Sind Sie oft im Regen gefahren oder haben aus Zeitmangel die Wartung des Rades vernachlässigt, dann sind vielleicht die Bowdenzüge der Schaltung nicht mehr richtig gangbar. Die Gänge lassen sich nicht mehr schnell einlegen, die Kette rattert nach dem Schaltvorgang oder der Schalthebel hat Spiel? Dann wird's nicht nur Zeit, die Schaltung mal zu warten, da dürfen auch neue Schaltzüge eingezogen werden, um die optimale Funktion wieder herzustellen.
Schalt- und Bremszüge werden in der Technik nach ihrem Erfinder Ernest Monnington Bowden auch Bowdenzüge genannt. Daher die Ansage: „Alter Zug raus, Zugführung auf Beschädigungen überprüfen, Teflonseele gegebenenfalls mit Wasser und Stahlseelen mit Silikonspray oder Brunox spülen und einen neuen Zug einziehen!“ - PUNKT !!!
Werkzeug & Material
Für den Wechsel des Schaltzugs benötigen Sie folgendes Werkzeug und Material:
- Zughüllenschneider (Cable Cutter)
- Inbussatz
- Klebeband
- Teflonspray
- Schaltzugset
- Liner (für innenverlegte Züge)
- Zugendhülsen
- Endkappen
Vorbereitung
Vor der Demontage die Bowdenzüge entlasten heißt, dass man vorne auf das kleinste Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel schaltet. Die Einstellschrauben sollten nicht komplett heraus- oder hineingeschraubt werden, sondern ganz rein und nach zwei- bis drei Umdrehungen wieder heraus.
Schaltzug wechseln: Tipps für außen verlegte Züge
- Allgemeines vorweg: Vom Lenker aus gibt es mehrere Möglichkeiten, die Züge zu führen. Optisch ansprechend, da in gleichmäßigen Bögen, laufen die Zughüllen von der Vorderseite des Lenkers auf die jeweils gegenüberliegende Seite am Rahmen (Bild).
- Der Bogen jeder Zughülle vom Lenker bis zum Anschlag am Rahmen sollte so lang sein, dass maximales Einschlagen des Lenkers gerade noch möglich ist. So laufen die Züge in harmonischen, nicht zu langen Bögen zum Zuganschlag.
- Die Zughülle zum Schaltwerk darf nicht in einem zu engem Bogen geführt werden, um die Reibung möglichst gering zu halten. Ergo sollte die Länge der Zughülle so abgelängt werden, dass der Radius den geringsten Reibwiderstand bietet und an der Rahmen- sowie an der Schaltwerksaufnahme ca. zwei Zentimeter senkrecht herausragt, bevor die Zughülle einen Bogen macht. Im Zweifel lieber länger lassen!
- Die Schrauben zum Justieren der Zugspannung (sog. Zugeinsteller) lassen sich bei außen verlegten Zügen am vorderen Zuganschlag einfach anbringen. Montiere diese praktischen Teile zwischen Zughülle und Anschlag, so kannst du später auch während der Fahrt die Zugspannung nachstellen, wenn die Schaltung mal rattern sollte.
- Ob die beiden Schaltzüge am Unterrohr kreuzen oder nicht, ist eine "Glaubensfrage". Wenn die Zughüllen vom Lenker bis zum Zuganschlag auf der jeweils gegenüberliegenden Seite am Rahmen führen, kannst du die Züge kreuzen, damit der Bogen sanfter läuft. So sind sie auch besser am Unterrohr geführt und man bleibt weniger schnell daran hängen.
- Die Zugführung unter dem Tretlager sollte immer sauber sein - vergiss dieses versteckte Teil nicht, wenn du deinen Renner reinigst. Kontrolliere es auch auf Kanten oder Beschädigungen, und gebe nach jeder Reinigung etwas Teflon-Spray auf die Führung, damit die Züge hier möglichst leicht laufen.
- Sogenannte Donuts, kleine gelochte Gummistücke zum Auffädeln auf die Züge, verhindern nerviges Klappern am Rahmen und schützen diesen gleichzeitig ein wenig vor Scheuerstellen.
