Shimano Ultegra Laufradsatz Felgenbremse Test: Leicht, Schnell und Bezahlbar

Auch im Jahr 2024 gibt es gute Gründe für ein Rennrad mit Felgenbremse, denn Felgenbrems-Renner sind leichter und kosten weniger als vergleichbar ausgestattete Disc-Modelle. Die Technologie ist auch für Laien durchschaubar, Beläge, Züge und Zughüllen lassen sich einfach selbst pflegen, warten oder tauschen. Je nach Anwendungsfall kann eine Felgenbremse durchaus die richtige Wahl sein.

Stevens und Storck zeigen, dass man als Rennradhersteller auch 2024 preislich und technisch attraktive Carbon-Modelle mit Felgenbremsen anbieten kann - neben innovativen Disc-Rennern. Beide Anbieter betonten zudem, dass sie auch künftig Felgenbrems-Rennräder anbieten wollen, sofern die Nachfrage weiterhin anhält und notwendige Anbauteile verfügbar bleiben. Der Roadbike-Labor- und Praxistest zeigt: Das Stevens Izoard und Storcks Aernario machen wenig falsch, dafür viel richtig.

Testmodelle im Detail

Stevens Izoard

Das Stevens Izoard mit Carbon-Rahmen ist neben dem Aspin aus Alu-Rohren eines von zwei Felgenbrems-Rennrädern, das Stevens 2024 anbietet. Dass der 7,6 Kilogramm leichte Aufbau dennoch für faire 3100 Euro zu haben ist, klingt da umso erfreulicher. Ohne Sonderwünsche gibt’s das felgengebremste Izoard ab 2399 Euro, mit Shimanos 105-Gruppe gar für 1999 Euro.

In der Praxis zaubert das leichte Izoard schon nach wenigen Kurbelumdrehungen ein fettes Grinsen ins Gesicht: Mit spritzigem Antritt geht es nach vorn, die Lenkung ist sehr agil, zugleich aber nie nervös, die Sitzposition zeigt sich ausgewogen. Sprich: durchaus sportlich-gestreckt, aber nicht zu extrem. Ein kleines Manko ist der ordentliche, aber nicht überbordende Komfort am Heck, wie auch der Roadbike-Prüfstand bescheinigt.

Die Bremse ruckelte anfangs etwas, verrichtete aber bald zuverlässig ihren Dienst auf der schicken schwarzen Keramikbremsflanke, die ihre Farbe übrigens nach Roadbike-Erfahrung dauerhaft behält. Stevens bietet das Izoard mit identischer Geometrie auch mit Discs an - ebenfalls im Konfigurator.

  • Das gefällt: Preis/Leistung beim Izoard? Stimmt definitiv! Auch Handling und Sitzgeometrie dürften für viele anschlussfähig sein.
  • Das weniger: Der Dämpfungskomfort am Heck geht in Ordnung, als Sänfte dürfte das Izoard aber kaum jemand bezeichnen.
  • Das perfekte Rad für: alle, die einen ebenso leichten wie bezahlbaren Untersatz suchen, der vom täglichen Training über Rennen bis hin zu Radmarathoneinsätzen für jeden Spaß zu haben ist.

Storck Aernario.2 Comp

Das Aernario.2 Comp geht nach vorn wie von der Tarantel gestochen. Interessant ist die Kombination aus agilem Handling und etwas aufrechter Sitzposition: Steile Lenk- und Sitzwinkel, kurze Kettenstreben und ein kurzer Radstand bewirken, dass sich das Rad ausgesprochen agil, fast schon quirlig fährt. Dennoch gestaltet sich die Haltung auf dem Rad durch die montierten Spacer durchaus rückenschonend. Nur wer ein Rad mit stark ausgeprägter Laufruhe sucht, schaut sich besser nach einer Alternative um.

