Shimano Tiagra Bremshebel im Test: Eine detaillierte Analyse

Die aktuelle Generation der Shimano Tiagra-Gruppe findet vergleichsweise wenig Beachtung, was vor allem an der starken Konkurrenz im eigenen Haus liegt. Räder mit kompletter Ultegra- oder 105-Ausstattung sind mitunter so günstig, dass selbst scharf kalkulierende Rechner für eine darunter angesiedelte Gruppe kaum Bedarf sehen. Dabei ist die Tiagra, die seit 2007 auf dem Markt ist, durchaus einen zweiten Blick wert.

Technische Details und Eigenschaften der Shimano Tiagra

Die Oberflächenbearbeitung ist deutlich aufwendiger als bei der Vorgängerin, der Eindruck entsprechend wertig. Technisch bietet sie alle wichtigen Merkmale der teureren Gruppen: ergonomisch geformte Schaltbremshebel, leichtgängige Zweigelenk- Bremsen mit winkelverstellbaren Belägen, ein Tretlager neuester Bauart mit neben dem Gehäuse platzierten Lagern. Was der Gruppe im Vergleich vor allem fehlt, ist ein zehntes Ritzel auf der Hinterradnabe.

Langzeittest der Tiagra-Gruppe

Nachdem wir zwei Tiagra- Gruppen in Alltag und Training über insgesamt 9.500 Kilometer gefahren sind, können wir nur Gutes berichten. Von einem bei einem Sturz zerstörten Schaltwerk abgesehen, funktionierten beide Gruppen trotz minimaler Pflege und Wartung über die gesamte Zeit perfekt. Zum Bremsen brauchten wir am Ende nur geringfügig mehr Kraft als anfangs; die Schaltung funktionierte fast wie am ersten Tag, die Gänge rasteten präzise ein. Die Lager des Tretlagers liefen sauber und ohne Spiel, Ritzel und Kettenblätter zeigten keinen größeren Verschleiß.

Schwächen und Stärken der Tiagra-Komponenten

Lediglich die Tiagra-Naben, die in einem der beiden Testräder insgesamt 2.500 Kilometer absolvierten, fallen gegenüber teureren Modellen deutlich ab. Bereits im Neuzustand laufen die Kugeln im Lager rau, vor allem am Hinterrad verstärkte sich dieser Befund bis zum Testende deutlich.

Fazit zum Shimano Tiagra Bremshebel

Wenn rund 350 Gramm Mehrgewicht gegenüber der Ultegra egal sind, kann die Tiagra auch für sportlich ambitionierte Fahrer eine gute Wahl sein. Empfehlenswert außerdem für Fahrer älterer Shimano-Neunfach- Gruppen, die Ersatz für verschlissene Teile suchen.

Preis: ca. 350 Euro (ohne Naben)

PLUS: sehr gute Funktion, günstig

MINUS: einfache Naben, relativ hohes Gesamtgewicht

Alternativen und Ergänzungen zur Shimano Tiagra

Neben der Tiagra gibt es auch andere Schaltgruppen von Shimano, die für verschiedene Ansprüche und Budgets geeignet sind. Hier eine kurze Übersicht:

  • 105 R7000: Nahezu identisch zur Ultegra in Bezug auf Ergonomie und Übersetzungen.
  • Ultegra R8000: Leichtbaukomponenten und hochwertige Materialien für Gewichtsersparnis und präzisere Schaltvorgänge.
  • Dura Ace R9100: Top-Gruppe mit Carbon- und Titankomponenten, entwickelt für Rennfahrer und Enthusiasten.
  • Di2 Ultegra 8100 und Dura Ace 9200: Elektronische Schaltung mit 12 Ritzeln und verbesserter Bremsleistung.

Für den Gravel-Bereich bietet Shimano die GRX-Gruppe an, die speziell für den Einsatz auf Schotterpisten entwickelt wurde. Diese Gruppe kombiniert bewährte Rennrad- und Mountainbike-Technologien und ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich (elektronisch oder mechanisch, mit 1- oder 2-fach Kurbeln).

Van Rysel NCR CF Tiagra: Ein Beispiel für ein Allroadbike mit Tiagra-Ausstattung

Das Van Rysel NCR CF Tiagra ergänzt die Decathlon-Reihe um ein Allroadbike. Insbesondere der Preis ist verlockend - es sei denn, man will hochwertigere Komponenten nachrüsten. Das NCR, die Abkürzung steht für “Neo Carbon Racer”, nimmt im runderneuerten Sortiment die Rolle der unprätentiösen Allzweckwaffe ohne technischen Firlefanz ein und ist an Hobbysportler adressiert, die für ein Rennrad mit Carbonrahmen kein Vermögen ausgeben wollen. Fast folgerichtig ist die Testversion das günstigste Rad in diesem Vergleich.

Neben dem Preis definiert sich das Van Rysel durch eine relativ große Reifenfreiheit. Mit maximal 35 Millimeter breiten Pneus wandelt der Newcomer auf den Spuren moderner Allroadbikes und lässt die Option für Ausflüge auf Schotterpisten. Auch für den Einsatz auf der Straße würden wir einen Reifenwechsel empfehlen, da die ab Werk montierten Pneus relativ zäh rollen und den guten Federkomfort der Alu-Stütze etwas konterkarieren. Die Front ist dagegen hart abgestimmt, der Lenker zudem unergonomisch geformt.

Unser Testfahrer hatte im Unterlenkergriff Mühe, die Schaltbremshebel der Tiagra zu erreichen. Auch sitzt man in dieser Lenkerhaltung vergleichsweise gestreckt, was nicht so recht zum Allroad-Charakter des Van Rysel passt. Das Fahrverhalten liefert wenig Überraschungen und ist angenehm ausbalanciert. Die große Laufruhe ist nicht zuletzt eine Konsequenz des hohen Gesamtgewichts. Der Carbonrahmen ist der schwerste im Test, mit mehr als neun Kilogramm ist das NCR kein spritziger Leichtfuß. Für harte Sprints fehlt es außerdem an Gängen, dafür erleichtert die Sub-Kompaktkurbel mit 48 statt 50 Zähnen auf dem großen Blatt das Klettern.

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