Shimano Tiagra Schaltung: Test und Erfahrungen

Die jüngste Tiagra-Gruppe von Shimano ist zum Geheimtipp gereift. Fahrrad-Profis sind sichtlich angetan von Shimanos preisgünstiger Komponentengruppe: "Technisch bewegt sich die Tiagra auf dem Level der alten 105, optisch fast schon auf dem Niveau einer Ultegra", urteilt Frank Greifzu, Marketingleiter des bayerischen Herstellers Cube.

Unter den Begriff "Komponentengruppe" fasst man üblicherweise die technisch und optisch aufeinander abgestimmten Bremsen, Schaltung, Griffe, Kurbeln und Kettenblätter.

Technische Details und Verbesserungen der Tiagra

Seit ihrer jüngsten Generalüberholung 2015 hat die unterhalb der Gruppen Ultegra und 105 angesiedelte Tiagra einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Die Schaltzüge verlaufen nun elegant unter dem Lenkerband statt wie vormals vor dem Lenker. Die Griffgummis liegen genauso gut in den Händen wie bei Ultegra & Co.; die Kurbel greift das moderne Vierarm-Design der teureren Shimano-Gruppen auf. Und die Oberflächen glänzen heute in edlem Meteorgrau - statt wie früher in Silber.

Auch technisch und funktional ist die aktuelle Tiagra weit von ihrer Vorgängerin entfernt. Vor allem bei der Schaltleistung ist der Unterschied zu Ultegra und 105 kaum noch wahrnehmbar. Die Bedienkräfte für den vorderen Umwerfer sind durch einen längeren Hebelarm auf ein nie gekanntes Niveau gesunken; die Kette flutscht derart mühelos vom kleinen aufs große Kettenblatt und wieder zurück, dass selbst Fahrer einer zehn Jahre alten Version der Top-Gruppe Dura-Ace neidisch werden könnten. Die Felgenbremsen verfügen jetzt über reibungsmindernde Kugellager zwischen den Bremsarmen. Vor allem aus der meistgefahrenen Position, mit den Händen auf den Griffhöckern, sind die Bedienkräfte deutlich niedriger.

Shimanos neue Tiagra gibt Einsteigern und Fortgeschrittenen die Möglichkeit, eine aus dem Profibereich abgeleitete Komponentengruppe zu fahren. Geeignet ist sie für anspruchsvollen Radsport, aber auch für tägliche Pendelstrecken oder ausgiebige Wochenendtouren.

Wichtige Merkmale der Tiagra

  1. Zum ersten Mal unterstützt die Tiagra eine interne Zugführung, die dem Rennrad einen frischeren und professionelleren Look verleiht. Auch das kultige 4-Arm-Design der Kurbel, die mit den gerade im Einsteigerbereich gefragten Kettenblatt-Kombinationen 52-36 Zähnen und 50-34 Zähnen erhältlich ist, findet sich in der Gruppe.
  2. Das neue Schaltsystem ermöglicht müheloses und präzises Schalten. Gerade für unerfahrene Fahrer reduziert dies den Kraftaufwand fürs Schalten und ermöglicht so die Konzentration aufs Wesentliche. Der 10-fach Antrieb der Tiagra 4700 wird von verbesserten ergonomischen Schalt- und Bremshebeln (STI) gesteuert. Dank des schlanken und kompakten Griffs können Brems- und Schalthebel direkt aus der Bremsgriff-Position leicht erreicht werden, während der Fahrer ein angenehmes Griffgefühl genießen kann.
  3. Typische Tiagra-Fahrer legen meist viel Wert auf Antrieb und Bremsen, die zuverlässig und konsistent sind und wenig Wartung benötigen. Mit der neuen Tiagra 4700 Komponentengruppe bietet Shimano eine gute Balance zwischen Performance, einfacher Handhabung und geringem Wartungsaufwand. Das neue Schaltwerk hat ein überarbeitetes Zugspannungsverhältnis, das eine präzise und langlebige Schaltperformance verspricht, und ist darüber hinaus kompatibel mit Kassetten bis zu 34 Zähnen. Das neue Tiagra-Bremssystem garantiert mehr Kontrolle in allen Lagen.