Die sehr leichten DT Swiss-Laufräder mit Carbon-Felgen tragen maßgeblich zur auffälligen Fahrdynamik bei, beim Bremsen pfeifen die Beläge laut auf der Carbon-Flanke, verzögern aber vehement, ja bissig. Etwas ungewohnt fühlen sich mittlerweile die nur 25 Millimeter messenden Reifen an - die Bremskörper bieten bei Bedarf Platz für maximal 28 mm breite Pneus. Sehr gut gefiel der Sattel von Selle San Marco.

Storck bietet das Felgenbrems-Aernario als Rahmen-Set in zwei Carbon-Qualitätsstufen an, darüber hinaus sind - sofern die Zulieferer die benötigten Komponenten garantieren können - Kompletträder mit Shimanos mechanischer Ultegra 11-fach sowie Shimanos Ultegra Di2 12-fach erhältlich.

  • Das perfekte Rad für: alle, die Leichtbau und Fahrspaß zum vergleichsweise fairen Kurs suchen. Und für alle, die gegen eine etwas aufrechtere Haltung auf dem Rad nichts einzuwenden haben.

Industrievertreter über die Zukunft der Felgenbremse

Wie sieht die Zukunft der Felgenbremse aus? Wir haben Industrievertreter zu diesem Thema befragt.

  1. Michael Wild, Leitung Marketing & PR bei Paul Lange (Shimano):

    „Allein ein Blick auf neue Rennräder zeigt: Die Felgenbremse ist ein Auslaufmodell, neu entwickelt wird hier Stand heute nichts. Die aktuellen Dura-Ace und Ultegra-12-fach-Gruppen gibt es aber noch für Felgenbremsen, die neuen 105- und GRX-Generationen sind Disc-only. Auch die zukünftige Nachfrage nach Felgenbrems-Teilen wird Shimano mit hochwertigen Produkten bedienen, wenn auch nicht für alle Gruppen. Wer heute ein Felgenbrems-Rennrad mit Shimano-Komponenten besitzt oder neu kauft, kann noch viele Jahre auf die Verfügbarkeit von Ersatzteilen bauen.“

  2. Alvise Rizzi, Europe Road Communication Sram:

    „Alle derzeit von SRAM angebotenen Felgenbrems-Komponenten werden noch produziert und sind verfügbar. Ersatzteile werden im Rahmen unserer Gewährleistung mindestens für die kommenden fünf Jahre verfügbar sein, Verschleißteile wie Beläge, Züge und Hüllen noch deutlich länger. Wir haben keine Deadline, ab wann wir möglicherweise aus der Produktion von Felgenbremsen aussteigen, sehen aber eine stetig sinkende Nachfrage seitens unserer Kunden - sowohl bei Erstausstattung als auch bei Nachrüstung. Zu Neuentwicklungen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“

  3. Ralf Eggert, Road Marketing Manager DT Swiss:

    „Radhersteller ordern für ihre Rennräder immer seltener Felgenbrems-Laufräder bei uns, die Endverbrauchernachfrage ist hingegen immer noch da. DT Swiss produziert nach wie vor viele Felgenbrems-Produkte in verschiedenen Preiskategorien. Neu entwickelt wird weniger als früher, wir haben aber zum Beispiel 2021 bei Carbon- und 2023 bei Alu-Felgenbrems-Laufrädern die Felgen, Speichen, Naben und Freilaufsysteme auf den neuesten technischen Stand gebracht.“

Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz im Test

Jonas hat den Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz auf seinem Specialized Tarmac im Trainingslager auf Mallorca getestet. Seine Fahreindrücke sind wie folgt:

Mit dem Ultegra C36-Laufradsatz folgt Fahrradgigant Shimano dem bewährten Trickle-Down-Prinzip: Produktinnovationen der teureren Dura-Ace-Geschwister zum günstigeren Ultegra-Preis. Der Laufradsatz ist ein leichter, aerodynamisch-optimierter Allrounder für Rennräder.

