Diese Anleitung richtet sich an begabte Hobby-Mechaniker, die ihren Shimano Ultegra 6700 Umwerfer selbst einstellen möchten. Eine korrekte Einstellung des Umwerfers ist entscheidend für ein reibungsloses Schalten und somit für ein angenehmes Fahrerlebnis.
Benötigtes Werkzeug und Material
- Innensechskant-Schlüssel
- Drehmoment-Schlüssel mit Bits
- Schlitz- oder Kreuzschlitzschraubendreher
- Carbon-Montagepaste (optional)
Wichtige Tipps vorab
- Gegenkontrolle: Prüfen Sie die richtige Zugspannung, indem Sie aufs größte Kettenblatt und größte Ritzel schalten. Bei entspannter Trimmstufe (sofern vorhanden) darf der Umwerfer zur Kette einen Abstand von maximal 0,5 Millimetern haben.
- Funktionstest: Testen Sie die Schaltungseinstellung vor der Fahrt gründlich! Schalten Sie bei wechselnder Kurbeldrehzahl mehrmals schwungvoll vom großen aufs kleine Blatt, wenn hinten das größte Ritzel aufliegt. Wiederholen Sie die Prüfung mit der Kette auf dem kleinsten Ritzel.
- Probefahrt: Machen Sie nach der Einstellung eine Testfahrt abseits des Straßenverkehrs und schalten Sie nochmals alle Gänge durch.
- Kontrolle: Kontrollieren Sie die Schrauben der Zugbefestigungen und die Befestigung von Schaltwerk und Umwerfer mit einem Drehmomentschlüssel gemäß den Angaben Ihres Schaltungsherstellers nach 100 bis 300 Kilometern Fahrt, danach alle 2.000 Kilometer.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umwerfer-Einstellung
1. Position Kontrollieren
Schalten Sie aufs größte Ritzel und aufs kleinste Kettenblatt. Die Unterkante des Umwerfer-Leitblechs sollte gleichmäßig etwa zwei Millimeter über dem großen Kettenblatt verlaufen. Moderne Kettenblätter haben teils unterschiedlich geformte Zähne - die höchsten sind der Maßstab für den Abstand!
Schauen Sie von oben, vorne und hinten auf Umwerfer und Kettenblatt. Das äußere Leitblech muss parallel zu den Kettenblättern stehen. Fällt Ihnen die Einschätzung schwer, drücken Sie den Schalthebel leicht, damit das Leitblech direkt über den Zahnspitzen steht.
Ist eine dieser beiden Bedingungen nicht erfüllt, entspannen Sie den Schaltzug, indem Sie aufs kleine Kettenblatt schalten. Lösen Sie die Befestigungsschraube des Umwerfers an der Rahmenbefestigung oder an der Klemmschelle am Rahmen, indem Sie sie ein bis zwei Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn bewegen.
Justieren Sie den Umwerfer und halten Sie ihn in der richtigen Position fest. Drehen Sie die Schraube wieder gemäß Herstellerempfehlung fest (bei Sockelbefestigung meistens 5 bis 7 Newtonmeter).
Schellen an Carbonrahmen müssen Sie umsichtig festschrauben. Beginnen Sie mit 2,5 Newtonmeter und steigern Sie in Schritten von 0,5 Newtonmeter, bis die Schelle verdrehsicher sitzt.
Hält der Umwerfer bei 3,5 Newtonmeter noch nicht, tragen Sie an der Schellen-Innenseite Carbonmontagepaste auf. Kontrollieren Sie dann erneut, ob das Leitblech nun richtig ausgerichtet ist.
2. Umwerfer Einstellen
Kontrollieren Sie den Abstand des inneren Leitblechs zur Kette bei entspanntem Zug (Kette auf dem kleinen Blatt). Drehen Sie dazu die Kurbel - die Kette darf nicht streifen, der Abstand muss jedoch so klein wie möglich sein. Mehr als ein halber Millimeter Abstand kann dazu führen, dass die Kette beim Schalten abgeworfen wird. Stellen Sie den Abstand mit der innen liegenden Endanschlagschraube ein.
Diese Schraube lässt sich meist nur schwer drehen, weil der Umwerfer mit hoher Federkraft aufliegt; entlasten Sie die Schraube, indem Sie den Werferkäfig von Hand etwas nach außen schwenken. Drehen Sie die innere Schraube in Viertelumdrehungen im Uhrzeigersinn ein, bis die Stellung des Umwerfers stimmt.
