Der Freilauf am Fahrrad ist ein zentrales Element, das oft übersehen wird, aber jeden Meter spürbar ist, den man beim Fahren nicht in die Pedale tritt. Er ist die Schnittstelle zwischen der Kassette und dem Hinterrad. Wenn man in die Pedale tritt, überträgt er die Kräfte vom Ritzel auf die Nabe. Wenn man die Beine hochnimmt, ermöglicht er müheloses Dahinrollen. Manche schätzen ihn für sein individuelles Klangbild, das sogar die Fahrradklingel ersetzen kann.
Wenn man seine Schaltung umrüstet, kann ein Tausch des Freilaufkörpers nötig sein. Wenn man eine neue Hinterradnabe oder einen neuen Laufradsatz aussucht, ist die Art des Freilaufs ein wichtiger Faktor. Es gibt verschiedene Standards und Kompatibilitäten zu beachten, besonders beim Umbau, Upgrade oder Tuning, wo der Freilaufkörper eine Hauptrolle spielt.
Freilaufkörper passend zu Kassette und Nabe: So findest Du den richtigen Freilauf
Beim Neukauf eines Rades, einer Hinterradnabe oder eines Systemlaufradsatzes ist die Wahl des richtigen Freilaufs ein wichtiger Faktor. Der Freilaufkörper stellt eine Vielzahnverbindung zur Kassette her, auf die die Beinkraft über die Kette übertragen wird. Dabei gibt es verschiedene Standards. Wenn man also seinen Antriebsstrang tunen oder umbauen will, muss man besonders auf den Freilaufkörper achten.
Es gibt zwei wichtige Kriterien bei der Wahl:
- Er muss für die gewünschte Kassette geeignet sein.
- Er muss auf die Hinterradnabe passen.
Die meisten Nabenhersteller bieten Umrüst-Kits für die Montagestandards verschiedener Kassetten- bzw. Antriebshersteller an. Rüstet man seinen Antrieb innerhalb der Produktpalette desselben Herstellers um, etwa von einem Shimano-Zehn- auf Elffach-Antrieb oder von SRAM-Elf- auf Zwölffach, kommt man oft um den Tausch des Freilaufkörpers herum. Entscheidend ist aber die Freilaufkompatibilität der gewünschten Kassette.
Umbau des Freilaufkörpers: Am besten werkzeugfrei
Wie genau der Umbau des Freilaufkörpers vonstattengeht, ist von Nabenhersteller zu Nabenhersteller verschieden. Viele Hersteller wie Hope, DT Swiss, SRAM oder Shimano ermöglichen einen werkzeugfreien Umbau: Der Freilaufkörper ist einfach gesteckt. Ob das bei Deiner Nabe auch so ist oder wie ein Wechsel stattdessen funktioniert, verrät Dir die Bedienungsanleitung oder das Service-Team. Etwas Werkzeug braucht man, um vorher das Rad auszubauen und die Kassette zu demontieren.
Übersicht: Die gängigsten Montagestandards
Um beim Einkauf den Überblick zu behalten, sind hier die gängigsten Montagestandards und Kassettenkompatibilitäten kurz zusammengefasst.
- Shimano MTB (HG): Geeignet für Acht-, Neun-, Zehn- und Elf-Gang-Mountainbikekassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR).
- Shimano Road (HG): Geeignet für Acht-, Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölf-Gang-Rennradkassetten von Shimano und diversen anderen Herstellern geeignet, bei denen das kleinste Ritzel mindestens elf Zähne hat (auch SRAM, aber nicht SRAM XD oder XDR).
- Shimano Road Zwölffach (HG+): Shimanos Zwölffach-Dura-Ace-Hinterradnaben verfügen über einen spezifischen Freilauf, der in Kombination mit Dura-Ace-Laufrädern ausgeliefert wird. Der Freilauf ist lediglich mit Zwölffach-Kassetten kompatibel.
- Shimano Micro Spline: Mit dem Schritt zu Zwölf-Gang-MTB-Antrieben hat Shimano den Micro-Spline-Standard eingeführt. Er erlaubt die Verwendung eines kleinsten Ritzels mit zehn Zähnen und ist kompatibel mit Zwölf-Gang-MTB-Kassetten von Shimano. Nicht verwendbar mit SRAM-XD- und XDR-kompatiblen Kassetten.
- SRAM XD: Der XD-Standard wurde von SRAM mit der Einführung der Elf-Gang-MTB-Antriebe als offener Standard eingeführt, um die Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel mit zehn Zähnen oder weniger zu ermöglichen. Er ist kompatibel mit Elf- und Zwölf-Gang-Kassetten von SRAM und diversen Drittanbietern. Nicht verwendbar mit Shimano-kompatiblen Kassetten (HG). Nicht verwendbar mit SRAM-XDR-Kassetten (Zwölf-Gang-Road).
- SRAM XDR: Im Gegensatz zu SRAM XD hat der XDR-Standard eine um 1,85 mm vergrößerte Aufnahme. Er ist zur Verwendung von Kassetten mit einem kleinsten Ritzel von zehn Zähnen oder weniger gedacht und kompatibel mit SRAM-Road-12-Gang-Kassetten. Bei Verwendung eines 1,85-mm-Abstandshalters (Spacer) ist er rückwärts-kompatibel mit SRAM-XD-Kassetten (s. o.). Nicht verwendbar mit Shimano-kompatiblen Kassetten.
- Campagnolo: Der italienische Hersteller Campagnolo verwendet einen eigenen Freilauf-Standard mit acht unterschiedlich geformten Rillen, auf denen die Kassette sitzt. Es passen Kassetten der Neun-, Zehn-, Elf- und Zwölffach-Rennradgruppen. Nicht verwendbar mit Shimano- oder SRAM-kompatiblen Kassetten.
