Shimano Ultegra Zahnkranz 10 Fach Test: Ein umfassender Überblick

Ein offen liegendes Getriebe mit zwölf Ritzeln, wie es heute am Rennrad üblich ist, ist eigentlich verrückt. Aber es funktioniert! Sogar ziemlich gut. Jedenfalls mit exakt arbeitender elektronischer Schaltung und penibel ausgerichtetem Schaltauge.

Rennradketten-Verschleißtest

Die Verschleißmechanik des Kettengetriebes findet vor allem im Inneren des Kettengelenkes statt. Die Innenlaschen der Rennradkette bewegen sich relativ zu den Kettenbolzen bei jedem Ein- und Ausschwenken aus den Zahnrädern. Die Antriebskraft wird dabei über eine winzige, linienförmige Kontaktfläche übertragen.

Verschleiß und Wartung

Wie lange das Getriebe problemlos arbeitet, hängt vor allem an der Kette, deren Pflege und Schmierung. Denn Rennradketten verschleißen unweigerlich - und dann nehmen auch die teuren Kettenblätter und Ritzel Schaden; Letztere sind, im Falle von SRAM, untrennbar zu einer Einheit verbunden und nicht einzeln zu ersetzen.

Kleine Ritzel sind für Verschleiß gefährdeter als große, denn die wenigen Zähne sind öfter dran, wenn die Rennradkette über sie hinwegschnurrt. Außerdem spielt für die Abnutzung eine Rolle, wie groß das vordere Kettenblatt ist. Je kleiner, umso größer sind die Kettenkräfte, desto mehr Verschleiß ist zu erwarten.

Der Bolzen widersteht diesen Kräften nur, wenn er extrem hart ist und gut geschmiert wird. Mit speziellen Härteverfahren versuchen die Hersteller dies zu erreichen. Bricht die gehärtete Randschicht ein, ist dem weiteren Verschleiß des Bolzens Tür und Tor geöffnet. Denn die Bolzen sind im Inneren weniger hart.

Die Folgen von Verschleiß

Die Kette ändert aufgrund des Bolzenabriebs dann ihre sogenannte Teilung. Aus dem gleichmäßigen Bolzenabstand wird ein Lang-kurz-lang, das die Kette an den Zahnflanken hochrutschen lässt und Material abträgt. Kette und Ritzel passen sich einander an - was längere Zeit gut gehen kann, aber die Betriebssicherheit mindert.

Eine neue Rennradkette ist auf stark eingelaufenen Ritzeln aber nicht mehr fahrbar, sie springt beim Antritt über die Zahnspitzen. Deshalb sollte man den Kettenverschleiß im Auge behalten und rechtzeitig wechseln, bevor die Zahnräder leiden. Zum Vermessen der Kette dienen Lehren, die in die Kette geschwenkt werden.

Der Test

Wir testen die Rennradketten mit einer Maschine. Hohe Kettenkraft, Sand und vorsätzlich unzureichende Schmierung mit einfachem Motoröl belasten die Ketten extrem. So lässt sich der Verschleiß im Zeitraffer begutachten. Im echten Rennradleben können die besten Ketten bei optimaler Pflege 10000 Kilometer und mehr erreichen.

Auf dem Prüfstand lassen wir die Ketten 36 Stunden laufen. Eine Zwischenmessung nach 20 Stunden zeigt, wie sich der Verschleiß anbahnt. Das Ergebnis ist eindeutig: Unter den großen drei Herstellern baut Shimano die haltbarsten Ketten. Dura-Ace und Ultegra zeigen im Testzeitraum nur minimale Ansätze von Verschleiß. Die Bolzen sind demnach extrem verschleißfest.

Ergebnisse im Detail

Je kürzer die Balken, desto haltbarer die Kette. Das Ergebnis gliedert sich in vier Klassen: Dura-Ace und Ultegra sind extrem widerstandsfähig. Dahinter folgen Campa Record, Chorus und Shimano 105. SRAM ist schon etwas abgeschlagen mit der Red-Kette, die nach 36 Stunden kurz vor der Austauschgrenze steht.

