folgejahren die neuen Features auf die günstigeren Gruppen überträgt. Bis dato wählte man hier jedoch recht selektiv aus, welche Eigenschaften es wirklich in die niedrigeren Gruppen schafften und zuweilen dauerte es auch einige Jahre, bis beispielsweise Besonderheiten der XTR Gruppe es bis zur günstigen SLX geschafft haben. Damit weist die neue SLX fast die gleichen Features auf, wie die zeitgleich präsentierte M8100 XT Gruppe. Aber um sich Unternehmens-intern nicht zu sehr Konkurrenz zu machen, gibt es natürlich durchaus ein paar Unterschiede, die sich insbesondere bei der Optik und beim Gewicht niederschlagen.

So sind die beiden Kassetten - auch hier 10-45 und 10-51 - ein gutes Stück schwerer als die Teile der XT und XTR Gruppen. Das liegt insbesondere daran, dass hier nun elf Ritzel aus Stahl bestehen (bei der XT sind es 10, bei der XTR kommt sogar Titan zum Einsatz). Ähnliches gilt für Kurbel und Schaltwerk: Ein paar Gramm mehr bringen sie auf die Waage, zudem gibt’s bei der SLX weniger Kettenblatt-Optionen: Beispielsweise muss man ohne ein 36er Blatt für one-by Antriebe auskommen.

Besonders spannend wird es beim Thema Bremsen, genauer gesagt bei den 4-Kolben Trail-Stoppern. Während nämlich die 2-Kolben Variante bis auf ihre Optik baugleich mit dem Vorgänger ist, erinnert der 4-Kolben Sattel auf den ersten Blick der XT und XTR Bremse stark. Bei den Gebern gilt fast das gleiche, wobei man hier jedoch auf die Free Stroke Adjust Schraube verzichten muss, mit der man den Druckpunkt etwas feintunen kann. Aber ganz ehrlich: Dieser Punkt dürfte für die allermeisten Fahrer verschmerzbar sein.

In Spanien hatten wir im Rahmen eines Pressecamps die Gelegenheit die neue SLX zu testen und auch direkt im Vergleich mit der neuen XT zu fahren. Bei der Performance - egal ob bezüglich der Schaltung oder der Bremsen - muss sie sich keineswegs verstecken. Während wir die Free Stroke Adjust Schraube am Bremsgeber überhaupt nicht vermissten, fiel der Schalthebel jedoch doch spürbar gegenüber seinem höherwertigen Kollegen ab: Vor allem die fehlende Option, mit einem beherzten Druck auch zwei Gänge auf einmal herunterzuschalten, machte sich bemerkbar.

Verfügbarkeit und Preise

Die Einfach-Versionen von Shimano SLX und XT sollen bereits ab dem 14. Juni 2019 verfügbar sein, die Zweifach-Varianten ab Mitte Juli. Die Preise für die 12fach-Shimano-Deore-XT orientieren sich an der alten XT-Gruppe (M8000), werden aber aufgrund des zusätzlichen Ritzels und neuer Technologien in etwa um zehn Prozent steigen.

Wie die XT Gruppe soll auch die SLX M7100 bereits im Laufe diesen Junis erhältlich sein.

1x12 Schaltungen von Shimano- und SRAM im Test

Die beiden Industrienationen würden sich für unzählige Duelle eignen. Uns Biker interessiert davon natürlich vor allem eins: Shimano gegen Sram! Eine "Fehde", die bald zwei Dekaden alt ist. Auf der einen Seite das feine Satinfinish, die sanften und geschmeidigen Gangwechsel sowie die gedeckten Silbertöne der Shimano-Gruppe, auf der anderen Seite das glänzende Chromfinish, die extra knackigen Gangwechsel und die teils poppigen Farben der Sram-Parts. Und trotz vieler Sram-Fans: Shimano dominierte.

Erst als vor fünf Jahren der Adler landete, wendete sich das Blatt: Srams neue Ea­gle-Gruppen bieten seitdem mit 1 x 12 Gängen* genug Bandbreite für alle Biker. Zudem führte Sram die Eagle-Technik nach und nach auch in attraktiven Preisbereichen ein, sodass in den letzten Jahren fast kein Bike-Hersteller mehr ein Bike ohne Eagle auf den Markt bringen wollte.

