Shimano Ultegra Laufradsatz Test: Ein umfassender Überblick

Lange hat man darauf gewartet - nun wurden sie vorgestellt: Die neuen Versionen der beiden Top-Gruppen des japanischen Herstellers Shimano Dura-Ace und Ultegra. Mit dem Ultegra C36-Laufradsatz folgt Fahrradgigant Shimano dem bewährten Trickle-Down-Prinzip: Produktinnovationen der teureren Dura-Ace-Geschwister zum günstigeren Ultegra-Preis. In diesem Artikel werden wir den Shimano Ultegra Laufradsatz genauer unter die Lupe nehmen und seine Vor- und Nachteile beleuchten.

Neuerungen und Technologien

Die wichtigsten Neuerungen: Die Gruppen werden künftig ausschließlich als elektronische Di2-Versionen angeboten. Die neue Top-Gruppe Dura-Ace R9200 wird demnach künftig als Semi-Wireless-Schaltung mit einem Zwölffach-Antrieb angeboten. Das „kleinste“ Ritzel umfasst nach wie vor elf Zähne. Shimano setzt den „zusätzlichen“ Gang an den „Sweet Spot“ im mittleren Teil der Kassette. Dies soll kleinere Gangsprünge in diesem häufig genutzten Gang-Bereich ermöglichen.

Die Schaltung funktioniert nun ohne Kabel, diese können jedoch weiter verbaut werden. Der Grund: Eine erhöhte Sicherheit, falls das Wireless-System ausfallen sollte. Die neue Top-Gruppe soll zudem schneller schalten als das Vorgängermodell. Das Schaltwerk reagiert dem Hersteller zufolge um 58 Prozent, die Umwerfer um 45 Prozent schneller. Für die Funktion der Di2-Technik ist das Schaltwerk entscheidend: Es fungiert als Akkuladestation, als Bluetooth- und ANT+-Empfänger und -Sender sowie als Verbindungsstelle - etwa zur Justage der Gänge.

Das Schaltwerk empfängt die Daten für den Schaltvorgang und leitet sie an den Umwerfer weiter. Im Schaltwerk befindet sich zudem der Ladeanschluss. Dafür ist ein neuer Stecker erforderlich, der zusätzlich die neue Powermeter-Kurbel aufladen kann. Die alten Anschlüsse des Vorgängermodells sind leider nicht mehr mit jenen des neuen kompatibel. Die Wireless-Funktion wird über einen shimano-eigenen Chip geleitet. Die Energieversorgung wird durch einen Stab-Akku im Sitzrohr oder in der Sattelstütze gewährleistet.

Dabei unterscheidet sich die Wireless-Funktion von jener der Konkurrenz. Bei den Modellen des US-Herstellers Sram, der seit einigen Jahren vorrrangig auf kabellose elektronische Gruppen setzt, ist der Akku je direkt am Schaltwerk und Umwerfer angebracht. Eine Akkuladung hält laut Shimano für rund 1000 Kilometer. Neben der Elektronik und der Funktionsweise wurden auch die Kontaktpunkte und die Optik der Gruppen grundlegend überarbeitet. Die Griffhörnchen wurden leicht erhöht und sollen somit ergonomischer sein und mehr Griff-Positionen ermöglichen als zuvor. Für eine Aero-Position an den Knäufen wurden diese etwas nach innen gestellt.

Die Schalttasten sind nun sichtlich - und spürbar - anders positioniert. Damit soll klarer und intuitiver spürbar sein, welche der beiden Schalttasten gerade betätigt wird. Die neuen Scheibenbremsen sollen eine höhere Bremspower als jene der Vorgängergruppen ermöglichen. Shimano bedient sich dafür der ServoWave-Technologie. Diese ist bislang nur für die Mountainbike- sowie die GRX-Gravel-Gruppen verwendet worden. Mit dem ersten Anteil des Bremshebel-Weges bewegt man die Bremsbeläge weit in die Richtung der Bremsscheiben. Danach ändert sich das Verhältnis vom Hebelweg zum Weg: Dadurch kann der Abstand der Beläge um zehn Prozent vergrößert werden, was jegliches Scheiben-Schleifen verhindern soll.

