Shimano Ultegra 6800 Kassette im Test: Erfahrungen und Perspektiven

Die Shimano Ultegra steht unter den Rennrad-Gruppen wie kaum ein anderes Produkt für die anspruchsvolle Mittelklasse. Funktional, hochwertig und zuverlässig, aber auch nicht großspurig teuer - und deshalb massenhaft gekauft. Dass auch die neue Ultegra mit Ziffernfolge 6800 ein Bestseller wird, lässt sich schon jetzt mit Sicherheit sagen.

Die Erfahrung zeigt, dass Shimano technische Innovationen fast ausnahmslos nach und nach auf die preisgünstigeren Gruppen überträgt. Die Unterschiede zwischen den Gruppen Dura-Ace und Ultegra einer Generation waren seit jeher weniger funktionaler als vielmehr optischer Natur; außerdem definieren wie so oft ein paar lächerliche Gramm den Unterschied zwischen Bodenständigkeit und Luxus.

11-fach: Fortschritt oder Sackgasse?

Mitverantwortlich dafür ist der Sprung von zehn auf elf Ritzel am Hinterrad, wodurch die Kassette knapp zwei Millimeter breiter ist und nicht mehr auf die Laufräder der Acht-, Neun- und Zehnfach-Generationen passt. Kompatibel ist die Schaltung deshalb nur mit geeignetem Freilaufkörper, Shimano erneuert im Zuge des Generationswechsels deshalb auch seine komplette Laufradpalette.

Ich hoffe dieser Unsinn wird sich nicht durchsetzen, befürchte aber schlimmes. 11fach brauch einen breiteren Freilauf glaube ich, somit ist es Essig mit der Kompatibilität von Laufrädern. Und ich wollte eigentich so langsam den ganzen Rennrad- und Cross-Fuhrpark auf Shimano 10fach vereinheitlichen.

Die Frage stellt sich, ob der zusätzliche Ritzel wirklich einen Mehrwert bietet. Der Clou liegt in den feinen Abstufungen im mittleren Kassettenbereich. Wer das nicht braucht, kann getrost darauf verzichten.

Am meisten interessieren mich diese Kassetten:

  • 12-13-14-15-16-17-18-19-21-23-25
  • 11-12-13-14-15-16-17-19-21-23-25
Die gingen sonst nur bis zum 23er. Das ist mir zu schwer. Außerdem kam ich eher in Konflikte zwischen dem 39er und 52er wechseln zu müssen.

Die folgenden Kassetten mögen zwar nicht feinere Abstufungen im mittleren Bereich bieten, ermöglichen aber länger auf dem 52er Blatt zu bleiben, da der Schräglauf geringer ist.

Abstufung und Übersetzung

Ich halte diese Abstufungen alle für Murks. Zwischen dem 13er und dem 14er ist ein viel zu großer Sprung!

Die -25 Kassetten fand ich schon immer total sinnlos. Warum nicht statt 21-23-25 21-24-27 verbauen?

Mit einem 52er Kettenblatt kann doch eh niemand ein 12er oder gar 11er Ritzel ausfahren - schon gar nicht in der norddeutschen Tiefebene.

Dein Vorschlag mit 12-27 und 18er einfügen, finde ich jedoch auch besser. Ich habe früher zwar sehr schnell gekurbelt, aber so schnell bin ich nicht mehr. Am wohlsten fühle ich mich zw. 85 und 105 Umdrehungen.

Alternativen und Kompatibilität

Untere Gruppen werden 9x und 10x bleiben. Haltbares Verschleißmaterial gibt es auf 105er Niveau selbst für 7x und 8x. Shimano hat sogar dieses Jahr eine moderne 8X Gruppe vorgestellt (Claris).