Die neue Tiagra 4700 Komponentengruppe wird voraussichtlich im Juni 2015 in den Läden erhältlich sein.

Konkurrenz und Marktsituation

Dass die aktuelle Generation von Shimanos Tiagra-Gruppe vergleichsweise wenig beachtet wird, verdankt sie vor allem starker Konkurrenz im eigenen Haus. Räder mit kompletter Ultegra- oder 105-Ausstattung sind mitunter so günstig, dass selbst scharf kalkulierende Rechner für eine darunter angesiedelte Gruppe kaum Bedarf sehen. Dabei ist die Tiagra, die seit 2007 auf dem Markt ist, durchaus einen zweiten Blick wert. Die Oberflächenbearbeitung ist deutlich aufwendiger als bei der Vorgängerin, der Eindruck entsprechend wertig. Technisch bietet sie alle wichtigen Merkmale der teureren Gruppen: ergonomisch geformte Schaltbremshebel, leichtgängige Zweigelenk- Bremsen mit winkelverstellbaren Belägen, ein Tretlager neuester Bauart mit neben dem Gehäuse platzierten Lagern.

Was der Gruppe im Vergleich vor allem fehlt, ist ein zehntes Ritzel auf der Hinterradnabe.

Langzeittest und Alltagserfahrungen

Im Dauereinsatz schlug sich die Spar-Combo tapfer. Nachdem wir zwei Tiagra- Gruppen in Alltag und Training über insgesamt 9.500 Kilometer gefahren sind, können wir nur Gutes berichten. Von einem bei einem Sturz zerstörten Schaltwerk abgesehen, funktionierten beide Gruppen trotz minimaler Pflege und Wartung über die gesamte Zeit perfekt. Zum Bremsen brauchten wir am Ende nur geringfügig mehr Kraft als anfangs; die Schaltung funktionierte fast wie am ersten Tag, die Gänge rasteten präzise ein. Die Lager des Tretlagers liefen sauber und ohne Spiel, Ritzel und Kettenblätter zeigten keinen größeren Verschleiß.

Lediglich die Tiagra-Naben, die in einem der beiden Testräder insgesamt 2.500 Kilometer absolvierten, fallen gegenüber teureren Modellen deutlich ab. Bereits im Neuzustand laufen die Kugeln im Lager rau, vor allem am Hinterrad verstärkte sich dieser Befund bis zum Testende deutlich.

Vergleich der Shimano Rennrad-Schaltgruppen

Genau wie im Mountainbike Bereich gibt es auch bei den Rennrädern, Cyclocrossern und Gravelbikes diverse Qualitätsunterschiede zwischen den Schaltgruppen, die an den Bikes verwendet werden. Auch für Rennräder werden sehr günstige Schaltgruppen angeboten. Aufgrund des rein sportlichen Einsatzbereiches von Rennrädern empfehlen wir allerdings nicht unter einer Shimano Tiagra einzusteigen und gehen deshalb auch nicht genauer auf die Gruppen darunter ein.

Die Rangordnung der Gruppen

Der Einsteiger Bereich startet bei der Tiagra Gruppe und die hochwertigste Gruppe, Shimano Dura Ace, wird von den besten Teams der Welt bei den härtesten Rennen gefahren. Egal ob von der gemütlichen Wochenendausfahrt oder den anspruchsvollsten Einsatz, von Shimano gibt es eine passende Gruppe für jeden Bedarf. Der Name gibt also die Information über die Qualitätsstufe der Gruppe. Die Nummer hinter dem Namen indexiert die Generation der Gruppe. Beispielsweise ist die 105 R7000 die neueste Iteration der 105er und ihr Vorgänger war die R5700.

Die generellen Unterschiede zwischen den Schaltgruppen

Von Gruppe zu Gruppe werden hochwertigeren Materialien und genauere Fertigungstoleranzen verwendet. Das bedeutet, dass die hochwertigen Gruppen aufwändiger zu fertigen sind und die hochwertigen Materialien zusammen mit dem größeren Herstellungsaufwand einen höheren Preis, allerdings auch eine genauere Schaltperformance und geringeres Gewicht erzeugen. Beispielsweise wiegt eine 11-28 Zähne Kassette der Dura Ace Gruppe 193g und eine 105er Kassette mit gleicher Abstufung 284g. Dieser Gewichtsvorteil wird durch einen Carbon Ritzelträger und Titanritzel erzielt. Die 105er Kassette ist damit also knapp 50% schwerer als die Dura Ace Kassette, allerdings auch ca. 80% günstiger.

