Shimano XT BR-M8000 Bremse im Test: Sorglos-Produkt oder Problemfall?

Die Shimano XT Bremse ist wahrscheinlich die Bremse, die in den vergangenen Jahren am meisten an hochwertigen Bikes verbaut wurde. Im Handel genießen Shimano-Bremsen den Status eines Sorglos-Produktes: Dranschrauben und genießen. Für das neue Modelljahr wurde sie modifiziert und sie hat neben einer neuen Farbe eine neue Gebereinheit bekommen. Diese wirkt deutlich schlanker, hat eine schmalere Lenkerklemme und Shimano Shifter lassen sich über die I-Spec II Kombi-Klemme am Bremshebel montieren.

Technische Details und Spezifikationen

Die Shimano XT BR-M8000 ist eine Zweikolbenbremse mit zweiteiligem Sattel, organischen Belägen und Mineralöl. Die Hebelweite ist werkzeuglos von 49-83 mm verstellbar, der Leerweg von 23-28 mm ist ebenfalls verstellbar. Die Bremsscheibendicke beträgt 1,75 mm. Der Preis für eine Vorderradbremse liegt bei etwa 180 Euro.

Bewertung:

  • Größe/Gewicht: 180 mm/446 g
  • Bremskraft: 4 von 6 Punkten
  • Standfestigkeit: 1 von 6 Punkten
  • Ergonomie: 6 von 6 Punkten
  • Dosierbarkeit: 6 von 6 Punkten

Erster Eindruck und Fahreigenschaften

Auch die neue XT, die für attraktive 180 Euro gehandelt wird, will in diese Kerbe schlagen. Gleich geblieben sind die individuellen Einstellmöglichkeiten. Werkzeuglos kann man die Hebelweite und mit einem Schraubendreher den „Free Stroke“ bzw. Druckpunkt verändern. Die hervorragende Hebelergonomie der neuen Shimano XT Bremse ist mit der ihres Vorgängers identisch. Die Hebelweite lässt sich einfach werkzeuglos einstellen. Bei der Druckpunkteinstellung hingegen konnten wir keinen nennenswerten Unterschied feststellen. Der Druckpunkt ist definiert, aber tendenziell weich und die Leistung lässt sich gut dosieren.

Mit den original verbauten Resin Belägen hat man mit der XT Bremse in den meisten Situationen genug Power, die sich mit einem Finger abrufen lässt. Bei Vollbremsungen ab 60 aufwärts trat starkes Fading auf und die Scheibe schleifte im Anschluss, was sich aber nach wenigen Minuten wieder legte. Beim Dauerbremsen zeigte sich ein ähnliches Bild, die Leistung war konstant hoch und erst im steileren Stück der Teststrecke trat deutliches Fading auf. Bei den Metall-Beläge war es ähnlich. Während sie im kalten Zustand gefühlt stärker zupackten, ließ die Leistung mit zunehmender Temperatur nach.

Probleme und Kritikpunkte

Probleme mit einem permanent wandernden Druckpunkt an Test-Bikes (BIKE 2/16) trüben dieses Bild. Doch eine Druckpunktänderung an unserer Testbremse blieb aus. Ab einem Fahrergewicht von 85 Kilo kann jedoch die Bremsscheibe bei extremer Belastung schmelzen. Das altbekannte Problem: Bei extremer Belastung und einem Fahrergewicht von 85 Kilo oder mehr schmilzt der Alu-Kern der Icetech-Bremsscheibe. Die defekte Scheibe beschädigt anschließend die Beläge.

Bei schnell aufeinanderfolgenden Bremsungen wandert der Druckpunkt deutlich.

Alternativen und Wettbewerb

Die Shimano XT hat über mehrere Jahre bewiesen, dass sie zu den besten Bremsen gehört. Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen. Während es in der Vergangenheit nur wenige Alternativen gab, haben andere auf das Niveau aufgeschlossen.

Im Testfeld hatten wir sowohl Budget-Bremsen, die üblichen Verdächtigen, die sich an den meisten Serien-Bikes finden, als auch echte Boutique-Bremsen, die eurem Kontostand alles abverlangen. Was alle Scheibenbremsen gemeinsam haben? Vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung - also mit einer Flüssigkeit. Das Testfeld bewegt sich preislich zwischen erschwinglichen 240 und stolzen 1.300 €, wobei sich das Gros der Teilnehmer zwischen 400 und 700 € einpendelt.

Bremsbeläge und Bremsscheiben

Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische.

Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll. Das Labor hat gezeigt: Die Sandwich-Struktur der Bremsscheibe ergibt Sinn und die Shimano XTR-Bremsen bleiben am kältesten. Besonders mit Sinter-Belägen wird der Effekt noch verstärkt.

Für unser Enduro-Projekt haben wir die Shimano XT Bremse 2016 mit 203 Millimeter großen Ice-Tech-Scheiben und den Ice-Tech-Belägen gewählt, um maximale Performance zu erreichen.

Labor- und Praxistest

Für unseren umfassenden Bremsentest haben wir alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet. Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail. Für den Trail-Test waren wir mehrere Tage im sonnigen Spanien, um die Bremsen back-to-back auf einer definierten Teststrecke zu fahren. So konnten wir ordentlich Tiefenmeter sammeln, die Bremsen auf Temperatur bringen und einen direkten Vergleich erfahren. Zudem sind wir alle Bremsen auf unseren bekannten Hometrails gefahren und haben unsere jahrelangen Erfahrungen mit einfließen lassen. Denn in Summe haben wir über die letzten Jahre hunderte von Bremsen „erfahren“.

Unseren ausführlichen Labortest haben wir beim Belag-Spezialisten Sinter in Slowenien durchgeführt.

Max. Um die Unterschiede der Bremsen auf unserer auswendig gelernten Teststrecke noch besser erfahren und vor allem aufzeichnen zu können, haben wir jeweils an einem Bike das BrakeAce Telemetrie-Messsystem aus Neuseeland verwendet.

Fazit

Die Shimano XT M8000 scheint ihre zweifelhafte Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben und bietet jetzt eine gute, zuverlässige Performance. Sie ist für Fahrer geeignet, die auf einen harten Druckpunkt und viel Biss stehen.

Die aktuelle BR-M8000 Bremse hat auch in Bezug auf die Bremskraft und Standfestigkeit überzeugt. Die Dosierbarkeit hat sich zudem im Verhältnis zu den mir bekannten Shimano Stoppern von vor 1-2 Jahren spürbar verbessert.

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