Shimano XT 12-fach Kettenblatt wechseln – Eine Anleitung

Fahrradfahrer klagen oft über ein schwergängiges Rad und wünschen sich ein neues. Eine kleinere Übersetzung im Kurbeltrieb kann hier Abhilfe schaffen, anstatt sofort ein teures Pedelec anzuschaffen.

Mit dem Austausch der Übersetzung eines Rades verändert man dessen Charakter maßgeblich. Ein Rad, mit dem man vorher kaum einen Hügel hinaufkam, lässt sich nach dem Kettenblatt- und/oder Ritzel-Austausch mit weniger Kraft hinauftreten. Allerdings sind auch die Gänge für hohes Tempo herabgestuft.

Grundlagen: Gang, Übersetzung und Entfaltung

Wenn vom Gang die Rede ist, ist meist die Übersetzung von Tretkurbel zum Hinterrad gemeint. Je mehr Zähne die Kette an der Kurbel umläuft, desto schneller/schwerer der Gang - am Hinterrad ist das genau umgekehrt. Bei Nabenschaltungen muss zur Berechnung der Übersetzung noch das interne Übersetzungsverhältnis einbezogen werden.

Die Entfaltung gibt an, wie viele Meter man bei einer Kurbelumdrehung zurücklegt. Dabei spielen die Rad- und Reifengröße eine entscheidende Rolle. Entscheidend ist für die meisten Fahrer der kleinste Gang: Senkt man dessen Entfaltung ab, kann man bergan langsamer und leichter fahren, ohne dass die Trittfrequenz untragbar wird.

Formeln zur Berechnung

  • Übersetzung: Zähne vorderes Kettenblatt / Zähne Ritzel
  • Entfaltung: Übersetzung * Abrollumfang Reifen
  • Übersetzung Nabenschaltung: (Zähne Kettenblatt) / (Zähne Ritzel * interne Übersetzung * Abrollumfang)

Gründe für einen Kettenblatt- oder Ritzel-Tausch

Das Demontieren und Austauschen von Kettenblättern und Ritzeln kann bei unpassenden Übersetzungen nötig werden. Weitaus gängiger ist der Tausch eins zu eins aufgrund von Verschleiß oder auch mal Korrosion. Ein schlecht gewarteter Antrieb am Rad kann gut ein Fünftel der Tretkraft auffressen, rostige und durch Sand stark aufgeraute Teile sogar deutlich mehr.

Ob Ritzel verschlissen sind, sieht man den einzelnen Zähnen an oder spürt es durch eine nicht mehr sauber einzustellende Schaltung oder sogenannten Kettenschlupf, wenn sich beim starken Treten die Kette trotz ausreichender Spannung über die Zähne hinweg hebt und man kurzzeitig ins Leere zu treten glaubt.

Dass ein Ritzel-Tausch sinnvoll ist, erkennt man daran, dass sich die Zähne von ihrer Form her einer Haiflosse annähern. Spätestens wenn das mit bloßem Auge deutlich zu erkennen ist, sollte man das Ritzel oder ganze Kassetten tauschen.

Interessanter Fun Fact: Obwohl die Kettenblätter vorne an der Kurbel statistisch auf gleicher Strecke mehr Umläufe mitmachen als die Ritzel einer 11-fach-Kettenschaltung zum Beispiel, verschleißen sie langsamer. Das liegt sowohl an der Verteilung der Zugkraft auf mehr Zähne und damit weniger Reibung pro Zahn als auch an dem geraderen Lauf der Kette.

Wenn parallel zum Zahnrad die Kette nicht mit getauscht wurde, kann der Antrieb auf den ersten Kilometern etwas rau laufen, da sich die Teile aufeinander einspielen müssen. Hier hilft eine Extraportion Schmiermittel, das zumindest für Technikfans fast schmerzhafte Laufgeräusch deutlich abzumildern.

Anleitung zum Ritzel-Tausch

Ritzel-Tausch bei Nabenschaltungen, Getriebebikes oder Single-Speed-Antrieben

Ist hinten nur ein Zahnrad verbaut, ist es mit einem Gewinde auf die Nabe aufgeschraubt wie eine Überwurfmutter. Damit diese sich beim Rückwärtstreten nicht versehentlich von der Nabe runterschraubt, befindet sich meistens ein Konterring davor, den man erst lösen muss. Achtung: Sein Gewinde ist genau andersrum als das des Ritzels!

Ohne den Konterring kann man das Ritzel gegen die Drehrichtung der Räder abschrauben. Da das aber aufgrund des Zugs der Kette über Tausende von Tritten sehr fest sitzen kann, braucht man hier definitiv gutes Werkzeug.

Bei der Montage des neuen Ritzels genau umgekehrt verfahren, dabei den Steg bzw. die Verbreiterung um das Gewinde zur Nabenseite ausrichten. Tipp: Gewinde leicht fetten. Das Ritzel muss nicht besonders festgezogen werden, das macht schon die Kette beim Fahren. Den Konterring kann man nach 20 Kilometern mal nachziehen.

