Shimano Ultegra Leistungsmesser im Test: Ein umfassender Überblick

Powermeter sind heutzutage ein unverzichtbares Werkzeug für Radfahrer, die ihr Training optimieren und ihre Leistung verbessern möchten. Sie zeichnen Leistungsdaten auf, die dann zur Leistungsdiagnostik und zum Verstehen der eigenen Performance genutzt werden können. Das kann sich positiv auf den Trainingsfortschritt auswirken. Verschiedene Messsysteme konkurrieren auf dem Markt, wobei die wichtigste Frage stets lautet: Sind die Daten zuverlässig?

Leistungsmessung im Radsport: Ein Überblick

Powermeter tracken, wie stark man tritt. “Meinen besten Trainingspartner” nannte Greg LeMond einmal sein Powermeter. Der Amerikaner war ein wahrer Pionier, einer der ersten Radprofis, die die mobilen Leistungsmessgeräte von Uli Schoberer (SRM) einsetzten - das war 1992.

Über Generationen von Geräten wurden all die Probleme bearbeitet und gelöst, die die mobile Leistungsmessung anfangs so schwierig machten - der Einfluss der Umgebungstemperatur wurde eliminiert, die Rückwirkung verschiedener Kettenblätter auf die Kalibrierung beseitigt, die Messung ungleichmäßiger Tritte ermöglicht (ovale Kettenblätter), und auch unter Offroad-Bedingungen funktioniert die Technik heute mit erstaunlicher Präzision.

Sogar Leistungsmess-Pedale liefern heute sehr zuverlässige Daten, obwohl die Technik dazu extrem miniaturisiert ­werden musste.

Test verschiedener Powermeter-Systeme

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf verschiedene Powermeter, darunter den beidseitigen Wattmesser Stages Power LR, und vergleichen sie mit dem Shimano Dura-Ace Powermeter.

Wir haben 4 Powermeter getestet:

  • SRM Origin
  • Sram Red AXS
  • Shimano Dura-Ace 9200
  • Sram Rival DUB Wide

SRM Origin

Die neunte Generation von Powermeter-Pionier SRM ist modular aufgebaut: Der Mess-Spider kann mit Tretlagerwellen in 29 mm (SRAM DUB) oder 30 mm kombiniert werden. Verschiedene Blätter stehen auch zur Wahl. So lassen sich (mit Innenlagertausch für Shimano) alle gängigen Schaltgruppen abdecken - auch SRAM-AXS-kompatible Blätter sind erhältlich. Unser Testmuster hat sehr leichte Cybrei-­Carbonkurbeln (160-175 mm) und Alu-Blätter. Damit liegt das Systemgewicht bei sehr guten 652 Gramm.

Im Kreuzvergleich mit Favero-Pedalen zeigt das SRM-Powermeter aufs Watt identische Werte vom lockeren Tritt bis zum Fahren am Anschlag. Erstmals verzichtet SRM auf den Ma­gne­ten zur Erfassung der Trittfrequenz. Damit sind nun auch Eierblätter mit SRM korrekt auswertbar, zudem ist die Montage einfacher geworden. Geladen wird der interne Akku per Magnetstecker.

In Sachen Konnektivität ist das Powermeter wählerisch, es mochte sich unter unseren Testgeräten ausschließlich mit dem SRM-Computer PC8 verbinden, soll laut Hersteller aber mit allen ANT+ und BT-Computern kompatibel sein.

Preis: 2299 Euro (mit Kurbeln)
Gewicht: 652 Gramm
Kurbellänge: 170 mm
Kettenblatt: 52/36
Vorteile: leicht, genau, modular
Nachteile: Konnektivität

Sram Red AXS

577 Gramm für die Leistungsmesskurbel der Red-Gruppe sind konkurrenzlos leicht. Der Preis für die Grammfuchserei: Die Messtechnik ist fest im Doppelkettenblatt verbaut. So spart Sram Schrauben und Schnittstellen. Der konsequente Leichtbau kann aber teuer werden. Ist eines der Blätter verschlissen, kommt die ganze Einheit in die Tonne. Wer sich daran stört, findet in der Force-AXS-Kurbel eine Alternative, da lassen sich Spider und Kettenblätter trennen. Der Strom stammt aus einer Knopfzelle.

Im Test zeigt das Powermeter rund 4 bis 5 Prozent höhere Werte als zwei zum Abgleich eingesetzte Favero-Pedal-Paare. Wir können daher mit guter Sicherheit sagen, dass das Red-Powermeter dezent übertreibt. Sram gibt +/-1,5 Prozent Genauigkeit an. Davon abgesehen ist die Datenqualität gut.

