Shimano Ultegra und Dura-Ace Kurbel Rückruf: Was Sie wissen müssen

Shimano hat einen weltweiten Rückruf von älteren Elffach-Rennradkurbeln gestartet. Wie der japanische Schaltungsspezialist auf seiner Homepage mitteilte, bestehe bei ausgewählten Hollowtech-Modellen Bruchgefahr. Vom Austauschprogramm sind Kurbeln der Gruppen Dura-Ace und Ultegra betroffen.

Betroffene Modelle und Produktionszeitraum

Für den Rückruf kommen Hollowtech-Kurbeln von Dura-Ace und Ultegra aus dem Produktionszeitraum zwischen 1. Juni 2012 und 30. Juni 2019 infrage. Die betroffenen Modelle wurden vor 2019 hergestellt.

Folgende Modelle können betroffen sein, die entsprechende Modellnummer ist auf der Innenseite des Kurbelarms abgedruckt:

  • Ultegra: FC-6800
  • Ultegra: FC-R8000
  • Dura-Ace: FC-9000
  • Dura-Ace: FC-R9100
  • Dura-Ace: FC-R9100-P

Zudem muss der zweistellige Herstellungscode mit folgenden Abkürzungen übereinstimmen. Dieser ist ebenfalls auf der Innenseite des Kurbelarms in der letzten Zeile der Modellbezeichnung neben der Angabe für die Kurbellänge zu finden:

KF, KG, KH, KI, KJ, KK, KLLA, LB, LC, LD, LE, LF, LG, LH, LI, LJ, LK, LLMA, MB, MC, MD, ME, MF, MG, MH, MI, MJ, MK, MLNA, NB, NC, ND, NE, NF, NG, NH, NI, NJ, NK, NLOA, OB, OC, OD, OE, OF, OG, OH, OI, OJ, OK, OLPA, PB, PC, PD, PE, PF, PG, PH, PI, PJ, PK, PLQA, QB, QC, QD, QE, QF, QG, QH, QI, QJ, QK, QLRA, RB, RC, RD, RE, RF

Was ist das Problem?

Bei den betroffenen Versionen können sich “die geklebten Teile des Kurbelarms ablösen und brechen”, so Shimano. Genauer gesagt soll sich die Abdeckung vom Hauptkörper des Kurbelarms lösen, “was eine potenzielle Sturz- und Verletzungsgefahr” darstelle.

Das Austauschprogramm

Die Japaner riefen deshalb ein kostenloses Austauschprogramm ins Leben. Betroffene Rennradler können ihre Kurbel - voraussichtlich ab 1. Oktober - bei autorisierten Händlern untersuchen lassen. Shimano werde jeden Kurbelarm ersetzen, der die Inspektion nicht besteht.

Über die genauen Modalitäten des Austauschprogramms machte der Schaltungsspezialist bislang keine Angaben. In einem Video-Tutorial erklärt Shimano das Vorgehen.

Wie erkenne ich, ob meine Kurbel betroffen ist?

Ob die eigene Kurbel betroffen ist, können Nutzer:innen anhand der Modellnummer und des Produktionscodes feststellen. Die Modellnummern sind auf der Innenseite des Kurbelarms am unteren Ende angebracht.

Was tun, wenn meine Kurbel betroffen ist?

Ist die eigene Kurbel mit diesen Modellnummern und Produktionscodes versehen, soll eine von Shimano autorisierte Werkstatt sie untersuchen. Shimano bietet Kundinnen und Kunden ein freiwilliges Inspektions- und Austauschprogramm an, bei dem das Produkt auf ein Lösen der Verklebung untersucht wird. Wenn ihr euer Renn- oder Triathlonrad beziehungsweise die Kurbel also nicht erst vor Kurzem gekauft habt, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Komponenten.

Betroffene Kurbeln lässt Shimano durch autorisierte Fachhändler inspizieren und ersetzen, falls sie der Überprüfung nicht standhalten. Der Hersteller erwartet, dass die Inspektionen ab dem 1. Oktober 2023 beginnen können. Der Fachhandel hat für die Inspektion der Kurbelgarnituren genaue Anweisungen von Shimano erhalten. Wenn euer Fahrrad vom Produktrückruf betroffen ist, solltet ihr es also in professionelle Hände geben. Der Fachhändler überprüft die Kurbelgarnitur schließlich auf Anzeichen von Delaminierung oder gelöste Verklebungen. Wenn solche gefunden werden, wird die Kurbelgarnitur kostenlos ersetzt und montiert. Die Kurbelgarnitur musste nicht getauscht werden? Umso besser, ihr könnt guten Gewissens weiterfahren.

