Bremsen sind ein entscheidender Faktor für Kontrolle und Sicherheit auf dem Fahrrad, doch viele Radfahrer schenken ihnen kaum Beachtung. Eine oft gehörte Frage beim Radkauf ist: „Hat das Rad eine XT-Schaltung?“ Die Bremsanlage hingegen wird oft vernachlässigt, obwohl sie für eine kontrollierte Entschleunigung und damit für Sicherheit sorgt.
Wichtige Aspekte von Fahrradbremsen
Bevor Bremsen an Gabel und Rahmen angebaut werden, sollten die Aufnahmen und Adapter mit einem Spezialwerkzeug plangefräst werden. Der Grund: Meist befindet sich Lack auf Rahmen und Gabel, wodurch die Bremse nie perfekt zur Bremsscheibe ausgerichtet ist. Beim Arbeiten an Bremsanlagen sollte zudem mit der nötigen Sorgfalt und mit passendem Spezialwerkzeug gearbeitet werden. Erstmal müssen Montage und Wartung einfach von der Hand gehen. Auf Tour ist dann wichtig, dass der Bremshebel angenehm in der Hand liegt, die Bremse für gute Kontrolle fein dosierbar ist, eine ausreichende Bremskraft anliegt und die Bremse auch unter hoher Belastung nicht ausfällt.
Montage und Anpassung
Bei der Montage setzen alle Hersteller beim Bremssattel auf den Postmount-Standard. Dieser ist einfach und schnell montiert, zudem kann der Bremssattel über ein integriertes Langloch genau zur Bremsscheibe ausgerichtet werden. Zur Anpassung an individuelle Vorlieben lässt sich an jeder Bremse die Hebelweite zum Lenker justieren. Ohne Werkzeug ist das bei BFO, Hayes, Hope, Shimano XT, Sram und TRP möglich. Und bei der Leitungsverlegung schwören Ästhetiker auf drehbare Leitungsanschlüsse am Bremssattel, weil diese die Bremsleitung optimal ausrichten.
Wartung und Service
Damit eine Bremse auf Dauer ihre Arbeit einwandfrei verrichtet, gehören Wartung und Service dazu. Hier spielt das Bremsmedium eine wichtige Rolle, denn im Radbereich gibt es aktuell vier verschiedene Typen, die untereinander nicht kompatibel sind!
- DOT: Vorteil von DOT: weltweite Verfügbarkeit in hoher Qualität, günstiger Preis, ein hoher Siedepunkt und das Binden von Wasser. Nachteile: Es unterliegt Alterungserscheinungen, sollte daher jährlich getauscht werden.
- Mineralöle: Vorteilhafter und immer weiter verbreitet sind indes Mineralöle, wie sie Magura, Shimano, Tektro und TRP einsetzen. Sie sind etwas dickflüssiger als DOT, greifen Oberflächen nicht so aggressiv an und brauchen keinen regelmäßigen Wechsel. Allerdings gibt es keinen Standard für Mineralöle, daher sollte nur die jeweilig vorgeschriebene Variante bei einer Bremse eingesetzt werden.
- Hydrauliköl (Bionol): Hydrauliköl wird bei Trickstuff eingesetzt. Das sogenannte Bionol wird in Deutschland aus nachwachsenden und biologisch abbaubaren Pflanzenölen hergestellt, ist giftklassefrei, toxikologisch unbedenklich und sogar für die Lebensmittelproduktion zugelassen! Einziger Nachteil: der sehr hohe Preis.
- Wasser: Wasser ist der absolute Exot und findet sich bei BFO. Positiv ist die hohe Druckstabilität, Dünnflüssigkeit und das hohe Wärmeaufnahmevermögen. Zudem ist es billig, überall zu bekommen und an sich umweltfreundlich.
Beim Spülen und Entlüften des Bremssystems achten wir auf eine gute Zugänglichkeit und Bedienung der Serviceports sowie den Entlüftungsvorgang an sich. Shimano XT und Sram sind hier perfekt.
Bremsbeläge
Beim Verschleißcheck gilt: Nicht nur die Beläge sollten regelmäßig überprüft werden. Die Bremskraft ergibt sich aus dem Übersetzungsverhältnis des Bremshebels zum -sattel, der Scheibengröße sowie dem Zusammenspiel von Belag und Bremsscheibe. Den Belägen kommt eine elementare Aufgabe zu: Sie sind Hauptreibpartner und damit zum Großteil für die Performance einer Bremse verantwortlich. Auf dem Markt gibt es organische, semi- oder Sintermetallbeläge. Die meisten Hersteller haben verschiedene Belagstypen im Portfolio. Aber Vorsicht: Nur bei Trickstuff verliert man bei Fremdbelagsnutzung die Garantie der Bremse nicht! Weiterhin wurde die TRP Bremse exemplarisch mit drei unterschiedlichen Belägen gefahren. Das Ergebnis: Die Bremse zeigt deutliche Unterschiede.
Damit die Bremsanlage von Anfang an ihre Leistung abruft, müssen Beläge und Scheibe aufeinander eingebremst werden.
- Auf circa 20 km/h beschleunigen, im Sattel sitzen bleiben und langsam, gleichmäßig bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
- Wichtig: Bremsungen bis zum Stillstand vermeiden!
- Nun auf 30 km/h beschleunigen und erneut bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
- Vor der ersten Ausfahrt das Bremssystem abkühlen lassen.
Praxistest
Um den Bremsen auf den Zahn zu fühlen, beinhaltet der Praxistest Abfahrten auf Teer, Schotter und Waldwegen. Die Trekkingräder wurden zusätzlich mit Packtaschen bestückt, um ein Systemgewicht von 130 kg zu erreichen. Alle anderen geben keine Gewichtsbeschränkung vor. Während des Tests wurden Hebelergonomie, Druckpunkt, Dosierbarkeit und Bremskraft überprüft. Jede Scheibenbremse wurde von mehreren Testern bewertet. Bei der Hebelergonomie wurde auf die Form und Verstellbarkeit des Bremshebels geachtet.
