Die Reibflächen der Bremsbeläge sind nur fünf Quadratzentimeter groß, entscheiden aber im Ernstfall über Wohl oder Wehe - wenig, angesichts der extremen thermischen Belastung. Wir wollten wissen, welche Pads die Hitzeschlacht auf dem Trail am besten überstehen.
Anforderungen an MTB-Bremsbeläge
Bissig, fein zu dosieren, standfest und verschleißarm - so mögen wir unsere Bremsbeläge am liebsten. Dazu müssen die kleinen Pads ein ganzes Paket an Eigenschaften mitbringen. Zum Beispiel unglaublich hitzebeständig sein, weil die Reibflächen teils Temperaturen um 500° Celsius ausgesetzt sind. Idealerweise dürfen die Beläge nur wenig Hitze an den Bremssattel übertragen, damit die Bremsleistung nicht abfällt.
Wir wollten wissen, welchem Belag der Mix aus Power, Modulierbarkeit, Standfestigkeit und Verschleißarmut am besten glückt, und haben 14 organische und sieben gesinterte Beläge zum Test eingeladen - jeweils für die aktuelle Generation der beliebten Shimano-Bremsen (Deore, SLX, XT, XTR), wobei wir die Praxis- und Labortests mit mehreren Sätzen XT-Stoppern durchgeführt haben. Unsere Ergebnisse lassen sich aber bedenkenlos auf andere Bremsen übertragen, da die Reibmischungen der Nachrüstbeläge in der Regel identisch sind.
Testbedingungen und -methoden
Ein Bremsbelagtest ist eine enorme Herausforderung für Material und Testfahrer. Um die Beläge bis zur Grenze der Belastbarkeit zu treiben, haben wir eine Teststrecke in der "Bike-Republic" Sölden ausgewählt. Los ging es auf der extrem steilen Schotterstraße von der Bergstation der Giggijoch-Bahn bis nach Hochsölden. 200 Meter fällt die Piste auf dem ersten Kilometer in die Tiefe. Perfekte Bedingungen für einen Standfestigkeitstest.
Tatsächlich überforderten die 20 Prozent Gefälle mit Dauerbremsen mehrere Beläge, sodass deren Bremsleistung rapide abnahm. In der Realität sind MTB-Bremsen eher einem Wechsel aus Ruhephase und Belastung ausgesetzt wie auf dem zweiten Teil der Teststrecke: dem "Traien Trail". Mal rauschten wir auf flowigen Passagen auf Kurven zu, vor denen die Beläge die Bikes abrupt runterbremsen mussten. Danach schlängelten wir uns über verblockte Passagen und Spitzkehrenkombinationen, in denen der Bremsfinger permanent, aber wohldosiert mit dem Hebel arbeitete.
Steilstücke wiederum forderten die Beläge in Sachen Standfestigkeit: Am Ende musste noch genug Bumms da sein, um die folgenden engen Kurven anzubremsen. Benotet haben wir in der Praxis die Dosierbarkeit (20 Prozent der Endnote) und die Standfestigkeit (30 Prozent). Zudem haben wir nach einer stets identischen Anzahl von Fahrten das Verschleißbild (20 Prozent) ausgewertet.
Labortests
Wie bei unseren Bremsentests haben wir die Beläge ins Labor des Technikum Wien geschickt, um bei maximaler Vergleichbarkeit - also stets gleicher Ausgangsleistung der Bremse an sich - die Bremskraft in Newton zu messen: einmal bei trockener Bremse, einmal bei nassem System. Die Bremskraft macht 20 Prozent (trocken) bzw. 10 Prozent (nass) der Endnote aus, wobei wir bei der Trockenkraft unsere Praxiseindrücke mit einfließen ließen.
Übrigens: Unser Test zeigt, dass sich "Weisheiten" über die Belagmischungen nicht immer verallgemeinern lassen. So haben die gesinterten Beläge ihre organischen Pendants in Sachen Standfestigkeit nicht wie erwartet abgehängt. Ebenso wenig haben wir die per se bessere Dosierbarkeit der organischen Beläge stets gespürt.
Shimano XT Bremse im Detail
Die XT Bremse ist wahrscheinlich die Bremse, die in den vergangenen Jahren am meisten an hochwertigen Bikes verbaut wurde. Für das neue Modelljahr wurde sie modifiziert und sie hat neben einer neuen Farbe eine neue Gebereinheit bekommen. Diese wirkt deutlich schlanker, hat eine schmalere Lenkerklemme und Shimano Shifter lassen sich über die I-Spec II Kombi-Klemme am Bremshebel montieren.
