Über einen Einheitsbrei an Komponenten können wir bei unseren BIKE-Testfeldern normalerweise nicht klagen. Doch gerade bei Bikes über 3000 Euro dominiert die Sram Eagle 12-fach Schaltung. Shimano konnte bislang den praktischen Einfach-Antrieben mit üppiger Bandbreite schlichtweg nichts entgegensetzen. Letztes Jahr stellten die Japaner die neue Highend-Gruppe XTR vor, die sich jedoch nur an Luxus-Bikes findet. Jetzt sollen Einfach-Antriebe mit großer Bandbreite zu erschwinglichen Preisen kommen: Shimano stellt die neueste Generation der beliebten Deore XT (M8100) und SLX (M7100) vor.
Neue Shimano XT und Shimano SLX: Fakten im Überblick
- 1-fach Kassette: 10-51 Zähne
- 2-fach Kassette: 10-45 Zähne
- 1-fach Kurbel: 28/30/32/34/36 Zähne (28 und 36 nur XT)
- 2-fach Kurbel: 26/36 Zähne
- 2-Kolbenbremse für XC-Einsatz
- 4-Kolbenbremse für All Mountain/Enduro
- Naben für Non-Boost / Boost / Superboost mit Micro Spline-Freilauf
- Laufräder XC / Enduro (nur XT)
Optisch erinnern beide neuen Shimano-Schaltgruppen stark an die XTR. So verwundert es nicht, dass alle Teile mit einander kombiniert werden können. Nach wie vor richtet sich die SLX an Einsteiger und markiert preislich das untere Ende der hochwertigen MTB-Komponenten von Shimano. Die XT liegt zwischen SLX und XTR und will gute Funktion zu einem fairen Preis bieten. Beide Schaltungen sind für den E-MTB-Einsatz freigegeben.
Im Gegensatz zu Sram glaubt Shimano weiterhin an die Zweifach-Antriebe. So gibt es wie bei der XTR zwei mögliche Setups: Entweder man fährt einen 1x12-Antrieb mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen und somit 510 Prozent Bandbreite. Oder man kombiniert die Zweifach-Kurbel mit der 10-45er-Kassette und erhält 620 Prozent Bandbreite. Außerdem kann man zwischen einer leichten Zweikolbenbremse und einer stärkeren Vierkolbenbremse wählen. Komplette Laufräder bieten die Japaner nur in XT-Qualität an: Einen XC-Laufradsatz mit 24er-Felgen (laut Hersteller 1840 Gramm in 29 Zoll, 1764 Gramm in 27,5 Zoll) und einen Enduro-Laufradsatz mit 30 Millimeter Innenbreite (laut Hersteller 1932 Gramm in 29 Zoll, 1846 Gramm in 27,5 Zoll). Beide Laufräder kommen mit Alu-Felgen und sind mit 28 Speichen bestückt.
Unterm Strich arbeiten beide neuen Shimano-Schaltgruppen auf hohem Niveau und dürften sich bald an vielen Mittelklasse-Mountainbikes wiederfinden.
Shimano XT vs. SLX: Die Unterschiede
Bei der neuen XT-Kassette mit 12 Ritzeln verbauen die Japaner zwei Alu-Ritzel (die größten), bei der SLX nur eins. Die restlichen Ritzel sind aus robusterem Stahl. Den SLX-Schalthebel lagern die Japaner mit einer Gleitbuchse, den XT-Trigger mit zwei Kugellagern. Zum Vergleich: Im XTR-Hebel stecken vier Kugellager. Kommt der neue Shimano-XT-Hebel in Alu mit Gummi-Einsatz, müssen sich Mountainbiker bei der SLX mit einem Kunststoffhebel begnügen. Wie bei der XTR wird das vordere Kettenblatt über einen einzelnen Daumenhebel gewechselt. Die XT-Kurbeln gibt's in 165, 170, 175 und 180 Millimetern Länge, die SLX in 165 bis 175 Millimetern Länge. Alle Kurbeln lassen sich passend für nicht-Boost, Boost und Superboost wählen. Sowohl die Kettenblätter als auch die Ritzel sowie die Kette verfügen über die Features der XTR und sollen somit ebenfalls sehr komfortabel schalten. Unterm Strich bringt die SLX-Gruppe etwas mehr auf die Waage (148 Gramm bei vergleichbarer Konfiguration) als die Shimano XT-Schaltung, kostet aber auch weniger.