- Campagnolo N3W: Seit 2020 gibt es von Campagnolo einen weiteren Freilauf: N3W. Der Freilaufkörper hat die gleiche Verzahnung wie der klassische Campa-Freilauf mit acht Rillen. N3W ist allerdings kürzer, um Platz für die kleinsten Ritzel (neun und zehn Zähne) von 13-fach-Kassetten zu lassen. Mit einem Adapter ist N3W kompatibel mit älteren Kassetten aus dem Hause Campagnolo. Nicht verwendbar mit Shimano- oder SRAM-kompatiblen Kassetten.
- Singlespeed/Fixie: Für Singlespeed- und Trial-Bikes gibt es spezielle Naben mit schmalen Freilaufkörpern, die meist ausreichend Platz bieten, um mit Spacern die Kettenlinie anzupassen.
Übersichtstabelle: Welcher Freilauf ist mit welcher Kassette kompatibel?
| Art des Freilaufs | Welche Kassetten passen vom Profil? | Wie viele Ritzel kann die Kassette haben? | Spacer benötigt? |
|---|---|---|---|
| Shimano MTB (HG spline M) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (SunRace, OneUp Components, u. a.) | Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | Nein |
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1,85 + 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | Nein | ||
| Shimano Road (HG spline L) | Shimano, SRAM (außer XD/XDR) und Fremdanbieter (Rotor, Miche, u. a.) | Zwölffach-Road | Nein |
| Elffach-Road (außer CS-HG800 und CS-HG700) | Nein | ||
| Elffach-MTB (sowie CS-HG800 und CS-HG700) | 1,85 mm | ||
| Ausgewählte Zehnfach-Road: CS-7900 / CS-7800 / CS-6700 / CS-6600 / CS-5700 / CS-5600 | 1 mm | ||
| Acht-/Neun-/Zehnfach(Road und MTB) | 1,85 mm | ||
| Shimano 12-fach Road (HG spline L2) | Shimano | Zwölffach-Road | Nein |
| Shimano 12-fach Micro Spline | Shimano | Zwölffach-MTB | Nein |
| SRAM XD | SRAM und div. Fremdanbietern (e*thirteen, KCNC, u. a.) | Elf-/Zwölffach (MTB) | Nein |
| SRAM XDR | SRAM | Zwölffach (Road) | Nein |
| Elf-/Zwölffach (MTB) | 1,85 mm | ||
| Campagnolo | Campagnolo Ultra-Drive | Neun-/Zehn-/Elf-/Zwölffach-Ultra-Drive | Nein |
| Campagnolo N3W | Campagnolo N3W | 13-fach | Nein |
| Elf-/Zwölffach | Adapter (Art-Nr. 78166) |
Konstruktionsprinzipien beim Freilauf: Sperrklinken und Zahnscheiben
An den meisten Fahrrädern sind Freiläufe entweder mit sogenannten Sperrklinken oder als Zahnscheibenfreiläufe konstruiert.
- Sperrklinkenfreilauf: Ein Sperrklinkenfreilauf hat an dem Teil, der in der Nabe sitzt, mehrere kleine Sperrklinken, die von Federn nach außen gedrückt werden. Ein verzahnter Ring im Nabenkörper bildet das Gegenstück. Tritt man in die Kurbel, greifen die Sperrklinken fest in die Verzahnung und bewegen so die Nabe mit. Da die Sperrklinken und die Verzahnung nur in eine Richtung zueinander passen, kann sich die Nabe vorwärts drehen, auch wenn der Freilaufkörper stillsteht (wenn man rollt, ohne zu treten). Dann rutschen die Klinken über die Zähne im Nabenkörper - meist deutlich hörbar. Es gibt unterschiedliche Ausführungen, wie viele Klinken ein Freilauf hat und wie viele davon gleichzeitig greifen.
- Zahnscheibenfreilauf: Hier greifen während des Tretens zwei Zahnscheiben ineinander, die von Federn aufeinandergedrückt werden. Eine davon sitzt im Nabenkörper und die andere im Freilaufkörper. Anders als bei Sperrklinkenfreiläufen greifen bei Zahnscheiben immer alle Zähne gleichzeitig. Das sorgt für eine sehr große Kontaktfläche und macht die Freiläufe auch bei hohen Krafteinträgen sehr robust. Auch hier passt die Verzahnung nur in eine Richtung. In die andere Richtung rutschen die Zahnscheiben hörbar übereinander.
Wie viele Rastpunkte hat Deine Nabe und wie laut ist sie?
Je feiner die Rasterung des Klinkeneingriffs oder der Zahnscheiben ist, desto mehr Rastpunkte hat man bei jeder Umdrehung der Nabe zur Verfügung. Der Eingriffs- oder Auslösewinkel beim Treten wird geringer. Anders gesagt: Der Leerweg der Kurbel sinkt und nach dem Rollen hat man nahezu unmittelbar wieder Kraftschluss. Das ist vor allem für Trial-, Mountain- und Gravelbiker wichtig. Am Renn- oder Triathlonrad, wo man ohnehin eine konstante Pedalumdrehung anstrebt, ist das weniger entscheidend.
Die Rasterung ist auch verantwortlich für das Geräusch, das man beim Dahinrollen hört. Je mehr Rastpunkte Deine Nabe hat, desto höher wird das Surren. Wie definiert und laut Dein Freilauf klingt, hängt von den Details ab, wie der Hersteller die Zahnscheiben oder Sperrklinken dimensioniert hat - und von der Schmierung. Kassette, Felgen und sogar der Rahmen können das Geräusch als Resonanzkörper noch verstärken. So hat jedes Bike seinen individuellen Road- oder Trail-Soundtrack.
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