Schaltzug wechseln: Tipps für innen verlegte Züge
- Das Verlegen der Schaltzüge im Rahmen bei integrierter Zugverlegung ist meist etwas tricky und erfordert Geduld. Bevor du loslegst, überlege die Schritte genau.
- Bevor du die alten Züge herausziehst, schiebe passend abgelängte Innenhüllen, sog. Liner, auf jeden Zug, der durch den Rahmen geführt wird. Diese Montagehilfen, die das Verlegen neuer Züge spürbar erleichtern, sind im Fachhandel erhältlich. Fädel jeweils vom Ende des Zuges, also ab Schaltwerk/Umwerfer, eine Hülle ein, bis sie unter dem Tretlager wieder aus dem Rahmen kommt. Von dort ziehst du einen weiteren Liner bis zu den oberen Zuganschlägen am Steuer-/Oberrohr ein. Fixiere die Liner mit Klebeband und ziehen nun die alten Züge heraus.
- Zuganschläge im Rahmen sind häufig ein Grund für schlechte Funktion der Schaltung. Kontrolliere regelmäßig, ob jede Zugendhülse satt in der Rahmenaufnahme sitzt und ob die Zughülle darin festen Halt findet.
- Zugeinsteller lassen sich bei innen verlegten Zügen einfach nachrüsten: Setze die praktischen Teile in der Zughülle zwischen Lenker und vorderem Zuganschlag ein - an einer auch während der Fahrt gut erreichbare Stelle. Dazu trenne einfach die Zughülle und setze das wenige Zentimeter kurze Teil ein - idealerweise für Umwerfer. An den Schaltwerken befindet sich ein Zugeinsteller immer an der Schaltzugaufnahme. Hier kannst du dir den Zugeinsteller am Lenker sparen und damit auch Gewicht.
- Hüllen (Liner) erleichtert nicht nur das Verlegen von Zügen im Rahmeninnern, es senkt auch den Reibwiderstand des Schaltzuges an Knicken und Rundungen am Tretlager. In einem neuen Rahmen mit interner Zugführung sollten diese Liner als Montagehilfe bereits stecken. Fädel die Züge ganz durch diese dünnen Hüllen, bis sie hinten wieder aus dem Rahmen und der Zughülle austreten, ziehe anschließend die Liner nach hinten aus dem Rahmen. Unbedingt für den nächsten Zugwechsel aufheben!
- Die Zugführung unter dem Tretlager liegt bei innen verlegten Zügen mal offen, mal unter einem Deckel. Hier sammelt sich gern Schmutz und kann die Schaltfunktion spürbar beeinträchtigen. Reinige diese sensible Stelle daher regelmäßig mit Wasser und geben danach etwas Teflon-Spray auf die gesamte Führung, um die Zugreibung zu verringern.
- Nun fädelst du die neuen Züge in die Liner ein: vom oberen Zuganschlag zur Montageöffnung im Tretlager, dann weiter zum Schaltwerk. Ist der neue Zug durchgefädelt, kannst du die Liner - die dir als Montagehilfe dienten - wieder entfernen.
- Klappern Züge im Rahmen, gibt es leider keine Patentlösung. Die bereits erwähnten "Donuts" können helfen, lassen sich aber nur schwer einfädeln. Liner mit einigen daran befestigten Kabelbindern (oder mit Styropor) ummantelt sind eine wirksame Lösung - sie lassen sich durch die Montageöffnung unter dem Tretlager einfädeln.
- Scheuernde Zughüllen sind bei innen verlegten Zügen häufig ein Problem, da die Zuganschläge sehr nah am Rahmen liegen. Schütze den Rahmen an potenziellen Scheuerstellen mit durchsichtiger, selbstklebender Folie - die man in verschiedenen Größen, Farben und Formen im Fachhandel erhält.
Gedichtet oder ungedichtet Zughüllenendhülsen - welche ist die richtige?