Kettenschaltungen

Kettenschaltungen setzen heutzutage auf sogenannte "Kassetten": Die Ritzel sind nicht einzeln auf die Nabe aufgeschoben, sondern als Block oder als Block mit mehreren einzelnen Zahnrädern. Man kann z. B. das kleinste Zahnrad entnehmen und dafür ein großes auf der Nabenseite hinzufügen, um bergtauglicher zu werden.

Geöffnet wird der Abschlussring wieder gegen die Drehrichtung des Hinterrades. Da Kettenschaltungen aber über einen Freilauf verfügen, würde sich statt des Rings die komplette Kassette drehen, weshalb man mit einem Tool wie Zange oder Kettenpeitsche gegenhalten muss. Zum Befestigen ist Gegenhalten nicht nötig. Achtung: Besitzt das Rad eine Campagnolo-Schaltgruppe, kann ein anders geformtes Tool für den Lockring nötig sein.

Um die Kassette abzunehmen, kann etwas Kraft nötig sein. Das Profil, auf dem sie saß, ist oft aus Alu, und die Zahnräder fressen sich minimal ins Material hinein.

5 Tipps zum Kauf der richtigen Ersatzteile bei Ritzen und Kettenblatt

Wer selbst für neue Zähne - sprich für neue Ritzel und Kettenblätter - an seinem Rad sorgt, muss vor allem darauf achten, das richtige Ersatzteil zu besorgen, während das eigentliche Schrauben tatsächlich kinderleicht ist.

  • Auch ein Zahnrad an der Kurbel, Kettenblatt genannt, kann verschleißen, obwohl das sehr lange dauert. Befestigt ist es nur mit Inbusschrauben, getauscht wird es eins zu eins. Wichtig: Die vier oder fünf "Arme" der Kurbel ergeben einen Lochkreis, zu dem der des Kettenblatts passen muss.
  • Wer die Kassette tauscht und ein größeres "größtes Ritzel" montieren will, sollte die Kapazität seines Schaltwerks kennen.
  • Thema Qualität: Alle Hersteller bieten Ritzel und Kassetten zu sehr unterschiedlichen Preisen an. Für Vielfahrer lohnt sich hier die zweithöchste oder höchste Qualitätsstufe da sie deutlich langsamer verschleißen. Gelegenheitsfahrer sind mit der Mittelklasse gut beraten.
  • Die Gewinde von Schraubritzeln bei Nabenschaltungen sind zwar genormt; es gibt jedoch einen Typus, der deutlich kleiner ist (BMX-Räder). Bitte auf die Bezeichnung Single Speed oder "für Nabenschaltungen" achten. Tipp: rostfreies Ritzel kaufen.
  • Andere Ritzeldurchmesser bedürfen anderer Kettenlängen.

Anleitung zum Kettenwechsel am Mountainbike

Früher oder später wird es Zeit für eine neue Kette, da sie sich unter Belastung auf Dauer längt. Selbst bei bester Pflege und Schmierung verschleißt die Kette am Fahrrad - insbesondere beim Mountainbiken, wo Dreck und Nässe immer dazu gehören.

Wann sollte die Kette gewechselt werden?

Durch den permanenten Zug auf der Kette in Kombination mit der Reibung zwischen den beweglichen Teilen entsteht mit der Zeit zwischen den Gliedern Spiel, das sich summiert und die Kette insgesamt längt. Die Kette sollte daher im Auge behalten und rechtzeitig getauscht werden, dann kannst Du Dein Kettenblatt und die Kassette länger fahren. Denn ab einer gewissen Längung nutzt die verschlissene Kette die Kassette und das Kettenblatt so stark ab, dass eine neue Kette auf ihnen nicht mehr laufen würde. Ist dies der Fall, müssen auch diese (teureren) Bauteile gewechselt werden.

Um den richtigen Moment zu erwischen, hilft Dir eine Kettenverschleißlehre. Mit ihr kannst Du den Zustand Deiner Kette jederzeit schnell und unkompliziert prüfen. Ein Tausch steht auch an, wenn die Kette beschädigt wurde - beispielsweise beim Aufsetzen des Kettenblatts auf einem Felsen. Ist sie beschädigt, kann sie danach beim Antritt unvermittelt reißen, und das wird gefährlich.

Welche Werkzeuge sind nötig?

Bevor Du Dich an die Arbeit machst, lege die passenden Werkzeuge bereit.

