Viele Mountainbiker stellen sich die Frage, ob ein Umbau auf 1x12 an ihrem alten Mountainbike mit Kettenschaltung möglich ist. In den meisten Fällen lässt sich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Dieser Artikel befasst sich detailliert mit den Vor- und Nachteilen sowie den notwendigen Schritten für einen solchen Umbau.
Was bedeutet 1x12 eigentlich?
Bei einem 1x12-Antrieb gibt es nur noch ein Kettenblatt an der Kurbel, wodurch der Umwerfer entfällt. Dieser Standard gilt derzeit als "State-of-the-Art" im Mountainbike-Bereich.
Vorteile des 1x12-Systems:
- Weniger Gewicht: Durch die geringere Anzahl benötigter Komponenten wird Gewicht eingespart.
- Aufgeräumtes Cockpit: Der linke Schalthebel entfällt, was Platz für andere Elemente schafft.
- Sportliches Schaltverhalten: Das Fahrgefühl wird "purer", da man sich weniger auf das Schalten konzentrieren muss. Es gibt keine "verbotenen Gänge" mehr.
- Problemlosere Verwendung ovaler Kettenblätter
- Wegfall einer potenziellen Fehlerquelle
Nachteile des 1x12-Systems:
- Kostenfaktor: Verschleißteile wie Ketten und Kassetten sind relativ teuer.
- Empfindlichkeit: Das System ist etwas empfindlicher und anfälliger gegen Schmutz.
Kompatible Ersatzteile
Je nachdem, welche Schaltgruppe am Mountainbike verbaut ist, benötigt man kompatible Ersatzteile.
- Vorderes Kettenblatt
- Hinteres Ritzelpaket
- Kette
Sofern das vorhandene Ritzelpaket oder die Kette noch nicht ersetzt werden müssen, kann man einfach damit weiterfahren. Alternativ kann man auf kostengünstigere Komponenten zurückgreifen.
Umbau-Anleitung im Detail
Demontage der "Altlasten"
Bevor es beim GX Eagle Umbau richtig zur Sache geht, sind erstmal die „Altlasten“ zu beseitigen. Mit der Demontage der insgesamt 2.077 Gramm schweren Schalt-/Antriebskomponenten war es an diesem Bike jedoch nicht getan. Da Bergamont den Deer Hunter mit einem Laufradsatz aus eigenem Hause ausstattet und eine Shimano Kassette verbaut, musste vor dem GX Eagle Umbau ein SRAM XD kompatibler Freilauf her, der für den Standardlaufradsatz aber leider nicht zu bekommen ist. Also haben wir uns für den Umbau auf den DT Swiss BigRide Laufradsatz* entschieden. Bei diesem kann der Freilauf ganz unkompliziert und ohne Werkzeug getauscht werden. Mit dem neuen Laufradsatz konnte es dann endlich losgehen.
Als erstes musste der Kettennieter für den GX Eagle Umbau ran und die Shimano Kette entfernen. Jetzt war das 10-fache SRAM X9 Schaltwerk an der Reihe. Mit einem 5mm Innensechskant schrauben wir es vom Ausfallende ab, nachdem wir die Bowdenzugschraube mit 4mm Innensechskant gelöst haben. Jetzt geht es der 2-fach Kurbel an den Kragen.
Zwei Kettenblätter? Auch das Innenlager fliegt raus, da wir für den GX Eagle Umbau auch ein anderes Innenlager benötigen. Die Achse der GX Eagle Kurbel ist nämlich eine andere als bei der e.Thirteen TRS Kurbel. Nachdem die Kurbel ab ist, haben wir freien Zugang zum vorderen Umwerfer. Analog zum Schaltwerk: die Bowdenzugschraube lösen und dann beide Befestigungsschrauben herausdrehen. Und Tschüss!
Montage und GX Eagle Umbau
Genau das ist auch schon der Übergang von der Demontage der „Altlasten“ hin zur Montage und dem GX Eagle Umbau selbst. Wenn die Griffe am Lenker und die alten Shifter einmal ab sind, kann direkt der neue GX Eagle Trigger aufgesteckt werden, bevor Bremshebel und Griffe wieder auf den Lenker gestöpselt werden.