Die neue Ultegra R8100 wird künftig ebenfalls ausschließlich alselektronische Di2-Version angeboten. Die Neuerungen und Technologien der neuen Dura-Ace kommen so auch bei der Ultegra vor. Die Schaltgeschwindigkeit soll bei beiden Gruppen gleich hoch sein. Haupt-Unterschiede zwischen der Ultegra- und der Dura-Ace-Gruppe: Die Bremshebel der Ultegra bestehen aus Aluminium statt aus Carbon - und die Kassette aus Stahl statt aus Titan. Serienmäßig wird es an Ultegra-Gruppen nur 52/36- und 50/34-Kettenblätter geben. Die Umwerfer sind jedoch für Blätter mit bis zu 55 Zähnen kompatibel. ...die Ultegra wird mit 52/36- und 50/34-Blättern angeboten.

Neben der neuen Gruppe stellt Shimano drei neuentwickelte Dura-Ace-Laufradsätze vor: die Modelle C36, C50 und C60. Die Laufräder werden für Tubeless- und Tubetypesysteme angeboten sowie für Disc- und Felgenbremsen, in letzterer Variante allerdings nur in Verbindung mit Schlauchreifen. Das C36 ist das Leichtgewichtsmodell mit 36 Millimetern Felgenhöhe. Das C50 ist das Allroundlaufrad. Es soll ein geringes Gewicht mit guten Aerodynamikwerten kombinieren. Laut Shimano schneiden die C50-Laufräder im Windkanal um ein Watt „besser“ ab als die „alten“ Aero-Topmodelle C60. Der neue Direct-Engagement-Freilaufmechanismus soll zu einer deutlich erhöhten Antriebssteifigkeit führen. Bei diesem ersetzen zwei gegenüberliegende Verzahnungen die bisherige Sperrklinken-Konstruktion.

Sie verfügen, im Unterschied zu den Dura-Ace-Modellen, noch über Sperrklinken. Sie sind zudem etwas schwerer als die Top-Version: Die Tubeless-Variante der C36-Ultegra-Laufräder soll, laut Shimano, 1488 Gramm wiegen. Beide Gruppen werden günstiger - die Dura Ace sogar signifikant. Die Gründe: Es werden weniger Teile verbaut und benötigt - weniger Kabel und Züge, keine Verbindungsstücke, generell weniger Technik. Ein finaler konkreter Gruppenpreis stand zum Redaktionsschluss dieses Magazins jedoch noch nicht fest. Das Gesamtgewicht der neuen Dura-Ace-Gruppe beträgt als Version ohne integrierten Powermeter laut Shimano 2438 Gramm - rund 35 Gramm mehr als jenes der Vorgänger-Variante. Die Powermeter-Einheit ist rund 58 Gramm schwer. Die neue Ultegra- Gruppe ist mit einem Gesamtgewicht von 2716 Gramm um rund elf Gramm schwerer als die Vorgänger-Version R800.

Der Shimano Ultegra C36 Laufradsatz im Detail

Jonas hat den Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz auf seinem Specialized Tarmac im Trainingslager auf Mallorca getestet. Seine Fahreindrücke. Bedeutet das faule Kompromisse? Ich habe dem neuen Laufradsatz mit meinem Specialized Tarmac ausgiebig auf den Zahn gefühlt.Eins vorneweg: Mein Fahrstil ist „Turbodiesel“ - viel Punch und Langstreckentauglichkeit mit einer gewissen Anlaufzeit also. Deshalb müssen für mich Aero-Laufradsätze leicht sein. Sonst macht es in den Bergen einfach keinen Spaß.

Und genau dort habe ich die Ultegra C36 Laufräder getestet: im Trainingslager auf Mallorca. Neun Tage, 1.100 Kilometer, keine Probleme oder Defekte, aber viele gute Eindrücke. „C“ steht übrigens für „Carbon“, „36“ für die Felgenhöhe in Millimeter. Kudos, Shimano, für die klare Nomenklatur. Der Shimano Ultegra C36-Laufradsatz ist ein leichter, aerodynamisch-optimierter Allrounder für Rennräder. Jonas, Category Manager bei bc, hat den Laufradsatz im Trainingslager auf Mallorca ausgiebig getestet. Er schildert seine Fahreindrücke und gibt einen Überblick über die Features des C36.