Gleich geblieben sind die individuellen Einstellmöglichkeiten. Werkzeuglos kann man die Hebelweite und mit einem Schraubendreher den „Free Stroke“ bzw. Druckpunkt verändern. Die hervorragende Hebelergonomie der neuen Shimano XT Bremse ist mit der ihres Vorgängers identisch. Die Hebelweite lässt sich einfach werkzeuglos einstellen. Bei der Druckpunkteinstellung hingegen konnten wir keinen nennenswerten Unterschied feststellen. Der Druckpunkt ist definiert, aber tendenziell weich und die Leistung lässt sich gut dosieren.
Bei schnell aufeinanderfolgenden Bremsungen wandert der Druckpunkt deutlich. Mit den original verbauten Resin Belägen hat man mit der XT Bremse in den meisten Situationen genug Power, die sich mit einem Finger abrufen lässt. Bei Vollbremsungen ab 60 aufwärts trat starkes Fading auf und die Scheibe schleifte im Anschluss, was sich aber nach wenigen Minuten wieder legte. Beim Dauerbremsen zeigte sich ein ähnliches Bild, die Leistung war konstant hoch und erst im steileren Stück der Teststrecke trat deutliches Fading auf.
Bei den Metall-Beläge war es ähnlich. Während sie im kalten Zustand gefühlt stärker zupackten, ließ die Leistung mit zunehmender Temperatur nach. Die Shimano XT hat über mehrere Jahre bewiesen, dass sie zu den besten Bremsen gehört. Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen. Während es in der Vergangenheit nur wenige Alternativen gab, haben andere auf das Niveau aufgeschlossen.
Shimano XT BR-M8020 Vierkolbenbremse
Shimano präsentierte im Rahmen der Eurobike 2017 die neue Shimano XT Scheibenbremse BR-M8020. Der neue Vierkolbenbremssattel, den der Hersteller von einer bestehenden Vierkolbenbremse übernahm und somit mit bewährter Technik die XT-Familie erweitert, spricht aggressive Trailrider sowie eMTB-Fahrer an, die hohe Bremskraft bei guter Dosierbarkeit suchen.
Während Shimano beim Bremshebel auf den bewährten XT M8000 Bremsgriff setzt, liegt das neue voluminöse Gehäuse des Vierkolbensattels schwer in der Hand und erklärt das Mehrgewicht von ca. 30 g pro Bremssattel zur Shimano BR-M8000 (Bremshebel und Leitung sind die Gleichen). Die Kühlrippen der IceTec Beläge und die Kühlhülse am Ansatz der Bremsleitung, zur besseren Wärmeableitung, veranschaulichen noch mehr, dass größter Wert auf Haltbarkeit und Bremskraft gelegt wurde.
Der kurze, ergonomische Bremshebel liegt gut in der Hand, ist angenehm abgerundet und hat eine werkzeuglose Hebelweiteneinstellung. Die Verstellung des Leerwegs (Druckpunkt) wird über eine Kreuz-Schlitzschraube vorgenommen. Die zweite Generation I-Spec erlaubt es den Schalthebel und Bremsgriff an einer Klemmschelle zu montieren, trotzdem ist eine unabhängige Ausrichtung beider Komponenten möglich. Mechanische Sicherheitsvorkehrungen an allen wichtigen Schrauben und Bolzen, Oberflächenbeschaffenheit und Verarbeitungsqualität hinterlassen einen sehr guten Eindruck, was meine Erwartungen an ein Produkt in dieser Preisklasse erfüllt.
Shimano setzt auch bei der Vierkolbenbremse auf die bewährten Bremsgriffe der XT-Serie. Die Ergonomie der Bremshebel ist hervorragend.
Funktionsweise der Vierkolbenbremse
Das Prinzip einer hydraulischen Vierkolbenbremse ist das gleiche Prinzip wie bei einer herkömmlichen hydraulischen Zweikolbenbremse, wie sie an den meisten Mountainbikes zu finden ist. Dabei wird der Trägerstoff (Mineralöl oder DOT) über eine angelegte Kraft am Bremshebel von dem Geberkolben zum Bremskolben weitergegeben. Je mehr Flüssigkeit vom Geberkolben in das System gedrückt wird, desto weiter werden die Bremskolben hinausgedrängt und der Anpressdruck der Bremsbeläge auf die Scheibe erhöht sich.
