Seit der Einführung der Deore XT vor 33 Jahren hat sich viel getan. Die Shimano M8000 wird nun die erste XT-Gruppe sein, bei der sich insgesamt 11 Ritzel, mit maximal 42 Zähnen, auf den Freilauf drängeln.
Design und erster Eindruck
Auch optisch hat sich einiges getan. Während die XT im Laufe der Jahre mal verspielt, manchmal vielleicht sogar etwas billig wirkte, steht die aktuellste Version des Dauerbrenners richtig edel da. Mattschwarze Oberflächen und ein klares Design geben dem Fahrer schon beinahe etwas Shimano XTR-Feeling. Dass die XT in der M8000-Ausführung noch ein Stückchen näher an die große Schwester heranrückt, merkt man vor allem am Design der Kurbel. Der Spider, der jetzt als 1-, 2- oder 3-fach Variante erhältlich ist, nimmt deutliche Anleihen bei Shimanos Top-Gruppe.
Technische Neuerungen und Verbesserungen
Auch beim Umwerfer hat sich einiges geändert. Der wird jetzt nicht mehr klassisch von oben, sondern wie bei der XTR, von der Seite angelenkt. Das soll zum einen den Rahmendesignern mehr Freiraum bei der Hinterbau-Konstruktion bieten, zum anderen die Kette noch geschmeidiger und kraftvoller auf die großen Blätter hiefen. Auch die Schalthebel sind optisch mittlerweile kaum mehr von XTR-Hebeln zu unterscheiden. Wie sie sich auf dem Trail anfühlen, wollten wir direkt nach der Präsentation am Gardasee erfahren.
I-Spec II Schelle
Beim Ausrichten der Schalthebel fällt der Blick auf die überarbeitete I-Spec-II-Schelle. Die fällt im Vergleich zur Vorgängerin etwas filigraner aus. Der eigentliche Benefit ist aber der erweiterte Verstellbereich. Öffnet man die Schraube, mit der der Schalt- am Bremshebel fixiert ist, lässt sich der Schalthebel sowohl horizontal als auch vertikal bewegen. Zudem gibt es zwei Positionen zur Befestigung des Schalthebels. Innen oder weiter außen. Damit sollte nun wirklich jeder - egal wie groß und lang die Finger sind - die optimale Position am Lenker finden können.
Fahrtest und Performance
Zur Eingewöhnung erst einmal die komplette Kassette durchschalten. Die Hebel liegen richtig gut am Finger und erinnern optisch stark an die Nobel-Gruppe XTR von Shimano. Ein kleiner Druck am leicht geriffelten, längeren Hebel schiebt die Kette sanft und ohne spürbaren Zeitverlust aufs nächstgrößere Ritzel. Der Gang sitzt.
Schaltvorgänge und Kettenspannung
20 Prozent leichter sollen die Schaltvorgänge mit der neuen Shimano XT ablaufen. Ich würde es als knackig und direkt bezeichnen. Scheinbar konnten die Shimano-Ingenieure den Leerweg beim Schalten nochmals etwas verkürzen. Bereits nach wenigen Millimetern liegt der Zug am Schalthebel an. Leichtgängig und geschmeidig wandert die Kette ohne spürbares Rasseln bis aufs elfte Ritzel. Die größere Überraschung folgt beim Runterschalten: ich drücke den hinteren 2-Way-Release-Hebel, nichts passiert. Erst als ich etwas fester drücke, gibt der Schalthebel mit einem deutlichen Knacken den Schaltzug frei - hörbar und fühlbar. Das kennt man so bisher noch nicht von den übrigen Shimano-Gruppen. Klar definiert, aber mit fast etwas hartem Druckpunkt lasse ich die Kette über die Kassette wandern. Wie bei der Vorgängerin lassen sich auch hier über die Multi-Release-Funktion zwei Gänge auf einmal wechseln, beim Drücken zumindest. Zieht man mit dem Zeigefinger von hinten, gibt der Schalthebel jeweils nur einen Gang frei.
Das Schaltwerk ist wie gehabt mit dem Shadow-Plus-Standard ausgestattet. Hier wurde lediglich die Spannkraft etwas erhöht. Der Schaltkäfig hält die Kette zuverlässig auf Zug. Selbst im Gerumpel auf den Gardasee-Trails schlägt die Kette so kaum an die rechte Kettenstrebe.
Side-Swing-Umwerfer
Eine Neuerung gibt es auch beim Umwerfer: der wird jetzt von der Seite her angelenkt. Der Zug läuft dadurch direkter und weniger umgelenkt zum Umwerfer. Weniger Umlenkungen, weniger Reibung - das soll nicht nur den Kraftaufwand verringern, sondern auch die Zugkraft des Umwerfers erhöhen. 50 Prozent mehr Kraft will Shimano auf diesem Weg aufbringen. Tatsächlich lässt sich die Kette sehr leicht aufs größere Kettenblatt schieben. Allerdings ist der Weg, den der Daumen dabei zurücklegen muss, doch recht lang. Runter geht es flotter: kurz den Hebel antippen, schon fällt die Kette gezielt aufs kleine Blatt, ohne große Verzögerung. Auch am Umwerfer laufen die Schaltvorgänge sehr geschmeidig, schnell und ohne große Verzögerungen ab.
Shimano Deore XT DI2 (M8200) - Kabellose Innovation
Die Rede ist von der neuen, kabellos-elektronischen Schaltgruppe Shimano Deore XT DI2. Kurz nach Vorstellung der Edelgruppe XTR M9200, lässt Shimano auch der DEORE XT M8200 Di2 Komponentenserie diese Schlüsseltechnologien angedeihen und macht das kabellose Schalten auch für Biker*innen mit kleinerem Budget erschwinglich. In diesem Zuge wird auch die gesamte XT-Schaltgruppe runderneuert.