Insbesondere die Rival-Kette ist schwach, verschleißt rasant, ist nach 20 Stunden schon knapp austauschpflichtig und nach 36 Stunden völlig ausgeleiert. Die Force-Kette verschleißt langsamer, reißt aber mehrfach, was auf Probleme mit der Herstellungscharge hindeutet.

Unterm Strich bietet die Ultegra das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber Achtung: SRAM-Fahrer können nicht auf Shimano zurückgreifen, die AXS-Gruppen sind nicht mehr kompatibel.

Tabelle: Ergebnisse des Verschleißtests

HerstellerModellHaltbarkeit
ShimanoDura-AceExtrem widerstandsfähig
ShimanoUltegraExtrem widerstandsfähig
CampagnoloRecordGut
CampagnoloChorusGut
Shimano105Gut
SRAMRedAbschlagen
SRAMForceProblematisch
SRAMRivalSchwach, rasanter Verschleiß

Bruchgefahr der Rennradkette?

Die Force-Kette bricht im Test insgesamt dreimal, nach Laufleistungen zwischen 20 und 36 Stunden. Das ist neu. Auf unserer Testmaschine hatten wir zuvor noch nie Kettenrisse.

Eine Internetrecherche hat ergeben, dass auch in der Praxis schon Force-Ketten gebrochen sind. Teilweise erlebten Fahrer auch mehrfach Brüche, insgesamt aber nicht oft. Das deutet auf ­mängelbehaftete Produk­tions­chargen hin, wie sie Shimano auch schon einmal bei Elffach-Ketten hatte; damals rissen Ketten unter dem Einfluss von Streusalz und aggressiven Reinigern.

Tipp: Kette vor allem im Winter gut vor Korrosion und Streusalz schützen, sauber halten und gelegentlich genau inspizieren; die Brüche senden mutmaßlich Vorboten in Form feiner Anrisse.

Verschleißmindernd sind Übersetzungen mit möglichst vielen Zähnen.

Hochgerechnete Betriebskosten pro Kilometer

Shimanos Ultegra verursacht nach unserer Kalkulation die niedrigsten Kilometerkosten, was den Antrieb betrifft. Schlechte Pflege oder zu später Kettentausch können die Kosten allerdings vervielfachen. Schwächere Ketten und sehr teure Kassetten treiben bei SRAM die erwarteten Betriebskosten.

Rennradketten im Detail

Campagnolo Chorus

  • Marktpreis: 45 Euro
  • Verschluss: Nietstift
  • Gewicht: 243 Gramm
  • Gliederzahl: 114
  • Gewicht pro Glied: 2,13 Gramm
  • Breite: 5,17 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,026 Millimeter
  • Beschreibung: Die Campa-Kette mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehr gute Schalteigenschaften, die Haltbarkeit ist ebenfalls gut und identisch zur Super Record. Einzig durch den Verzicht auf die Hohlbolzen ist sie etwas schwerer. Ein Kettenschloss wäre ein Gewinn.
  • Bewertung Haltbarkeit: 4 von 5 Sternen

Campagnolo Super Record

  • Marktpreis: 60 Euro
  • Verschluss: Nietstift
  • Gewicht: 224 Gramm
  • Gliederzahl: 114
  • Gewicht pro Glied: 1,96 Gramm
  • Breite: 5,17 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,024 Millimeter
  • Beschreibung: Nomen est omen: Die Record hält den Gewichtsrekord. Hohle Bolzen schinden 19 Gramm gegenüber der Chorus. Die Haltbarkeit ist gut, erreicht aber nicht ganz das Niveau von Shimano. Das Handling leidet unter dem Verschluss per Nietstift und erfordert Spezial-Werkzeug.
  • Bewertung Haltbarkeit: 4 von 5 Sternen