Bei einer Vierkolbenbremse drücken, anders als bei der Zweikolbenbremse, je zwei Kolben, mit unterschiedlichem Durchmesser, auf einen Bremsbelag. Das gewährt eine bessere Flächenpressung bei größerer Reibfläche der Bremsbeläge und bewirkt so die höhere Bremskraft. Darüber hinaus kann ein Vierkolbenbremssattel Hitze, die vor allem beim Bremsen auf längeren Abfahrten entsteht, über die größere Fläche des Bremssattels besser abführen. Begünstigt wird das schnelle Abführen von Hitze durch Beläge und Bremsscheibe mit IceTech Technologie und langer Kühlhülse am Ansatz der Bremsleitung.
Shimanos XT Vierkolbenbremse lässt sich fein dosieren und gibt ein gutes Feedback. Schließlich ist die Bremskraft einer Bremse nur nutzbar, wenn sie vom Fahrer dosiert werden kann und nicht unmittelbar zum Blockieren der Reifen führt.
Um maximale Standfestigkeit und Bremspower zu erreichen, empfehle ich am Vorderrad eine 200 mm Bremsscheibe zu montieren. Insbesondere auf langen Abfahrten macht sich die Servo Wave Technologie positiv bemerkbar. Wer maximale Bremspower braucht, der ist mit Shimanos Vierkolbenbremse bestens bedient!
Einbremsen von Bremsbelägen
Beläge und Scheiben müssen sich aneinander gewöhnen. Dabei soll es ruhig heiß hergehen. Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Bei Dauerbremsungen - etwa auf langen Abfahrten - kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen. Darauf sollten beide Partner vorbereitet sein. Sonst kann es sein, dass die Bremse kollabiert.
Drei Phasen des Einbremsens
- Einschleifen: Im Neuzustand oder nach dem Wechsel einer Komponente müssen sich Scheibe und Belag erst geometrisch anpassen. Dazu die Bremse bei langsamer Fahrt drei Mal zirca 30 Sekunden leicht schleifen lassen.
- Reibschicht erzeugen: Auf Belag und Scheibe muss sich eine mikroskopisch dünne Schicht bilden, die durch Materialaustausch von Scheibe und Belag entsteht. Erst auf ihr sind hohe Reib- und gute Verschleißwerte möglich. Beschleunigen Sie auf circa 30 km/h und bremsen Sie dann bis auf Schritt-Tempo ab - und zwar so lange, bis sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöht, ungefähr 30 Mal.
- Heiß bremsen: Sinterbeläge benötigen teilweise hohe Temperaturen, um eine tragfähige Reibschicht zu erzeugen, organische Beläge können ausgasen. Damit das nicht aus heiterem Himmel passiert, bremsen Sie auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln) richtig heiß. Wenn es beißend stinkt, ist das jetzt ausnahmsweise ein gutes Zeichen. Dann gut abkühlen lassen!
Einfluss der Bremsscheibe
Welchen Einfluss hat die Bremsscheibe? Wir haben diese Modelle verglichen.
- Magura Storm HC 180 mm
- Magura Storm SL 180 mm
- Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm
- Shimano XT (SM-RT86) 180 mm
- Sram Centerline 180 mm
- Sram Centerline X 180 mm
Testergebnisse der Bremsbeläge
Brems-Power, Standfestigkeit, Verschleiß: Im Labor mussten sich 18 Paarungen beweisen. Nicht alle überzeugten.
Testmethoden
Von jedem Belagmodell wurden drei Paar auf unserem hauseigenen Bremsenprüfstand getestet - zwei im Verschleißtest und eins zur Ermittlung der Bremskraft sowie der Wärmestandfestigkeit. Jeder Belag wurde auf dieselbe Weise sorgfältig eingebremst, bis die Bremskraft ein konstantes Niveau erreichte. Getestet wurde auf drei Bremsen mit originalen 180-mm-Bremsscheiben. Bewertet wurden die Beläge jeweils nur individuell für das getestete Bremsmodell.
Verschleißtest
Jeder Belag absolvierte 1000 Trockenbremsungen mit circa 315 N Bremskraft (Radumfangskraft) - etwa zwei Sekunden bei 45 km/h. Vor und nach dem Test wurden die Beläge genau vermessen.
Bremsleistung
Über je drei Trocken- und Nassbremsungen wurde die Bremskraft bei 80 N Handkraft gemittelt. Im anschließenden Wärmestandfestigkeitstest wurde die Bremskraft schrittweise bis zur Belastbarkeitsgrenze erhöht. Die Bewertung fasst die Bremskraft und die Wärmestandfestigkeit zusammen.
