Die Kettenschaltung am Mountainbike oder E-MTB sauber einzustellen, sollte zum Standard-Repertoire gehören, egal ob es sich um einen Shimano- oder SRAM-Antrieb handelt. Die Schaltung eines Fahrrads ist ein komplexes System, in dem mehrere mechanische Bauteile zusammenwirken.
Diese müssen optimal aufeinander eingestellt sein, um das Konzept Kettenschaltung reibungsarm und effizient werkeln zu lassen. Dabei ist es nicht so schwer, wie manche denken. Essenziell ist das mechanische Verständnis. Drehe nicht nur an der Schraube, sondern schau, was genau dann passiert. Welchen Einfluss hat welche Schraube aufs System?
Da an den meisten Mountainbikes, E-Bikes eingeschlossen, mittlerweile ein Einfach-Antrieb montiert ist, bei dem nur noch hinten geschaltet wird, ist das Einstellen sogar weniger komplex als früher mit Schaltwerk und Umwerfer. Um die fehlende Bandbreite vorne zu kompensieren, müssen die Kassetten hinten allerdings größer sein und somit auch mehr Ritzel als früher haben, damit die Sprünge zwischen den Gängen nicht zu groß werden.
Voraussetzungen für eine Optimale Einstellung
Um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können, gibt es ein paar Voraussetzungen. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden.
Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion. Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten. Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch. Hier: Shimano XT 12-fach.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einstellen des Schaltwerks
Das Einstellen des Schaltwerks einer Kettenschaltung am Fahrrad ist nicht schwer. Wir gehen bei dieser Beschreibung davon aus, dass die Schaltung schon am Fahrrad verbaut ist und die Schaltzüge und Außenhüllen unbeschädigt sind. Sind die Außenhüllen beschädigt oder von innen verrostet, kann sich der Schaltzug nicht richtig in der Hülle bewegen und das Einstellen des Schaltwerks bringt nichts.
1. Vorbereitung und Prüfung der Komponenten
Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein.
Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.
Kassette: Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.
Schaltwerk: Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln.
Schalträdchen: Dann kannst Du gleich noch den Zustand der Zähne an den Schalträdchen checken: Genau wie bei der Kassette und dem vorderen Kettenblatt dürfen die Zähne der Schalträdchen ebenfalls nicht verschlissen oder beschädigt sein. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her.
Kette: Möchtest Du die Kette weiter benutzen und keine neue verbauen, solltest Du sie vorher mit einer Kettenlehre auf Längung prüfen. Spürst Du beim seitlichen Tordieren der Kette starkes Spiel und lässt sich die Kette sehr weit „biegen“, muss sie getauscht werden.
Reibungsdämpfer: Da diese Technik ebenfalls einem Verschleiß unterliegt, kontrolliere die Funktion bzw. die Wirkung der Kupplung: Der Käfig darf sich nur mit spürbarem Kraftaufwand nach vorne bewegen lassen - Du spürst ein deutliches Losbrechmoment im Gelenk, bevor du gegen die Federkraft andrückst.
Schaltauge: Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.
Schaltzug und Außenhülle: Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.
2. Überblick der Einstellschrauben
Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.
- B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
- L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
- H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.
3. Endanschlag unten (H-Schraube)
Hierzu lässt sich der Schwenkbereich des Schaltwerks in beide Richtungen mit sogenannten Endanschlägen begrenzen. Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang.
Am besten geht diese erste Einstellung vonstatten, wenn noch kein Bowdenzug und keine Kette montiert sind. Wichtig: der Schaltgriff muss auf den schwersten Gang geschaltet sein. Drehst Du die Endanschlags-Schraube im Uhrzeigersinn, wird der Anschlag nach links, also Richtung Speichen, verschoben. Durch Drehen der Schraube gegen den Uhrzeigersinn stellst Du den Anschlag weiter nach rechts, Richtung Rahmen.
4. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen
Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen.
5. Endanschlag oben (L-Schraube)
Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.
6. Shimano 1x12-Schaltung einstellen
Shimano präsentierte jüngst mit der XTR M9100, der XT M8100 und der SLX M7100 drei 1x12-Schaltungen. Wir zeigen, wie man die neuesten Schaltungsmodelle der Japner korrekt einstellt.
Werkzeug: Im Prinzip benötigen Sie nur einen 2- und einen 4-mm-Inbusschlüssel. Zum optionalen Öffnen/Schließen der Kette nutzen Sie eine Kettenschlosszange oder einen Kettennieter. Der Meterstab hilft beim Einstellen des Schaltwerkabstands.
- Zug lösen, Kette öffnen: Grundsätzlich geht es auch ohne diesen Schritt, exakter wird die Einstellung aber, wenn Sie vorab den Zug am Schaltwerk mit dem 4-mm-Inbus lösen sowie die Kette (per Kettenschloss/-zange oder Kettennieter) öffnen und ausfädeln.
- Äußerer Anschlag: Über die obere der beiden Anschlag- schrauben stellen Sie mit dem 2-mm-Inbus den äußeren Anschlag ein. Positionieren Sie das Schaltwerk so, dass das obere Schaltröllchen und das äußerste Ritzel perfekt fluchten.
- Kette ablängen: Wenn Sie eine neue Kette verwenden wollen, orientieren Sie sich an der Länge Ihrer alten. Oder Sie längen Sie wie folgt ab: Kette auf Blatt und großes Ritzel, Kettenenden zusammenführen und fünf (Hardtail) bzw. sechs (Fully) Glieder überlappen lassen.