Preis: 1375 Euro (mit Kurbeln)
Gewicht: 577 Gramm
Kurbellänge: 172,5 mm
Kettenblatt: 48/35
Vorteile: extrem leicht
Nachteile: Genauigkeit außerhalb der Spezifikation, einteiliges “Wegwerf“-Powermeter

Shimano Dura-Ace 9200

Shi­mano bietet seine Top-Gruppe Dura-Ace wahlweise mit Kurbelpowermeter an. Im Prinzip gut: Die Kurbeln sind wichtiger Teil der Designsprache und sichern mit den zugehörigen Blättern herausragenden Schaltkomfort.

Jedoch: Shimano betreibt zwar viel Aufwand, um die Verformung der Kurbeln mittels 24 nachträglich applizierter Dehnmessstreifen zu ermitteln, trotzdem ist das rohe Messsignal fehlerhaft, besonders das kleine Blatt zeigt zu hohe Werte - um die 13 Watt Offset in unseren Fahrten. Erst durch Paaren mit der Schaltung, wodurch das Powermeter weiß, wann das kleine Blatt im Einsatz ist, lassen sich die Werte hinbiegen. Nach der Korrektur halbiert sich die Abweichung auf beiden Blättern, die Dura-Ace zeigt nun weniger Leistung als das Referenzgerät. Auch die Signalfilterung ist ausbaufähig. Es kommt vereinzelt zu Aussetzern. Der Ma­gnet zur Erfassung der Trittfrequenz ist auch nicht mehr zeitgemäß, damit lässt sich der Tritt nicht sehr fein auflösen. Temperaturstabil ist die Messung hingegen.

Preis: 1449 Euro
Gewicht: 738 Gramm
Kurbellänge: 172,5 mm
Kettenblatt: 52/36
Vorteile: unsichtbare Integration, sehr gute Schaltfunktion
Nachteile: nur mit Software-Tricks brauchbare Werte

Sram Rival DUB Wide

Eine der günstigsten Möglichkeiten, ein Powermeter nachzurüsten, ist die Messung nur auf einer Seite. Sram bietet dazu linke Kurbeln mit Welle an, die Leistungsmessung steckt unsichtbar in der Aluminium-Welle. Die Stromversorgung übernimmt eine AAA-Lithium-­Batterie, die 400 Stunden halten soll und vom Nutzer zu tauschen ist.

Im Test zeigt sich das Rival-Powermeter tadellos. Dass es zu Messabweichungen von im Schnitt 13 Watt kommt, liegt an der einseitigen Messung. Im Prinzip misst die Kurbel präzise, was wir mit einbeinigem Treten bestätigen konnten. Die linke Rival-Kurbel zum Nachrüsten ist in Längen von 160 bis 175 Millimeter erhältlich, Marktpreise liegen bei 220 Euro. Für den kompletten Kurbelsatz verlangt Sram 380 Euro. Das einbeinige Upgrade ist auch für die Force-­Gruppe erhältlich (für Einblatt- und Zweifach-Antriebe kompatibel, 367 Euro).

Preis: 274 Euro
Gewicht: 359 Gramm, linker Kurbelarm mit Welle
Vorteile: misst linkes Bein präzise, lange Batterielaufzeit
Nachteile: einseitige Messung

Stages Power LR im Detail

Stages Power liefert mit dem LR Dura-Ace R9100-Powermeter ein zeitgemäßes System zur Wattmessung, das mit seiner blitzschnellen Installation, dem minimalen Mehrgewicht und der benutzerfreundlichen Handhabung punktet. Mit dem LR Power System hat sich Stages fest im Bereich der beidseitigen Leistungsmessung etabliert. Präzision, Stabilität der Verbindung und Preis ergeben ein stimmiges Gesamtpaket in der Praxis auf dem Rennrad.

Der Wechsel von der Standard-Kurbel ohne Powermeter auf den Stages Ultegra LR Powermeter geht supersimpel und maximal unkompliziert von der Hand. Kurbelarm auf der Nicht-Antriebsseite runter, Kurbel mit Kettenblättern und Welle auf der Antriebsseite rausziehen, die Stages/Shimano-Kombi reinschieben, gegenüberliegenden Kurbelarm festschrauben, kalibrieren, fertig!