Testergebnisse im Detail
Testbremse: Magura MT6 mit Storm HC 180 Disc
Besonders Touren-Biker schätzen die Bremskraft und die Zuverlässigkeit der MT6. Die Beläge wurden, wie bei Shimano und Sram auch, auf einer 180er-Scheibe ermittelt.
Kool-Stop D160
- Preis / Infos: 22 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 20,0 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Stahl / organisch
Fazit: Leichtes Fading bei hohen Temperaturen und etwas schwache Nasswertung kosten den D160 auf der Magura Punkte. Aber: Top Verschleiß!
Kool-Stop D160S
- Preis / Infos: 27,50 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 23,0 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Stahl / Sintermetall
Fazit: Höchste Bremskraft bei Nässe und auch bei extremen Temperaturen keine Schwäche. Top! Der D160S schont die Scheibe, kann aber laut werden.
Magura 7.C
- Preis / Infos: 15,90 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 21,1 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Stahl / organisch
Fazit: Starke Bremswerte und bis in höchste Tempraturbereiche sicher. Der relativ hohe Verschleiß drückt auf die Kosten, trotz des günstigen Preises.
Magura 7.P
- Preis / Infos: 19,90 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 20,6 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Stahl / organisch
Fazit: Lange Einbremszeit lohnt sich! Genauso stark, aber besserer Verschleiß als der hauseigene 7.C - bei extremer Hitze jedoch etwas früher an der Grenze.
Swissstop Disc 30
- Preis / Infos: 24,30 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 19,7 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Stahl / organisch
Fazit: Starker, bissiger Belag! Ein zu frühes, leichtes Fading und eine nur durchschnittliche Laufleistung kosten dem Disc30 das Testurteil Sehr gut.
Swissstop Disc 30 E
- Preis / Infos: 19,80 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 20,3 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Stahl / organisch
Fazit: Der zahme E-Bike-Belag war 2014 auf Shimano Verschleißkönig, verliert auf der Magura MT6 aber mehr Material. Temperaturgrenze von 300 °C.
Testbremse: Shimano Deore XT
Shimanos Bremse der oberen Mittelklasse gilt als robust und ist an vielen Bikes verbaut. Doch welche Beläge harmonieren mit ihr am besten?
Reverse Air-Con
- Preis / Infos: 22,90 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 25,7 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Alu + Stahl / organisch
Fazit: Ein guter Systembelag mit separater, gut funktionierender Kühlplatte. Gute Bremskraft. Aber das leichte Initial-Fading kostet Punkte.
Reverse Disc Organic
- Preis / Infos: 13,90 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 18,5 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Stahl / organisch
Fazit: Noch gute Bremskraft, jedoch starkes Fading. Belagverschleiß gerade noch befriedigend. Aber: sehr hoher Verschleiß an der XT-Scheibe!
Shimano G02A
- Preis / Infos: ca. 7 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 9,5 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Aluminium / organisch
Fazit: Sehr niedriger Verschleiß und höchste Bremskraft auf der XT mit Ice-Tech-Scheibe. Leichtes Fading ab 300 °C verhindert die volle Punktzahl.
Shimano J02A
- Preis / Infos: ca. 15 Euro
- Gewicht (Paar, o. Zubehör): 18,5 Gramm
- Träger- / Belagmaterial: Aluminium / organisch
Fazit: Genauso bärenstark und langlebig wie der G02A-Belag. Aber auch der J02A zeigt ab 300 °C ähnliches Initial-Fading wie der Bruder - damit verspielt er ein paar Punkte.
Bremsbelag-Mischungen
Neben den unzähligen Bauformen von Bremsbelägen für die verschiedenen Bremsenmodelle (hier bitte immer nur für Modelle explizit passende Beläge verwenden) gibt es weitere Faktoren, in denen sich Bremsbeläge unterscheiden. Der größte und wichtigste Unterschied hierbei ist die Belagmischung.
- Organische Bremsbeläge: eignen sich an Besten für Bremsscheiben mit kleinen Aussparungen. Durch die weichere Belagmischung schonen sie die Bremsscheibe, verschleißen jedoch auch am schnellsten. Sie gelten als leise und haben gute Kaltreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 380° C).
- Semi-metallische Bremsbeläge: bieten das Beste aus beiden Welten. Überragende Bremskraft, geringerer Verschleiß als organische Beläge, gute Kalt- und Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 500° C). Diese Bremsbeläge eignen sich auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Durch die härtere Belagmischung verschleißen die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen. Je nach Bremssystem neigen diese gelegentlich zum Quietschen.