Shimano 105

  • Marktpreis: 30 Euro
  • Verschluss: Einmal-Kettenschloss
  • Gewicht: 258 Gramm
  • Gliederzahl: 116
  • Gewicht pro Glied: 2,22 Gramm
  • Breite: 5,27 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,028 Millimeter
  • Beschreibung: Äußerlich kaum von der Ultegra zu unterscheiden, auch ausdauernd, aber messbar weniger haltbar als die teurere Schwester. Laut Spezifikation sind die Innenlaschen nicht chromiert. Das Schaltverhalten ist identisch zu den teureren Ketten. Kettenschloss ist nur einmal verwendbar.
  • Bewertung Haltbarkeit: 4 von 5 Sternen

Shimano Ultegra

  • Marktpreis: 40 Euro
  • Verschluss: Einmal-Kettenschloss
  • Gewicht: 258 Gramm
  • Gliederzahl: 116
  • Gewicht pro Glied: 2,22 Gramm
  • Breite: 5,27 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,013 Millimeter
  • Beschreibung: Das Arbeitstier aus dem Sortiment des Marktführers wird auch am Mountainbike eingesetzt (XT-Gruppe) und besticht durch exzellente Ausdauer. Chromierte Innenlaschen und extraharte Bolzen machen die Kette standfest. Durch Einmal-Kettenschloss gut im Handling.
  • Bewertung Haltbarkeit: 5 von 5 Sternen

Shimano Dura-Ace

  • Marktpreis: 60 Euro
  • Verschluss: Einmal-Kettenschloss
  • Gewicht: 248 Gramm
  • Gliederzahl: 116
  • Gewicht pro Glied: 2,14 Gramm
  • Breite: 5,26 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,015 Millimeter
  • Beschreibung: Das Top-Modell paart exzellente Ausdauer mit Leichtbau und findet auch in der XTR-Offroad-Gruppe Verwendung. Der Unterschied zur Ultegra sind die hohlen Bolzen, die die Kette 10 Gramm leichter machen. Der Aufpreis von rund 20 Euro für den kleinen Gewichtsvorteil ist sportlich.
  • Bewertung Haltbarkeit: 5 von 5 Sternen

SRAM Rival

  • Marktpreis: 20 Euro
  • Verschluss: Einmal-Kettenschloss
  • Gewicht: 271 Gramm
  • Gliederzahl: 120
  • Gewicht pro Glied: 2,25 Gramm
  • Breite: 5,00 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,014 Millimeter
  • Beschreibung: Enttäuschende Haltbarkeit. Äußerlich gleicht die Kette der Force, läuft aber deutlich schneller ein. Schon bei der Zwischenmessung nach 20 Stunden starker Verschleiß. Die Schalteigenschaften sind sehr gut. Durch den größeren Rollendurchmesser nicht kompatibel mit Shimano.
  • Bewertung Haltbarkeit: 1 von 5 Sternen

SRAM Force

  • Marktpreis: 31 Euro
  • Verschluss: Einmal-Kettenschloss
  • Gewicht: 271 Gramm
  • Gliederzahl: 120
  • Gewicht pro Glied: 2,25 Gramm
  • Breite: 5,00 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,039 Millimeter (bis zum Bruch)
  • Beschreibung: Die Kette bricht mehrfach an den Innenlaschen - ungewöhnlich, da die Lasten im Versuch weit unter der Reißkraft liegen. Der Verschleiß auf halber Strecke ist identisch zur Red, besser als bei der Rival, aber unter den Erwartungen. Das Kettenschloss ist gut, aber nur einmal verwendbar.
  • Bewertung Haltbarkeit: 3 von 5 Sternen