Wie auch bei der XTR stehen verschiedene Bremsen zur Wahl: Für Grammfuchser und leichte Piloten bieten die Japaner in beiden Qualitätsstufen eine Zweikolbenbremse an, für schwerere Fahren und Enduristen eine stärkere Vierkolbenbremse. Auf den ersten Blick ähneln sich die XT und die SLX-Bremse stark. Bei beiden Stoppern lässt sich die Hebelweite werkzeuglos verstellen, die Leerwegverstellung bleibt aber der XT-Bremse vorbehalten. Genau wie das Topmodell stützen sich beide Bremsen mit einem zusätzlichen Steg am Lenker ab. Das sorgt für eine äußerst steife Anbindung, nimmt aber auch mehr Platz in Anspruch.
Verfügbarkeit und Preise
Die Einfach-Versionen von Shimano SLX und XT sollen bereits ab dem 14. Juni 2019 verfügbar sein, die Zweifach-Varianten ab Mitte Juli. Die Preise für die 12fach-Shimano-Deore-XT orientieren sich an der alten XT-Gruppe (M8000), werden aber aufgrund des zusätzlichen Ritzels und neuer Technologien in etwa um zehn Prozent steigen.
Erster Fahreindruck
Wir hatten bereits die Möglichkeit, beide MTB-Schaltgruppen im Einfach-Setup zu fahren. Im direkten Vergleich fällt auf, dass die XT unter Last die Gänge besser wechseln kann als die SLX. Auch das Schaltgefühl wirkt etwas definierter und wertiger. Den größten Unterschied dürfte hier der hochwertigere Schalthebel machen, mit dem man zwei Gänge hoch und vier Gänge runter schalten kann. Der SLX-Hebel erlaubt nur einen Gang hoch und drei runter. Die 510 Prozent Bandbreite reichen selbst für steile Anstiege und zügige Abfahrten aus. Beide Antriebe arbeiten auf hohem Niveau. Auf unserer Enduro-Tour konnte die XT-Vierkolbenbremse mit guter Modulation, stabilem Druckpunkt und guter Bremskraft überzeugen. Auch die Zweikolben-SLX-Bremse hinterließ bei der Testfahrt einen sehr positiven Eindruck, ein Unterschied zur XT ist nur schwer auszumachen. Nur der XT-Freilauf sorgte für Stirnrunzeln: Mal summte er leise, mal verstummte der Ratschen-Sound komplett. Laut den Shimano-Entwicklern ist die Thematik aber bekannt und soll in der Serie behoben sein. Die Funktion soll dadurch aber nicht beeinträchtigt sein. Die SLX-Naben sowie die Zweifach-Versionen konnten wir noch nicht ausprobieren.
Die SLX-Bremse unterscheidet sich kaum zur XT-Bremse. Den Leerweg kann man nur bei der XT verstellen.
Alle neuen Shimano-Bremsen stützen sich am Lenker ab. Das sorgt für mehr Steifigkeit, nimmt aber auch mehr Platz in Anspruch.
Die Shimano SLX ist die günstigste Bremse aus dem Hause des japanischen Herstellers in unserem Vergleichstest. Für 350 € verkörpert die zweitgünstigste Bremse im gesamten Testfeld unauffälliges Understatement und solide japanische Qualität.
Die SLX ist Shimanos klassische Brot & Butter-Bremse und entspricht mit 600 g ohne Scheiben ziemlich genau dem Durchschnittsgewicht in unserem großen Bremsen Vergleichstest. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Optik - außer in farblicher Hinsicht - kaum von der XT- oder XTR Bremse. Bei genauerem Fühlen kommt die SLX jedoch nicht ganz so hochwertig daher wie die XT und XTR: Die Bremshebel verzichten auf die Struktur, die den Fingergrip erhöhen soll. Dafür ist die Hebelweitenverstellung wie bei den anderen Modellen einfach und werkzeuglos.
Um die am Lenker abgestützte Geber-Einheit loszubekommen, muss man nur eine Schraube lösen und im Anschluss mit einem dünnen Tool einen Sicherungsstift eindrücken. Folglich klappt die Schelle auf und man kann das Teil als Ganzes abnehmen, selbst die Schraube ist mit einem O-Ring gesichert - top, da geht nichts auf dem Trail verloren!