Gleich als Nächstes nehmen wir uns das Ritzelpaket vor. Wie bereits erwähnt, kann beim DT Swiss BigRide Laufradsatz* der Freilauf werkzeuglos getauscht werden. Dennoch schrauben wir die alte Kassette vor dem Freilauftausch vom Freilauf ab. Die neue GX Eagle Kassette ist fast so groß wie ein Gourmetteller im Sternerestaurant, und das kleinste 10er Ritzel dagegen so winzig wie ein Ehering.
Die riesige Eagle 12-fach Kassette bietet eine Übersetzungsbandbreite von satten 500%. Das reicht zwar noch nicht ganz an die bisher am Bergamont montierte Ausstattung mit 2×10-fach (535%) heran. Aber der Gewichtsvorteil von 274 Gramm auf den GX Eagle Umbau mit einem Gesamtgewicht von 1.803 Gramm und vor allem die vereinfachte Bedienung können diesen Nachteil gut kompensieren.
Neben der Kassette ist das SRAM 12-fach Schaltwerk natürlich Hauptbestandteil des GX Eagle Umbaus. Wie auch das alte Schaltwerk ist das 12-fach GX Eagle Schaltwerk mit 5mm Innensechskant zu montieren. Bereits ohne Kette stellen wir den oberen und unteren Anschlag des Schaltwerkes ein, indem das obere Schaltröllchen am oberen bzw.
Nun widmen wir uns dem Innenlager und der neuen GX Eagle Kurbel mit 30 zahnigem Kettenblatt. Wichtig dabei ist die Kettenlinie zu beachten. Für das 100mm breite Innenlagergehäuse am Bergamont sagt die SRAM Beschreibung eigentlich: ein Distanzring je Seite. Bei der Montage zeigt sich dann aber, dass diese Konfiguration mit den Kurbeln resp. Wir haben die Kettenlinie gemessen, beide Scheiben mussten wir auf die nicht angetriebene Kurbelseite verbauen, so laufen die Kurbel symmetrisch an den Kettenstreben vorbei und auch die Kettenlinie passt mit 74mm noch einigermaßen.
Als Zeichen der Verbundenheit folgt jetzt die Kette, die one-by-typisch korrekt auf das vordere Kettenblatt gelegt werden muss, da die Zähne abwechselnd dick sind. Um die Kettenlänge für den GX Eagle Umbau richtig zu bestimmen wird die Ketten auf das vordere Kettenblatt und das hintere 50er Ritzel gelegt ohne (!) durch das Schaltwerk gefädelt zu werden. Die Enden der Kette müssen übereinander gelegt bei einem Hardtail vier Kettenglieder überlappen. Ist die Kette entsprechend gekürzt, kann sie mit dem mitgelieferten PowerLock verbunden und verschlossen werden.
Im letzten Arbeitsschritt spannen wir das Bowdenzugende am Schaltwerk ein. Am besten geht das, wenn der Trigger den 12. Gang eingelegt hat, das Schaltwerk steht ohnehin unter dem kleinsten Ritzel.
Feinjustierung der Schaltung
Nach unserem vollständigen GX Eagle Umbau folgt nun die finale Einstellung der Schaltung. Ist alles wie oben beschrieben montiert, dürfte das recht schnell gehen. Schaltet das GX Eagle Schaltwerk nicht ohne hakeln auf das nächst größere Ritzel, einfach die Einstellschraube am Trigger etwas herausschrauben. Springt die Kette beim Schaltvorgang in die andere Richtung nicht gefällig auf das kleinere Ritzel, Einstellschraube etwas hineinschrauben.
Es ist immer spannend, sich nach einem Umbau das erste Mal auf das Bike zu setzen und mit Innensechskantschlüsseln bewaffnet die obligatorische Runde um den Block zu drehen. Der erste Eindruck hinterlässt ein präziseres Gefühl als ursprünglich angenommen. Die 12 Gänge rasten definiert ein, die Anzahl der Klicks am Trigger scheinen endlos.
Unser GX Eagle Umbau ist abgeschlossen und wir sind schon auf den ersten Testmetern unterwegs. Die Umrüstung eines 2×10-fach Systems macht aus Gewichts-, Komfort- und Wartungsgründen Sinn. Wie sich der Bergamont Deer Hunter nach dem GX Eagle Umbau im Gelände verhält, wie die Gangwechsel fluffen und ob die Übersetzungsbandbreite ausreicht, werden wir nun ausgiebig testen. Auch Verschleiß ist angesichts der äußerst schmalen Kette ein Thema, das wir sehr kritisch beobachten werden.