  • Kettenverschleißlehre
  • Kettenverschlussgliedzange (wenn die Kette ein Ketenschloss hat)
  • Kettennieter (um die neue Kette auf die passende Länge zu kürzen)
  • Putzlappen
  • Montageständer (optional)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Nimm die Spannung von der Kette. Schalte hinten auf das kleinste Ritzel. Bei einem SRAM-Schaltwerk kannst Du nun den Schaltwerkskäfig nach vorne drücken und mit dem kleinen Cage Lock-Knopf arretieren, um die Spannung von der Kette zu nehmen. Shimano-Schaltwerke mit dem Zusatz Plus im Namen haben am Drehpunkt des Käfigs ein graues Hebelchen, mit dem Du die Käfigspannung reduzieren kannst, indem Du ihn nach rechts (Beschriftung: off) umlegst.
  2. Öffne die Kette. Hat Deine Kette ein Kettenschloss, dann positioniere es unten, zwischen Kettenblatt und unterem Schalträdchen. Das Kettenschloss kannst Du nun einfach mit einer Kettenverschlussgliedzange öffnen und die Kette aus dem Schaltwerk ausfädeln. Hat Deine Kette kein Kettenschloss, kommt jetzt der Kettennieter zum Einsatz. Mit ihm drückst Du einen beliebigen Bolzen komplett aus dem Kettenglied, so dass Du die Kette an dieser Stelle trennen kannst.
  3. Ermittle die richtige Kettenlänge. Ist der Schaltkäfig fast komplett nach vorne gestreckt, wenn die Kette auf dem größten Ritzel liegt, hast Du die richtige Länge der Kette gefunden. Länge der alten Kette übernehmen:Die einfachste Methode ist, die Länge der alten Kette zu übernehmen. Alternativ kannst Du die Kettenlänge neu ermitteln. Da die technischen Details der Schaltung hierbei eine wichtige Rolle spielen, empfehlen wir, zur Sicherheit die Hinweise des Herstellers zu beachten.
  4. Kette kürzen. Wichtig beim Kürzen der Kette ist, dass die beiden Enden zueinander passen. Bei Verwendung eines Kettenschlosses braucht Deine Kette zwei Enden mit Innenlaschen. Die Röllchen sind dann am Ende. Das Kettenschloss selbst ersetzt die dann fehlende Außenlaschen. Soll die Kette mit einem Kettennietstift vernietet werden, muss ein Ende mit Innenlaschen abschließen und das andere mit Außenlaschen. Die Kette wird mit dem Kettennieter gekürzt. Entsprechend der eben ermittelten Kettenlänge kannst Du damit an der gewünschten Stelle einen Nietstift herausdrücken und dann die überschüssigen Glieder einfach abziehen.
  5. Montage der neuen Kette. Um die neue Kette an Deinem Mountainbike zu montieren, lege sie mit einem Ende auf das kleinste Ritzel der Kassette und fädele sie dann nach unten rechtsherum über das obere Schaltröllchen in den Schaltwerkskäfig ein. Dann geht es linksherum um das untere Schaltröllchen. Nun kannst Du das andere Ende der Kette über das Kettenblatt legen und beide Enden unten zusammenführen. Um das Anbringen eines Kettenschlosses oder das Einsetzen eines Nietstifts zu erleichtern, kannst Du die Kette mit einer Kettenverschleißlehre in Position halten.
  6. Kettenschloss schließen oder Kette vernieten. Ein Kettenschloss bestehen meist aus zwei identischen Hälften. Stecke nun eine Hälfte dem kleinen Bolzen voran in das eine Ende Deiner Kette und die andere Hälfte von der Rückseite in das andere Ende. Anschließend verhakst Du die beiden Hälften miteinander. Achte hierbei darauf, dass beide Laschen sicher in den Nuten der Bolzen sitzen. Wenn Du Dir die Kette von oben anschaust, müssen die Laschen des Kettenschlosses bündig anliegen, wie beim Rest der Kette. Um das Kettenschloss zu schließen, setze die Kettenverschlussgliedzange links und rechts neben dem Kettenschloss an und ziehe es kräftig auseinander. Das Einrasten spürst Du dabei deutlich. Bei Ketten, die vernietet werden, ist immer ein Nietstift zum Verschließen dabei. Nimm die beiden Enden der aufgelegten Kette und führe sie so zusammen, dass Du den Nietstift mit dem spitzen Ende voran durch beide hindurch stecken kannst.

Kettenblatt Verschleiß erkennen

Den Verschließ kannst Du an der Form der Zähne erkennen. Im Bild sind drei Indikatoren für den Verschleiß angegeben.

  1. Durch die voranschreitende Abnutzung der Kettenblätter, werden auch die Grate auf den Zähnen immer größer.
  2. Die Zähne werden oben immer runder.
  3. Beim Treten wird die Kette vom Kettenblatt gezogen, deshalb wird der Zahn dieser Seite mehr abgenutzt.

Kurbel ausbauen

  1. Um Die Kurbel auszubauen, musst Du als Erstes die Klemmschrauben, auf der antriebsabgewandten Seite des Kurbelarms, mit einem 5er Innensechskant lösen.
  2. Jetzt kann, mit dem Kurbelmontage-Werkzeug die Kurbelschraube gelöst werden.
  3. Das Sicherungsblech im Klemmschlitz nicht vergessen.
  4. Jetzt kannst Du den Kurbelarm abnehmen. Pass aber auf, dass der Dichtungsring, der normalerweise mit ein wenig Fett im Kurbelarm sitzt, nicht verloren geht.
  5. Nun kann die Antriebsseite der Kurbel rausgedrückt werden. Falls Du die Kurbel nicht mit der Hand durch das Tretlagergehäuse geschoben bekommst, kannst Du die Achse mit leichten Kunststoffhammer-Schlägen lösen. Danach kannst Du die Achse in Richtung Antriebsseite rauschieben.

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