Shimano XTR Umwerfer im Test: Eine umfassende Analyse

Die Shimano XTR Di2 gilt seit jeher als das Topmodell im Shimano-Portfolio und vereint leichte Komponenten mit höchster Performance. Sie ist für den Renneinsatz gebaut. Hier ist eine umfassende Analyse der Shimano XTR Umwerfer, basierend auf verschiedenen Tests und Erfahrungen.

Erste Eindrücke und Installation

Das Di2-System wurde anfangs im englischen Shimano-Hauptquartier an das Testrad angebracht. Wir sahen zu, wie ein Computer zum Rad gebracht und das komplizierte System peinlich genau durch die Kabelkanäle unseres Bikes geführt wurde. Die Kabel sind bis auf die Länge alle gleich und verbinden Display, Umwerfer, Schaltwerk, Schalthebel und Batterie und haben dieselben Enden, die leicht in die jeweilige Verbindung einrasten. Umwerfer und Schaltwerk werden montiert wie konventionelle Komponenten, der Umwerfer passt an alle gängigen Aufnahmen. Das Schaltwerk ist das bisher schlankste von Shimano, schmiegt sich nah an die Kassette und geht so hässlichen Begegnungen aus dem Weg. Es gibt eine Version mit mittlerem und eine mit langem Käfig.

Funktionen und Features der Shimano XTR Di2

Über das Display kann man in die vielen Features der Di2 einsteigen. Mit einem kurzen Druck auf die Seite des Displays kommt man zum „Micro Adjustment“, wo man beim Treten in der Ebene kleine Änderungen vornehmen kann, um die Gangwechsel zu optimieren. Ähnlich der Einstellung des Kabelzuges an einem herkömmlichen Schalthebel ist dies dienlich, wenn man ein verbogenes Schaltauge hat oder die Schaltung an einen neuen Rahmen montieren möchte. Nutzt man das Synchro-System (hierbei arbeiten Umwerfer und Schaltwerk über nur einen Schalthebel) kann der Fahrer hier auswählen, welchen der beiden Schaltmodi er nutzen möchte. Die Modi selbst können genauer eingestellt werden, wenn man einen PC an das System anschließt. Umwerfer und Schaltwerk arbeiten mit einem Schalthebel.

Der Trigger hat ein Upgrade bekommen und lässt sich jetzt ausschließlich mit dem Daumen bedienen. Das mag für eingefleischte Shimano-Fans etwas gewöhnungsbedürftig sein, schließlich konnte man bisher auch mit dem Zeigefinger schalten. Aber das neue Design wirkt stimmig und das Feedback beim Schalten ist richtig gut.

Besonders genial finde ich, dass der Akku jetzt fest im Schaltwerk integriert ist. Der Akku selbst hat 310 mAh - das sind 10 mAh mehr als bei SRAM AXS. Was ich persönlich super finde: Die Schaltrollen sind jetzt besser geschützt und geschlossen.

Die Griffweitenverstellung sitzt jetzt schick im Bremsgriff und lässt sich leicht einstellen. Im Test hat die Bremse sofort überzeugt: stark, präzise und vorhersehbar. Die neuen Bremsbelag-Aufnahmen sind leiser und klapperfreier.

Praxiserfahrungen und Leistung

Die Gangwechsel waren der Wahnsinn, so präzise und sicher, dass es schon unheimlich war. Die Haltbarkeit der Batterie war wohl das Überraschendste, denn auch bei mehrmaligen Ausfahrten jede Woche konnte man die Ladezyklen in Monaten und nicht in Wochen messen! Das einzige Problem, das wir feststellten, tauchte während eines Isle of Man-Endurorennens auf, als wir nach einem Sturz die Kette verloren und dabei einen Teil des Käfigs abrissen. Doch wir konnten den Käfig problemlos ersetzen, denn alle Teile sind austauschbar.

Sobald das System eingestellt ist und man sich daran gewöhnt hat, hat es einige Vorzüge: seine Einfachheit, die unglaubliche Akkulaufzeit, die präzisen Gangwechsel ohne Haken und die beeindruckende Optik. Es hat uns nie enttäuscht und das einzige Geräusch ist ein leises elektrisches Klicken bei jedem Schalten, was auch den Fahrern hinter uns nicht verborgen blieb!