Kompatibel ist der Powermeter mit sämtlichen 11-fach Antrieben aus dem Hause Shimano. Dabei stehen drei Kurbellängen (170 mm, 172,5 mm und 175 mm) sowie drei Kettenblatt-Kombinationen (34-50, 36-52 und 39-53) zur Auswahl. Die Stromversorgung der Messeinheiten übernehmen handelsübliche Knopfzellen. Die halten zwar nur rund 100 Stunden lang, allerdings sind sie extrem schnell ausgetauscht.

Für Wartung und Updates stellt Stages seine kostenlose Stages Cycling App für Android und iPhone zur Verfügung. Die Verbindung zwischen Smartphone und Leistungsmesser erfolgt per Bluetooth.

Laut Hersteller reicht eine Batterie für bis zu 175 Stunden. Ansonsten ist der Tausch der CR2032 Batterie* aber kein großes Problem. Hat immer problemlos geklappt.

Nachdem der Sensor montiert und gekoppelt ist, musst du ihn kalibrieren. Das ist ganz einfach. Wichtig ist nur, dass der linke Kurbelarm senkrecht nach unten steht. Mehr dazu im Stages Powermeter Handbuch. So eine Kalibrierung solltest du ab und zu wiederholen. Sicher ist es aber nicht vor jeder Fahrt notwendig.

Im Testzeitraum gab es aber keines. Somit konnte ich das nicht testen.

Stages Power LR vs. Shimano Dura-Ace

In einem Video wird der Stages Power LR Powermeter auf Shimano 12-fach Antrieb dem Original Shimano Dura-Ace Powermeter in der 12-fach Variante gegenübergestellt. Dabei zeigt sich, dass die Präzision des Stages Leistungsmessers besser ist als beim Original Shimano Powermeter.

Wie genau ist genau?

Wir waren daher sehr gespannt, das Dura-Ace-Powermeter zu untersuchen, und haben dazu ein serienmäßig in einem Canyon Aeroad verbautes Powermeter unter die Lupe genommen, nachdem eine Testanfrage bei Shimano unbeantwortet blieb. Elektronik bietet im Unterschied zur Mechanik jederzeit die Möglichkeit, per Firmware-Update sogar im Nachhinein noch an Geräten zu arbeiten. Das hat Shimano getan. Konnten die Japaner damit die Schwachpunkte ihres Powermeters ausmerzen?

Nach unserer Erkenntnis nicht ganz. Die Leistungsanzeige ändert sich abhängig davon, ob die Kette auf dem kleinen oder großen Blatt gefahren wird. Auf dem kleinen Blatt zeigt das System deutlich zu viel Leistung an. Shimanos Lösung: Dem Powermeter sagen, wo die Kette gerade ist, und die Werte entsprechend korrigieren. Dazu wird das Powermeter via App mit der Schaltung verbunden. Das erinnert an die Schummel-Software der Autobranche. Aber im Mittel sind die angezeigten Werte nach dieser Korrektur tatsächlich besser, was allerdings zulasten der Darstellung der richtigen Links-Rechts-Verteilung geht, die sich durch die Manipulation umdreht. Wirklich überzeugen kann dieses Vorgehen daher nicht.

Ein anderes, neues Powermeter, das mit Abweichungen enttäuscht, welche die angegebene Messgenauigkeit übersteigen, ist das der SRAM Red AXS. In der Vergangenheit waren SRAM-Quarq-Powermeter immer eine sichere Bank. Aber das SRAM Red im Test zeigt durchweg zu viel Leistung an - unabhängig vom gefahrenen Blatt. Vier bis fünf Prozent Abweichung sind untypisch viel: 315 statt 300 Watt, das ist schon ein substanzieller Unterschied; spezifiziert ist das Gerät mit +/- 1,5 Prozent.

Fazit

Die Wahl des richtigen Powermeters hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Budget, Präzisionsanforderungen und Kompatibilität mit dem vorhandenen Equipment. Während einige Systeme durch hohe Genauigkeit und vielseitige Konfigurationsmöglichkeiten überzeugen, bieten andere eine kostengünstige Möglichkeit, in die Welt der Leistungsmessung einzusteigen. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen zu berücksichtigen, um die optimale Wahl zu treffen.

Tabelle: Vergleich der getesteten Powermeter

Powermeter Preis (ca.) Gewicht Vorteile Nachteile
SRM Origin 2299 € 652 g Leicht, genau, modular Konnektivität
Sram Red AXS 1375 € 577 g Extrem leicht Genauigkeit, "Wegwerf"-Design
Shimano Dura-Ace 9200 1449 € 738 g Integration, Schaltfunktion Software-Tricks nötig
Sram Rival DUB Wide 274 € 359 g Präzise (linke Seite), Batterielaufzeit Einseitige Messung

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