Austausch der Kettenblätter
Bei meinem Bike war die Shimano XT 11-fach Kurbel FC-M8000-2 36/26 montiert. Für dem Umbau musste also das größere Kettenblatt mit 36 Zähnen durch ein neues Single Speed Kettenblatt ersetzt werden.
Für den Austausch bietet Shimano Kettenblätter in verschiedenen Ausführungen mit 30, 32 und 34 Zähnen. Welches Kettenblatt für welchen Fahrer am besten geeignet ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt verschiedene Online Rechner wie z.B. ritzelrechner.de, mit denen man verschiedene Kombinationen von Kassette und Kettenblatt simulieren kann. Ich wollte für mich den besten Kompromiss finden und habe mich für das 32er Kettenblatt entschieden.
Für den Umbau der Kettenblätter muss die Kurbel demontiert werden. Das geschieht bei Hollowtech II Kurbeln auf der nicht kettenführenden Seite. Zunächst wird die Sternschraube mit Hilfe des passenden Spezialwerkzeugs gelöst und herausgeschraubt. Die Linke Kurbel steckt auf einem Vielzahn und ist mit zwei gegenüberliegenden Innensechskantschrauben gesichert. Nach lösen und entfernen der beiden Schrauben kann die Kurbel einfach abgezogen werden.
Vorsicht: Die Kurbel ist am kurzen Ende geschlitzt. In diesem Schlitz befindet ich eine Sicherungsplatte mit einem kleinen Stift, der in eine Bohrung auf der Achse greift und die Kurbel zusätzlich gegen Abziehen sichert.
Wenn die linke Kurbel ab ist, kann die rechte Kurbel zusammen mit den Kettenblättern und der gesamten Achse aus den Lagerschalen des Tretlagers gezogen werden. Jedes der beiden Kettenblätter ist mit 4 Kettenblattschrauben befestigt. Beim entfernen der Schrauben ist darauf zu achten, dass man den richtigen Torx Schlüssel verwendet. Benötigt wird ein T30 Torx!
Das ist deshalb wichtig, da die Schrauben von Haus aus mit einem Schraubensicherungskleber montiert werden und dementsprechend schwer zu lösen sind. Wenn man z.B. einen T25 Torx ansetzt, könnte man den Eindruck bekommen, dass dieser ebenfalls passt. Die Gefahr, mit den zu kleinen Torx-Schlüssel das Innere der relativ weichen Schraube zu zerstören ist aber sehr groß - ich spreche da aus Erfahrung.
Nachdem man die alten Kettenblätter abgeschraubt hat, sollte der Kurbelarm so aussehen wie auf den beiden Fotos. In den inneren Gewindelöchern kann man deutlich den grünen Rückstand der alten Schraubensicherung erkennen. Die alten Löcher, in denen das kleinere Ritzel montiert war, bleiben zukünftig frei. Wem es auf 5 zusätzliche Gramm nicht ankommt, der kann die Gewindelöcher wieder mit den alten Schrauben verschließen.
Bei der Montage des neuen Kettenblattes kann man nicht viel falsch machen. Man sollte aber darauf achten, es richtig herum mit der Kurbel zu verschrauben. Die Seite des Kettenblattes, auf der die Löcher zusätzliche Vertiefungen für die Schraubenköpfe haben, gehört nach innen.
Damit ist der Umbau des vorderen Kettenblattes abgeschlossen und die Kurbel kann wieder am Rad montiert werden. Das funktioniert genauso wie das Abbauen - allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Der Kurbelarm wird von rechts mit der Achse durch das Tretlager geführt. Anschließend wird die linke Kurbel auf die Achse gesteckt und mit der Sternschraube so fest angezogen, dass sie ohne fühlbares Spiel am Tretlager anliegt.
Es muss darauf geachtet werden, dass alle Teile, die in direkten Kontakt miteinander kommen, gefettet werden.
