Nichts ist nerviger als eine rasselnde Schaltung oder wenn die Kette beim Gangwechsel nicht zügig und korrekt aufs gewünschte Ritzel springt, sondern verzögert reagiert. Oder der schlimmste Fall: Das Schaltwerk hievt die Kette beim Schalten in den Berggang über das größte Ritzel hinaus und sie verklemmt sich zwischen Kassette und Speichen. Dieser Artikel zeigt dir, wie du kleinere Reparaturen an der Schaltung selber durchführen kannst.
Ursachenforschung bei unpräziser Schaltung
Bevor du jedoch zum Werkzeug greifst, wird empfohlen, die Ursache der unpräzisen Schaltung zu lokalisieren. Denn dafür kann es verschiedene Gründe geben:
- Neues Bike: Wenn dein Bike erst ein oder zwei Touren hinter sich hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Schaltung nachjustiert werden muss. Denn das System aus Zügen und Außenhüllen setzt sich im Verlauf der ersten Schaltvorgänge unter Last.
- Schaltauge: Der Käfig des Schaltwerks mit den beiden Schaltröllchen muss exakt senkrecht unter den Ritzeln stehen. Ritzel, Kette und Käfig müssen sich in einer Flucht befinden.
- Schaltzüge: An älteren Mountainbikes oder wenn man häufig bei Schlechtwetter im Gelände unterwegs ist, können die Züge verschmutzt sein. Folge: Die Schaltvorgänge werden immer schwergängiger, bis das Schaltwerk seine Millimeterarbeit nicht mehr verrichten kann.
Häufige Probleme und Lösungen bei Shimano Ultegra Schalthebeln
1. Ultegra Schalthebel klemmt beim Runterschalten
Ein bekanntes Problem ist, dass der Biker den Bremshebel beim Runterschalten festhalten und ihn sozusagen gegen den Schalthebel drücken muss, damit die Gänge einrasten. Maximal über vier Ritzel funktioniert es notdürftig, die nachfolgenden Ritzel bleiben unerreichbar. Scheinbar handelt es sich um eine bekannte “Kinderkrankheit” der Ultegra Schalthebel.
Lösung:
- Versuchen Sie, auf das kleinste Ritzel zu schalten.
- Lösen Sie den Schaltzug und nehmen ihn heraus, sodass sich das Ende nicht in der Mechanik verklemmt.
- Schalten Sie alle Gänge “leer” durch.
- Setzen Sie den Schaltzug danach wieder ein.
Die Ritzel sollten sich jetzt wieder komplett schalten lassen. Bleiben die Symptome weiterhin bestehen, geht die Fehlersuche mit anderem Ansatz weiter.
2. Ultegra Schalthebel hakt
Beim Schaltvorgang auf größere Ritzel springt die Kette auf das kleinere Ritzel zurück und beim Hochschalten überspringt die Kette zwei oder drei Ritzel. Nach langer Nutzung ist das Fett im Schalthebel verharzt. Die zähe Masse hält die federbelastete Klinke an der Zahnscheibe fest, wodurch die Gänge nicht mehr wechseln.
Lösung:
- Hängen Sie die Schaltzüge hinten von Schaltwerk und Bremse aus.
- Ziehen Sie die Bremse, sodass Sie von hinten in den Schalthebel hineinschauen können.
- Biegen Sie die kleine schwarze Plastikscheibe vorsichtig mit dem Sprühkopf der WD40-Dose auf und sprühen eine ordentliche Menge hinein, um das Fett zu lösen und auszuspülen.
- Wickeln Sie den Schalthebel mit einem Putzlappen ein und lassen die Packung eine Weile einwirken.
- Schalten Sie danach die Gänge in beiden Richtungen.
Hakt die Ultegra Schaltung immer noch, wiederholen Sie die Prozedur. Beachten Sie, dass WD40 Gummi auflöst. Nehmen Sie die Schutzabdeckung am besten vorher ab. Da WD40 hier als Lösungsmittel eingesetzt wird und nur wenig schmiert, sollten Sie durch die Wartungsöffnungen neues Fett in das Gehäuse einbringen oder zweimal jährlich die WD40-Spülung wiederholen.
Ein ähnlicher Ansatz zur Reinigung und Schmierung des Schalthebels:
- Entfernen Sie die kleinen Zugwechselstopfen.
- Legen Sie einen alten Lappen auf den Boden und sprühen Sie ordentlich WD40 in den kompletten Schalthebel.
- Schalten Sie mehrmals rauf und runter.
- Führen Sie eine weitere WD40-Spülung durch und lassen Sie es 10 Minuten einwirken.