Shimano hat dafür von 8x bis 10x (über 20 Jahre?) versucht den Standard durchzuziehen, was übrigens auch vorteilhaft für die Stabilität der Hinterräder war. (Nabengeo und resultierenden Seitensteifheit)

Zu den Übersetzungen, der von dir beschriebene brandenburgische Raum ist flach. Hier im äußersten norddeutschen Raum, wo die Eiszeit tiefe Furchen hinterlassen hat, gibt es sogar Anstiege mit 15 Prozent. Zu den Geschwindigkeiten, auch schon bei weit aus weniger starkem Gefälle und Rückenwind kommen Geschwindigkeiten zwischen 60 und 80 kmh zustande.

Dauertests und Erfahrungen

RoadBIKE hat aktuelle Rennrad-Parts für Sie getestet. Die 105er-Gruppe steht traditionell im Schatten der großen Geschwister Ultegra und Dura-Ace. Wer es sich leisten kann, greift zur Ultegra - und träumt von der Dura-Ace.

Im Wesentlichen unterscheidet sich die 105 von den Top-Gruppen durch das verbaute Material: Leichtbau findet sich eher an den teuren Gruppen, statt Alu kommt häufiger mal Stahl zum Einsatz.

Ein paar Probleme verursachten Schmutz und Nässe, unterm Strich fiel die Bilanz aber durchaus positiv aus. So sieht man der Gruppe zwar an, was sie geleistet hat, und zum Ende des Dauertests war ein Komplettservice fällig.

Nach sorgfältiger Reinigung und mit ein paar Ersatzteilen im Wert von rund 50 Euro würde sie fast wieder in altem Glanz erstrahlen. Langlebig zeigten sich auch andere typische Verschleißteile, etwa die Züge.

Gerade Letzteres beschleunigte den Abrieb der Beläge, die im Testzeitraum zweimal gewechselt werden mussten. Das erste Mal bereits nach rund 4000 Kilometern. Grund: Der nasse Winter 2011.

Sram Red im Vergleich

Keine Gruppe ist derzeit leichter - damit setzt die Red ein erstes Ausrufezeichen. Und weckt Begehrlichkeiten, gerade bei Grammfeilschern. Aber: Gewicht ist nicht alles, gerade bei teuren Spitzengruppen darf man Top-Funktion bei geringem Verschleiß erwarten.

Am besten gefiel Testfahrer Jens Vögele die Ergonomie: Auch bei Dauereinsätzen(etwa beim Mallorca-312-Marathon) überzeugten ihn die Brems-/ Schalthebel in Form und Funktion.

Besonders Kettenblattwechsel gehen unglaublich leicht und schnell von der Hand. Die für eine mechanische Schaltung überragende Funktion geht aufs Konto des komplett neu entwickelten Umwerfers mit „Yaw“-Technologie, einem der technischen Highlights der Red: Der Umwerfer bewegt sich nicht parallel zu den Kettenblättern, sondern beschreibt eine leichte Kreisbahn - eine ebenso simple wie geniale Idee.

Haltbarkeit, wie man sie von einer Top-Gruppe erwarten darf - und die Red enttäuschte nicht. So liefert der amerikanische Hersteller auch in der Saison 2013 starke Argumente für mechanisches Schalten: Funktional überzeugte die Red voll, beim Gewicht sowieso - klasse Arbeit, Sram!

Shimano Dura-Ace 9000

Die damals noch brandneuen Teile überzeugten mit perfekter Performance, und bei praktisch jeder Komponente war ein Fortschritt zur Vorgängerversion erkennbar. Im Neuzustand noch keine überwältigende Leistung, aber wie sieht es nach ein paar tausend Testkilometern aus?

Zwischen November und März sammelte die Gruppe ihre ersten 3500 Kilometer - die allermeisten davon bei Regen und auf Straßen, die mit derart viel Salz bestreut waren, dass das Spritzwasser auch aus dem Toten Meer hätte stammen können. Härter geht es nicht.

Bei zwei Teilen ist die Zeit reif für einen Austausch: Bremsbeläge und Kette. Die Shimano-Gummis hielten rund 2500 Kilometer durch, was, angesichts der vielen Regenfahrten, eine beachtliche Leistung darstellt.