Die Einführung der teuren Shimano-XTR-Gruppe mit 1 x 12 und 2 x 12 Gängen im Jahr 2018 unter extremen Startschwierigkeiten. Doch jetzt - endlich - schlägt Shimano zurück! Die neuen, erschwinglichen "Volksgruppen" SLX und XT kommen à la Eagle in einer Variante mit 1 x 12-Gängen, bieten dank 10-51er-Kassette aber noch mehr Bandbreite als Sram (10-50 bzw. 11-50 Zähne). Und wem das nicht genug ist, der kann eine 2 x 12-Variante mit dann extremer Gangvielfalt wählen.

Um einen fairen Vergleich zu gewährleisten, wählten wir für diesen Test die 1 x 12- Varianten von SLX* und XT, stellten diesen die bewährten Sram-Gruppen NX Eagle und GX Eagle* gegenüber. Erstaunlich: In Sachen Preis und Gewicht liegen die Kontrahenten eng beieinander. SLX und NX kosten quasi gleich viel, dafür ist die SLX leichter. XT und GX wiederum wiegen quasi das Gleiche, hier ist die GX etwas preiswerter. Auch in Sachen Optik und Haptik sind die Unterschiede nicht groß, anders als früher agieren die Shimano-Schaltungen sogar ein wenig knackiger als die Sram-Pendants.

Tatsächlich setzt die neue Shimano XT den neuen Maßstab in dieser Klasse. Srams GX ist ebenso eine Topgruppe, in Nuancen aber schlechter. Ebenso kann sich die Shimano SLX leicht von der NX Eagle absetzen und Platz 3 im Vergleich erobern.

Shimano SLX (M7100)

Die Shimano SLX* kam dieses Jahr zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt, normal legt Shimano immer ein Jahr dazwischen. Optisch ist sie ein Hingucker und auch technisch - auf dem Papier - auf dem neusten Stand. Etwa dank der großen 10-51er-Kassettte, welche dieselbe Bandbreite wie bei der Shimano XT bereitstellt und damit den direkten Konkurrenten Sram NX Eagle (11-50 Zähne) um über 50 % Bandbreite abhängt! Auch das Gewicht ist um rund 180 g geringer als bei der NX. Aber kann sie auch in Sachen Funktion mithalten?

Im Vergleich zu den Konkurrenten, speziell mit Blick auf die XT, läuft das System etwas rauer. Hinzu kommt, dass der Gangwechsel minimal träger abläuft. Dank Shimanos "Hyperglide-­Plus"-Technologie soll ein müheloses Schalten unter Belastung möglich sein. Und? Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.

Vergleicht man den SLX-Schalthebel mit dem der XT, fällt auf, dass dieser einfacher gehalten ist. So haben die Japaner auf die Gummibeschichtung sowie auf die "Multi-Shift"-Funktion am kleinen Hebel verzichtet. Es lässt sich also nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden. Wie bei der XT praktisch: Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt.

Testergebnis: SEHR GUT (76 Punkte)

SRAM NX Eagle

Als Sram 2018 die NX Eagle vorstellte, machte diese die 1 x 12-Philosophie der US-Amerikaner noch attraktiver: Eigentlich dürfte es klar sein, dass der Preis einen Haken hat. Im Falle der NX ist es die Verwendung von günstigeren Materialien (Stahl und Kunststoff statt Alu), vor allem aber die Größe des kleinsten Ritzels. Statt 10-50 bietet Sram die NX mit 11-50-Zähne-Kassette an.

Dadurch ergibt sich eine Bandbreite von nur 454 statt der 500 Prozent, die alle anderen Eagle-Gruppen so erfolgreich machten. Ein Vorteil ist wiederum, dass die Kassette auf herkömmlichen Shimano-Freiläufen montiert werden kann, was die NX Eagle für Nachrüster mit älteren Bikes extrem spannend macht.

Der Kunststoffhebel ist der leichteste im Test, die Kassette aus einzelnen Stahlritzeln hingegen mit Abstand die schwerste. Auch optisch wirkt die Kassette wenig edel. In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld.

Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar. Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. In Richtung der kleinen Gänge verzögert sich der Schaltvorgang schon mal, ist dann aber schön knackig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.