Eckdaten zum Laufradsatz:

  • Leistungsstarker Allrounder
  • Gewicht: 1.488 g (Satz, VR 12x100 + HR 12x142, Herstellerangabe)
  • Tubeless-kompatibel für Elf- und Zwölffach-Antriebe
  • 21 mm breite (Maulweite) Carbonfelge: Empfohlene Reifendimension 25-622 bis 32-622
  • 36 mm Felgenhöhe, aerodynamisches Profil
  • E-Thru-Steckachse
  • Jeweils 24 Straightpull-Speichen, Hinterrad mit 2:1-Einspeichung für gleichmäßigere Speichenspannung
  • Für Scheibenbremsen mit Center-Lock-Aufnahme

Highlight Features:

Dank 36 mm Felgenhöhe bleibt der C36 auch bei dem windigen Wetter auf Mallorca stabil und berechenbar. Die E-Thru-Steckachsen ermöglichen einen einfachen und schnellen Ein- und Ausbau der Laufräder. Beim Hinterrad setzt Shimano auf 2:1-Einspeichung für eine gleichmäßige Speichenspannung. Weiteres Plus: Im Gegensatz zu den Dura-Ace Laufrädern sind die Ultegra Laufräder 11- und 12-fach kompatibel.

Fahreindrücke und Performance

Moderater Aero-Laufradsatz: „Auffällig unauffällig“ im Wind

Wie viele Shimano-Produkte, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, sind auch die Ultegra C36 Laufräder auffällig unauffällig. Und das meine ich uneingeschränkt positiv! Gute Produkte erlauben mir, mich aufs Fahren zu konzentrieren und nicht über die Technik nachzudenken. So auch hier. Mit 36 Millimetern Felgenhöhe durchaus im moderaten Aero-Bereich unterwegs, fährt sich der Laufradsatz bei Seitenwind absolut stabil und berechenbar. Und windige Tage gab es zwischen Mittelmeer und Massanella einige.

Breite Tubeless-Reifen am Rennrad: ein Augenöffner

Ich muss gestehen, ich war bisher ein „typischer“ Rennradfahrer. Viel Druck hilft viel, so meine Philosophie - und außerdem schützt es vor Pannen. Die Ultegra C36 bin ich das erste Mal überhaupt konsequent schlauchlos gefahren und bin restlos geläutert. Die 30 Millimeter breiten Grand Prix 5000 S Tubeless Ready Reifen von Continental konnte ich am Hinterrad mit nur 3,5 bar Druck fahren. Die Klappergasse MA12 zwischen Felantix und Manacor hat mich endgültig überzeugt. Und trotz (bzw. wegen) des geringen Drucks rollt das einfach. Der zusätzliche Komfort fühlt sich am Anfang fast komisch an, so ungewohnt ist es, nicht mehr jeden Schlag im Rückenmark zu spüren. Man wähnt sich deshalb zunächst vielleicht langsam, ist aber schnell! Wenn ich jetzt noch anfange vom Grip der Rad-Reifen-Kombination auch auf rutschigen mallorquinischen Straßen im Frühjahr zu schwärmen … ganz ernsthaft: Das ist schon toll! Durch die breite Felge sitzt der Reifen auch bei geringem Druck sicher auf dem Laufrad.

„Viel Druck hilft viel“ war gestern. Dank dem Tubelesssystem des C36 kann der Reifendruck deutlich reduziert werden. Die 3,5 bar Reifendruck rollen hervorragend und erhöhen den Komfort auf holprigen Straßen.

