Die Shimano Ultegra Di2 soll den Luxus einer elektrischen Schaltung bezahlbar machen. Doch bietet sie die gleichen Qualitäten wie die Dura-Ace Di2?
Einleitung
Mit der Neuvorstellung der Rennradschaltungen Dura-Ace und Ultegra im Sommer 2021 befeuerte Shimano auch Spekulationen: Denn die beiden Top-Komponentengruppen des Marktführers schalten seither ausschließlich elektronisch mit der Energie eines Akkus. Zumindest fürs Rennrad lässt sich diese Frage spätestens mit der neuen Shimano 105 Di2-Gruppe, die im Juli 2022 präsentiert wurde, wohl mit “Ja” beantworten. Denn auch die günstigere Gruppe des japanischen Komponentenriesen setzt beim Gangwechsel auf Schalter und Stellmotoren statt Hebel und Handkraft. Eine mechanische Variante auf gleicher Basis, wie es sie bei den vorangegangenen Generationen der elektronischen Di2-Gruppen noch gab, wird auch für die 105 nicht mehr angeboten.
Shimano stellt damit, nach dem Wechsel zur Scheibenbremse, innerhalb kurzer Zeit eine weitere Weiche zum tiefgreifenden Umbau des Rennrades. Dass das Rennrad künftig abhängig von elektrischer Energie ist und die Funktion der Komponenten weniger transparent, ist für viele noch das kleinere Übel. Die Preisentwicklung dagegen dürfte vielen potenziellen Kunden Bauchschmerzen bereiten, denn die elektronischen Schaltungen sind deutlich teurer als die mechanischen.
Andererseits kann die eigentliche Intention von Shimano, nämlich die fortschrittliche Shimano Di2-Technologie auch für weniger solvente Zielgruppen erschwinglich zu machen, durchaus ein Erfolgsmodell werden. So bietet die Shimano 105 Di2 die wichtigsten Schlüsseltechnologien der Profi-Gruppen: zwölf Ritzel am Hinterrad, elektrisches Schalten, Einstellung und weitere Funktionen per Smartphone-App und eine Signalübertragung via Funk.
Vorteile der Shimano Ultegra Di2
Präzision und Geschwindigkeit
Mit ihrer Geschwindigkeit und Präzision ist die Di2 der mechanischen Konkurrenz überlegen. Die Kette wechselt auf Knopfdruck deutlich schneller und, vor allem, präziser den Gang. Ein Stellmotor sorgt dafür, dass die Kette oder das Getriebe immer exakt in Position läuft - Nachjustieren ist nicht nötig. Selbst unter hoher Last, etwa beim Bergauffahren oder Sprinten, bleiben die Schaltvorgänge sauber und schnell.
Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist die automatische Nachtrimmfunktion: Der Umwerfer stimmt sich selbstständig mit dem Schaltwerk ab. Lästiges Schleifen am Leitblech gehört damit der Vergangenheit an.
Shimano gibt an, dass sich mit Hyperglide+ die Laufruhe und Schalt-Effizienz und vor allem die Schaltzeiten bei Di2 noch einmal merklich verbessern würde. Das sowieso schon schnelle Di2 Schalten wirkt einfach nochmal um einen Ticken präziser und schneller. Im Vergleich zum Vorgänger sind die Schaltzeiten nun ca.
Komfort und Ergonomie
Ein großer Pluspunkt ist der hohe Schaltkomfort. Schon ein leichtes Antippen reicht, um den Gang zu wechseln - ganz ohne Kraftaufwand. Das ist besonders angenehm bei langen Touren, Anstiegen oder wenn die Hände ermüdet sind. Mit kalten Fingern fällt der Gangwechsel wesentlich leichter, denn die Di2-Knöpfe sind einfacher zu bedienen, da kaum Kraft aufgewendet werden muss.
Erstmals dürften die Hebel zu allen Händen passen. Weil zwischen Bremshebel und Lenkerbogen mehr Luft ist, umgreifen auch große Hände die Griffkörper bequem in Bremsgriffhaltung; gleichzeitig sind die Hebel angenehm schlank und erlauben selbst Fahrerinnen und Fahrern mit kurzen Fingern guten Halt. Die Griffmulden sind lang und bequem, die Höcker bieten eine vollwertige Griffposition weiter vorn. Ein klarer Fortschritt, vor allem gegenüber den SRAM-Gruppen, deren Griffe im Vergleich etwas klobig und kantig wirken. Dazu sind die Schaltknöpfe der 105 klar zu unterscheiden und geben ein angenehmes Feedback.
Optik und Design
Auch die Optik profitiert: Sichtbare Schaltzüge entfallen, Kabel verlaufen intern oder entfallen komplett bei kabellosen Systemen wie SRAM AXS. Das Design der 105-Komponenten orientiert sich wie üblich an den teureren Gruppen, anders als bisher muten die Oberflächen aber nicht wie Sparvarianten an. Im Gegenteil: Die fein gebürsteten, graphitgrau eloxierten Flächen der Aluminiumteile wirken sogar wertiger als das matte Schwarz der Shimano Ultegra, vor allem bei der markanten Kurbel fällt das auf.
