Komponenten verschiedener Marken lassen sich in der Regel nicht miteinander kombinieren. Es gibt nur wenige Ausnahmen; so sind zum Beispiel die Antriebsteile der Zehnfach- und Elffach-Generationen von Shimano und SRAM austauschbar. Das kann interessant sein, weil Shimano-Verschleißteile preiswerter und besser verfügbar sind und in dieser Generation auch haltbarer.
Teile von einem Hersteller lassen sich innerhalb gewisser Grenzen über die Gruppen hinweg kombinieren. Ist die Anzahl der Ritzel auf den Kassetten identisch, passen die Teile auch mechanisch zueinander. So können beispielsweise Verschleißteile von günstigeren Gruppen genutzt werden, um Geld zu sparen. Aus höherwertigen Gruppen können zum Beispiel die Kurbeln das Gesamtgewicht etwas senken.
Besonderheit bei SRAM AXS: Rennrad-Schaltungen lassen sich mit Mountainbike-Teilen kombinieren. Auch die Übersetzung lässt sich mithilfe gruppenfremder Teile an die eigenen Bedürfnisse anpassen. So bieten preiswertere Gruppen oft bergtauglichere Kassetten oder Kettenblätter. Allerdings muss man die Kapazitätsgrenzen der Schaltwerke und Umwerfer beachten; Schaltwerke der teureren Schaltungen sind unter Umständen nicht für die großen Ritzel geeignet.
Antriebskomponenten im Detail
Kassette
Die Kassette besteht aus mehreren Zahnkränzen, häufig Ritzel genannt, und befindet sich am Hinterrad des Mountainbikes. Die Kassette bestimmt die Gangzahl am Heck, welche in der Regel zwischen 8 und 12 liegt. Zusammen mit den Kettenblättern ergibt sich daraus die gesamte Gangzahl und Übersetzungsbandbreite.
Von der Kombination von Shimano-Kassetten und Sram-Schaltwerken lässt man besser die Finger. Ebenso sollte man es lassen, Sram Eagle-Kassetten mit einem Shimano 12fach-Schaltwerk zu kombinieren. Wer bei Sram eine Kassette mit 50-Zahn-Ritzel gegen ein Ritzelpaket mit extragroßem 52er „Rettungsritzel” für steilste Anstiege tauschen will, benötigt für eine einwandfreie Funktion ein Sram-Eagle-Schaltwerk, dessen Käfig mit dem Schriftzug „520%“ gekennzeichnet ist. Drittanbieter wie E13 bieten universelle Nachrüstkassetten für 1x12-Antriebe. Sie gehen bei den Ritzelabständen meist einen Kompromiss ein, um sowohl mit Shimano-Schaltwerken als auch mit Sram-Schaltungen kompatibel zu bleiben.
Kette
Die Kette verbindet die Kettenblätter vorne mit der Kassette hinten und ist essentiell für den Antrieb des Mountainbikes. Sie wird fast ausschließlich aus Stahl gefertigt und besteht aus zahlreichen kleinen Gliedern, die eine reibungslose Rotation ermöglichen, sich jedoch nicht verdrehen lassen.
Je mehr Ritzel eine Kassette hat, desto dünner muss die Kette werden. Der Unterschied zwischen 8-, 10- und 12fach-Ketten (unten) ist mit bloßem Auge zu erkennen.
Schaltwerk und Umwerfer
Das Schaltwerk und der Umwerfer verschieben den Lauf der Kette über die Kettenblätter bzw. die einzelnen Ritzel der Kassette. Sie werden in der Regel über ein Kabel angesteuert und leiten über die Manipulation der Zugkraft den Schaltvorgang ein.
Schaltwerk und Schalthebel sollten jeweils entweder von Shimano oder Sram sein, um funktionell perfekt zu harmonieren. Für Shimano bieten TRP (zwölffach) und Box Components (elffach) Ersatzschaltwerke an. Für Sram gibt es keine Ersatzschaltwerke von Drittanbietern.
Kettenblätter
Mit der Einführung der Einfach-Antriebe von Sram hat sich auch das Zahnprofil der Kettenblätter stark verändert. Sram setzt auf ein Profil mit abwechselnd dicken und dünnen Zähnen in Haifischzahnform (Sram X-Sync). Shimano hat für die Zwölffach-Kurbeln bei seinen Kettenblättern ebenfalls ein Narrow-Wide-Profil eingeführt. Eine Alternative sind Kurbeln mit Kettenblättern von Drittanbietern. Sie lassen sich mit jedem Antrieb - egal ob Sram oder Shimano - kombinieren. Die Kettenblätter und Kurbeln von E13 sind pauschal für alle 1x12-Antriebe freigegeben. Mit diesem Trick kann man aktuelle und ältere Kurbeln und Antriebe von Sram oder Shimano mixen.