Entfernung des vorderen Umwerfers
Der vordere Umwerfer wird zukünftig nicht mehr benötigt. Daher kann er zusammen mit seinem Schalthebel vom Sitzrohr bzw. Lenker abgebaut werden. An meinem Count Solo war ein Direct Mount Side-Swing Umwerfer mit einer Schraube an einer angeschweissten Befestigungsplatte montiert. Es gibt den Umwerfer aber auch mit einer Schellenbefestigung.
Zum Entfernen des Schaltzugs knipst man am einfachsten die Abschlusshülse am Ende ab und öffnet die Zugbefestigungs-Schraube am Umwerfer. Der Schalthebel wird vom Lenker demontiert, indem man den Griff abschraubt, die Befestigungsschelle löst und den Schalthebel über das Lenkerende zieht.
Wenn Brems- und Schalthebel durch einen I-Spec Adapter verbunden sind, geht es noch einfacher.
Wechsel des hinteren Zahnkranzes
Um den hinteren Zahnkranz zu wechseln, muss das Laufrad aus dem Rahmen ausgebaut werden. In den meisten Fällen geschieht dies durch lösen des Schnellspanners oder der verbauten Steckachse. Wer ein Schaltwerk mit Dämpfung besitzt, sollte vorher den grauen Hebel öffnen.
Um den alten Zahnkranz zu lösen benötigt man ein Abnehmer-Set, bestehend aus einer Kettenpeitsche und einem Schlüssel, mit dem sich die Zahnkranz Abschlussmutter montieren/demontieren lässt. Damit sich die Mutter mit dem Schlüssel gegen den Uhrzeigersinn drehen läßt, muss das gesamte Ritzelpaket mit der Kettenpeitsche sicher festgehalten werden.
Nach dem entfernen der Abschlussmutter lassen sich die einzelnen Ritzel von der Freilaufnabe abziehen. Die Montage des neuen Zahnkranzes funktioniert genauso. Der Freilauf sollte vorher aber gut gereinigt und neu gefettet werden.
Shimano Freilaufkörper haben ringsherum eine sogenannte Keilverzahnung. Diese stellt sicher, dass sich die Ritzel nur in einer bestimmten Position auf den Freilauf schieben lassen.
Anpassung und Montage der neuen Kette
Zum Schluss wird die neue Kette aufgezogen. Dazu muss zunächst die Länge angepasst werden. Am einfachsten orientiert man sich dabei an der alten Kette und kürzt die Neue auf die gleiche Länge. Zum entfernen einzelner Kettenglieder drückt man die entsprechenden Bolzen mit dem Kettennietdrücker aus der Kette.
Shimano Ketten sind in der Regel laufrichtungsgebunden. Die Kette wird vorne über das Kettenblatt gelegt, hinten von oben über eines der Ritzel geführt und nach unten durch den Schaltkäfig des Schaltwerks gefädelt.
Verschlossen werden die beiden offenen Kettenglieder entweder durch ein Quicklink Kettenschloss oder durch den Bolzen, der mit der Kette mitgeliefert wird. Diese wird mit dem Führungsstift durch die beiden Kettenglieder gesteckt und dann mit dem Kettennietdrücker so weit durchgedrückt, bis zweimal ein fühlbarer Widerstand überwunden wurde.
Das Zusammengefügte Kettenglied sollte sich sehr leicht bewegen lassen, ansonsten sitzt der Stift nicht richtig und muss nochmal korrigiert werden.
Damit ist der Umbau abgeschlossen.
Freilaufkörper: Passend zu Kassette und Nabe
Beim Umbau, Upgrade oder Tuning spielt der Freilaufkörper eine zentrale Rolle. Er stellt eine Vielzahnverbindung zur Kassette her, auf die Deine Beinkraft über die Kette übertragen wird. Dabei gibt es verschiedene Standards. Wenn Du also Deinen Antriebsstrang tunen oder umbauen willst, musst Du besonders auf den Freilaufkörper achten. Es gibt zwei wichtige Kriterien bei der Wahl:
- Er muss für die gewünschte Kassette geeignet sein.
- Er muss auf Deine Hinterradnabe passen.
