Die Shimano Ultegra-Gruppe ist 11-fach! Vielseitigkeit soll ihre große Stärke sein: Mit einem nie dagewesenen Variantenreichtum soll Shimanos jüngste Generation der Shimano Ultegra die Anforderungen aller Rennrad-Kategorien erfüllen. Von der Schaltgruppe gibt es allein vier Grundversionen: neben der mechanischen Schaltung auch eine elektronische Di2, und beide sowohl für Felgen- wie für hydraulische Scheibenbremsen. Dazu kommen spezielle Teile für Zeitfahrräder und ein erweitertes Spektrum an Übersetzungen, vor allem mit mehr leichteren Gängen.
Vom klassischen Straßenrenner über Cross- und Zeitfahrräder bis zum Gravelbike mit dicken Reifen und Scheibenbremsen lässt sich mit der Ultegra künftig fast alles bestücken, was einen Rennlenker trägt. Welche technischen Vorteile für die neue Generation sprechen, zeigt unser Test der mechanischen Gruppe. Außerdem haben wir die neue Scheibenbremse untersucht.
Technische Details und Design
Die Ultegra 6800 ist deutlich von der Shimano Dura-Ace 9000 beeinflusst. Das fällt vor allem beim neuen 4-Arm-Kurbelsatz auf. Der FC-6800 Kurbelsatz ist die auffälligste Änderung in der sehr gut aussehenden Gruppe. Die klassische 53-39 Kombination ist auf Rennen ausgelegt. Die 52-36 wurde auf sportliche Fahrer zugeschnitten und die kompakte 50-34 für den Tourenmarkt. Die 46-36-Ausführung steht für Cyclo-Cross bereit.
Optische Unterschiede zur Top-Gruppe beschränken sich auf einfachere Oberflächen: Die graphitgraue Ultegra schimmert matt, wo die tiefschwarze Dura-Ace mit polierten Flächen glänzt. Die Bremshebel ziert Klarlack statt aufwendigem Spiegellack, auch die Oberflächen des Schaltwerks erscheinen etwas rauer.
Kurbel und Kettenblätter
Die Kurbel als Herzstück des Antriebs ist an das aktuelle Design angepasst, technisch hält sie das hohe Niveau der Vorgängerin. Shimano bleibt bei der bewährten Aluminium-Bauweise und dem Hollowtech-II-Standard mit Stahlwelle für das Tretlager. Das zweiteilige große Kettenblatt besteht auf der Innenseite aus Kunststoff und ist extrem steif, was eines der Geheimnisse der guten Schalteigenschaften ist. Die eingearbeiteten Steighilfen führen die Kette sauber und ohne große Geräusche zwischen den Kettenblättern. Die Kurbel wird es in den gängigen Varianten 50/34, 52/36 und 53/39 sowie als Cross-Variante mit 46/36 geben.
In den neuen Kurbeln ist das Vier-Arm-Design der DURA-ACE R9100 klar zu erkennen. Die neue R8000 Kurbel ist gegenüber ihrer Vorgängerin noch einmal leichter geworden: 674 g, 50-34 Z. Überarbeitet wurden aber auch die Kettenblattabstände, die insbesondere im Hinblick auf die immer weiter steigende Zahl von Rennrädern mit Scheibenbremsen etwas vergrößert wurden.
Kassette
Es kommt nicht oft vor, dass die Kassette der wichtigste Teil bei einer neuen Gruppe ist, aber im Falle der Ultegra 6800 ist das wirklich so. Bei den 11-fach-Kassetten stehen gar sechs Versionen zur Verfügung, sodass in Kombination mit den unterschiedlichen Kurbeln tatsächlich für jeden Fahrertyp, für jedes Gelände und für jedes Einsatzszenario die passende Übersetzung gewählt werden kann. Die CS-R8000 Kassetten sind mit 11-25 Z, 11-28 Z, 11-30 Z, 11-32 Z, 12-25 Z und 14-28 Z verfügbar.
Schalthebel und Bremsen
Die schlanke Form des ST-6800 Dual-Control Hebels folgt ganz klar der Dura-Ace 9000. Dank des geänderten Designs, ist das Schalten nun leichter und der Hebelweg deutlich kürzer als beim Vorgänger. Außerdem sorgt der Carbonbremshebel für optimale Kraftübertragung. Die Bremshebel sind leicht nach außen gestellt, die Schalttasten fallen etwas größer aus, sind klarer voneinander abgesetzt - und treffsicherer bedienbar. Schaltbefehle werden vom STI-Hebel nun per Funk übertragen, wenn gewünscht.
Die Ultegra-Aero Bremse hat direkte Aufhängungsmöglichkeiten für die Gabel und für den Hinterbau. Die Verwindung der Bremsarme wurde deutlich reduziert und die Bremsleistung verbessert. Die mitgelieferten R55C4 Bremsbeläge sind nur für Aluminiumfelgen geeignet.
Auch die Felgenbremse hat Shimano ein weiteres Mal verbessert, obwohl mancher die im Vergleich zur Scheibenbremse vermeintlich antiquierte Technik schon auf dem Abstellgleis sieht. Ein zusätzliches Blech zwischen den Bremsarmen macht die Zange noch steifer, was sich vor allem bei hohen Kräften bemerkbar macht: Aus hohem Tempo lässt sich die Bremse so besser dosieren. Auch die maximale Bremskraft erhöht sich leicht - wobei das in der Praxis kaum eine Rolle spielt.