- Gesinterte Bremsbeläge: haben eine harte Belagmischung und eignen sich somit auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Sie haben sehr gute Heißreibeigenschaften und bieten beste Bremskraft. Der Belagverschleiß ist wesentlich geringerer als bei organischen Belägen, durch die härtere Belagmischung verschleißen allerdings die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen.
- Keramische Bremsbeläge: haben eine sehr harte Belagmischung und somit einen sehr geringen Verschleiß. Sie sind für Bremsscheiben mit großen Aussparungen und den harten Einsatz bei Schlamm und Nässe geeignet. Sie haben überragende Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 650° C). Bei niedrigen Temperaturen geht die Bremskraft jedoch merklich zurück.
Weitere Unterscheidungsmerkmale
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Trägerplatte des Bremsbelags. Bei den meisten Bremsbelägen aus Stahl ausgeführt, gibt es auch Trägerplatten aus Aluminium oder selten auch aus Titan.
Empfehlungen
Du suchst einen Kompromiss aus Bremskraft und Verschleiß oder deine Bremse rubbelt beim Bremsen mit organischen Belägen? Für alle, denen geringer Verschleiß am wichtigsten ist, die die Bremse gerne schleifen lassen und somit viel Hitze erzeugen oder viel in schlammig/nassem Gelände unterwegs sind, haben wir den keramischen Bremsbelag.
Nähere Infos zu den Trickstuff Belägen, die wir wegen Ihrer Leistung und Problemlosigkeit am liebsten und häufigsten verkaufen findest Du nochmal gesondert in unserem Artikel Trickstuff Bremsbeläge Power / Standard.
Fading
"Fading" bezeichnet ein plötzliches Abfallen der Bremskraft durch hohe Temperatur.
- Dies geschieht in der Regel nach dem Loslassen des Bremshebels, da zuvor der hohe Leitungsdruck auch den Siedepunkt der Bremsflüssigkeit stark erhöht.
- Die Bremsbeläge (vor allem bei organischen Belägen) werden so heiß, dass bestimmte nicht ausgehärtete Bestandteile verdampfen. Bis alle flüchtigen Bestandteile komplett ausgegast sind, bleibt der Druckpunkt gewohnt hart, es tritt jedoch kaum eine Bremswirkung ein.
Shimano XT: Stärken und Schwächen
Stärken:
- Dosierbarkeit
- Bremskraft
- Hebelergonomie
Schwächen:
- Hebel mehrmals gebrochen
Tabellarische Zusammenfassung der Testergebnisse
| Bremsbelag | Preis (ca.) | Material | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Kool-Stop D160 | 22 Euro | Stahl / Organisch | Top Verschleiß | Leichtes Fading bei hohen Temperaturen, schwache Nasswertung |
| Kool-Stop D160S | 27,50 Euro | Stahl / Sintermetall | Höchste Bremskraft bei Nässe, keine Schwäche bei extremen Temperaturen | Kann laut werden |
| Magura 7.C | 15,90 Euro | Stahl / Organisch | Starke Bremswerte, sicher bis in höchste Temperaturbereiche | Relativ hoher Verschleiß |
| Magura 7.P | 19,90 Euro | Stahl / Organisch | Gute Bremskraft, besserer Verschleiß als 7.C | Etwas früher an der Grenze bei extremer Hitze |
| Swissstop Disc 30 | 24,30 Euro | Stahl / Organisch | Starker, bissiger Belag | Zu frühes, leichtes Fading, durchschnittliche Laufleistung |
| Swissstop Disc 30 E | 19,80 Euro | Stahl / Organisch | - | Verliert viel Material, Temperaturgrenze von 300 °C |
| Reverse Air-Con | 22,90 Euro | Alu + Stahl / Organisch | Gute Kühlplatte, gute Bremskraft | Leichtes Initial-Fading |
| Reverse Disc Organic | 13,90 Euro | Stahl / Organisch | Gute Bremskraft | Starkes Fading, hoher Verschleiß an der XT-Scheibe |
| Shimano G02A | 7 Euro | Aluminium / Organisch | Sehr niedriger Verschleiß, höchste Bremskraft auf der XT mit Ice-Tech-Scheibe | Leichtes Fading ab 300 °C |
| Shimano J02A | 15 Euro | Aluminium / Organisch | Bärenstark, langlebig | Initial-Fading ab 300 °C |
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