Das Entlüften der Shimano-Bremsen funktioniert dank Trichter am Bremsgriff und dem sogenannten „One-Way Bleeding“ denkbar einfach: Geber-Einheit waagrecht stellen, Trichter füllen, aufschrauben und ein paar Mal die Bremse betätigen. Das bekommt wirklich jeder hin.
Wie bei den restlichen Stoppern des japanischen Herstellers ist auch das Bremsgefühl der SLX „digital“: Der Druckpunkt ist richtig knackig und deutlich definierter im Vergleich zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die volle Power liegt fast schon zu Beginn des Druckpunkts an und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar.
Die BrakeAce-Datenauswertung auf dem Trail lässt bei der SLX eine stärkere Bremse erwarten als bei der eng verwandten Shimano XTR: Die Brems-Ereignisse sind weniger und im Schnitt kürzer als beim Topmodell XTR, zudem ist die Front-Heck-Verteilung mit 40 zu 60 bei der SLX sehr ausgeglichen. Schaut man hingegen auf die Labormesswerte, liegt die Shimano XTR drei Plätze höher.
Wer sich noch mehr End-Verzögerung wünscht, kann die SLX-Bremse mit den Sinter Green-Belägen günstig upgraden und - zumindest im Labor - nahezu auf ein Level mit der fast viermal so teuren Trickstuff MAXIMA heben.
Die Shimano SLX überzeugt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und einer starken Verzögerung samt solider Dosierbarkeit. Das digitale Bremsgefühl erfordert kurze Eingewöhnung, dafür muss man bei Anmutung, Ergonomie und Handling keine Abstriche machen.
Die SLX besitzt jedenfalls die gleiche DNA wie der größere Bruder, was viele Vorteile mit sich bringt.
In den letzten Jahren konnte sich die SLX zum absoluten Geheimtipp mausern und begeisterte gerade preisbewusste Käufer mit einer fast unschlagbaren Performance. Dennoch stand sie etwas im Schatten der schier allmächtig erscheinenden XT Gruppe. Ob sich das mit den neuen Generationen ändern wird? Unsere Einschätzung: Wird es!
Damit weist die neue SLX fast die gleichen Features auf, wie die zeitgleich präsentierte M8100 XT Gruppe.
So sind die beiden Kassetten - auch hier 10-45 und 10-51 - ein gutes Stück schwerer als die Teile der XT und XTR Gruppen. Das liegt insbesondere daran, dass hier nun elf Ritzel aus Stahl bestehen (bei der XT sind es 10, bei der XTR kommt sogar Titan zum Einsatz).
Ähnliches gilt für Kurbel und Schaltwerk: Ein paar Gramm mehr bringen sie auf die Waage, zudem gibt’s bei der SLX weniger Kettenblatt-Optionen: Beispielsweise muss man ohne ein 36er Blatt für one-by Antriebe auskommen.
Besonders spannend wird es beim Thema Bremsen, genauer gesagt bei den 4-Kolben Trail-Stoppern.
Während nämlich die 2-Kolben Variante bis auf ihre Optik baugleich mit dem Vorgänger ist, erinnert der 4-Kolben Sattel auf den ersten Blick der XT und XTR Bremse stark. Bei den Gebern gilt fast das gleiche, wobei man hier jedoch auf die Free Stroke Adjust Schraube verzichten muss, mit der man den Druckpunkt etwas feintunen kann. Aber ganz ehrlich: Dieser Punkt dürfte für die allermeisten Fahrer verschmerzbar sein.
Bei der Performance - egal ob bezüglich der Schaltung oder der Bremsen - muss sie sich keineswegs verstecken. Während wir die Free Stroke Adjust Schraube am Bremsgeber überhaupt nicht vermissten, fiel der Schalthebel jedoch doch spürbar gegenüber seinem höherwertigen Kollegen ab: Vor allem die fehlende Option, mit einem beherzten Druck auch zwei Gänge auf einmal herunterzuschalten, machte sich bemerkbar.
Die Shimano SLX Schaltgruppe bietet viele Vorteile für Mountainbiker:innen. Zum Beispiel ist sie sehr langlebig und zuverlässig, sodass du dich auf sie verlassen kannst, wann immer du unterwegs bist. Sie ist leicht und kompakt, was sie zu einer sehr guten Wahl macht. Darüber hinaus ist sie sehr präzise und bietet ein reibungsloses Schaltverhalten, sodass du immer mit der richtigen Übersetzung unterwegs bist.