Individuelle Anpassung
Denn per E-tube lassen sich die Tasten an den Schalt-/Bremshebeln nach Belieben umprogrammieren. Die Schaltung lässt sich beispielsweise so einstellen, dass Umwerfer/Schaltwerk wahlweise mit der rechten oder linken Hand bedient werden können. Auch welche der beiden Tasten an einem Hebel jeweils hoch-/runterschaltet, lässt sich frei wählen. Sinnvoll kann diese Option etwa für Sportler mit einer Behinderung sein.
Nachteile der Shimano Ultegra Di2
Preis
Die Preisentwicklung dürfte vielen potenziellen Kunden Bauchschmerzen bereiten, denn die elektronischen Schaltungen sind deutlich teurer als die mechanischen. Elektronische Systeme sind in der Anschaffung teurer als mechanische Varianten und meist auch etwas schwerer.
Abhängigkeit vom Akku
Sie sind zudem vom Akku abhängig - dieser muss regelmäßig geladen werden. Der Fakt bleibt bestehen: Wenn ich die Akkus nicht lade, stehe ich irgendwann mal mit einer Schaltung am Berg, die sich nicht mehr schalten lässt.
Kompatibilität
Wichtig: Die beiden elektronischen Gruppen sind nicht miteinander kompatibel! Der Dura-Ace-Di2-Umwerfer lässt sich also beispielsweise nicht mit eimem Ultegra-Di2-Schaltwerk kombinieren.
Geräuschentwicklung
Auf unseren ausgiebigen Testfahrten fällt schon am ersten Anstieg das merkwürdige Umwerfergeräusch auf, das deutlich lauter und schriller klingt als bei den teureren Gruppen, die zuletzt sehr viel leiser wurden als ihre Vorgänger.
Eingeschränkte Konfigurationsmöglichkeiten
Die Konfigurationsmöglichkeiten bei der neuen 105 sind radikal gestrafft: So gibt es nur noch ein Schaltwerk, das alle Übersetzungen bedient. Das macht die Sache deutlich übersichtlicher. Es gibt mit 50/34 und 52/36 noch zwei Kurbeloptionen sowie zwei Kassetten mit den Abstufungen 11-34 und 11-36.
Nachteil: Die versteckten Knöpfe auf den Griffhöckern, die man bei Dura-Ace und Ultegra mit beliebigen Funktionen von Schaltbefehlen bis hin zur Bedienung des Radcomputers belegen kann, fehlen der 105.
Vergleich mit anderen Schaltungen
Shimano 105 Di2
Die bislang günstigste Elektroschaltung, die Sram Rival eTap AXS Rennrad-Schaltung, bekommt einen starken Konkurrenten: Im Vergleich hat die Shimano 105 Di2 in den meisten Disziplinen die Nase vorn.
SRAM Rival eTap AXS
Gegenüber der Rival eTap AXS von SRAM punktet Shimano auch hier: Weil die Signale in der Di2-Umgebung schneller verarbeitet werden, reagiert das Schaltwerk gefühlt verzögerungsfrei auf den Knopfdruck. SRAMs Übertragungsprotokoll benötigt einen Sekundenbruchteil Bedenkzeit.
Und die Rival eTap AXS von SRAM muss mit gut 150 Gramm Mehrgewicht im Vergleich zur neuen 105 einen weiteren Punktabzug im Duell der günstigen Elektroschaltungen hinnehmen.
Mechanische Schaltungen
Schaltvorgänge sind bei mechanischen Systemen meist etwas schwergängiger und weniger präzise als bei elektronischen Varianten. Zudem verschleißen Schaltzüge mit der Zeit, was regelmäßige Wartung erfordert.
Ein großer Pluspunkt ist das Gewicht: Ohne Akku, Motor oder zusätzliche Kabel ist eine mechanische Schaltung in der Regel leichter als ein elektronisches System. Auch preislich liegt die mechanische Variante meist deutlich unterhalb elektronischer Lösungen - sowohl bei der Anschaffung als auch bei Ersatzteilen und Reparaturen. Dank des einfachen, gut verständlichen Aufbaus können Defekte schnell behoben werden, oft sogar unterwegs.
Gewichtsvergleich
Beim Wiegen der Komponenten wartet die nächste Überraschung: Der Unterschied zur Shimano Ultegra Di2 ist erstaunlich gering. Weniger als 200 Gramm liegen zwischen unseren Testgruppen, das ist weniger Abstand als bei bisherigen Generationen. Zum Vergleich: Die Dura-Ace ist gut 300 Gramm leichter als die Ultegra.
Die Gewichte der Shimano 105 Di2 im Vergleich zur Shimano Ultegra Di2 und der SRAM Rival eTap AXS.
| Komponente | Gewicht (g) |
|---|---|
| Shimano 105 Di2 | - |
| Shimano Ultegra Di2 | - |
| SRAM Rival eTap AXS | - |
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