Schmutz und Salzwasser konnten dem Alu offenbar nichts anhaben, die Kurbel strahlte, frisch gereinigt, wieder wie am ersten Tag. Das Dura-Ace-Innenlager hielt den Wassermassen der vergangenen Monate vorbildlich stand und läuft absolut geschmeidig. So soll es sein!

Ultegra im Detail

Foto: Jan Greune Starkes Team: Kurbel und Umwerfer harmonieren hervorragend miteinander, die Einstellung ist allerdings anspruchsvoll.

Die Lagerung der Ultegra-Kurbel behält den Hollowtech-II-Standard mit 24-Millimeter-Stahlwelle bei. Für die wachsende Zahl von Rahmen mit Vorbereitung für Press-Fit-Lager (86 Millimeter Gehäusebreite) bietet Shimano ein eigenes Lager an. Klassische BSA-Gewindelager bleiben auch für die neue Generation weiterhin erhältlich. Bei der Montage in Rahmen mit BB30- oder BB386-evo-Gehäuse muss man mit Adaptern arbeiten.

Auf dem Rad offenbaren sich die wahren Stärken der neuen Ultegra - etwa 500 Kilometer sind wir mit der Gruppe durch die Südtiroler Berge gefahren, zusätzlich zum üblichen Labortest. Die neuen STI-Hebel sind schlanker und handlicher geworden, ein ergonomischer Fortschritt zu den vielfach kritisierten, dicken Griffkörpern der 6700.

Die neuen Züge tragen viel zur Leichtgängigkeit von Schaltung und Bremsen bei und sind ein Tuning-Tipp für ältere Schaltgruppen. Beeindruckend perfekt arbeitet der Umwerfer auf den neuen Kettenblättern.

Die Haltbarkeit des neuen Elffach-Antriebes dürfte nach unserer Einschätzung keine Enttäuschungen bergen. Das Material der beteiligten Zahnräder ist messbar hart, die Breite von Ritzeln und Kettenblättern - und damit die Größe der Flächen für die Kraftübertragung - bleibt gleich.

Tipp für versierte Selbstschrauber: unter si.shimano.com gibt es die Händler-Bedienungsanleitungen für alle modernen Gruppen zum Download.

Foto: Jan Greune Mit jetzt elf Ritzeln am Hinterrad nimmt die Ultegra den Kampf gegen SRAM Force und Campagnolo Athena auf.

Die klassische 53-39 Kombination ist auf Rennen ausgelegt. Die 52-36 wurde auf sportliche Fahrer zugeschnitten und die kompakte 50-34 für den Tourenmarkt. Die 46-36-Ausführung steht für Cyclo-Cross bereit.

Dank des geänderten Designs, ist das Schalten nun leichter und der Hebelweg deutlich kürzer als beim Vorgänger. Außerdem sorgt der Carbonbremshebel für optimale Kraftübertragung.

Fazit

Die Ultegra zeigt erneut, dass hervorragende Funktion nicht ausschließlich den teuren Top-Gruppen vorbehalten ist. Wer auf Prestige gut verzichten kann, wird mit der Gruppe glücklich.

Die Shimano Ultegra-Gruppe ist 11-fach! Wir sprechen von effizienterem Schalten, verkürzten Hebelwegen, neue Dual-Pivot Bremsen mit 10% mehr Bremskraft als der Vorgänger, 11-fach kompatibel und handgemachten Laufrädern.

Komponente Eigenschaften
Kurbelsatz FC-6800, verschiedene Kombinationen (53-39, 52-36, 50-34, 46-36), Sil-Tec Technologie
Schalthebel ST-6800 Dual-Control Hebel, schlanke Form, Carbonbremshebel
Umwerfer FD-6800, leichter, kompakter, schnelleres Schalten
Bremsen Direkte Aufhängungsmöglichkeiten, reduzierte Verwindung, R55C4 Bremsbeläge
Laufradset WH-6800, handgemacht, steif, optimale Kraftübertragung

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0