Eckdaten zum Laufradsatz:

  • Leistungsstarker Allrounder
  • Gewicht: 1.488 g (Satz, VR 12x100 + HR 12x142, Herstellerangabe)
  • Tubeless-kompatibel für Elf- und Zwölffach-Antriebe
  • 21 mm breite (Maulweite) Carbonfelge: Empfohlene Reifendimension 25-622 bis 32-622
  • 36 mm Felgenhöhe, aerodynamisches Profil
  • E-Thru-Steckachse
  • jeweils 24 Straightpull-Speichen, Hinterrad mit 2:1-Einspeichung für gleichmäßigere Speichenspannung
  • für Scheibenbremsen mit Center-Lock-Aufnahme

Highlight Features:

  • Dank 36 mm Felgenhöhe bleibt der C36 auch bei dem windigen Wetter auf Mallorca stabil und berechenbar.
  • Die E-Thru-Steckachsen ermöglichen einen einfachen und schnellen Ein- und Ausbau der Laufräder.
  • Beim Hinterrad setzt Shimano auf 2:1-Einspeichung für eine gleichmäßige Speichenspannung.
  • Im Gegensatz zu den Dura-Ace Laufrädern sind die Ultegra Laufräder 11- und 12-fach kompatibel.

Fahreindruck:

Wie viele Shimano-Produkte, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, sind auch die Ultegra C36 Laufräder auffällig unauffällig. Und das meine ich uneingeschränkt positiv! Gute Produkte erlauben mir, mich aufs Fahren zu konzentrieren und nicht über die Technik nachzudenken. So auch hier. Mit 36 Millimetern Felgenhöhe durchaus im moderaten Aero-Bereich unterwegs, fährt sich der Laufradsatz bei Seitenwind absolut stabil und berechenbar.

Die 30 Millimeter breiten Grand Prix 5000 S Tubeless Ready Reifen von Continental konnte ich am Hinterrad mit nur 3,5 bar Druck fahren. Durch die breite Felge sitzt der Reifen auch bei geringem Druck sicher auf dem Laufrad. Die Steifigkeit der Ultegra-Variante steht dem Highend-Laufrad in nichts nach. Mit 84 Kilogramm Körpergewicht ist das ein wichtiger Faktor für einen Allround-Laufradsatz, der mit unter 1.500 Gramm Gewicht immer noch leicht, wenn auch nicht ultraleicht ist.

Fazit:

Die gedichteten Konuslager laufen absolut geschmeidig und sind handelsüblichen Industrielagern in Sachen Belastbarkeit sogar überlegen, weil sie auftretende Querkräfte besser gleichmäßig verteilen. Der Laufradsatz ist beeindruckend stabil und auch an der Windkante sehr gutmütig. Dank E-Thru-Steckachse geht der Ein- und Ausbau am Rennrad schnell und einfach von der Hand. Das Gewicht ist fair, der Preis auch. Das ist Shimano at its best.

Aero-Laufräder im Test

Hohe Carbonfelgen sind so was wie die Segel des Rennrads. Sie können sogar Seitenwind in Vortrieb umwandeln und sind erste Wahl, wenn es um maximales Tempo in flachem bis welligem Gelände geht. Wer im Wettkampf weitere wertvolle Sekunden herausholen will, kommt an Aero-Laufrädern mit hohen Felgen nicht vorbei. Außerdem verändern sie mächtig die Optik des Renners - selbst ein unauffälliger Rahmen wird, derart bereift, zum Hingucker.

Auffällig ist, dass die Felgen im Vergleich zu ihren Vorgängermodellen nochmals breiter geworden sind. Außen messen die Felgenringe nun bis zu 33 Millimeter, die Felgeninnenweiten sind bis auf knapp 24 Millimeter gewachsen (Zipp). Passende Reifen sollten mindestens 25 Millimeter breit sein, aber auch 28 oder 30 Millimeter breite Pneus finden super Anschluss auf diesen Felgen.

Was bedeutet die wachsende Felgenbreite nun für den Luftwiderstand des Laufrads? Müsste dieser nicht zunehmen, weil sich die Stirnfläche des Laufrades vergrößert? Das Ergebnis: Trotz breiterer Felgen messen wir für die neuen Räder einen Tick weniger Luftwiderstand. Ganz vorne landet DT Swiss mit dem Modell ARC 1100 Dicut 62, aber die Spitze ist so dicht beisammen, dass Shimano und Bontrager im Rahmen der Messgenauigkeit gleichauf liegen. Vision und Zipp folgen mit einem guten Watt Abstand und Campagnolo, das „langsamste“ Rad im Test, liegt zwei Watt hinter DT Swiss.