Die Shimano SLX Komponenten sind schon immer für ihre Zuverlässigkeit und den erschwinglichen Preis bekannt. So ist es kein Wunder, dass man sie an vielen Rädern im Handel findet. Für unsere Specialized Stumpjumper EVO Aufbaustory war sie damit der perfekte Kandidat.
Die Shimano SLX Schaltung will sich aber nicht in diese Schublade stecken lassen. Dank I-Spec EV kann man den Schalthebel direkt an der Schelle der Bremse montieren, was für ein sehr aufgeräumtes Cockpit sorgt. Die I-Spec EV Aufnahme ermöglicht dabei einen sehr großen Einstellbereich, mit dem Fahrer mit kleinen und großen Händen gleichermaßen zufrieden sein werden.
Nachdem die Kette montiert und der Schaltzug verlegt ist, geht es an die eigentliche Einstellung des Schaltwerks. Zunächst wird die Kette auf dem kleinsten Ritzel ausgerichtet. Dazu stellt man den Endanschlag so ein, dass das Schaltröllchen in einer Flucht mit dem Ritzel ist wenn man von oben drauf schaut. Das Gleiche machen wir beim größten Ritzel.
Einmal alles durchschalten und Endanschlag Einstellen.
Für die Einstellung der Umschlingung, also den Abstand des ersten Schaltröllchens zur Kassette, hat Shimano eine Markierung am Käfig versteckt. Ist die Kette auf dem größten Ritzel muss man die Einstellschraube so lange drehen, bis die Kette den angezeigten Abstand hat. Genial!
Das Einstellen der Shimano SLX Schaltung war dermaßen einfach, dass es eine wahre Freude war. Die Einstellschrauben für die Endanschläge fand ich dennoch ein wenig fummelig.
Während des Fahrbetriebs hat sich der Shimano SLX Antrieb bisher genau so unauffällig wie bei der Montage verhalten. Dabei durfte er im Winter vor allem viel Feuchtigkeit und Schlamm sehen. Gepaart mit dem vielen Staub im Frühjahr, der schon an einen Urlaub im Vinschgau erinnert hat, sollten die schlimmsten Verhältnisse abgedeckt sein. Die Schaltperformance war dabei immer auf höchsten Level.
Die angepriesene Schaltperformance unter Last wurde natürlich auch getestet.
Schaltet man allerdings im sitzen mit ordentlich Zug an Kette, wandert die Kette verblüffend leicht auf das nächst größere Ritzel. Die Shimano SLX Schaltung ist damit die geschmeidigste Schaltung die ich bisher an einem Rad testen durfte.
Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Schaltperformance hat die Kette bei Shimano. Im Gegensatz zu anderen Ketten am Markt ist sie laufrichtungsgebunden. Das heißt zwar, dass man bei der Montage ein wenig aufpassen muss, aber auch, dass die Kette auf diese Weise für das Zusammenspiel mit der Kassette optimiert werden kann.
Neben der erstklassigen Schaltperformance hat Shimano zusätzliches Augenmerk auf die Abstufung der Kassette gelegt. Vorsicht.
Die Klicks sind immer knackig und der Schalthebel gibt dabei ein angenehmes Feedback. Mit ausgeschaltetem Reibungsdämpfer des Shadow+ Schaltwerks muss man für das Verlagern der Gänge lediglich sanft über den Schalthebel streichen.
Dabei benötigt man beim Schalten in einen leichteren Gang ein wenig mehr Kraft als die Konkurrenz, was aber nicht großartig ins Gewicht fällt. Beim herunterschalten in die schweren Gänge springt die Kette bei der Betätigung des Hebels lediglich einen Gang auf der Kassette.
Die Betätigung mit dem rechten Zeigefinger ist dabei eine willkommene Abwechslung beim gemütlichen Fahren.
Auf dem Trail wird natürlich nur mit dem Daumen geschaltet. Ein sattes, klickendes Geräusch bestätigt den Gangwechsel. Für Sprints und schnelle Gangwechsel wären zwei Gangsprünge mit einem Klick - wie es bei der Shimano XT Schaltung der Fall ist - wünschenswert.