Mit der R8000 erhält zum ersten Mal eine ULTEGRA ein komplett gruppenintegriertes hydraulisches Bremssystem. Neben den bereits erwähnten STI-Hebeln (ST-R8020/ST-R8070) kommen dabei die Direct-Mount-Bremssättel BR-R8070 zum Einsatz und garantieren beste Verzögerungsleistung bei zugleich hervorragender Kontrollierbarkeit und einem schlanken, rennradspezifischen Design. Die Bremsscheiben verfügen über integrierte Kühlrippen, die die entstehende Wärme noch effizienter abführen und die Leistungs- und Standfähigkeit der Bremse weiter erhöhen.
Umwerfer
Die zwei komplett überarbeiteten Umwerfer (vorne und hinten) sind deutlich leichter und kompakter als ihre Vorgänger. Vor allem der hintere Umwerfer erinnert wieder stark an das Design der Dura-Ace 9000. Der neue Federmechanismus sorgt für schnelleres und genaueres Schalten. Die kürzere Ausführung 6800 (SS) wiegt 195g und kostet dabei 53€.
Am Schaltwerk sind Geometrie und Zugführung neu, ein Geheimnis der geringen Bedienkräfte der Ultegra R8000 11fach-Schaltung. Alle ULTEGRA Schaltwerke weisen das bereits im Top-Segment bekannte Low-Profile-Design eines SHIMANO SHADOW RD Schaltwerks auf, das nicht nur aerodynamische Vorteile bringt, sondern auch das Schaltwerk „im Schatten“ der Kassette positioniert und damit noch besser vor Beschädigung schützt. Die Schaltwerke sind als SS-Version mit kurzem Käfig für Kassetten von 11-25 Z bis 11-30 Z und als GS-Version mit mittellangem Käfig für 11-28 Z bis 11-34 Z verfügbar.
Der vordere Umwerfer (FD-6800) wurde entwickelt um mit Shimanos beschichteten Zügen und dem ST-6800 STI Schalthebel kürzere Hebelwege und eine direktere Schaltung zu ermöglichen. Shimano ist vom vorherigen Design mit dem langen Arm an der Zugklemmung wieder abgerückt, der Ultegra-Umwerfer ist deutlich kompakter und einfacher einzustellen.
Laufräder
Das handgemachte WH-6800 Laufradset eignet sich sowohl für Schlauchreifen als auch für schlauchlose Ausführungen. Das Laufrad garantiert Steifigkeit und eine optimale Kraftübertragung.
Fahrgefühl und Performance
Wirklich frappierend ist, um wie viel besser die neue Gruppe schaltet. Mit der aktuellen Generation wird Shimanos Vorsprung gegenüber der Konkurrenz deutlich (unabhängig vom Funktionsprinzip), einen spürbaren Unterschied zwischen Ultegra und der viel teureren Dura-Ace hingegen gibt es nicht. Hier macht sich vor allem die veränderte Schaltwerksgeometrie bezahlt: Die von den Mountainbike-Gruppen übernommene Shadow-Technik verringert mit einem besser geführten Schaltzug die Reibung deutlich, die ohnehin schon leichtgängigen, teflonbeschichteten Shimano-Züge sind auch bei der neuen Ultegra Standard.
Obwohl die Federspannung des Schaltwerks etwas erhöht wurde, sind die Bedienkräfte und Hebelwege bei den neuen Shimano-Gruppen geringer als je zuvor. Dabei wirkt das System keinesfalls teigig, der Hebel meldet mit einem hör- und spürbaren „Klick“ den vollzogenen Schaltschritt.
Ultegra Di2
Für das Di2-System bietet die erst kürzlich neu eingeführte Voll- oder Semi-Synchro-Shift Funktionalität die Möglichkeit, dass das System in Abhängigkeit vom hinten gewählten Gang vorne automatisch schaltet (Voll-Synchro-Shift) beziehungsweise bei manuellem Schalten vorne hinten automatisch die nötigen Ausgleichsschaltungen vornimmt, um die Trittfrequenzsprünge möglichst gering zu halten (Semi-Synchro-Shift). Wie bei der DURA-ACE besitzen auch die ULTEGRA Di2-Schalt-/Bremshebel (ST-R8070/ST-R8050) je einen „geheimen“ Schalter, nämlich direkt auf der Oberseite der Hörnchen, unter der Gummiabdeckung.
Um die bereits erwähnten Voll- und Semi-Synchro-Shift Funktionen zu ermöglichen, kommunizieren die Di2-Schaltwerke und -Umwerfer über die E-TUBE Verkabelung miteinander, sodass sich der Fahrer voll und ganz auf die Straße oder die Rennsituation konzentrieren kann.
Vor- und Nachteile
Trotz Neuerungen und Anleihen bei der Top-Gruppe Dura-Ace dürfte Shimano nervös auf ein Feedback des Marktes zur neuen 12fach-Ultegra warten. Denn dass sie so gut beim Publikum ankommt wie frühere Ultegra-Generationen, ist keineswegs ausgemacht. Zwar waren Scheibenbremsen und elektronisches Schalten schon zuvor teurer, zudem sind die Zeiten günstiger Online-Preise vorbei.
Gewichte und Vergleich zu Dura-Ace
Die folgende Tabelle zeigt die Gewichte der Shimano Ultegra R8100 im Vergleich zur Dura-Ace:
| Komponente | Ultegra R8100 | Dura-Ace |
|---|---|---|
| Kurbelsatz | 711g | 639g |
| Schaltwerk | 262g | 229g |
| Umwerfer | 116g | 96g |
| Kassette | 291g | 223g |
| Bremshebel (Paar) | 482g | 350g |
Die Unterschiede zwischen den Einzelkomponenten sind gering, sie summieren sich aber zu gut 300 Gramm.
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