SRAM Red

  • Marktpreis: 40 Euro
  • Verschluss: Einmal-Kettenschloss
  • Gewicht: 261 Gramm
  • Gliederzahl: 120
  • Gewicht pro Glied: 2,18 Gramm
  • Breite: 5,00 Millimeter
  • Längung pro Gelenk: 0,066 Millimeter
  • Beschreibung: Das Spitzenmodell bleibt im Verschleiß hinter den Erwartungen und erreicht nicht das Niveau der besten MTB-Ketten von SRAM. Die Hohlbolzen mindern das Gewicht gegenüber der Force um 10 Gramm. Sehr gute Schalt­eigenschaften. Gutes Kettenschloss für einmalige Nutzung.
  • Bewertung Haltbarkeit: 3 von 5 Sternen

So testet TOUR

Wir vernieten mehrere Kettenteilstücke zu einer Testkette und verspannen diese mit 1000 Newton Zugkraft. Den so belasteten Antrieb lassen wir mit 70 U/min laufen (Übersetzung 50/14 bzw. 48/13 bei SRAM). Die Laufzeit beträgt 36 Stunden, das entspricht rund 1200 Kilometern mit umgerechnet knapp 700 Watt Tretleistung. Einfaches Motoröl als Schmierstoff und Zugabe von feinem Quarzsand fördern den Verschleiß. Wir ermitteln die Gelenklängung, die maßgeblich ist für den Verschleiß der Kette.

10-fach-Kassette Vergleich

Im Folgenden werden verschiedene 10-fach-Kassetten verglichen, um die beste Wahl für unterschiedliche Anforderungen zu finden:

ModellVerwendungKompatible FreilaufkörperÜbersetzung (Anzahl Zähne)GewichtMaterialVorteile
Shimano HG50Mountainbike11-36 T454 gBeschichteter Stahlrobust und korrosionsbeständig, sehr leicht, in weiteren Varianten erhältlich
Fomtor 10-fach-KassetteMountainbike, Rennrad• Shimano • SRAM • Sunrace11-42 T475 gBeschichteter Stahlbesonders gute Übersetzung aus rostfreiem Stahl
Shimano Ultegra CS-6700keine Herstellerangabe• Shimano • SRAM11-28 Tca. 340 gBeschichteter Stahlbesonders leicht, Hyperglide-Technologie für eine besonders leichte Fahrweise
Tbest 10-Fach KassetteMountainbike• Shimano • SRAM • Sunrace11-42 T315 gBeschichteter Stahlbesonders leicht, robust und korrosionsbeständig, besonders hohe Übersetzung
Cysky 10-fach-KassetteMountainbike• Shimano • SRAM (außer XD)11-36 T489 gBeschichteter Stahlaus rostfreiem Stahl, in weiteren Varianten erhältlich
Bolany MTB-KassetteMountainbike11-42 T460 gBeschichteter Stahlmit korrosionsbeständiger Nickel-Chrom-Beschichtung, besonders hohe Übersetzung, in besonders vielen Varianten erhältlich
Keenso 10-fach-KassetteMountainbike, Rennrad• Shimano • SRAM11-36 T418 gBeschichteter Stahl, Aluminiumaus rostfreiem Stahl und Aluminium, sehr leicht, gute Verarbeitung
Shimano Tiagra 4700keine Herstellerangabe• Shimano • SRAM11-34 T459 gBeschichteter Stahlrobust und korrosionsbeständig, besonders hohe Übersetzung, in weiteren Varianten erhältlich, aus rostfreiem Stahl und Aluminium

Fazit: Shimano Ultegra CS-6700

Die Shimano Ultegra CS-6700 Kassette ist eine ausgezeichnete Wahl für Radfahrer, die eine hochwertige 10-fach Kassette suchen. Mit ihrer Ausführung von 11 bis 28 Zähnen bietet sie eine breite Bandbreite an Gängen. Die Kassette zeichnet sich durch ihren leichten Aufbau und die Hyperglide-Ritzel aus, die für präzises Schalten und minimalen Verschleiß sorgen.

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