Gedichtete Zugendhülse schützen die Zughüllen gut vor eindringendem Wasser und Schmutz, sie sind daher ein heißer Tipp für Vielfahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind. Allerdings erhöhen sie die Zugreibung etwas und sind deutlich teurer als die ungedichteten. Wer meist bei Trockenheit fährt, kann also bedenkenlos ungedichtete Endkappen verwenden.
Die offiziellen Vorgaben der Hersteller sind hier übrigens uneinheitlich: Campagnolo verwendet von Haus aus nur gedichtete Zugendkappen, Shimano empfiehlt ungedichtete Modelle, Sram bietet beide Varianten als Ersatzteile an. Die Erfahrung zeigt aber, dass beide Varianten gut funktionieren. Übrigens erkennen Sie gedichtete Zugendkappen bei Shimano an 4 eingeprägten Rillen (im Bild rechts), bei Sram und Jagwire an einem kleinen Nippel, der am Kappenende absteht.
Zu guter Letzt schützt du die Enden der Bowdenzüge durch Zugendkappen vor dem Aufspleißen. Die kleinen Kappen für Schaltzüge haben einen Innendurchmesser von 1,2 mm und sind im Fachhandel erhältlich. Die ziehst du über das Ende des Schaltzuges und drückst diese mittig mit einer Flach- spitz oder speziellen Bowdenzugzange fest zusammen, sodass die Endkappe nicht mehr runterrutscht.
Schaltung einstellen
Es gibt viele Kleinigkeiten an einem Bike, die unglaublich stören können - aber eine rasselnde oder springende Schaltung ist wohl am nervigsten. Die Kraft landet nicht mehr dort, wo man sie braucht, oder man kommt nicht mehr in den gewünschten Gang. Deshalb zeigen wir euch, wie ihr eure mechanische Schaltung richtig einstellt. Das Vorgehen zur Einstellung der Schaltung funktioniert für alle Hersteller ähnlich.
Schaltwerk einstellen
- Vorbereitung: Schaltet für den Einstellvorgang die Kette an der Kurbel am besten auf das große Kettenblatt. Dadurch ist das Schaltwerk gestreckter, wodurch ihr die korrekte Ausrichtung leichter überprüfen könnt.
- Endanschläge einstellen: Zuerst solltet ihr die Endanschläge des Schaltwerks checken und einstellen. Hierfür dienen die zwei kleinen Schrauben am Schaltwerk, die meist mit H und L gekennzeichnet sind. Dabei steht H für High, womit man den Endanschlag am kleinsten Ritzel bzw. am größten Gang justiert. Das L steht für Low - mit dieser Schraube stellt ihr den Anschlag am größten Ritzel.
- H-Schraube einstellen: Die erste Einstellung erfolgt an der H-Schraube. Schaltet dafür auf das kleinste Ritzel. Die Röllchen des Schaltwerks sollten in einer Linie unterhalb des kleinsten Ritzels sitzen. Ist das nicht der Fall, muss das Schaltwerk mittels der H-Schraube in die korrekte Position gebracht werden. Achtung: Das Schaltwerk sollte auf keinen Fall rechts vom kleinsten Ritzel sein, da die Kette sonst zwischen Rahmen und Kassette springen kann.
- L-Schraube einstellen: Beim nächsten Schritt stellt ihr den oberen Endanschlag ein. Schaltet hierfür auf das größte Ritzel. Die Röllchen des Schaltwerks sollten nun in einer Linie unterhalb des größten Ritzels sitzen. Ist das nicht der Fall, muss das Schaltwerk mittels der L-Schraube in die korrekte Position gebracht werden. Das Drehen nach rechts bewegt den Endanschlag vom Laufrad weg, nach links geht es zum Laufrad hin.
- Zugspannung einstellen: Tipp: Falls sich die Kette nicht auf das größte Ritzel schalten lässt, stimmt die Zugspannung des Schaltzuges nicht. Falls ihr nicht auf das größte Ritzel schalten könnt, müsst ihr die Zugspannung mittels der Einstellschraube am Schaltwerk erhöhen. Das Drehen gegen den Uhrzeigersinn erhöht hier die Spannung. Nun sollte die Kette auf das große Ritzel springen.