Beim Prüfstandtest wurden alle Scheibenbremsen auf ein Rad montiert, welches auf einem Rollenprüfstand fixiert war. Das Prüfprogramm bremste alle Bremsen ordnungsgemäß ein, bis die maximale Bremskraft anlag. Der Test basiert auf der DIN-Norm für Bremssysteme und wurde vom Prüfinstitut Velotech in Schweinfurt durchgeführt.
Bei der Bremskraft bieten Hayes und Trickstuff mit Abstand die höchste Leistung. Hier reicht ein Finger auch für starke Verzögerungen. Im Vergleich von trockenen zu nassen Bedingungen bremsen Hayes und Magura MT Sport am konstantesten. Hier ändert sich das Bremsverhalten quasi nicht. Top sind Sram, Tektro und Trickstuff, weil die Handkräfte fast annähernd gleich bleiben.
Alle Hersteller geben zwei Jahre Garantie, Magura sogar fünf Jahre auf Dichtigkeit ihres Bremssystems.
Tektro Auriga im Vergleich
Tektro sehe ich als Hersteller günstiger Bremsen in diesem Bereich bei den einfachen gleichauf mit Shimano. Im Highend-Bereich hat Shimano ganz klar die Nase vorn.
Im Web habe ich einen Test der Auriga Comp gefunden, die im Vergleich zu den anderen Kandidaten als "extrem günstig" beschrieben wird, und sehr gut abgeschnitten hat.
Viele Teile sind mit Shimano kompatibel, so auch Bremsbeläge und Leitungen mit Zubehör. Je nach dem welche Tektro verbaut ist, bremsen die auch ordentlich.
Einige Nutzer haben positive Erfahrungen mit der Tektro HD-M290 gemacht, insbesondere nach dem Wechsel von Sinter- auf Semi-Metallische Beläge, wodurch Rattern und Quietschen vermieden werden konnte.
Kompatibilität und Ersatzteile
Es gibt Diskussionen über die Kompatibilität von Shimano- und Tektro-Ersatzteilen, insbesondere Bremsbelägen. Während einige Nutzer berichten, dass viele Teile kompatibel sind, weisen andere darauf hin, dass dies nicht immer der Fall ist.
Die Beschaffung von Ersatzteilen für ältere Tektro-Bremsen kann schwierig sein. Einzelteile wie Geber- und Nehmerkolben sowie Quadringe sind oft nicht erhältlich.
Erfahrungen mit der Tektro Auriga Comp
Einige Radfahrer sind mit der Tektro Auriga Comp an ihrem Reiselastenrad unzufrieden. Hauptkritikpunkte sind ein schwammiger Druckpunkt, eine relativ niedrige Bremskraft, klappernde Bremshebel und ein Hebelweg, der sich durch Pumpen verkürzen lässt. Trotz mehrfachen Entlüftens und Austauschens der Beläge bleibt die Bremsleistung für schwere Lasten unzureichend.
Alternativen und Empfehlungen
Als Alternative werden Shimano-Bremsen wie die BR-M785 oder BR-M675-B empfohlen, die für ihren klaren Druckpunkt, ihre gute Dosierbarkeit, Standfestigkeit sowie Bremskraft und geringe Bedienkräfte bekannt sind.
Bei der Umrüstung auf Shimano-Bremsen stellt sich die Frage, ob die vorhandenen Tektro-Scheiben und -Adapter kompatibel sind. In der Regel sollten Adapter und Scheiben kompatibel sein, es wird jedoch empfohlen, dies vor dem Kauf neuer Teile zu prüfen.
ICE-Tec-Beläge
Es gibt Bedenken bezüglich der Verwendung von ICE-Tec-Scheiben an Lastenrädern, da diese unter hoher Belastung schmelzen und zu Bremsausfällen führen können. ICE-Tec-Beläge hingegen könnten eine bessere Wärmeableitung bieten, jedoch gibt es unterschiedliche Erfahrungen.
Lange Bremsleitungen
Bei der Verwendung von überlangen Bremsleitungen, insbesondere an Lastenrädern, kann es zu Problemen mit dem Druckpunkt kommen. Einige Nutzer berichten jedoch, dass sie keine signifikanten Unterschiede feststellen konnten.
Bremsleistung und Laufradgröße
Es gibt eine Diskussion darüber, wie die Laufradgröße die Bremsleistung beeinflusst. Einige argumentieren, dass kleinere Laufräder aufgrund der besseren Hebelverhältnisse eine höhere Bremskraft ermöglichen, während andere betonen, dass die Standfestigkeit der Bremse bei Lastenrädern wichtiger ist, da diese mehr Wärme abführen muss.
Bremsbeläge: Organisch vs. Sintermetall
Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, welche Art von Bremsbelägen (organisch oder Sintermetall) die beste Bremsleistung bietet. Einige Nutzer bevorzugen Sintermetallbeläge wegen ihrer höheren Bremskraft und Standfestigkeit, während andere organische Beläge als leiser und schonender für die Bremsscheibe empfinden.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Bremsscheiben für die Verwendung mit Sintermetallbelägen geeignet sind. Shimano kennzeichnet dies direkt auf der Scheibe.
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Ultimativer Flaschenhalter Motorrad Test: Die Top-Modelle im Vergleich für jede Tour!
- Radfahren nach Schambeinbruch: So gelingt die perfekte Genesung und Rückkehr aufs Bike!
Kommentar schreiben