Steifer Laufradsatz und dabei leicht genug

Zur Produktpräsentation hatte ich bereits die Gelegenheit, die große Dura-Ace-Schwester zu fahren und ich kann sagen, dass die Steifigkeit der Ultegra-Variante dem Highend-Laufrad in nichts nachsteht. Mit 84 Kilogramm Körpergewicht ist das ein wichtiger Faktor für einen Allround-Laufradsatz, der mit unter 1.500 Gramm Gewicht immer noch leicht, wenn auch nicht ultraleicht ist. Die Ultegra C36 sind damit auch leicht genug für das Intervalltraining auf mallorquinischen Serpentinen. Hier konnte ich das Rad gut beschleunigen. Lediglich in Sachen Agilität war gerade in Kombination mit den breiten, stabilen und pannensicheren Reifen noch etwas Luft. Klar, als Rennradfahrer wünsche ich mir immer weniger Gewicht bei gleicher Steifigkeit und Robustheit. Aber dafür gibts dann ja die Dura-Ace-Laufräder mit ihren 1.350 Gramm!

Vergleich mit anderen Laufradsätzen

Es gibt eine Vielzahl von Carbon-Laufradsätzen auf dem Markt, die unter der magischen Grenze von 1500 Gramm pro Set bleiben und weniger als 1500 Euro kosten. Der Vergleich zeigt: Die Unterschiede sind größer als erwartet. Und: Junge Laufradmarken setzen die etablierten unter Druck - nicht nur in Sachen Preis/Leistung.

Bewegung im Laufradradmarkt: Mit Aerycs, Leeze, Newmen und Winspace unterbieten gleich vier junge Anbieter im Test die 1500-Gramm-Grenze deutlich - zu attraktiven Konditionen. Fulcrum, Mavic und Shimano halten mit Prestige, verzweigtem Händlernetz und - teilweise - nachhaltiger Produktion in Europa dagegen. Dass die Modelle der großen Anbieter im Handel oft günstiger zu haben sind, als es die unverbindliche Preisempfehlung vermuten lässt, relativiert den Preisvorteil der Herausforderer. Große Unterschiede gibt’s dagegen bei den Punkten Garantie, Crash Replacement und Lieferumfang. Klar ist: Wettbewerb belebt das Geschäft - gut für potenzielle Kunden. Der ROADBIKE-Test hilft bei der Entscheidung.

Hier eine kurze Übersicht einiger getesteter Laufradsätze:

  • Aerycs Aero WT 30: Leichter Laufradsatz mit guter Fahrdynamik und präziser Lenkung. Bietet ein attraktives Gesamtpaket mit drei Jahren Garantie und einem Crash-Replacement-Angebot.
  • Fulcrum Wind 42: Sportlich-agiler Laufradsatz mit hoher Seitensteifigkeit und Fahrstabilität. Wird in der EU hergestellt und bietet eine gute Performance.
  • Leeze CC 38 Basic R: Leichter, schneller und fahrstabiler Laufradsatz mit einem fairen Preis. Bietet ein lebenslanges Crash Replacement.
  • Mavic Cosmic SL 32: Fahrstabiler und komfortabler Laufradsatz mit lebenslanger Garantie. Die Beschleunigung wird jedoch als träge empfunden.
  • Newmen Streem Climbing: Sehr leichter Laufradsatz mit beeindruckender Spurtreue bergab. Bietet großzügigen Lieferumfang, drei Jahre Garantie und ein lebenslanges Crash Replacement.
  • Shimano Ultegra WH-RS8170 C36: Ausgewogener, laufruhiger und grundsolider Laufradsatz mit guter Kraftübertragung und angenehmem Dämpfungskomfort.
  • Winspace Lún Grapid: Leichter Gravel-Laufradsatz mit sportlich-agilem Handling. Reagiert jedoch sensibel auf böigen Seitenwind.

Fazit

Shimanos Laufräder sind stressfrei und haltbar - diesen guten Ruf haben sie sich über Jahre verdient. Der Laufradsatz ist beeindruckend stabil und auch an der Windkante sehr gutmütig. Dank E-Thru-Steckachse geht der Ein- und Ausbau am Rennrad schnell und einfach von der Hand. Das Gewicht ist fair, der Preis auch. Das ist Shimano at its best.

Der Ultegra C36 ist nicht der leichteste oder der schnellste Laufradsatz auf der Welt, aber eine leichte und schnelle „fit and forget“-Lösung für Menschen, die viele Kilometer fahren und in Zukunft eine Sorge weniger haben: dass das Laufrad irgendwelche Probleme machen könnte.

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