Freilauf
Der Freilauf ist die Schnittstelle zwischen Laufrad und Kassette. Mittlerweile gibt es drei Freilaufstandards, für die es jeweils spezielle Kassetten gibt. Früher nutzten sowohl Shimano als auch Sram den HG-Freilauf. Heute haben beide ihre eigenen Standards für Freilaufkörper: Shimano den Micro-Spline-Freilauf für Zwölffach-Kassetten. Sram setzt auf den Sram XD-Standard. Er passt für Elffach und Zwölffach-Kassetten (Eagle) von Sram.
Kompatibilität in der Praxis
Eine 12fach Shimanokassette funktioniert einwandfrei mit SRAM Schaltwerk. Es gab keine SRAM-Kassetten, aber die neuen Shimano 105 Kassetten 11-34 12fach waren überall an Lager. Also haben wir die 105er mit SRAM Force eingesetzt und das geht problemlos. Ketten müssten demnach auch gar kein Problem sein. Im schlimmsten Fall nimmst du eine KMC DLC12 Kette, die ist mit allen 12fach Antrieben kompatibel.
Einzig der Umwerfer könnte etwas Probleme bereiten. Shimano verträgt maximal 16 Zähne Differenz, SRAM verträgt offiziell nur 13Zähne Unterschied. Wir haben SRAM 48-33 ausprobiert. Das geht, aber mit minimalen Abstrichen. Man muss vorsichtig schalten. Dh. Druck wegnehmen, warten bis die Kette sauber oben ist, dann wieder Druck geben.
SRAM: Deutsch-amerikanische Innovationskraft
Ecken und Kanten prägen das Design der Produkte, die Amerikaner nutzen dabei viele unterschiedliche Materialien und kontrastierende Oberflächen. Im Vergleich wirken die Teile oft wuchtiger als die der Wettbewerber. Die Unterschiede zwischen den Gruppen sind recht groß: Während bei der Top-Gruppe Red alle Register gezogen werden, ist der Konstruktionsaufwand bei Force und Rival deutlich geringer, was sich in großen Gewichtsunterschieden niederschlägt.
Ergonomie von SRAM
Nur ein großes Schaltpaddel auf jeder Lenkerseite macht die Bedienung der elektronischen Schaltungen simpel und intuitiv. Die recht großen Griffkörper von Red und Force finden viele Menschen mit kleinen Händen nicht optimal; die jüngste Generation der Rival wurde etwas schlanker und handfreundlicher. Die Hebel der mechanischen Schaltungen wirken für heutige Verhältnisse schwergängig; ihre Entwicklung wird seit Jahren nicht mehr vorangetrieben.
Ein großes Schaltknopf pro Seite, links leichtere Gänge, rechts schwerere - einfacher geht´s nicht.
Wenn alles passt, laufen die Antriebe von SRAM einwandfrei. Kleine Störfaktoren können das Fahrvergnügen aber schnell verleiden. Die elektronischen Umwerfer sind diffizil einzustellen, besonders jener der Force neigt zu Kettenabwürfen, wenn er nicht exakt justiert ist. Die Force-Kassette fiel anfangs auch mit Laufgeräuschen auf. Die Einfach-Antriebe mahlen bei kurzem Radstand gerne, wenn in den äußeren Gängen die Kette stark schräg läuft.
Beachten muss man die von traditionellen Übersetzungen abweichenden Zähnezahlen der elektronischen Schaltungen: Weil Ritzel und Kettenblätter hier ganzheitlich verkleinert wurden und der schnellste Gang nur zehn Zähne hat, muss man die Zähnezahlen “umrechnen”. Insgesamt sind aber mehr Optionen möglich als bei anderen Herstellern.
Nur ein Kettenblatt macht manches einfacher - aber nicht alles besser.
Bremsen
Bis auf das Gewicht unterscheiden sich die Bremsanlagen der einzelnen Gruppen nicht spürbar im Handling. Die Stahlscheiben vertragen viel Hitze, das Ansprechverhalten ist gut, aber nicht ganz so sensibel wie bei der Konkurrenz. Bei Nässe neigen die Bremsen zum Quietschen, und die Beläge verschleißen recht schnell. Das Entlüften ist dafür unproblematisch.