3. Linker Ultegra Schalthebel greift nicht
Der Ultegra 3-fach Schalthebel funktioniert nicht mehr, die Kette bleibt auf dem größten Kettenblatt liegen.
Im Falle einer springenden Fahrradkette ist ebenfalls der erste Schritt, sich auf die Suche nach der Ursache zu begeben. Oftmals ist eine falsch eingestellte Schaltzugspannung schuld an der springenden Kette. In den meisten Fällen springt die Kette am hinteren Schaltwerk, die vorderen Kettenblätter stehen für gewöhnlich zu weit auseinander. Stellen Sie im Anschluss den letzten sauber schaltbaren Gang vor dem Kettensprung ein. Springt die Kette über das erste oder letzte Ritzel muss zunächst der Schaltbereich am Schaltwerk eingestellt werden. Springt die Kette weiterhin muss wahrscheinlich die Zugspannung eingestellt werden.
Allgemeine Tipps zur Schaltungseinstellung
1. Schaltwerk einstellen
Als erstes wird der Schwenkbereich eingestellt, beziehungsweise überprüft. Die beiden mit den Buchstaben H und L bezeichneten Schrauben für die Endanschläge sitzen hinten am Schaltwerk. Schalte zuerst aufs kleinste Ritzel. Justiere die H-Schraube so, dass das obere Schaltröllchen exakt unter dem kleinsten Ritzel steht. Um sicher zu gehen, dass der Anschlag stimmt, kannst du den Schaltzug an der Klemmschraube lösen. Nach Begrenzen des unteren Anschlags den Zug wieder spannen und anklemmen. Achtung! Der Schalthebel muss sich in der letzten Position befinden!
Schalte jetzt vorsichtig hoch bis aufs größte Ritzel. An der L-Schraube lässt sich der Schwenkbereich zu den Speichen hin begrenzen. Die Kette darf auf keinen Fall hinter die Kassette in die Speichen fallen! Denn geschieht dies unter Last am Berg, kann das Laufrad ernsthaft beschädigt werden. Der Schalthebel darf sich nach dem Schalten aufs größte Ritzel nicht mehr weiter drücken lassen.
Schalte jetzt alle Gänge schrittweise durch. Rasten alle Gänge korrekt ein? Läuft die Kette exakt mittig über jedes Ritzel? Die Feineinstellung erfolgt mit der Zugspannschraube/Rändelschraube am Schalthebel (oder bei älteren Bikes hinten am Schaltwerk). Bei verzögertem Hochklettern den Zug spannen. Bei verzögertem hinunterwandern den Zug nachlassen. Tipp: Zur Feineinstellung genügt meist eine viertel bis halbe Umdrehung!
2. Umschlingung der Kette checken
Über den beiden genannten Anschlagschrauben (H + L) sitzt eine weitere Schraube (B), die direkt auf eine kleine Rampe am Schaltauge drückt. Sie regelt den Abstand des oberen Schaltröllchens von den Ritzeln und muss nur selten justiert werden. Zum Beispiel wenn das obere Röllchen zu nah steht, was sich durch ein ratterndes Geräusch äußert. In diesem Fall drehst du die Schraube hinein, so dass sich der Käfig mit den Röllchen vom Ritzel nach unten weg bewegt. Der optimale Abstand beträgt etwa fünf Millimeter.
3. Umwerfer einstellen (bei 2- und 3-fach Kettenblättern)
Für exakte Kettenwechsel müssen die Leitbleche des Umwerfers parallel zu den Zahnrädern stehen. Außerdem muss das äußere Leitblech einen Abstand von ein bis drei Millimetern zum großen Kettenblatt haben. Prüfe und korrigiere den Sitz des Umwerfers gegebenenfalls. Dazu vorher aufs kleine Kettenblatt schalten und den Schaltzug entspannen.
Wie beim Schaltwerk gibt es auch am Umwerfer die Schrauben H und L, die den Schwenkbereich begrenzen. Schalte zuerst aufs kleinste Kettenblatt und hinten aufs größte Ritzel. Justiere mit der L-Schraube den inneren Anschlag so, dass die Kette gerade eben ohne Schleifen am inneren Leitblech vorbei läuft. Der Schaltzug sollte leicht unter Spannung stehen.
Äußerer Anschlag: Schalte hinten aufs kleinste Ritzel und vorne aufs größte Kettenblatt. Justiere die H-Schraube so, dass die Kette gerade eben ohne Schleifen am äußeren Leitblech vorbei läuft. Der Schalthebel darf sich nicht weiter drücken lassen! Die Feineinstellung erfolgt mit der Spannschraube/Rändelschraube am Schalthebel.
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