Shimano Ultegra Schaltzug am Rennrad wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Die reibungslose Funktion der Gangschaltung am Fahrrad hängt maßgeblich von intakten Schaltseilen und deren Außenhüllen ab. Wenn die Gangschaltung hakt oder unpräzise ist, kann ein verschlissener oder verklebter Schaltzug die Ursache sein. In diesem Fall ist es an der Zeit, den Schaltzug zu wechseln.

Wann sollte man den Schaltzug wechseln?

Wie oft ein Schaltzug ausgetauscht werden muss, hängt von der Nutzungsintensität und den Umgebungsbedingungen ab. Mit der Zeit nimmt die Gleitfähigkeit des Stahlseils in der Außenhülle ab. Schmutz, der trotz Dichtungen eindringt, und mechanische Einflüsse können das Schaltverhalten verschlechtern.

Untrügliche Anzeichen für einen notwendigen Zugwechsel sind:

  • Permanente, unpräzise Schaltschritte
  • Laufgeräusche der Kette
  • Überspringen der Kette zum benachbarten Zahnkranz

Bei modernen Schaltungen mit vielen Ritzeln sind präzise Schaltschritte entscheidend. Jede Behinderung des Schaltseils auf seinem Weg vom Lenker zum Schaltwerk kann Probleme verursachen.

Werkzeuge und Materialien

Für den Wechsel des Schaltzugs benötigst du folgendes Werkzeug und Material:

  • Kabelschneider (mit runden Schneiden, um die Außenhülle nicht zu quetschen)
  • Inbusschlüssel
  • Klebeband
  • Teflonspray
  • Schaltzugset (Innenzug und Außenhülle)
  • Liner (Innenhüllen zur Montageerleichterung bei interner Zugführung)
  • Zugendhülsen
  • Endkappen

Allgemeine Hinweise vorweg

Bei einem Zugwechsel sollte stets das gesamte System erneuert werden, also Innenzug UND Außenhülle. Grund: Weil das Gleitmittel im Liner verharzt, bringt ein neues Stahlseil kaum eine Verbesserung. Nur bei einem neuen Komplettsystem ist bestmögliche Gleitfähigkeit gegeben.

Vor der Demontage die Bowdenzüge entlasten, indem man vorne auf das kleinste Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel schaltet. Die Einstellschrauben sollten nicht komplett heraus- oder hineingeschraubt werden, sondern ganz rein und nach zwei- bis drei Umdrehungen wieder heraus.

Vom Lenker aus gibt es mehrere Möglichkeiten, die Züge zu führen. Optisch ansprechend, da in gleichmäßigen Bögen, laufen die Zughüllen von der Vorderseite des Lenkers auf die jeweils gegenüberliegende Seite am Rahmen. Der Bogen jeder Zughülle vom Lenker bis zum Anschlag am Rahmen sollte so lang sein, dass maximales Einschlagen des Lenkers gerade noch möglich ist.

Die Zughülle zum Schaltwerk darf nicht in einem zu engem Bogen geführt werden, um die Reibung möglichst gering zu halten. Bei den Zughüllensets der Schaltungshersteller (wie Shimano, Sram, Campagnolo, FSA, Microshift, Rotor) sind die Hüllen für alle Rahmengrößen verwendbar. Ergo sollte die Länge der Zughülle so abgelängt werden, dass der Radius den geringsten Reibwiderstand bietet und an der Rahmen- sowie an der Schaltwerksaufnahme ca. zwei Zentimeter senkrecht herausragt, bevor die Zughülle einen Bogen macht. Im Zweifel lieber länger lassen!

Schaltzug wechseln bei außen verlegten Zügen

  1. Schalte mit dem kleinen Schalthebel ganz bis zum Ende. Also quasi auf das kleinste Ritzel.
  2. Lösen Sie zuerst mit einem Inbusschlüssel die Klemmschraube am Schaltwerk.
  3. Damit sich das Seil aus der Hülle ziehen lässt, musst du das Ende mitsamt der Quetschhülse abschneiden.
  4. Ziehe das alte Schaltseil heraus.
  5. Montiere Zugeinsteller zwischen Zughülle und Anschlag, um die Zugspannung später auch während der Fahrt nachstellen zu können, wenn die Schaltung mal rattern sollte.
  6. Kontrolliere die Zugführung unter dem Tretlager auf Kanten oder Beschädigungen und fette sie nach jeder Reinigung mit Teflon-Spray.
  7. Fädel die neuen Züge ein.
  8. Befestige Zugendkappen, um ein Aufspleißen zu verhindern.
  9. Justiere die Schaltung gegebenenfalls.

Schaltzug wechseln bei innen verlegten Zügen

Das Verlegen der Schaltzüge im Rahmen bei integrierter Zugverlegung ist meist etwas tricky und erfordert Geduld. Bevor du loslegst, überlege die Schritte genau.

  1. Schalte mit dem kleinen Schalthebel ganz bis zum Ende. Also quasi auf das kleinste Ritzel.
  2. Bevor du die alten Züge herausziehst, schiebe passend abgelängte Innenhüllen, sog. Liner, auf jeden Zug, der durch den Rahmen geführt wird. Diese Montagehilfen, die das Verlegen neuer Züge spürbar erleichtern, sind im Fachhandel erhältlich.
  3. Fädel jeweils vom Ende des Zuges, also ab Schaltwerk/Umwerfer, eine Hülle ein, bis sie unter dem Tretlager wieder aus dem Rahmen kommt. Von dort ziehst du einen weiteren Liner bis zu den oberen Zuganschlägen am Steuer-/Oberrohr ein.
  4. Fixiere die Liner mit Klebeband und ziehen nun die alten Züge heraus.
  5. Kontrolliere regelmäßig, ob jede Zugendhülse satt in der Rahmenaufnahme sitzt und ob die Zughülle darin festen Halt findet. Ersetze defekte Anschläge!
  6. Fädel die neuen Züge in die Liner ein: vom oberen Zuganschlag zur Montageöffnung im Tretlager, dann weiter zum Schaltwerk. Ist der neue Zug durchgefädelt, kannst du die Liner - die dir als Montagehilfe dienten - wieder entfernen.
  7. Klappern Züge im Rahmen, können "Donuts" helfen.
  8. Schütze den Rahmen an potenziellen Scheuerstellen mit durchsichtiger, selbstklebender Folie.
  9. Justiere die Schaltung gegebenenfalls.

Gedichtete oder ungedichtete Zughüllenendhülsen?

Gedichtete Zugendhülse schützen die Zughüllen gut vor eindringendem Wasser und Schmutz, sie sind daher ein heißer Tipp für Vielfahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind. Allerdings erhöhen sie die Zugreibung etwas und sind deutlich teurer als die ungedichteten. Wer meist bei Trockenheit fährt, kann also bedenkenlos ungedichtete Endkappen verwenden.

Die offiziellen Vorgaben der Hersteller sind hier übrigens uneinheitlich: Campagnolo verwendet von Haus aus nur gedichtete Zugendkappen, Shimano empfiehlt ungedichtete Modelle, Sram bietet beide Varianten als Ersatzteile an. Die Erfahrung zeigt aber, dass beide Varianten gut funktionieren.

Übrigens erkennen Sie gedichtete Zugendkappen bei Shimano an 4 eingeprägten Rillen, bei Sram und Jagwire an einem kleinen Nippel, der am Kappenende absteht.

Abschließende Hinweise

Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei Mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht. Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.

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