Service und Kosten
Der Fokus auf die Funkschaltung macht die Gruppen von SRAM vergleichsweise teuer. Gut sind die große Vielfalt an Übersetzungen und die Kompatibilität der Produkte: Innerhalb der elektronischen AXS-Umgebung kann fast alles miteinander kombiniert werden; so lassen sich maßgeschneiderte Antriebe realisieren. Das Angebot an Zubehör wie Leistungsmessern, Zusatz- und Zeitfahrschaltern ist groß.
Kritikwürdig ist die wenig kundenfreundliche Ersatzteilpolitik: Einzelne Ritzel können nicht getauscht werden, bei einem verbogenen Schaltwerkskäfig ist ein neues Schaltwerk fällig, Zusatzschalter mit fest verbautem Akku müssen nach Ablauf der Batteriezeit ausgetauscht werden - solche Beispiele ziehen sich durch die ganze Produktpalette.
Auch die preiswerte Rival-Kurbel gibt´s optional mit Leistungsmessung.
Shimano vs. SRAM - MTB-Schaltungen im Detail
Im MTB-Bereich gibt es bei der Schaltung eigentlich häufig nur die Wahl zwischen Shimano und SRAM. Wir geben euch einen Überblick über die Technologien der beiden Konkurrenten und die Hierarchien der einzelnen MTB-Schaltgruppen.
Shimano
Shimano ist aktuell der Marktführer in allen Fahrradsegmenten und hat das größte Portfolio an Schaltsystemen für den MTB-Bereich. Die meisten Gruppen wurden so entwickelt, dass sie sich auch kombinieren lassen, solange sie die gleiche Anzahl an Gängen besitzen. Die Schalthebel der japanischen Firma nutzen die Rapid Fire Technologie, welche über Daumen und Zeigefinger gesteuert werden. Die Technologie ermöglicht auch das Schalten mehrerer Gänge mit nur einem Druck. Die aktuellen Top-Gruppen sind die neue XTR M9100 sowie die XTR Di2.
Die Shimano Schaltgruppen in der Übersicht:
- Tourney: Die billigste Gruppe im Shimano-Sortiment ist keine Mountainbike-spezifische Gruppe und wird sowohl bei Einsteiger-Hardtails als auch bei Freizeit-Rädern, Crossbikes und ATBs eingesetzt.
- Altus: Die Einsteiger-Gruppe von Shimano wird gelegentlich noch bei Budget-Mountainbikes eingesetzt, ist aber eigentlich wie die Tourney nicht wirklich für den Offroad-Einsatz geeignet.
- Acera: Ebenfalls noch eine Einsteiger-Gruppe, aber schon mit 2x9 und 3x9 Gängen und vermehrtem Einsatz von leichten Aluminium.
- Alivio: Die Top-Gruppe in Shimanos Freizeit-Rad-Bereich ist die Alivio, die schon so einige Technologien und Features der speziellen MTB-Gruppen übernimmt.
- Deore: Die Shimano Deore Gruppe ist in dieser Liste die erste wirklich 100%ige MTB-Schaltgruppe und richtet sich an Neulinge genauso wie Fortgeschrittene.
- SLX: Die SLX ist das Mountainbike-Äquivalent zur 105 im Rennradbereich: Das Arbeitstier unter den MTB-Gruppen unterscheidet sich in der Ausstattung und den Features nur geringfügig von teureren Gruppen, wiegt dafür aber mehr.
- Zee: Die spezielle Downhill- und Freeride-Gruppe kostet ungefähr so viel wie die SLX und ist aktuell als 1x10 Schaltung erhältlich.
- Deore XT: Nach der Deore wahrscheinlich die beliebteste MTB-Schaltgruppe.
- XT Di2: Die elektronische Version der XT nutzt elektronisch gesteuerte Servomotoren, um den Schaltvorgang direkt am Schaltwerk einzuleiten.
- XTR: Die Meisterklasse von Shimano hört auf den Namen XTR und besteht aus einer Mischung von Carbonteilen, Titan und hochwertigem Aluminium.
Generationskonflikt: 10fach/11fach Teile mit 1x12-Schaltung kombinieren?
MTB-Schaltungskomponenten von älteren Zehnfach- (3x10 oder 2x10) oder Elffach-Antrieben (z.B. Sram 1x11 Komponenten) lassen sich nicht mit aktuellen Zwölffach-MTB-Schaltungen kombinieren. Das funktioniert weder bei Sram noch bei Shimano und auch nicht herstellerübergreifend.