Key-Features der Shimano Deore XT DI2 (M8200):
- Vollständig kabellose Di2-Plattform
- Akku entnehmbar
- Schalthebeltasten frei konfigurierbar
- Schaltwerk für Kollisionen mit Steinen etc. optimiert
- Gedrückthalten erlaubt mehrere Gangwechsel
- Steuerung von Freeshift und Autoshift
- Antrieb Enduro- und XC-Spec verfügbar
- Bremshebel mit neu positioniertem Hebeldrehpunkt
- Neues Nabendesign
Auch die XT bekommt eine komplett kabellose Di2-Schaltungsplattform, die der XTR-Variante stark ähnelt. So soll auch der an diversen Positionen montierbare XT-Hebel klares Betätigungs-Feedback wie bei einer mechanischen Schaltung geben. Zudem wird die Tastenbelegung frei konfigurierbar sein.
Der Gangwechsler
Das Schaltwerksprofil des Schaltwerks Deore XT M8250 ist durch die Integration der Stabilisator-Einheit gegen Kettenschlagen schmaler und soll dadurch weniger Ecken und Kanten, ergo weniger Kontakt mit Steinen und Hindernissen provozieren. Kommt es doch einmal zur Kollision, entkoppelt das Schaltwerk zum Schutz vor Beschädigung den Stellmotor kurzfristig, stellt ihn danach an die ursprüngliche Position zurück. Shimano nennt das Impact Recovery Funktion. Im Gegensatz zum XTR-Schaltwerk besteht der Käfig aus Alu statt Carbon.
Schaltwerksoptionen für Bio-Bikes und E-MTBs sind erhältlich. Bio-Biker*innen erhalten eine Version mit langem oder kurzem Käfig für eine Enduro- oder XC-spezifische Übersetzung samt passender Kassette. Das Schaltwerk fürs E-MTB wird via Kabel vom E-Bike-Akku gespeist und ist für 12- fach und 11-fach-Schaltung erhältlich. Bei allen Schaltwerken soll die Kettenstabilisierung durch eine Doppelfeder-Konstruktion noch effektiver arbeiten.
Breite Kurbel-Auswahl
Auf Seiten des Antriebs sorgt nur eine Kurbelgarnitur mit 24 Millimetern Achsdurchmesser für alle Einsatzbereiche von XC bis Enduro für Vortrieb. Große Auswahl gibt es hingegen bei den Längen. Dem Trend zu kurzen Kurbeln folgend stehen ganze vier Kurbelarmlängen von 160 bis 175 mm zur Auswahl, damit fällt die 180-mm-Variante weg. Die Kettenblätter zeigen 28 bis 36 Zähne.
Komplett überarbeitete Bremsentechnologie
Auch die Bremse erhält XTR-Features: ein Weitenverstellrad erlaubt flotte Anpassung und dank des neu platzierten Hebeldrehpunkts soll sie ein natürlicheres Bremsgefühl bewirken und schneller Druck aufbauen. Letzteres ist einem Mineralöl mit geringerer Viskosität geschuldet, das für einen gleichmäßigeren Ölfluss sorgen soll.
Shimano Schaltgruppen im Vergleich
Klar ist, je teurer eine Schaltgruppe ist, desto besser und leichter ist sie auch. Doch muss es natürlich nicht immer eine XT oder XTR Schaltung sein. Für die/den Durchschnittmountainbiker:rin reicht auch eine Alivio oder Deoreschaltung völlig aus, um sportliche Touren zu machen oder Spaß auf den Trails zu haben. Auch diese Schaltungen haben sich lange bewährt und garantieren lang anhaltenden Fahrspaß. Oftmals kommt in den günstigeren Schaltgruppen die gleiche Technik zum Einsatz, lediglich das Material unterscheidet sich.
Und wie der Name „Gruppe“ schon vermuten lässt: Eine Schaltgruppe besteht meist aus Schaltwerk (hinten), Umwerfer (vorne), Kurbelgarnituren, Kassetten, Kettenblätter, Schalthebeln, Bremshebeln und den dazugehörigen Scheibenbremsen. Manchmal werden vom Hersteller des Fahrrads aber auch Komponenten ausgetauscht, sodass die Teile nicht alle der gleichen Gruppe angehören.
Überblick über Shimano Schaltgruppen:
| Schaltgruppe | Einsatzbereich | Merkmale |
|---|---|---|
| Tourney | Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder | Einfache Schaltung, preisgünstig, robust |
| Altus | Einstiegsklasse | Solide Leistung, erschwinglicher Preis |
| Acera | Gelände-Einsteiger | Erste Erfahrungen im Gelände |
| Alivio | Alltagsfahrten und leichtes Gelände | Reibungslose Schaltvorgänge, stilvolles Design |
| Deore | Gelände und Mountainbike-Touren | Robustheit, Zuverlässigkeit, zeitloses Design |
| SLX | Mountainbike | Langlebig, leicht, präzise, reibungsloses Schaltverhalten |
| Deore XT | Mountainbike | Zuverlässige Schaltleistung, präzise Gangwechsel, robuste Bauweise |
| XTR | Höchste Ansprüche | Schnelle und präzise Schaltung, anspruchsvolle Trails |
Die Baugruppen Shimano Deore LX und XT unterscheiden sich unter anderem in der Verwendung verschiedener Materialien und in der Konsequenz dann auch in der Belastbarkeit, im Gewicht und im Preis.
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