Testergebnis: GUT (69 Punkte)

Shimano XT (M8100)

Shimano ließ Käufer aufgrund von Fertigungsproblemen im letzten Jahr lange auf die neue XTR warten. Umso größer waren heuer die Erwartungen an die neue XT-Gruppe. Dass diese ebenso mit 12-fach-Technik kommt, war früh klar - aber auf welchem Niveau? Eines steht schon jetzt fest: Das Warten hat sich gelohnt.

Satte 511 Prozent Bandbreite bietet die neue XT mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen. Genau einen Zahn mehr also als die direkte Konkurrenz der Sram GX Eagle - bei nur minimal mehr Gewicht. Und auch in Sachen Ergonomie setzt die Shimano XT ein dickes Ausrufezeichen. Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist. Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten.

Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist. Doch egal ob unter voller Last oder beim gemütlichen Fahren, die Gänge werden knackig und maximal präzise eingelegt und stehen sofort zur Verfügung. Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat Sram die Nase vorn.

Dennoch: Die XT kann ihr Revier als Volksgruppe Nr.1 wieder knapp für sich gewinnen. Verarbeitung, Gewicht, Bandbreite, Ergonomie - alles top. Testsieg!

Testergebnis: ÜBERRAGEND (90 Punkte)

SRAM GX Eagle

Der Platzhirsch unter den 12-fach-Schaltungen! Mit der GX Eagle hat Sram 2017 den 1 x 12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht. Mit Erfolg: 1 x 12 ist seither nicht mehr wegzudenken und die GX Eagle seitdem an unzähligen Bikes von Werk aus verbaut. Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Nur das Einstellen des Umschlingungswinkels ist etwas umständlich: Eine mitgelieferte Schablone muss bei belastetem Hinterbau (Fully) angehalten werden.

Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von Sram heran, auch wenn Sram etwas weniger hochwertige Materialien verwendet. Dennoch ist die GX in unserem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgrupppe. In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Das Gefühl im Daumen ist dabei auch etwas undefinierter.

Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier). Generell liegen die Hebel absolut angenehm am Daumen an, bieten sehr gute Schaltergonomie.

Das Finish ist bar jeder Kritik, die Gruppe der Erfahrung nach sehr haltbar und der Preis fair.

Testergebnis: SEHR GUT (83 Punkte)

Zusammenfassende Tabelle

Komponente Shimano SLX (M7100) SRAM NX Eagle Shimano XT (M8100) SRAM GX Eagle
Testergebnis SEHR GUT (76 Punkte) GUT (69 Punkte) ÜBERRAGEND (90 Punkte) SEHR GUT (83 Punkte)

Know-how Schaltungen

Mit der Wahl einer neuen Schaltung ist es nicht getan: Speziell der Freilauf muss passen. Was es sonst noch so zu beachten gibt, zeigen wir hier.

Welcher Freilauf?

  • Standard: Der klassische Freilauf ist noch immer an vielen Radnaben zu finden. Er nimmt alle 8-/9-/10-fach-Kassetten auf, zudem die 11-fach-Modelle von Shimano. Nicht passen alle Sram-11-fach- und 12-fach-Kassetten - mit Ausnahme der preiswerten NX-Eagle- Kassette.
  • XD-Body: Mit Einführung der XX1-Gruppe (1 x 12) brachte Sram auch einen neuen Freilauf, den XD-Body. Er ist seitdem Standard für alle Sram-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Auch einige Fremdanbieter wie E13 oder Hope nutzen den XD-Freilauf.
  • Micro spline: Da es Shimano nicht übers Herz brachte, auf einen Sram-Standard zu setzen (dennoch aber ein 10er-Ritzel verbauen wollte), benötigen die neuen Gruppen SLX, XT und XTR den neuen Micro-Spline-Freilauf. Der ist jetzt endlich auch bei fast allen Laufradherstellern erhältlich.

Kurbeln von Fremdanbietern

Mit Einführung der Eagle-Gruppen zeigte sich Sram restriktiv: Die neue, tolle X-Sync-2-Kettenblatttechnik ist kein offener Standard, sondern Sram und der Tochter Truvativ vorbehalten.

Alternativ schalten

Umwerfend: Auch wenn die Bike-Hersteller wohl auf Shimanos neue 1 x 12-Gruppen abfahren werden, es gibt sie: die breitbandige 2 x 12-Variante von SLX, XT und XTR mit Umwerfer und komplett neuem "Mono"-Hebel. Dieser funktioniert extrem intuitiv.

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