Im Praxistest hat die Schaltung auf ganzer Linie überzeugt: schnell, präzise und spürbar schneller als die Konkurrenz. Aber: Unter Volllast wirkt das Ganze etwas filigraner als ein SRAM-Schaltwerk - es kracht mehr, wenn ich richtig reintrete. Laut Shimano soll das aber keine Probleme verursachen.

Vergleich mit anderen Schaltungen

Shimano geht in direkte Konfrontation mit der formidablen SRAM X01 Eagle hinsichtlich Preis und Zielgruppe: Die XTR M9100 zielt auf anspruchsvolle Trail-Biker, die das Beste vom Besten wollen. Verglichen mit SRAMs X01 Eagle schaltet Shimanos XTR M9100 auf kurzen, knackigen Anstiegen und unter Last schneller und weicher auf die größten Ritzel. Das Einlegen des „Panik-Gangs“ in letzter Sekunde ist also kein Thema.

Welche Schaltung ihr favorisieren werdet, hängt stark von eurem Fahrstil und dem bevorzugten Terrain ab. Wer in welligem Terrain zuhause ist, wird die grandiose Abstufung des mittleren Gangspektrums der SRAM X01 Eagle lieben. Wer jedoch in der Nähe von steilem Gelände mit harten Anstiegen lebt, wird die sanfteren Trittfrequenz-Wechsel in den letzten drei Gängen von Shimanos XTR M9100 zu schätzen wissen.

Im direkten Vegeich zu SRAMs X01 Eagle rasten die Gänge mit Shimanos neuem Instant Release-Mechanismus unter Last schneller und geschmeidiger ein, speziell in den größten Ritzeln. Ergonomisch gesehen sind die Schalthebel der Shimano XTR 9100 mit dem langen, gummierten Bereich unschlagbar - und die Möglichkeit, mit einem langen Drücken doppelt herunterzuschalten, kann SRAM ebenfalls nicht kontern.

Vor- und Nachteile

Die neue XTR Di2 ist jetzt vollständig wireless - und das merkt man sofort: keine störenden Kabel, aufgeräumtes Cockpit, modernes Setup. Die Schaltung selbst liefert genau das, wofür Shimano seit jeher steht: schnell, präzise und zuverlässig. Der integrierte Akku und die komplett geschlossenen Schaltrollen sind durchdachte Details, die die Haltbarkeit und Funktionalität noch einmal verbessern.

Allerdings hat sie auch eine Schwäche, eine Achillesferse und letztendlich hat das Ergebnis damit einen sehr faden Beigeschmack. Einen neuen Standard in Form des MICRO SPLINE-Freilaufs einzuführen, war kein unerwarteter Schritt - SRAM hat damals mit seinem XD-Freilaufkörper dasselbe getan. Aber da lediglich einige wenige Hersteller aktuell über kompatible Laufradsätze verfügen, werden die meisten Fahrer, die sich nach einem Upgrade umsehen - und wahrscheinlich bereits im Besitz eines teuren, jedoch inkompatiblen Laufradsatzes sind - den 7,6 Grad-Einrastwinkel der XTR-Nabe mit Konuslager als einen Schritt rückwärts ansehen.

Shimano Umwerfer im Vergleich

Hier ist ein Vergleich verschiedener Shimano Umwerfer, um die Unterschiede und Vorteile der einzelnen Modelle hervorzuheben:

Modell Schaltstufen vorne Schaltstufen hinten Vorteile Nachteile
Shimano Tourney FD-TY710 3 7 bis 8 Geeignet für MTB, Zugführung von unten oder oben möglich, relativ viele Zähne am größten Kettenblatt Instabiles Design
Shimano Deore XT FD-M785 2 10 Geeignet für MTB und Trekkingbike, Zugführung von unten oder oben möglich, besonders leichter Umwerfer Wenig Schaltstufen vorne vorhanden
Shimano Deore XT FD-T8000-L-3 3 10 Geeignet für MTB und Trekkingbike, Zugführung von unten oder oben möglich, leichter Umwerfer Instabiles Design
Shimano Claris FD-R2030 3 8 Geeignet für MTB und Trekkingbike, Zugführung von unten oder oben möglich, relativ viele Zähne am größten Kettenblatt Hohes Eigengewicht

Für alle, die aktuell noch mechanisch unterwegs sind, ist die neue XTR ein echtes Upgrade - die Nachrüstung ist problemlos möglich. Und wer ein neues Bike mit der XTR ausstattet, wird garantiert zufrieden sein.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0