- Oberen Endanschlag prüfen: Kurzer Check des oberen Endanschlags: Schaltet hierfür auf das kleinste Ritzel und drückt dann das Schaltwerk von Hand zum größten Ritzel, ohne den Schalthebel zu betätigen. Achtung: Das Schaltwerk sollte sich auf keinen Fall links vom größten Ritzel bewegen lassen, da sonst die Gefahr besteht, dass die Kette zwischen Speichen und Kassette springt.
- Schalt-Index einstellen: Der nächste Schritt ist die Einstellung des Schalt-Indexes. Schaltet hierfür zuerst auf das kleinste Ritzel und dann einen Gang nach oben. Funktioniert die Schaltung einwandfrei, muss vorerst nichts eingestellt werden. Springt die Kette nicht korrekt auf das zweite Ritzel, muss die Zugspannung des Schaltzuges erhöht werden. Der vorangegangene Schritt wird nun mit dem Sprung vom zweit- auf das drittkleinste Ritzel wiederholt. Wieder gilt: Funktioniert die Schaltung einwandfrei, muss nichts eingestellt werden. Springt die Kette nicht korrekt auf das zweite Ritzel, muss die Zugspannung des Schaltzuges erhöht werden.
- Funktion prüfen: Zur Kontrolle, ob die Gänge nun richtig schalten, könnt ihr alle Gänge schrittweise durchschalten. Aufpassen: Schaltet nicht zu schnell, da sonst der korrekte Schaltvorgang nicht richtig überprüft werden kann.
- Schaltauge überprüfen: Falls die Schaltung nur auf einem Teil der Kassette gut funktioniert, solltet ihr das Schaltauge überprüfen - es könnte evtl. verbogen sein.
- Züge prüfen: Schwergängige Züge beeinflussen die Schaltperformance stark. Falls sich trotz korrekter Einstellung kein sauberes Schaltverhalten zeigt, müssen sie evtl. ausgetauscht werden.
Umwerfer einstellen
Das Einstellen des Umwerfers ist generell etwas einfacher als das Einstellen des Schaltwerks.
- Anschläge einstellen: Die Einstellung der Anschläge erfolgt wie beim Schaltwerk über die H- und L-Schraube. Dabei steht H für High, womit man den oberen Anschlag am großen Kettenblatt einstellt.
- Unteren Anschlag einstellen: Im ersten Schritt wird der untere Anschlag des Umwerfers eingestellt. Schaltet hierfür die Kette auf das kleine Kettenblatt und das größte Ritzel. Der Umwerfer steht korrekt, wenn das innere Leitblech etwa 1 mm von der Kette entfernt ist. Ist das Leitblech zu nah an der Kette, kommt es zum Kontakt und zur Geräuschentwicklung.
- Oberen Anschlag einstellen: Im zweiten Schritt wird der obere Anschlag des Umwerfers eingestellt. Schaltet hierfür die Kette auf das große Kettenblatt und das kleinste Ritzel. Der Umwerfer steht korrekt, wenn das äußere Leitblech etwa 1 mm von der Kette entfernt ist - wenn das Leitblech zu nah an der Kette ist, kommt es zum Kontakt und zur Geräuschentwicklung.
- Schaltperformance überprüfen: Im nächsten Schritt solltet ihr die Schaltperformance vom kleinen auf das große und vom großen auf das kleine Kettenblatt überprüfen. Funktioniert das einwandfrei, muss keine weitere Einstellung erfolgen.
- Zugspannung einstellen: Funktioniert der Wechsel vom kleinen auf das große Kettenblatt nicht richtig, dann ist die Zugspannung des Schaltzuges zu gering. Funktioniert der Wechsel vom großen auf das kleine Kettenblatt nicht richtig, ist die Zugspannung des Schaltzuges zu hoch.
- Geräusche prüfen: Falls die Schaltung trotz korrekter Einstellung Geräusche macht, ist evtl. die Kettenlinie nicht optimal.
- Züge prüfen: Schwergängige Züge beeinflussen die Schaltperformance stark. Falls sich trotz korrekter Einstellung kein sauberes Schaltverhalten zeigt, sollten sie evtl. ausgetauscht werden.
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