Die meisten Nabenhersteller bieten Umrüst-Kits für die Montagestandards verschiedener Kassetten- bzw. Antriebshersteller an. Rüstest Du Deinen Antrieb innerhalb der Produktpalette desselben Herstellers um, etwa von einem Shimano-Zehn- auf Elffach-Antrieb oder von SRAM-Elf- auf Zwölffach, kommst Du oft um den Tausch des Freilaufkörpers herum. Entscheidend ist aber die Freilaufkompatibilität der gewünschten Kassette.
Übersicht: Die gängigsten Montagestandards
Um den Überblick zu behalten, hier eine Zusammenfassung der gängigsten Montagestandards und Kassettenkompatibilitäten:
Shimano MTB (HG)
Der Shimano-Hyperglide(HG)-MTB-Standard ist für Acht-, Neun-, Zehn- und Elf-Gang-Mountainbikekassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern geeignet, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR). Der Platz für die Kassette ist 34,9 Millimeter lang und hat neun Rillen.
Shimano Road (HG)
Der Shimano-Hyperglide(HG)-Road-Standard ist für Acht-, Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölf-Gang-Rennradkassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern geeignet, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR). Der Platz für die Kassette ist 36,75 Millimeter lang und hat neun Rillen. Acht- bis Zehnfach-Kassetten kannst Du mit Hilfe eines Spacers montieren.
Shimano Micro Spline
Mit dem Schritt zu Zwölf-Gang-MTB-Antrieben hat Shimano den Micro-Spline-Standard eingeführt. Er erlaubt die Verwendung eines kleinsten Ritzels mit zehn Zähnen und ist kompatibel mit Zwölf-Gang-MTB-Kassetten von Shimano. Die Kassette sitzt auf 23 Rillen, die 26 Millimeter lang sind.
SRAM XD
Der XD-Standard wurde von SRAM mit der Einführung der Elf-Gang-MTB-Antriebe als offener Standard eingeführt, um die Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel mit zehn Zähnen oder weniger zu ermöglichen. Er ist kompatibel mit Elf- und Zwölf-Gang-Kassetten von SRAM und diversen Drittanbietern.
SRAM XDR
Im Gegensatz zu SRAM XD hat der XDR-Standard eine um 1,85 mm vergrößerte Aufnahme. Er ist zur Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel von zehn Zähnen oder weniger gedacht und kompatibel mit SRAM-Road-12-Gang-Kassetten. Bei Verwendung eines 1,85-mm-Abstandshalters (Spacer) ist er rückwärts-kompatibel mit SRAM-XD-Kassetten.
Campagnolo
Der italienische Hersteller Campagnolo verwendet einen eigenen Freilauf-Standard mit acht unterschiedlich geformten Rillen, auf denen die Kassette sitzt. Es passen Kassetten der Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölffach-Rennradgruppen.
Campagnolo N3W
Seit 2020 gibt es von Campagnolo einen weiteren Freilauf: N3W. Der Freilaufkörper hat die gleiche Verzahnung wie der klassische Campa-Freilauf mit acht Rillen. N3W ist allerdings kürzer, um Platz für die kleinsten Ritzel (neun und zehn Zähne) von 13-fach-Kassetten zu lassen. Mit einem Adapter ist N3W kompatibel mit älteren Kassetten aus dem Hause Campagnolo.
Singlespeed/Fixie
Für Singlespeed- und Trial-Bikes gibt es spezielle Naben mit schmalen Freilaufkörpern, die meist ausreichend Platz bieten, um mit Spacern die Kettenlinie anzupassen. Der schmale Freilauf erlaubt breiter stehende Nabenflansche, die den Bau symmetrischer und steiferer Laufräder ermöglichen. Eine nachträgliche Umrüstung auf eine Schaltung mit Kassette ist bei solchen Naben allerdings nicht möglich.