Das bereits angesprochene Shimano SLX Schaltwerk mit der Shadow+ Technologie verhindert zuverlässig in Kombination mit dem Shimano Kettenblatt den Abflug der Kette.
Shimano bietet mit der SLX 12-Fach Schaltung die Referenz in Sachen erschwinglicher Mountainbikeantriebe.
Nach dem Motto „Set and Forget“ wurde der Shimano SLX Antrieb verbaut und nicht wieder angerührt. Dabei wird die leichte Einstellung der Schaltung vielleicht dem einen oder anderen Hobbymechaniker die Angst nehmen.
Das Schaltgefühl unter Last ist auf ein komplett neues Level gehoben worden und die hohe Bandbreite von 510 % ist genug um nahezu senkrechte Steigungen zu erklimmen und dabei verhält sie sich wie der gute, alte Duracelhase.
Unser Test zeigt, wer aktuell die beste Schaltungskost bietet!
Die beiden Industrienationen würden sich für unzählige Duelle eignen.
Mit der Einführung der 11-fach-Schaltungen wagte Sram dann Revolutionäres: ein Kettenblatt statt zwei oder drei, kein Umwerfer, kein zweiter Schalthebel - wow!
Erst als vor fünf Jahren der Adler landete, wendete sich das Blatt: Srams neue Eagle-Gruppen bieten seitdem mit 1 x 12 Gängen* genug Bandbreite für alle Biker. Zudem führte Sram die Eagle-Technik nach und nach auch in attraktiven Preisbereichen ein, sodass in den letzten Jahren fast kein Bike-Hersteller mehr ein Bike ohne Eagle auf den Markt bringen wollte.
Ein Werk brannte ab, was die Produktion der XTR-Kurbeln brach legte. Bis heute sind die Kurbeln nur in homöopathischen Dosen verfügbar.
Doch jetzt - endlich - schlägt Shimano zurück!
Die neuen, erschwinglichen "Volksgruppen" SLX und XT kommen à la Eagle in einer Variante mit 1 x 12-Gängen, bieten dank 10-51er-Kassette aber noch mehr Bandbreite als Sram (10-50 bzw. 11-50 Zähne). Und wem das nicht genug ist, der kann eine 2 x 12-Variante mit dann extremer Gangvielfalt wählen.
SLX und NX kosten quasi gleich viel, dafür ist die SLX leichter. XT und GX wiederum wiegen quasi das Gleiche, hier ist die GX etwas preiswerter. Auch in Sachen Optik und Haptik sind die Unterschiede nicht groß, anders als früher agieren die Shimano-Schaltungen sogar ein wenig knackiger als die Sram-Pendants.
Also alles wieder Geschmacksache? Nicht ganz.
Tatsächlich setzt die neue Shimano XT den neuen Maßstab in dieser Klasse.
Srams GX ist ebenso eine Topgruppe, in Nuancen aber schlechter. Ebenso kann sich die Shimano SLX leicht von der NX Eagle absetzen und Platz 3 im Vergleich erobern.
Optisch ist sie ein Hingucker und auch technisch - auf dem Papier - auf dem neusten Stand.
Etwa dank der großen 10-51er-Kassettte, welche dieselbe Bandbreite wie bei der Shimano XT bereitstellt und damit den direkten Konkurrenten Sram NX Eagle (11-50 Zähne) um über 50 % Bandbreite abhängt!
Auch das Gewicht ist um rund 180 g geringer als bei der NX. Aber kann sie auch in Sachen Funktion mithalten?
So viel vorweg: Im Vergleich zu den Konkurrenten, speziell mit Blick auf die XT, läuft das System etwas rauer. Hinzu kommt, dass der Gangwechsel minimal träger abläuft. Dank Shimanos "Hyperglide-Plus"-Technologie soll ein müheloses Schalten unter Belastung möglich sein. Und?
Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.
So haben die Japaner auf die Gummibeschichtung sowie auf die "Multi-Shift"-Funktion am kleinen Hebel verzichtet. Es lässt sich also nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden.
Wie bei der XT praktisch: Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt. Und auch unter dem Strich steht ein verdientes "Sehr gut"!
Die NX Eagle für Nachrüster mit älteren Bikes extrem spannend macht.
In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld.
Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar.
Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. In Richtung der kleinen Gänge verzögert sich der Schaltvorgang schon mal, ist dann aber schön knackig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.