- Kette einfädeln: Achten Sie auf die Laufrichtung: Fädeln Sie die Kette mit der Shimano-Aufschrift nach außen (zu Ihnen) von unten durch den Schaltkäfig. Kette vernieten oder Kettenschloss über der Kettenstrebe zusammenstecken und mit Druck aufs Pedal verschließen.
- Zug klemmen: Nun den Zug in die Führung der Klemme am Schaltwerk legen und mit dem 4-mm-Inbus festziehen. Anzugsmoment: 6-7 Nm. Achtung: Das Schaltwerk dabei nicht versehentlich Richtung Achse drücken, sonst stimmt die Spannung von Beginn an nicht.
- Innerer Anschlag: Analog zu Schritt 3 stellen Sie den inneren Anschlag ein. Legen Sie am Schalthebel den kleinsten Gang (= größtes Ritzel) auf. Nun die untere der beiden Schrauben mit 2-mm-Inbus so rein-/rausdrehen, dass das Schaltröllchen exakt unter dem Ritzel steht.
- Abstand: Über die weit oben am Schaltwerk liegende „End-adjustment“-Schraube (einst als „B-Screw“ bekannt) stellen Sie den vertikalen Abstand des Schaltwerks ein. Er sollte von der oberen Leitplatte bis zur gedachten Linie von Zahn zu Zahn (gr. Ritzel) 46 mm betragen.
- Kettenstabilisator ausschalten: Der Kettenstabilisator sorgt für eine erhöhte Spannung des Schaltwerks und unterbindet damit Kettenschlagen. Zur Feinjustage der Zugspannung empfiehlt es sich, den Kettenstabilisator auszuschalten („Off“-Stellung„).
- Spannung justieren I: Schalten Sie alle Gänge mehrmals durch. Legen Sie dann einen (mittleren) Gang ein, der 5-7 Schaltgänge vom größten Ritzel entfernt ist. Bleibt die Kette bei einem größeren Ritzel hängen, erhöhen Sie vorab die Zugspannung.
- Spannung justieren II: Erhöhen Sie die Spannung (Schraube rausdrehen!), bis die Kette auf dem mittleren Ritzel (siehe Schritt 10) Geräusche macht, also am nächsthöheren Ritzel schleift. Dann die Schraube wieder fünf Klicks reindrehen!
Wichtige Hinweise
Mehr Gänge bedeuten schmalere Ketten und feinere Distanzen zwischen den Gangstufen. Somit müssen die Schaltungen sehr genau eingestellt werden, damit sie perfekt funktionieren. Mit ein paar Tricks lassen sich aber auch die 12 fach Schaltungen problemlos einstellen.
An den Shimano Schaltwerken befindet sich auf der Rückseite des Schaltwerkskäfigs eine Markierung, die sich mit dem größten Ritzel der Kassette decken soll. Das Schaltwerk wird auf den leichtesten Gang geschalten und so eingestellt, dass sich die äußersten Zähne des größten Ritzels mit der Markierung decken.
Die Anschläge sollten so eingestellt werden, dass die Kette leicht auf das entsprechende Ritzel wechselt, ohne darüber hinaus Schalten zu können. Besonders die Einstellung des H-Anschlags ist wichtig, denn sie kann bei falscher Einstellung die Seilspannung beeinflussen.
Einstellung High-Speed Anschlag
Um die Einstellung des H-Anschlags zu prüfen, Schalte auf das kleinste Ritzel und löse den Schaltzug vom Schaltwerk, um den Einfluss der Seilspannung zu eliminieren. Jetzt sollte die Kette genau mittig unter dem kleinsten Ritzel laufen. Wenn du das Schaltwerk per Hand nach oben drückst und wieder loslässt, sollte die Kette problemlos und schnell auf das kleinste Ritzel schalten. Mit dem Hineindrehen des Anschlags sitzt das Schaltwerk weiter innen und umgekehrt.
Einstellung Low-Speed Anschlag
Bei der Einstellung des Low-Speed Anschlags ist wichtig, dass die Kette auf keinen Fall über das größte Ritzel hinaus schalten kann. Schaltest du also alle Gänge bis zum größten Ritzel hinauf, darf sich der Schalthebel auf dem größten Ritzel nicht oder nur noch minimal drücken lassen und das Schaltwerk sollte sich nicht mehr in Richtung Speichen bewegen. Ist der Anschlag zu weit innen eingestellt, schaltet die Kette nicht oder nur schwer auf das größte Ritzel.
Einstellung der Seilspannung
Mit der Seilspannung wird die Position des Schaltwerks unter allen Ritzeln kontrolliert. Das heißt, wenn die Kette die Kassette nicht nach oben steigen möchte, braucht das Schaltwerk etwas mehr Seilspannung und du musst die Einstellschraube herausdrehen.
Aktuelle Zwölffach-Antriebe (egal ob Shimano 1x12/2x12 oder Sram Eagle) weisen einen geringen Abstand zwischen den einzelnen Ritzeln auf und sind deshalb besonders sensibel. Oft entscheiden schon halbe Umdrehungen an den entsprechenden Stellschrauben über eine tadellose Funktion. An die perfekte Einstellung muss man sich deshalb in kleinen Schritten herantasten.
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