Wichtige Hinweise von Shimano

  • Shimano wird jeden Kurbelarm ersetzen, der die Inspektion nicht besteht.
  • Kurbelgarnituren, die bei der Inspektion Anzeichen des beschriebenen Defekts aufweisen, werden kostenlos vom Fachhändler ersetzt.
  • Sollte kein entsprechender Ersatz verfügbar sein, informiert Shimano, sobald die neue Kurbel vorhanden ist.
  • Die Japaner weisen zudem darauf hin, dass es bei der ausgetauschten Garnitur um eine Sonderausführung handle, “die bei gleicher Leistung ein anderes Aussehen haben kann”.

Was sagt der Experte?

Diplom-Ingenieur Dirk Zedler ist seit Jahren der wichtigste Experte rund um das Thema Fahrrad-Sicherheit. TOUR hat ihn nach seiner Einschätzung zum Kurbelproblem gefragt.

Zedler: Man sieht sehr genau, dass eine intakte Kurbel ganz anders aussieht als das, was auf den Shimano Bildern zu sehen ist. Wir reden über kleine Risse, über kleine Spalte in der Verklebungszone usw. und der Abgleich war für mein Team kein Thema. Das kann ein versierter Radhändler bei hellem Licht und mit Lupe auch leisten. Die Bilder von Shimano in dem User Manual zeigen zudem ein richtiges Rissbild außen, das heißt, wenn die zwei Hälften lose sind oder sich beginnen zu lösen, dann beginnt Bewegung und diese Bewegung führt dann zu Rissen, die man mit der Zeit an der Außenseite erkennen kann. Shimano sagt: Schau auch schon im Inneren, wo du normalerweise nicht hinschaust.

Genau das ist die Schwierigkeit an der Sache: eigentlich muss man ab sofort in einem regelmäßigen Turnus die Kurbel wieder kontrollieren. Jeder Ermüdungsbruch, jedes Versagen ist typischerweise auch eine Funktion der Nutzung im Verlauf der Zeit. Wenn wir es heute kontrolliert haben, dann heißt es im Grunde nichts - ich muss das immer mal wieder machen. Das ist ein bisschen eine Schwäche an diesem Rückruf. Das Risswachstum kann irgendwann entstehen. Du machst die Kontrolle und das Rad hat 1000 Kilometer, aber dann wechselt es den Besitzer und es fährt ein Vielfahrer im nächsten Jahr 10.000 Kilometer - dann kann die Kurbel ganz anders aussehen. Das heißt man muss diese Kurbel regelmäßig prüfen - mit der einmaligen Prüfung ist es definitiv nicht getan. Das ist meiner Meinung nach noch nicht so richtig klar kommuniziert, dass diese Kurbeln zumindest mal im Jahresturnus, wenn ich Normalfahrer bin, geprüft werden müssen. Aber wenn ich Radamateur bin, muss ich ja eigentlich die Kurbeln jetzt alle drei Monate inspizieren, um guten Gewissens bzw. sicher fahren zu können.

Ich sage seit vielen Jahren: Reinige dein Rad nicht nur mit dem Wasserschlauch, sondern geh auch mit einem sauberen Lappen drüber, wisch alles von Hand trocken. Weil bei der Handreinigung merkst du, wenn Risse beginnen. Shimano macht eine rein visuelle Kontrolle - das kann im Endeffekt jeder zu seiner eigenen Sicherheit auch machen. Es ist meiner Ansicht nach realitätsfremd, dass man alle drei oder vier Monate hergeht und sagt ich gehe zum Händler, lass mir ein Rad auseinanderbauen und die Kurbel kontrollieren. Die gelebte Praxis ist, dass das Rennradfahrer eher selten zu Inspektionen gehen.

Ja! Genau darauf weist Shimano auch explizit hin, dass es zu Geräuschbildung kommen kann, wenn die Risse auftreten. Und wenn bei der Kontrolle Risse erkennbar sind, dann muss das Fahrrad einfach lahmgelegt werden.

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