Überprüfen Sie die Zugspannung: Dazu muss die Spannschraube des Umwerferschaltzuges am Unter- oder Steuerrohr ganz hineingedreht und der Schaltgriff entspannt sein (Kette auf dem kleinen Kettenblatt). Ziehen Sie den Zug probeweise vom Unterrohr weg - der Umwerfer sollte sich dann möglichst unmittelbar bewegen.
Ist dies nicht der Fall, drehen Sie die Spannschraube an der Klemmschelle eine Umdrehung heraus. Straffen Sie den Zug, indem Sie ihn festhalten, die Zugklemmschraube ein bis zwei Umdrehungen öffnen, den Zug straffziehen und wieder klemmen (Drehmoment 5 bis 7 Newtonmeter). Schalten Sie auf ein mittleres Ritzel und aufs große Kettenblatt.
Klettert die Kette nicht, ist die Zugspannung noch zu gering. Spannen Sie den Zug mit der Spannschraube an Steuerrohr oder Unterrohr um eine halbe Umdrehung entgegen den Uhrzeigersinn. Versuchen Sie erneut, auf das große Blatt zu schalten. Straffen Sie den Zug so lange, bis das problemlos klappt.
Lassen Sie die Kette auf dem großen Blatt, schalten Sie aufs kleinste Ritzel. Der Umwerfer muss möglichst eng an die Kette justiert werden, damit diese nicht nach außen abgeworfen wird. Schalten Sie aufs kleine Kettenblatt. Drehen Sie die äußere Endanschlagschraube eine Viertelumdrehung ein. Schalten Sie wieder hoch. Wiederholen Sie das so oft, bis die Einstellung stimmt.
Häufige Probleme und Lösungen
Auch nach sorgfältiger Einstellung kann es zu Problemen kommen. Hier einige Tipps zur Fehlerbehebung:
- Kette fällt in Richtung Rahmen: Überprüfen Sie den unteren Anschlag (L-Schraube) und passen Sie ihn gegebenenfalls an.
- Kette fällt nach außen: Überprüfen Sie den oberen Anschlag (H-Schraube) und passen Sie ihn gegebenenfalls an.
- Schleifgeräusche: Justieren Sie die Zugspannung oder die Position des Umwerfers leicht, um ein Schleifen der Kette am Leitblech zu verhindern.
- Schalten schwergängig: Überprüfen Sie den Zustand des Schaltzugs und der Zughülle. Ersetzen Sie diese bei Bedarf.
Zusätzliche Informationen zu Schaltwerken und Kassetten
Bei der Montage einer neuen Kassette ist es wichtig, die Kompatibilität mit dem Schaltwerk zu beachten. Vor allem muss man aufpassen, dass das Schaltwerk lang genug ist, um die Kette zu spannen. Wenn du nicht weißt, welchen Schaltkäfigtyp du hast, kannst du die “globale Länge” messen.
Die verschiedenen Schaltwerke haben auch verschiedene maximale Aufnahmemöglichkeiten für Ritzel. Diese Information beschreibt, wie groß die Kassette maximal sein kann.
Viele Fabrikanten geben an, dass ihr Schaltwerk mit einem maximalen Zahnunterschied an den Kettenblättern benutzt werden kann. Wird dieser Abstand nicht beachtet, dann kann das dazu führen, dass die Kette durchhängt, da das Schaltwerk die Spannung nicht aufrecht halten kann.
Zum Schluss muss man auf die Kapazität des Antriebs achten. Diese kannst du mit folgender Formel ausrechnen: (Maximaler Unterschied an den Kettenblättern) + (Maximaler Unterschied zwischen dem größten und kleinsten Ritzel).
Beispiele
Hier sind einige Beispiele zur maximalen Kassettengröße und Antriebskapazität verschiedener Schaltwerke:
| Schaltwerk | Kettenblatt | Maximale Kassettengröße | Maximaler Unterschied Kettenblätter | Antriebskapazität |
|---|---|---|---|---|
| Ultegra 6800 (kurzer Käfig) | 50-34 | 28 | 16 | - |
| Ultegra 6800 (langer Käfig) | 50-34 | 32 | 16 | 36 |
| Veloce 10 Speed Compact (kurzer Käfig) | 50-34 | 27 | 12 | - |
| XTR M981 GS medium | 40-28 | 36 | 12 | 37 |
| X.0 medium | 38-24 | 36 | 14 | 39 |
Hinweis: Die Antriebskapazität des XTR und X.0 Schaltwerks in den Beispielen wird überschritten. In diesem Fall muss ein Schaltwerk mit längerem Käfig verwendet werden.
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