Die Zeit vor den Eagle 1x12-Antrieben: die Sram Elffach-Schaltung XX1.
Übersetzungsverhältnis von Shimano-Schaltungen
Die Übersetzung sagt aus, wie weit sich das Schaltwerk bewegt, wenn der Schalthebel den Schaltzug um einen Millimeter bewegt. Beispiel: als Shimano 1984 mit Dura-Ace S.I.S. die weltweit erste Klickschaltung einführte, hatte diese Schaltung eine Übersetzung von ca. 1,9. Für jeden Millimeter Zug am Schalthebel bewegte sich die Schaltung um 1,9 Millimeter.
Bald stellte sich für Shimano heraus, dass es technisch vorteilhaft war, die Übersetzung zu verändern.
Also hatten sämtliche 6-, 7-, 8- und 9-fach Shimano-Schaltungen, die danach kamen, eine Übersetzung von 1,7. Hier wird die Übersetzung wichtig: Wer als Upgrade versucht hat, seine Shimano 105 8-fach Schaltung oder Schalthebel durch Dura-Ace 8-fach zu ersetzen, hat Schiffbruch erlitten - sie waren nicht kompatibel. Nur die Kombination aus neuem Schalthebel und neuer Schaltung hätte funktioniert, und das wäre entsprechend teuer geworden.
1997 brachen geradezu paradiesische Zustände aus, was die Standardisierung anbelangt: Die neue, 9-fache Dura-Ace 7700-Gruppe hatte ebenfalls eine Übersetzung von 1,7 und war mit allen anderen Shimano-Schaltwerken, egal ob für Rennräder oder für Mountainbikes (MTB) kompatibel. Schaltungen von Campagnolo haben dagegen eine andere Übersetzung, sie sind nicht kompatibel. SRAM bot zunächst „2:1“-Schaltungen und -Schalthebel an, die Shimano-kompatibel waren, bevor sie mit „1:1“ und dann mit „Exact-Actuation/EA“ eigene Entwicklungen betrieben.
Bis einschließlich der 10-fach Rennradgruppen blieb Shimano bei seinem Standard. Als 2010 die 10-fachen „Dyna-Sys“ MTB-Gruppen erschienen, wurde jedoch ihr Übersetzungsverhältnis auf circa 1,2 verändert - diese Schaltwerke sind nicht mit den vorigen kompatibel.
Weil Shimano bei Dyna-Sys auch den Kabelzug an den Schalthebeln verändert hat, hat das 10-fach MTB-System, bestehend aus Schalthebel und Schaltung, trotzdem denselben Weg geschaltet wie das 10-fache Rennradsystem.
Das war wichtig, weil damit der Ritzelabstand der MTB- und Rennradkassetten gleich bleiben konnte. Genauso wie vorher die 8- oder 9-fach Kassetten, sind alle Shimano 10-fach Kassetten untereinander kompatibel, sie passen auf denselben Freilauf. SRAM 8-, 9- und 10-fach Kassetten sind übrigens mit ihren Shimano-Pendants kompatibel.
Nur alte 7-fach Shimano- und SRAM-Schaltungen haben einen um 4,5 mm schmäleren Freilauf und Kassette.
Tabelle: Shimano MTB-Schaltgruppen im Überblick
| Gruppe | Zielgruppe | Gänge | Technologien |
|---|---|---|---|
| Tourney | Einsteiger | 3x7 | - |
| Altus | Einsteiger | 3x8 | Rapid Fire Shifter |
| Acera | Einsteiger | 2x9, 3x9 | Aluminium |
| Alivio | Hobbyfahrer | 3x9 | - |
| Deore | Neulinge, Fortgeschrittene | 1x12, 2x12, 3x12 | Clutch-Technologie, Shadow RD |
| SLX | Ambitionierte Mountainbiker | 1x12, 2x12 | Shadow RD+, Hollowtech II, Dynamic Chain Engagement, Hyperglide |
| Zee | Downhill, Freeride | 1x10 | - |
| Deore XT | Ambitionierte Mountainbiker | 1x12, 2x12 | HOLLOWTECH II, Dynamic Chain Engagement |
| XT Di2 | Ambitionierte Mountainbiker | 1x12, 2x12 | Elektronisch gesteuerte Servomotoren |
| XTR | Profis | 1x12, 2x12 | Carbon, Titan, Aluminium, RapidFire Plus |
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