Tiagra R4700

Wie oben bereits erwähnt, ist die Tiagra Gruppe an Einsteiger gerichtet und bietet einen günstigen Preis mit guter Funktionalität, allerdings leichten Abstrichen in puncto Gangauswahl und Ergonomie. Tiagra verfügt über eine Kurbel mit zwei oder drei Kettenblättern, obwohl eine dreifach Kurbel im Rennrad Bereich recht selten anzutreffen ist, und einer 10-Fach Kassette. Seit der 4700er Serie ist die Tiagra auch mit hydraulischen Scheibenbremsen erhältlich. Die Brems-Schalthebel sind in ihrer Form sehr ähnlich zur aktuellen 105er und Ultegra. Die Felgenbremshebel unterscheiden sich hingegen stark von der Ergonomie der neuesten Hebel.

Die Auswahl an Übersetzungen der Kassette sind recht eingeschränkt im Vergleich zu den hochwertigeren Gruppen.

105 R7000

Bei jeder neuen Generation der 105er schreiben die Fachzeitschriften “die 105er ist näher an Ultegra als je zuvor” und es stimmt. Die R7000 Ist fast identisch zur Ultegra was die Ergonomie und Übersetzungen angeht. Die Brems-Schaltgriffe gibt es sogar in einer kleineren Version für Fahrer*innen mit kleinen Händen.

Wie auch die mechanischen Ultegra und Dura Ace, gibt es auch die 105er Gruppe nur noch mit zweifach Kurbeln und 11 Ritzeln an der Kassette. Die Übersetzungsbandbreite wird über die Kettenblätter (Standard 53-39, Semi-Compact 52-36 oder Compact mit 50-34 Zähnen) und die Kassette erzeugt, die es mit einer maximalen Zähnezahl von 25 bis 34 Zähnen gibt.

Ultegra R8000

Jetzt kommen zum ersten mal in der Gruppenreihenfolge Leichtbaukomponenten und besonders hochwertige Materialien zum Einsatz. Das bedeutet zum einen Gewichtsersparnis und etwas genauere Schaltvorgänge sowie ein präziseres Schaltgefühl. Sowohl die Kette als auch die Kassette bekommen eine spezielle Beschichtung, die für schnellere Schaltvorgänge sorgt. Insgesamt sorgen viele Anpassungen im Detail für ein spürbar besseres Schaltverhalten und geringeres Gewicht gegenüber der 105er Gruppe.

Dura Ace R9100

Carbon, Titan und ein unvergleichliches Finish. Die Dura Ace ist als Top Gruppe bis ins letzte Detail entwickelt und definitiv an die Rennfahrer und absoluten Enthusiasten gerichtet. Hier geht es darum, die letzten Gramm Gewichtsersparnis herauszukitzeln und weniger um eine Verbesserung der hervorragenden Schaltperformance der Ultegra.

Di2 Ultegra 8100 und Dura Ace 9200

Mit dem 12. Ritzel, neuen Schaltungstechnologien und verbesserter Bremsperformance sitzen die Ultegra und Dura Ace Di2 Gruppen an der Spitze der Rennrad Gruppen von Shimano. Das zusätzliche Ritzel an der Kassette wurde schlau integriert und sorgt für eine besonders feine Abstufung bei fast jeder Geschwindigkeit. Die Hyperglide+ Technologie aus den neuesten MTB Gruppen wurde in die neuesten Di2 Gruppen adaptiert und macht Schaltvorgänge geschmeidiger und schneller. Die größte Neuerung neben dem 12. Ritzel ist die kabellose Übertragung von Schaltbefehlen der Bremsschalthebeln.

Fazit

Wenn rund 350 Gramm Mehrgewicht gegenüber der Ultegra egal sind, kann die Tiagra auch für sportlich ambitionierte Fahrer eine gute Wahl sein. Empfehlenswert außerdem für Fahrer älterer Shimano-Neunfach- Gruppen, die Ersatz für verschlissene Teile suchen.

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