Testergebnisse im Überblick

Hier eine Übersicht der getesteten Aero-Rennrad-Laufräder:

Modell Preis pro Satz Breite x Höhe / Innenbreite Speichen (vorne/hinten) tubeless-tauglich / Freilauf Lieferumfang Gewichtslimit / Garantie* Fazit
Bontrager Aeolus RSL 62 2.498 Euro 33 x 62 / 23 Millimeter Messerspeichen, ungekröpft 24/24 ja / Shimano, SRAM XDR Tubeless- u. normales Felgenband, TL-Ventil keine Angabe / lebenslang; CR (Crash Replacement) Sehr gute Aerodynamik. Die breite Felge mit großem Innenmaß schafft einen guten Kompromiss aus Tempo und Handling - beste Abstimmung im Testfeld. Für die Felgenhöhe vergleichsweise leicht.
Campagnolo WTO Ultra 60 3.149 Euro 26,5 x 60 / 21 Millimeter Messerspeichen, ungekröpft 24/24 ja / Campagnolo, Shimano, SRAM XDR Tubeless-Ventile, Nippelspanner, Taschen 120 kg Systemgewicht Schnell, aber nicht so stabil im Seitenwind wie die breiteren Wettbewerber - das drückt die Note. Viele sehenswerte und gute Details: Carbon-Nabenkörper, einstellbare Keramik-Hybridlager, geschlossener Felgenboden.
DT Swiss ARC 1100 Dicut DB 62 2.389 Euro 30 x 62 / 20 Millimeter Messerspeichen, ungekröpft 24/24 ja / Shimano, SRAM XDR TL-Felgenband, TL-Ventile, Taschen, 2 Freiläufe 110 kg Systemgewicht / lebenslang; CR (Crash Replacement) Sehr schnell, mit bauchigem Profil und moderater Innenweite. Innen liegende Nippel für verminderten Rotations-Luftwiderstand. Mittlere Seitenwindstabilität, relativ schwere Felgen, Keramik-Hybrid-Lager. Mattes Finish.
Shimano Dura-Ace C60 1.999 Euro 28 x 60 / 21 Millimeter Messerspeichen, ungekröpft 24/24 ja / Shimano TL-Felgenband, TL-Ventile keine Angabe Sehr schnell und mit mittlerer Seitenwindstabilität. Typisch für Shimano sind die einstellbaren Konuslagerungen. Gute Steifigkeit, schnörkellos. Mattes Finish. Günstigster Laufradsatz im Test.
Vision Metron 60 2.058 Euro 33 x 60 / 21 Millimeter Messerspeichen, ungekröpft 24/24 ja / Shimano, SRAM XDR TL-Felgenband, TL-Ventile, Laufradtasche keine Angabe / lebenslang; CR (Crash Replacement) Bauchig breite Felge, aber normales Innenmaß von 21 Millimetern. Schnell, aber nicht so spurstabil im Wind wie die Klassenbesten. Steifigkeitswerte und Gewicht sind mittelmäßig, das drückt die Note etwas.
ZIPP 454 NSW 3.599 Euro 28 x 55 / 23,6 Millimeter Messerspeichen 24/24 ja / Shimano, SRAM XDR, Campagnolo TL-Felgenband, TL-Ventile 115 kg Fahrer / lebenslang; CR (Crash Replacement) Sehr leichtes Set mit großer Innenbreite und hakenloser Felge, limitiert auf 5 Bar Druck - sinnvoll ab 28-Millimeter-Reifen. Sehr gute Aerodynamik, mittlere Seitenwindstabilität. Teuer.

In der Gesamtwertung setzt sich Bontrager in diesem Test mit sehr gut abgestimmter Aerodynamik knapp durch und holt sich den Testsieg in der 60-Millimeter-Klasse.

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