Umso größer waren heuer die Erwartungen an die neue XT-Gruppe. Dass diese ebenso mit 12-fach-Technik kommt, war früh klar - aber auf welchem Niveau? Eines steht schon jetzt fest: Das Warten hat sich gelohnt.
Genau einen Zahn mehr also als die direkte Konkurrenz der Sram GX Eagle - bei nur minimal mehr Gewicht.
Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist.
Shimano SLX im Vergleich
| Eigenschaft | Shimano SLX (M7100) | SRAM NX Eagle | Shimano XT (M8100) | SRAM GX Eagle |
|---|---|---|---|---|
| Schaltwerk | 310 g | 344 g | 281 g | 292 g |
| Hebel (ohne Zug) | 116 g | 98 g | 117 g | 107 g |
| Kassette | 527 g | 612 g | 469 g | 448 g |
| Kette (116 Glieder) | 255 g | 273 g | 257 g | 273 g |
| Kurbel (ohne Innenlager) | 645 g | 701 g | 635 g | 627 g |
| Gesamtgewicht | 1853 g | 2028 g | 1759 g | 1747 g |
| Bandbreite | 510% | 454% | 511% | 500% |
| Testergebnis | SEHR GUT (76 Punkte) | GUT (69 Punkte) | ÜBERRAGEND (90 Punkte) | SEHR GUT (83 Punkte) |
Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten. Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist.
Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat Sram die Nase vorn.
Dennoch: Die XT kann ihr Revier als Volksgruppe Nr.1 wieder knapp für sich gewinnen. Verarbeitung, Gewicht, Bandbreite, Ergonomie - alles top. Testsieg!
Der Platzhirsch unter den 12-fach-Schaltungen!
Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Nur das Einstellen des Umschlingungswinkels ist etwas umständlich: Eine mitgelieferte Schablone muss bei belastetem Hinterbau (Fully) angehalten werden.
Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von Sram heran, auch wenn Sram etwas weniger hochwertige Materialien verwendet.
Dennoch ist die GX in unserem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgrupppe. In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Das Gefühl im Daumen ist dabei auch etwas undefinierter.
Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier).
Das Finish ist bar jeder Kritik, die Gruppe der Erfahrung nach sehr haltbar und der Preis fair.
Der klassische Freilauf ist noch immer an vielen Radnaben zu finden. Er nimmt alle 8-/9-/10-fach-Kassetten auf, zudem die 11-fach-Modelle von Shimano.
Mit Einführung der XX1-Gruppe (1 x 12) brachte Sram auch einen neuen Freilauf, den XD-Body. Er ist seitdem Standard für alle Sram-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Auch einige Fremdanbieter wie E13 oder Hope nutzen den XD-Freilauf.
Da es Shimano nicht übers Herz brachte, auf einen Sram-Standard zu setzen (dennoch aber ein 10er-Ritzel verbauen wollte), benötigen die neuen Gruppen SLX, XT und XTR den neuen Micro-Spline-Freilauf. Der ist jetzt endlich auch bei fast allen Laufradherstellern erhältlich.
Die neue, tolle X-Sync-2-Kettenblatttechnik ist kein offener Standard, sondern Sram und der Tochter Truvativ vorbehalten.
Die Eagle-Gruppen funktionieren tatsächlich am besten mit Sram/Truvativ-Kurbeln zusammen, werden auch nur so an Komplettbikes verbaut.
Auch Shimano empfiehlt für beste Performance die hauseigenen Kurbeln, "verbietet" den Einsatz fremder Produkte aber nicht.
Die breitbandige 2 x 12-Variante von SLX, XT und XTR mit Umwerfer und komplett neuem "Mono"-Hebel. Dieser funktioniert extrem intuitiv.
Auch Sram war in diesem Jahr nicht untätig und brachte die neuen Eagle X01 AXS und Eagle XX1 AXS heraus. Diese beiden teuren, edlen Highend-Gruppen wechseln die Gänge nicht nur elektronisch mittels kleinem Servomotor am Schaltwerk, sondern auch noch kabellos. Der kleine Controller am Lenker sendet ein verschlüsseltes Funksignal.
Der setzt seine neue "Prime"-Gruppe nun auf 9-fach. Die Bandbreite passt dank 11-50 Zähnen an der Kassette dennoch. Die Vorteile sollen in der enormen Robustheit und Langlebigkeit liegen.
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