Übersichtstabelle: Welcher Freilauf ist mit welcher Kassette kompatibel?
| Art des Freilaufs | Welche Kassetten passen vom Profil? | Wie viele Ritzel kann die Kassette haben? | Spacer benötigt? |
|---|---|---|---|
| Shimano MTB (HG spline M) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (SunRace, OneUp Components, u. a.) | Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | Nein |
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1,85 + 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | Nein | ||
| Shimano Road (HG spline L) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (Rotor, Miche, u. a.) | Zwölffach-Road | Nein |
| Elffach-Road (außer CS-HG800 und CS-HG700) | Nein | ||
| Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | 1,85 mm | ||
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | 1,85 mm | ||
| Shimano 12-fach Road (HG spline L2) | Shimano | Zwölffach-Road | Nein |
| Shimano 12-fach Micro Spline | Shimano | Zwölffach-MTB | Nein |
| SRAM XD | SRAM und div. Fremdanbietern (e*thirteen, KCNC, u. a.) | Elf-/Zwölffach (MTB) | Nein |
| SRAM XDR | SRAM | Zwölffach (Road) | Nein |
| Elf-/Zwölffach (MTB) | 1,85 mm | ||
| Campagnolo | Campagnolo Ultra-Drive | Neun-/Zehn-/Elf-/Zwölffach-Ultra-Drive | Nein |
| Campagnolo N3W | Campagnolo N3W | 13-fach | Nein |
| Elf-/Zwölffach | Adapter |
Die Qual der Wahl: Welches Kettenblatt brauche ich?
Die Wahl des richtigen Kettenblatts hängt von der Topografie des "Heimatgeländes" und der eigenen Fitness ab. Motto: Je steiler die Umgebung und/oder je dünner die Wadeln, desto kleiner das Kettenblatt.
Unsere Empfehlung für durchschnittlich trainierte Biker:
- im Flachland 34er- oder 36er-Blatt
- im Mittelgebirge 32er oder 34er
- in den Alpen 30er oder 32er
60 Kilo wiegende "Fitfucker" legen zwei Zähne drauf, gestandene Mannsbilder der 90-Kilo-Klasse ziehen lieber zwei Zähne ab. Auch die Laufradgröße spielt eine Rolle: An einem 26"-Bike kann man locker zwei Zähne mehr auf dem Kettenblatt fahren als an einem 29"-Radl, da pro Kurbelumdrehung weniger Schwungmasse bewegt werden muss.
Altes Bike umrüsten: Was ist mit dem Freilauf?
Es lässt sich prinzipiell jedes Bike ab Anfang/Mitte der 90er Jahre umrüsten! Voraussetzung ist nur ein BSA-Tretlagergehäuse (Pressfit, BB30 etc. bei neueren Bikes gehen natürlich auch), damit die aktuellen Innenlager passen und im Idealfall ein aktueller Standardfreilauf.
Auf den Standardfreilauf, der einst für 8-fach entwickelt wurde, passen keine 12-fach-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Um diese Kassetten (Shimano SLX, XT, SLX; Sram GX Eagle, X01 Eagle, XX1 Eagle) zu nutzen, müssen Sie das Laufrad auf den "XD-Body" (Sram) oder den "Micro-Spline"-Freilauf (Shimano) umrüsten. Ist dies nicht möglich oder zu teuer, gibt es auch Lösungen, perfekt bei Sram: Die Kassetten der preiswerten NX- und SX-Eagle-Gruppen passen auf den alten Freilauf! Dafür bieten sie als kleinstes Ritzel "nur" ein 11er, und sie sind relativ schwer. Dazu gibt es noch Fremdanbieter wie Sunrace oder Now8, die 12-fach-Kassetten für den Standardfreilauf anbieten. Diese funktionieren mit Shimano wie mit Sram, bieten aber unter Umständen nicht die optimale Schaltqualität und Haltbarkeit.
SRAM und Shimano mischen?
Typische Frage: Darf ich Shimano und Sram mixen? Antwort: jein. Srams Schalthebel steuern das Schaltwerk mit 1:1-Übersetzung des Hebelweges an, bei Shimano gilt 2:1. Hebel und Schaltwerk müssen also zusammenpassen!
Auf den Sram-"X-Sync-2"-Blättern findet zudem nur eine Sram-12-fach-Kette ihren Sitz. Umgekehrt würde eine Sram-Kette auf einer Shimano-Kurbel funktionieren, auch die Kassetten wären in der Theorie kompatibel. In der Praxis macht das keinen Sinn: Schaltqualität und die Haltbarkeit leiden unter so einem Mix spürbar.
Fazit
Der Umbau auf 1x12 ist eine lohnende Investition für Mountainbike-Enthusiasten. Durch die detaillierte Anleitung und die Berücksichtigung der Kompatibilität sollte der Umbau reibungslos funktionieren. Viel Erfolg beim Umbau!
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